Lebensdaten
unbekannt
Beruf/Funktion
Patrizierfamilie in Radolfszell und Nürnberg
Konfession
katholisch,lutherisch
Normdaten
GND: 118592564 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Peller
  • Peller, von (seit 1585)
  • Peller von Schoppershof
  • mehr

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Zitierweise

Peller von Schoppershof, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118592564.html [30.05.2020].

CC0

  • Leben

    Die P. stammen wahrscheinlich aus der Schweiz und können seit dem 13. Jh. in Radolfzell/Bodensee nachgewiesen werden. Sie bekleideten dort mehrfach Amtspositionen als Ratsherren und Bürgermeister. Sichere Aussagen über die Generationen vor 1500 sind schwierig, da keine genealogisch eindeutigen Quellen vorliegen. So bleibt auch die Filiation zu dem im 12./13. Jh. in Günzburg als Abt wirkenden Ulricus Peller Spekulation. Um die Ebenbürtigkeit mit dem Nürnberger Patriziat „belegen“ zu können, griff man im 17. Jh. solche spekulativen Filiationen gerne auf. Sicher ist, daß neben der Nürnberger Linie Martins (1559–1629, s. u.) im 16. Jh. zwei auf dessen Brüder zurückgehende Linien in Radolfzell existierten. Die des ältesten Bruders Konrad (vermutl. um 1580) starb in der nächsten Generation aus, die Nachkommen Balthasars II. ( 1623) sind bis ins 18. Jh. belegt (P. v. Ehrenberg). Balthasar II. war 1602-23 Bürgermeister in Radolfzell und zudem 1602-05 Vogt zu Hohenfriedingen im Hegau. Seine Nachkommen sind ebenfalls hauptsächlich im Verwaltungsdienst Vorderösterreichs zu finden, z. B. Hans Caspar als österr. Statthalter in Radolfzell, Hans Joachim als Landwaibel der Landvogtei Schwaben, Johann Zacharias ( 1695) als Stadtamtmann von Feldkirch oder Gabriel als 1619 in Freiburg (Br.) promovierter Jurist.

    Der Begründer der Nürnberger Linie der P. und ihres Reichtums war Martin. 1585 erhob Ks. Rudolf II. ihn, seinen Bruder Balthasar II. und seinen Vetter Konrad in den erblichen Adelsstand und verlieh ihnen ein Wappen. Obwohl mehrfach mit dem Nürnberger Patriziat verschwägert – Martins Sohn Christoph I. (1607–81) heiratete 1633 Maria Magdalena Tetzel, dessen Sohn Gottfried I. (1654–96) 1685 Maria Clara Kreß, und Gottfrieds I. Sohn Christoph Jacob I. (1686–1765) Helena Jacobina Derrer – wurden die Nürnberger P. erst 1730 gerichtsfähig. Dank langjähriger Bemühungen des Zoll- und Waagamtmanns Christoph Gottfried III. (1723–95), Sohn von Christoph Jacob II., wurde die Familie 1788 in das Patriziat aufgenommen, konnte aber kein Mitglied mehr in den Inneren Rat entsenden. 1813 erfolgte die Eintragung in die bayer. Adelsmatrikel.

    Im 17. und 18. Jh. teilten sich die Nürnberger P. in mehrere Linien, von denen im 19. Jh. nur noch die vom zweiten Sohn Martins, Christoph I. abstammende, sich nach Kastenreuth (Gde. Weitersdorf, Lkr. Fürth) nennende Linie übrigblieb. Im 17. Jh. besetzten die P. mit Christoph I. und seinem Sohn Jobst Christoph (1638–1709) das Amt des Vordersten Marktvorstehers und standen somit an der Spitze der Nürnberger Kaufmannschaft. Seit dem ausgehenden 17. Jh. trat das Jurastudium an die Stelle der Kaufmannsausbildung, der Dienst für Nürnberg an die Stelle früherer Handelsgeschäfte. Der bedeutendste unter diesen Juristen war Christoph II. (1630–1711), Sohn des Tobias (1599–1650) und der Maria Magdalena Schmidmayer von Schwarzenbruck, Rechtsgelehrter, Assessor des Nürnberger Appellations- und Bancogerichts, Rat mehrerer Reichsstände, Prokanzler der Univ. Altdorf und publizistischer Schriftsteller. Er widmete sich in der Hauptsache staatsrechtlichen Studien. Sein Werk „Politicus sceleratus impugnatus …“ (1663), in welchem er die Theorien Philipp Andreas Oldenburgers in dessen Schrift „Homo politicus“ widerlegte, machte ihn bekannt. Seine reichhaltige Bibliothek wurde 1717 versteigert.

    Der in Basel promovierte Martin II. (1651–1720), jüngster Sohn des Christoph I., stiftete die neue Orgel in die wiederaufgebaute und 1718 eingeweihte Egidienkirche. Christoph Gottfried I. (1691–1741), Sohn des Gottfried I., war als Advokat und Konsulent am Untergericht in Nürnberg tätig. Von den reichsstädtischen Beamten ist vor allem Christoph Gottfrieds Bruder Christoph Jacob II. zu nennen, der 1735 Kastenreuth erworben hatte und sich danach nannte. Er war lange Jahre reichsstädtischer Zoll- und Waagamtmann, wie auch sein Sohn Christoph Gottfried III.. Musisch betätigte sich dessen Bruder Karl Alexander (1735–1768), Adjunkt am Nürnberger Leihhaus.

    Als Militärs machten sich der österr. Major Carl Christoph Gottfried (1768–1839), sein Neffe, der bayer. Oberst Christoph Gottfried Wilhelm (1789–1860) und dessen Sohn, der Hauptmann Christoph Karl Friedrich Wilhelm (1841–70) einen Namen. Mit dessen Tod infolge einer Verwundung im Deutsch-Franz. Krieg erlosch die Familie P. im Mannesstamm.

    Neben dem Stadtsitz der P., dem Pellerhaus, das seit 1698 vermietet und 1828 verkauft wurde, und dem seit 1616 namengebenden Herrensitz Schoppershof, den die Familie Tucher 1875 aus dem Erbe des letzten P. erwarb, hatte bereits Martin 1619 die Hälfte eines Gartens in St. Johannis gekauft, den sein Sohn Christoph um die andere Hälfte vergrößerte und zu einer einheitlichen Anlage ausbaute. 1755 ging der Garten an Jacob Gottfried Rudolf Volkamer über. Über die Welser, Imhof und Paumgartner kam 1687 durch Jobst|Christoph das jetzige Pellerschlößchen in Fischbach an die Familie. 1872 wurde es aus dem Erbe des letzten P. veräußert. Jobst Christoph kaufte zudem 1699 von den Freiherren v. Leonrod das dem Ritterkanton Altmühl inkorporierte Gut Muggenhof (heute: Nürnberg); der jeweilige Inhaber dieses Besitzes gehörte der frank. Reichsritterschaft an. Christoph Jakob erwarb 1718 das halbe Dorf Neuses (Lkr. Forchheim) und mit seinen Brüdern 1735 von Johann Christoph Dietherr v. Anwanden den Weiler Kastenreuth. Streubesitz hatte die Familie bei den heutigen Nürnberger Vororten Großreuth h. d. Veste, Höfen und Wöhrd sowie außerhalb des Landgebiets der Reichsstadt, im Norden und Westen der Stadt (Landkreise Forchheim, Neustadt u. Höchstadt).

  • Autor/in

    Michael Diefenbacher
  • Familienmitglieder

  • Empfohlene Zitierweise

    Diefenbacher, Michael, "Peller von Schoppershof" in: Neue Deutsche Biographie 20 (2001), S. 164-166 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118592564.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA