Lebensdaten
1493 oder 1494 bis 1561
Geburtsort
Nidda (Hessen)
Sterbeort
Trier
Beruf/Funktion
Dominikaner ; Kontroverstheologe
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 131560638 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Storch, Ambrosius (eigentlich)
  • Pelargus, Ambrosius
  • Storch, Ambrosius (eigentlich)
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Zitierweise

Pelargus, Ambrosius, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd131560638.html [19.09.2019].

CC0

  • Leben

    P. ist erstmals 1519 in den Matrikeln der Univ. Heidelberg erwähnt als Mitglied des Frankfurter Dominikanerkonvents. Seit 1525/26 war er als Lector scripturae und Prediger im Baseler Konvent tätig. Zu den führenden Vertretern der dortigen altgläubigen Partei zählend, stellte er sich in Streitschriften und Disputationen der reformatorischen Bewegung um Johannes Oekolampad (1482–1531) entgegen. Wie bereits in Zürich und Bern spitzte sich die Polemik vor allem auf die Frage des Opfercharakters der Messe zu. P., der in Basel auch seine humanistischen Kenntnisse erweitern konnte, verteidigte die Schriftgemäßheit der kath. Messe, begründet durch ihre sakramentale Identität mit dem Kreuzesopfer Christi und den Konsens der Väter als Autorität für die Bibelauslegung (Apologia sacrificii eucharistiae, 1528; Hyperaspismus sive propugnatio Apologiae, 1529). Als sich die Reformation gegen den Willen der Mehrheit des Rates der Stadt endgültig durchsetzte, floh P. im Februar 1529 nach Freiburg (Br.). An der dortigen Universität setzte er seine Studien fort und wurde 1533 zum Dr. theol. promoviert. In den kontroverstheol. Werken aus dieser Zeit kämpfte er gegen die Täufer für die Legitimität der Kindertaufe, indem er die objektive Wirkweise der Sakramente gegen eine Reduktion ihrer Bedeutung allein für den Glauben anführte und sich auf die Tatsache der Taufe ganzer Häuser in neutestamentlicher Zeit berief. Auch lehnte er, gestützt vor allem auf das Reichsrecht, die Zwei-Reiche-Lehre des Johannes Brenz und dessen aus dieser abgeleitetes Postulat der Duldung von friedlichen Häretikern ab. Ebf. Johannes v. Metzenhausen holte P. 1533 als Theologieprofessor an die darniederliegende Univ. Trier. Hier wirkte er auch als Domprediger. Seine Erzbischöfe begleitete er zu den Religionsgesprächen in Hagenau, Worms (1540/41) und Regensburg (1546) sowie zum Augsburger Reichstag (1548). Bedeutsam ist sein Einfluß als Prokurator bzw. Theologe in der 1. u. 2. Sitzungsperiode des Konzils von Trient. An der Vorbereitung der Dekrete u. a. über die Erbsünde, die Eucharistie und die Sakramente hatte er bedeutenden Anteil; inhaltlich ist P.s Beitrag vielfach geprägt durch die Schultradition seines Ordens. Nach seiner Rückkehr 1552 erkrankte er schwer und konnte seine Lehrtätigkeit nicht mehr fortsetzen. Seine von Beginn an gegen die Reformation gerichtete Theologie bewegt sich argumentativ auf vergleichbar hohem Niveau.

  • Literatur

    ADB 25;
    St. Ehses. A. P. auf d. Konzil v. Trient, in: Pastor Bonus 9, 1896/97, S. 322-28, 561-67, 19, 1906/07, S. 538-43;
    N. Paulus, Die dt. Dominikaner im Kampfe gegen Luther (1518–1563), 1903, S. 190-212;
    E. Staehlin, Das theol. Lebenswerk J. Oekolampads, 1939 (Neudr. 1971);
    A. M. Keil, A. P. O. P., Ein Verkünder d. Wahrheit in schwerer Zeit, in: Archiv f. mittelrhein. KGesch. 8, 1956, S. 181-223;
    W. Mann, Eine humanist. Schr. üb. d. hl. Messe aus d. vortridentin. Dtld., Unterss. z. e. im J. 1532 zu Freiburg i. Br. verfaßten Schr. d. A. P. üb. d. Messe, ebd. 13, 1961, S. 197-233;
    B. M. Kaufmann, in: Jb. f. d. Bistum Mainz 8, 1958-60, S. 163-78;
    ders., A. P. O. P. z. Eucharistiefrage auf d. Trienter Konzil, 1962;
    E. Mohr, Der Opfercharakter d. Messe in d. „Apologia“ u. im „Hyperaspismus“ d. A. P O. P, 1965 (W-Verz.);
    A. Walz, Ambrogio Pelargo a|Trento, in: Il Concilio di Trento e la Riforma Tridentina, Atti del Convegno storico internazionale, 2.-6. Settembre 1963, 1965, II, S. 749-66;
    B. Caspar, Das Erzbistum Trier im Za. d. Glaubensspaltung bis z. Verkündigung d. Tridentinums in Trier im J. 1569, 1966;
    W. Klaiber (Hg.), Kath. Kontroverstheologen u. Reformer d. 16. Jh. 1978, Nr. 2443-46 (unvollst. W-Verz.);
    H. Smolinsky, in: Kath. Theologen d. Ref.zeit 4, hg. v. E. Iserloh, 1987, S. 75-96;
    LThK3.

  • Autor/in

    Klaus Unterburger
  • Empfohlene Zitierweise

    Unterburger, Klaus, "Pelargus, Ambrosius" in: Neue Deutsche Biographie 20 (2001), S. 163 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd131560638.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Pelargus: Ambrosius P. (Storch), Dominicaner, geb. in der Wetterau (wann?), in Trier 1557, wo er in der Dominicanerkirche beigesetzt wurde. Er hatte in Basel, dann in Freiburg i. B. als Magister die Theologie gelehrt und mehrere Schriften gegen Zwingli und Oekolampadius veröffentlicht, als er 1534 nach Trier versetzt wurde, wo er als Domprediger und Lehrer der Theologie an der Universität eine bedeutende Thätigkeit entfaltete. Im J. 1546 entsandte ihn Erzbischof Johann IV. von Trier als Procurator auf das Trienter Concil, vor welchem er am 10. Mai d. J. eine große Rede hielt. Er ging in derselben Eigenschaft und zugleich als Vertreter Kölns nach Bologna: als Vertheidiger der Verlegung des Concils in diese Stadt zog er sich die Ungnade des Kaisers zu, in Folge deren ihm die Procuratie am 23. August 1547 entzogen wurde. Doch begleitete er seinen Erzbischof 1551 nach Trient, als die Synode dort wieder zusammentrat. Unter seinen zahlreichen Schriften ist der 1534 zu Freiburg gedruckte Sammelband, welcher eine Reihe von gegen die Reformation gerichteten Streitschriften enthält, und der mit Erasmus gewechselte Briefwechsel (Epistolarum ad Erasmum bellaria), Köln 1539, hervorzuheben. Mit letzterem war P. seinerzeit sehr befreundet, wie er denn vor den übrigen Dominicanern sich durch eine entschiedene Werkschätzung der humanistischen Studien auszeichnete; später griff er einzelne Behauptungen des Erasmus in den „Annotationes in ea quae Erasmus non orthodoxe scripsit“ an. Außer einigen weiteren polemischen, exegetischen und ascetischen Schriften ("de morte non timenda") des P. ist die 1548 vor der Trierer Provincialsynode von ihm gehaltene Rede zu erwähnen, welche sich durch edlen Freimuth in Besprechung der Schäden der Kirche vortheilhaft auszeichnet|(abgedruckt: Hardouin IX 2063, Hartzheim, Conc. Germ. VI 398, Hontheim, Hist. dipl. Trev. II 121, Blattau, stat. et ord. Trev. II. 106.)

    • Literatur

      Vergl. Quétif et Echard, Script. ordin. Praedic. II. 158 f. — Marx, Erzstift Trier IV 444.

  • Autor/in

    F. X. Kraus.
  • Empfohlene Zitierweise

    Kraus, Franz Xaver, "Pelargus, Ambrosius" in: Allgemeine Deutsche Biographie 25 (1887), S. 327-328 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd131560638.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA