Lebensdaten
1891 bis 1982
Geburtsort
Lichte (Thüringen)
Sterbeort
Princeton (New Jersey, USA)
Beruf/Funktion
evangelischer Theologe
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 116189614 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Piper, Otto Alfred
  • Piper, Otto
  • Piper, Otto Alfred
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Orte

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Zitierweise

Piper, Otto, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd116189614.html [16.09.2019].

CC0

  • Genealogie

    V Moritz, Apotheker;
    M Julie Naveau;
    1) Elisabeth A. Salinger ( 1948), 2) Elisabeth J. Rueger;
    2 S, 1 T.

  • Leben

    P. studierte ev. Theologie in Jena, Marburg und Paris. 1914 legte er das erste und nach freiwilligem Militärdienst 1918 das zweite theol. Examen ab. 1920 wurde er mit einer Studie zu Schleiermachers Reden bei Carl Stange in Göttingen zum Licentiaten promoviert und für Systematische Theologie habilitiert. 1929 erhielt er hier eine Stelle als ao. Professor, 1930 übernahm er Karl Barths Lehrstuhl für Systematische Theologie in Münster. Dank enger Frankreich-Kontakte und diverser Studien über den franz. Protestantismus verlieh ihm die Pariser Faculté libre 1930 den theol. Ehrendoktor – die einzige Ehrenpromotion eines Deutschen durch eine franz. Institution in der Zwischenkriegszeit. Aufgrund des „Gesetzes zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums“ wurde P. – aktives Mitglied der USPD seit 1919 und der SPD seit 1922 – im September 1933 entlassen. Er emigrierte über England in die USA und lehrte als Gastprofessor in Princeton. Nach dem Erwerb der US-Staatsbürgerschaft wurde er hier 1941 auf den Lehrstuhl für Neutestamentliche Literaturgeschichte und Exegese berufen, den er bis 1962 innehatte. Danach lehrte P. an diversen Lutheran Colleges.

    Als studentischer Aktivist der Jugendbewegung unter der pluralistischen Kultur leidend, wollte P. durch Religion substantielle Gemeinschaft und sinnerfülltes Leben wiedergewinnen. Nach den Traumata des Krieges, den er 1914/15 als Chance zur kommunitären Überwindung des Individualismus begrüßt hatte, kämpfte er in ökumenischen|Gremien für eine deutsch-franz. Aussöhnung. Im Weimarer Kreis und im Ev. Sozialen Kongreß unterstützte er die Weimarer Demokratie. In den USA setzte er sich als Vizepräsident des American relief for Central Europe und 1946-66 als Präsident des Emergency Committee for German Protestantism für den Wiederaufbau Deutschlands und die Sozialarbeit der ev. Kirche ein.

    P. entwarf seine Theologie als kritischen Neurealismus, der die Reduktionismen moderner Subjektivitätstheorien zugunsten eines ontischen Vorrangs der vieldimensionalen Wirklichkeit vor dem erkennenden Subjekt überwindet. Als Ethiker vertrat er eine kritische Zwei-Reiche-Lehre, die gegen die neuen politischen Religionen der christologisch fundierten Relativität alles Irdischen Geltung verschaffte. Zugleich betonte er die Sündhaftigkeit des Menschen. Der radikal formulierte eschatologische Vorbehalt führte dazu, das spezifisch Protestantische als bleibende Distanz zu allem Weltlichen zu fassen und so die Differenzen politischer Ordnungen zu nivellieren. Der Vordenker der Demokratie konnte auch für die nachliberalen politischen Vergemeinschaftungsformen Sympathie bekunden, weil er alles Politische sub specie Dei als vorläufig ansah. In England schrieb P. die erste Gesamtdarstellung der Denkrevolution in der prot. Theologie nach 1918/19. In den USA entwickelte er seine traditionalistische Sexualethik fort, konzentrierte sich neben sozialethischen Forschungen aber vorrangig auf die christologisch zentrierte Exegese des Neuen Testaments. Theologiegeschichtliche Bedeutung gewann P. vor allem durch seine Beiträge zur theol. Neuorientierung der 20er Jahre.

  • Werke

    u. a. Das religiöse Erlebnis, Eine krit. Analyse d. Schleiermacherschen Reden üb. d. Rel., 1920;
    Weltl. Christentum, Eine Unters. üb. Wesen u. Bedeutung d. außerkirchl. Frömmigkeit d. Gegenwart, 1924;
    Theol. u. Reine Lehre, Eine Dogmat. Grundlegung v. Wesen u. Aufgabe prot. Theol., 1926;
    Die Grundlagen der ev. Ethik, I u. II, 1928/30;
    Gottes Wahrheit u. d. Wahrheit d. Kirche, Btrr. z. systemat. Theol., 1933;
    Recent Developments in German Protestantism, 1934;
    Sinn u. Geheimnis d. Geschlechter, 1935;
    Current Trends in Continental Theology, 1938;
    God in Hist., 1939;
    The Christian Interpretation of Sex, 1941;
    Die Geschlechter, Ihr Sinn u. Geheimnis in bibl. Sicht, 1953.

  • Literatur

    Current Issues in New Testament Interpretation, Essays in honor of O. A. P., hg. v. W. Klassen u. G. F. Snyder, 1962 (S. 247-60 unvollst. Bibliogr., P);
    W. M. Heidemann, „immer Fühlung mit allen Teilen d. Kirche“, Der münstersche Theol.prof. O. A. P. auf d. Weg in d. Emigration, in: Jb. f. westfäl. KGesch. 80, 1987, S. 105-51;
    F. W. Graf, Luth. Neurealismus, O. P. – e. früher Pazifist, in: Luth. Mhh. 8, 1988, S. 357-61;
    BBKL;
    BdHE II.

  • Autor/in

    Friedrich Wilhelm Graf
  • Empfohlene Zitierweise

    Graf, Friedrich Wilhelm, "Piper, Otto" in: Neue Deutsche Biographie 20 (2001), S. 464 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116189614.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA