• Genealogie

    Aus weitverzweigter Nürnberger Instrumentenmacherfamilie;
    V Heinr. ( 1691), Wildruf- u. Horndreher, Instrumentenmacher, S des Andreas, Organist u. Instrumentenmacher in Kulmbach;
    M Marg. Cath. Sauerbrü ( 1671);
    1) 1680 Sabine Götz ( 1702), 2) 1703 Maria Jac. Oeder;
    2 S, Jacob (1681–1735), Stadtmusikus u. Flötenmacher, Joh. David (1691–1764), 5 T aus 1), 2 T aus 2).

  • Leben

    Die von dem Vater in Nürnberg nach 1663 gegründete Werkstatt für Blasinstrumentenbau befand sich seit 1676 im eigenen Hause in der Dörrersgasse. Sie wurde später von D., der bei seinem Vater das Handwerk erlernt hatte, weitergeführt und vererbte sich nach seinem Tode auf die Söhne, die gleichfalls in diesem Gewerbe erfolgreich tätig waren. D., zunächst wie sein Vater nur als Wildruf- und Horndreher tätig, erwarb 1697 das Meisterrecht für Holzblasinstrumentenbau, in dem er es sehr schnell zu hohem Ansehen brachte. Seine Instrumente, darunter Blockflöten, Oboen, Dulziane, Rackette, Fagotte, Pommern etc., waren in ihrer Zeit sehr gefragt. D.s historisches Ansehen gründet in seiner Erstkonstruktion der Klarinette im Anfang des 18. Jahrhunderts. Den mit 2 Klappen versehenen Instrumenten fehlte noch der tiefe Ton e, während der entsprechende Überblaseton h mit Hilfe des C-Griffes unter Labialkorrektur gewonnen wurde. Daß D.s Söhne schon um 1720 (K. Sachs, Reallexikon der Musikinstrumente, 1913 und Handbuch der Musikinstrumentenkunde, 1920) die 3klappige Klarinette konstruiert haben sollen, ist wenig wahrscheinlich, da noch in den Klarinettenkonzerten Franz Xaver Pokornys (1765) und den Angaben der Diderotschon Enzyklopädie (1767) das e vermieden wird.

  • Literatur

    ADB V;
    J. G. Doppelmayr. Nachr. v. d. Nürnberger Mathematicis u. Künstlern, Nürnberg 1730;
    J. G. Walther, Musical. Lex., Dresden 1732;
    J. F. B. C. Majer, Museum musicum, Schwäb. Hall 1732 (Faks. Neudr. 1954, hrsg. v. H. Becker);
    J. Ph. Eisel, Musicus autodidactus, Erfurt 1738;
    G. Kinsky, Vom Erfinder d. Klarinette, in: Dt. Militär-Musiker-Ztg., 54. Jg., Nr. 16, 1932;
    H. Neuberger, J. Chr. D., der Schöpfer d. Klarinette, in: Zs. f. Instrumentenbau 52, 1931/32;
    F. G. Rendall, The|Clarinet, London 1954;
    H. Becker, Zur Gesch. d. Klarinette im 18. Jh., in: Die MusikF 8, 1955, S. 271 ff.;
    K. Reinhard, in: MGG III, Sp. 192-95.

  • Autor/in

    Heinz Becker
  • Empfohlene Zitierweise

    Becker, Heinz, "Denner, Johann Christoph" in: Neue Deutsche Biographie 3 (1957), S. 602 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd129463825.html#ndbcontent

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  • Leben

    Denner: Johann Christoph D., berühmter Blasinstrumentenmacher zu Nürnberg, Erfinder der Clarinette, geb. 13. Aug. 1655 zu Leipzig, wo sein Vater als Horndreher, Wildrufmacher und geschickter Verfertiger von Traversflöten sich aufhielt. Als er kaum acht Jahre alt war, siedelte sein Vater mit ihm nach Nürnberg über und nahm ihn in die Lehre; doch veranlaßten ihn seine Liebe und Anlage zur Musik, in welcher er ohne fremde Anleitung ziemliche Fertigkeit erlangte, ganz auf die Blasinstrumentenmacherei sich zu legen. Er war nicht allein ein fleißiger und strebsamer, sondern auch ein begabter Mann, der auf Verbesserungen und Erfindungen in seinem Fache eifrig bedacht war. So gab er der Flöte eine reinere Stimmung und Temperatur, als sie bis dahin gehabt hatte, in Folge dessen seine Flöten weit und breit begehrt waren. Ebenso verbesserte er die Intonation und den Klang der Oboe. Das Rackett, ein altes zur Gattung der Schalmeien gehörendes Baßinstrument. nahm er wieder auf und suchte ihm eine vollkommnere Einrichtung zu geben. Dieses Instrument, welches Prätorius, Syntagma II, 39 beschreibt, war wegen seines geringen Umfanges, starken Windverbrauches, schweren Ansprache und anderer Uebelstände nie viel im Gebrauche gewesen, wiewol es bei der Kleinheit seines Corpus sich bequem handhaben ließ. Aber auch in der durch D., unter dem Namen Rackettfagott oder Stockfagott, ihm verliehenen vollkommneren Gestalt scheint es keine große Verbreitung gefunden zu haben. Denner's wichtigste Erfindung, durch welche sein Name heute noch unter uns fortlebt, ist die Clarinette (1696), wiewol sie anfangs von ihrer gegenwärtigen Vollkommenheit, zu welcher sie erst nach verschiedenen Verbesserungen u. a. durch Theodor Böhm und Iwan Müller gelangte, noch weit entfernt war; sie hatte nur 7 offene und 2 durch Klappen gedeckte Tonlöcher. Auch verbreitete sie sich nur langsam, und in die Opern- und Concertorchester drang sie erst seit etwa 1760. D. 20. April 1707 und hinterließ zwei Söhne, welche ebenfalls durch Fleiß und Geschick ihrem Namen Ehre machten.

  • Autor/in

    v. Dommer.
  • Empfohlene Zitierweise

    Dommer, Arrey von, "Denner, Johann Christoph" in: Allgemeine Deutsche Biographie 5 (1877), S. 57 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd129463825.html#adbcontent

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