Lebensdaten
1821 – 1888
Beruf/Funktion
bayerischer General ; Kriegsminister ; Politiker ; Soldat ; General ; Kämmerer ; Staatsrat
Konfession
katholisch?
Normdaten
GND: 116280328 | OGND | VIAF: 64753996
Namensvarianten
  • Pranckh, Sigmund Freiherr von
  • Pranckh, Sigmund von
  • Pranckh, Siegmund von
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Porträt(nachweise)

Orte

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Zitierweise

Pranckh, Sigmund Freiherr von, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd116280328.html [04.12.2022].

CC0

  • Biographie

    Pranckh: Sigmund Freiherr von P., bairischer General der Infanterie und Kriegsminister, geboren am 5. December 1821 zu Altötting, am 8. Mai 1888 zu München, entstammte einer altadligen Familie aus Steiermark und war der Sohn eines Oberstlieutenants in bairischen Diensten. Er erhielt seine Schulbildung im Cadettencorps, das er 1848 mit der 1. Note verließ, um als Junker im Infanterie-Leibregiment einzutreten. Mit der Beförderung zum Lieutenant wurde er jedoch seinem Wunsche entsprechend zum Ingenieurcorps versetzt und machte dann in dem von dem tüchtigen Oberst Lüder befehligten Geniebataillon eine vortreffliche militärische Schule durch. Seine Vorgesetzten erkannten in ihm einen Officier von hervorragenden Fähigkeiten, und als Lüder Kriegsminister geworden war, wurde P. alsbald (1849) zum Dienst im Kriegsministerium einberufen. Dieser neuen Stellung, in der er sich vortrefflich bewährre, verdankte er eine vielseitige Verwendung und eine ausnehmend rasche Laufbahn. Das Jahr 1863 brachte dem 42jährigen die Beförderung zum Oberst im 3. Infanterieregiment, dessen Commando er 1865 mit dem des Infanterie-Leibregiments vertauschte. Als Commandeur dieses Regiments marschirte er im Kriege 1866 aus und leistete Hervorragendes im Gefecht bei Kissingen. Dieser Krieg hatte offen dargethan, daß die bairischen Heereseinrichtungen den Forderungen der Zeit nicht mehr entsprachen, und als es sich darum handelte, wer die Neuorganisation der Armee vornehmen könnte, fiel die Wahl König Ludwig's II. unter Nichtberücksichtigung sämmtlicher bairischen Generale auf den Oberst Freiherrn v. P. Er wurde von der mobilen Armee abberufen und als Generalmajor zum Kriegsminister ernannt. Damit war er vor eine Aufgabe gestellt, die ein außerordentliches Maaß von Umsicht und Thatkraft, von Vaterlandsliebe und staatsmännischem Takt erforderte. Trotz des Widerstandes der Mehrheit in der Abgeordnetenkammer setzte er durch, daß eine auf ausnahmsloser allgemeiner Wehrpflicht beruhende Wehrverfassung, die auch die gebildeten und vermögenden Bevölkerungsklassen zum Waffendienste heranzog, zur Einführung kam. Zugleich erfolgten eine Reihe zeitgemäßer Neuerungen insbesondere in Bezug auf Hebung der wissenschaftlichen Bildung der Officiere und die taktische Ausbildung der Truppen, die durch regelmäßige Abhaltung von Uebungen in gemischten Verbänden gefördert wurde; durch die Einführung von Rückladegewehren, Ersatz der noch vorhandenen glatten Geschütze durch gezogene und ausgedehnte Vornahme von|Schießübungen erhielt die Leistungsfähigkeit der Truppen eine wesentliche Steigerung, während deren Schlagfertigkeit durch Annahme des bewährten preußischen Verfahrens hinsichtlich der alljährlichen Regelung der Mobilmachung sehr bedeutend gehoben wurde. So machte P. es möglich, daß Baiern im J. 1870 rechtzeitig mit zwei vollzähligen und kriegsmäßig ausgebildeten Armeecorps bereit stand. Er trug damals auch viel dazu bei, daß der Kriegsfall gegen Frankreich bairischerseits als gegeben erachtet wurde, und ebenso gebührt ihm an der raschen Mobilmachung des Heeres und an dessen Erfolgen im Kriege gegen Frankreich ein Hauptverdienst. Zum Abschluß der Versailler Verträge in das große Hauptquartier der deutschen Armee beordert, hat er mitgeholfen, die Grundlagen für das neue Deutsche Reich zu schaffen. Er wurde gleich den commandirenden Generalen mit einer Ehrendotation aus französischen Kriegsentschädigungsgeldern belohnt. Nach dem Kriege arbeitete P. mit aller Kraft an der Wiederinstandsetzung des Heeres und an den zur Ausführung der Versailler Verträge erforderlichen weiteren Neuerungen, nicht ohne abermals mannichfachen Widerstand bei der Volksvertretung zu finden, deren allzu conservativer Sinn sich mitunter vom Hergebrachten nicht trennen wollte. Im J. 1875 auf Nachsuchen seines Amtes als Kriegsminister enthoben, erhielt er im Jahre nachher die Ehrenstelle eines Generalcapitäns der Leibgarde der Hartschiere, die er bis zu seinem Tode bekleidete.

    In seinem ganzen Wesen ruhig und ernst, einfach und bedürfnißlos, kurz in der Rede, ein vornehmer, offener und thatkräftiger Charakter, unerschütterlich gerecht und wenn nöthig streng, gehört P. zu den bedeutenden Männern der großen Zeit, in der das neue Deutsche Reich erstanden ist.

    • Literatur

      Erhard, Reichsfreiherr Sigmund von Pranckh. München 1890. — Königliches Kriegsarchiv in München.

  • Autor/in

    v. Landmann.
  • Zitierweise

    Landmann, Karl Johann Casimir von, "Pranckh, Sigmund Freiherr von" in: Allgemeine Deutsche Biographie 53 (1907), S. 105-106 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116280328.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA