Lebensdaten
1763 bis 1816
Geburtsort
Wien
Sterbeort
Wien
Beruf/Funktion
Dichter ; Schauspieler
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 133328260 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Perinet, Joachim
  • Perinet, J.
  • Perinet, Maria Joachimus Joannes Baptista Petrus Alcantra Ferdinandus Felicianus
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Zitierweise

Perinet, Joachim, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd133328260.html [24.06.2019].

CC0

  • Genealogie

    V Joachim Benedikt, Großhändler in W.;
    M Anna N. N. ( 1786);
    1) Wien 1787 Anna Gansc|(1769-98), Schausp., Dichterin, 2) Wien 1803 Victoria Wammy, Schausp.

  • Leben

    Nach dem Besuch der Mittelschule übernahm P. zusammen mit Franz Karl Gewey (1764–1819) 1782 das Theater am Neustift, wo er wie auch am Liebhabertheater des Taubstummeninstituts und seit 1785 am Theater in der Josefstadt als unbezahlter Schauspieler agierte. Durch die Verschwendung seines Erbes mittellos geworden, nahm er hier 1790 eine Beschäftigung als Theaterschriftsteller, 1791 zudem als Schauspieler an. 1798 wechselte P. zum Freihaustheater Emanuel Schikaneders (1751–1812) auf der Wieden. Um seine dauernde materielle Notlage zu beheben, kehrte er 1803 an das Josefstädter Theater zurück, wo er mit Ausnahme eines kurzen Engagements an Schikaneders Theater in Brünn (1806/07) blieb.

    Als Schauspieler konnte P. keine größere Anerkennung finden. Von der Kritik dagegen beachtet wurden seine Gedichte, die Kurzprosa und die Gelegenheitsschriften seiner frühen Zeit. In öffentlichkeitswirksamen Broschüren wie „Ärgernisse“ (1786) oder „Annehmlichkeiten“ (1787) zeigte sich P. ebenso wie in seinen satirischen Dichtungen (Sendschreiben e. span. Esels an seine Verwandten in Dtld., 1786; Der Bauer Hanns Michel am Jahrestage d. Aufgebothes 1799 den 17. April, 1799) als patriotischer Autor des Josefinismus. Kulturgeschichtlich interessant sind drei Gelegenheitsgedichte P.s über Mozart und Schikaneder (1801/02), in denen die Resonanz der Uraufführung von Mozarts „Zauberflöte“ vor dem Hintergrund des Wiener Theaterlebens geschildert wird. Um seinen Unterhalt zu sichern, verlagerte P. seine literarische Produktion seit den 1790er Jahren auf Volkskomödien, die er als Kasperliaden, Singspiele, Kostümstücke, Travestien und komische Opern gestaltete. Häufig kolportierte er dabei ältere Vorlagen, v. a. jene Philipp Hafners (1731–64). Beim zeitgenössischen Publikum sehr beliebt, wurde P. von der Kritik verhöhnt. Sein über 100 Stücke zählendes Werk steht heute als Beispiel für die Wiener Volkskomödie, die sich im Gegensatz zum Hoftheater durch ihre Orientierung am Geschmack des einfachen Publikums, durch die Einflechtung musikalischer Elemente und durch das Nachspielen literarischer Vorlagen auszeichnet.|

  • Auszeichnungen

    2 Gassen wurden in Wien (2. u. 20. Bez.) nach ihm benannt.

  • Werke

    Wir lieben unsern Kaiser, Eine kl. Patriotenschr., 1787;
    Kaspars Zögling oder Der Sieg d. Bescheidenheit auf d. Insel d. Vergnügens, 1791;
    Mozart u. Schikaneder, Ein theatral. Gespräch üb. d. Aufführung d. Zauberflöte im Stadttheater, 1801;
    Theatral. Gespräch zw. Mozart u. Schikaneder üb. d. Verkauf d. Theaters, 1802;
    Jupiter, Mozart u. Schikaneder, Nach d. ersten Vorstellung d. Zauberflöte im neuen Theater an d. Wien, 1802;
    Der weyland Casperl aus d. Leopoldstadt im Reiche der Todten, 2 Bde., 1806 (neu hg. v. G. Gugitz, 1920);
    Pumphia u. Kulikan, Eine Karikatur-Oper, 1808;
    Briefe d. Tulbinger Resel an ihren Herrn Vetter den jungen Eipeldauer als Gegenstück zu d. Eipeldauerbriefen, 1808/09;
    Der Unterthanen Glück ist auch d. Glück der Fürsten, 1816.

  • Literatur

    ADB 25;
    G. Gugitz, in: Jb. d. Grillparzer-Ges. 14, 1904, S. 170-223;
    ders., J. P.s Broschüren u. Gedichte, in: Zs. f. Bücherfreunde 9, 1905/06, S. 154-69 (Bibliogr.);
    K. L. Janetschek, J. P, Diss. Wien 1924 (ungedr.);
    H. Hackl, Die Komödien Hafners in d. Bearb. v. J. P., Diss. Wien 1925 (ungedr.);
    R. Urbach, Die Wiener Komödie u. ihr Publikum, 1973;
    H. Zeman, Die Alt-Wiener Volkskomödie d. 18. u. frühen 19. Jh., in: ders. (Hg.), Die österr. Lit. (1050–1750), 1986, S. 1299-1394;
    K. Brooke. Kaspar d. Fagottist, in: German Life and Letters 15, 1961;
    Wurzbach;
    Goedeke;
    Meusel-Hamberger;
    Albrecht-Dahlke;
    ÖBL;
    Killy;
    Kosch, Lit.-Lex.3;
    Hist. Lex. Wien.

  • Autor/in

    Stefan Jordan
  • Empfohlene Zitierweise

    Jordan, Stefan, "Perinet, Joachim" in: Neue Deutsche Biographie 20 (2001), S. 186 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd133328260.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Perinet: Joachim P. wurde am 20. October 1765 zu Wien als der Sohn eines Kaufmanns geboren, erhielt eine höchst mangelhafte Erziehung und wuchs, meist sich selber überlassen, roh und unwissend auf. Die ihm von der Natur verliehenen reichen Gaben scharfer Beobachtung und schlagfertigen Witzes bildete er leider in Kneipen und Schenken und in Gesellschaft ihm gleichgesinnter Kameraden aus. Mit besonderer Vorliebe verfaßte er Gedichte, kleinere prosaische und komische Aufsätze zum Vortrage und betheiligte sich als Mitwirkender an den in jener Zeit so zahlreichen Haus- und Liebhabertheatern, ja mit 19 Jahren übernahm er in Gemeinschaft mit Ahlen und Gewey das Theater am Neustift „Zum Fasan“, wo sie mit mehreren Dilettanten „unentgeltliche“ Vorstellungen gaben. Das war Perinet's dramatische Vorschule. Später kam er an das privilegirte Theater in der Leopoldstadt und danach an jenes im Freihaufe auf der Wieden, wo er überall Beifall fand und das Repertoire mit seinen Originalschnurren oder Bearbeitungen französischer Stücke bereicherte. Der Tod seines Vaters setzte P. in den Besitz eines Vermögens von sechstausend Gulden; aber schon nach sechs Wochen war es bis auf den letzten Pfennig vergeudet und er wie früher ein Bettler, der nun wieder Wien mit seinen poetischen Bettelbriefen überschwemmte. Im J. 1789 kehrte er als Schauspieler und Theaterdichter zur Leopoldstädter Bühne zurück, nahm 1798 ein Engagement bei der Schikaneder'schen Truppe an und folgte 1803 dem Rufe Henslers, der nach Marinelli's Tode das Leopoldstädter Theater gepachtet hatte. An dieser Bühne blieb er nun, mit Ausnahme eines Semesters im J. 1807, wo er in Brunn spielte, bis zu seinem Tode, der am 4. Februar 1816 erfolgte. — Als Schauspieler war P. von untergeordneter Bedeutung; obgleich in manchen komischen Rollen beim Publicum sehr beliebt, war er doch eintönig, ohne Gestaltungskraft und, wie im Leben, so auch auf der Bühne, gemein. Glücklicher war er in seinen dramatischen Arbeiten, in welchen er den damals eben nicht sehr geläuterten Geschmack des Publicums zu treffen verstand. Dazu gehören: „Der Eremit auf Formentera", Schauspiel in 3 Akten" (1790); „Der Page, Lustspiel in 3 Akten“ (1792); „Die zwei Savoyarden, Singspiel in 1 Akt“ (1792); „Die Schwestern von Prag, Singspiel in 2 Akten" (1795); „Das lustige Beilager, Singspiel in 2 Akten" (1797); „Der Fagottist oder die Zauberzither. Singspiel in 4 Akten" (1792); „Vittoria Ravelli, der weibliche Rinaldo, Schauspiel" (1808); „Das Neusonntagskind, Singspiel in 2 Akten" (1806); „Die neue Semiramis, travestirte Oper in 2 Akten" (1806); „Die neue Alceste, Oper" (1806); „Hamlet, Carricatur mit Gesang in 3 Akten" (1807); „Idas und Margissa, Oper in 3 Akten" (1808); „Pumphia und Kulikan, Oper in 2 Akten" (1808); „Der Feldtrompeter, oder Wurst wider Wurst, Singspiel in 1 Akt" (1808); „August und Gustavine, Schauspiel in 3 Akten" (1805); „Kora, die Sonnenjungfrau, Oper in 3 Akten" (1815); „Megära, die fürchterliche Hexe, Zauberoper in 3 Akten“ (1816); „Die Belagerung von Ypsilon, oder Evakathel und Schnudi, Singspiel in 2 Akten“ (1804) u. v. a. Zu mehreren der Singspiele hatten ihm die Stücke des Wiener Possendichters Philipp Hafner (s. A. D. B. X, 323) als Vorlage gedient. Auch ein Bändchen „Sinngedichte“ (1788) und verschiedene andere, für die Litteratur aber nicht bedeutsame Schriften veröffentlichte P. Viele seiner Lieder in seinen Singspielen, die von Wenzel Müller componirt wurden, haben ihre Volksthümlichkeit bis auf den heutigen Tag bewahrt. Hoffmann v. Fallersleben führt als solche z. B. auf: „Was ist des Lebens höchste Lust? Die Liebe und der Wein." — „Der Lenz belebet die Natur, die Schöpfung wird uns neu." — „Die Mädchen, die Lieb' und der Wein begeistern den Menschen allein." — „Ich bin der Schneider Kakadu." — „Wenn blühende Dirnen ins Auge mir sehen, so ist es geschwind um ihr Herzchen geschehen.“ — „Wer niemals einen Rausch gehabt, der ist kein braver Mann.“

    • Literatur

      Wurzbach, Biographisches Lexikon, 22. Bd., S. 20.

  • Autor/in

    Franz Brümmer.
  • Empfohlene Zitierweise

    Brümmer, Franz, "Perinet, Joachim" in: Allgemeine Deutsche Biographie 25 (1887), S. 376-377 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd133328260.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA