Lebensdaten
1871 – 1948
Geburtsort
Jungingen (Hohenzollern)
Sterbeort
München
Beruf/Funktion
Feinmechanikindustrieller ; Unternehmer ; Feinmechaniker
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 135726093 | OGND | VIAF: 33222415
Namensvarianten
  • Deckel, Friedrich Wilhelm
  • Deckel, Friedrich

Quellen(nachweise)

Objekt/Werk(nachweise)

Porträt(nachweise)

Orte

Symbole auf der Karte
Marker Geburtsort Geburtsort
Marker Wirkungsort Wirkungsort
Marker Sterbeort Sterbeort
Marker Begräbnisort Begräbnisort

Auf der Karte werden im Anfangszustand bereits alle zu der Person lokalisierten Orte eingetragen und bei Überlagerung je nach Zoomstufe zusammengefaßt. Der Schatten des Symbols ist etwas stärker und es kann durch Klick aufgefaltet werden. Jeder Ort bietet bei Klick oder Mouseover einen Infokasten. Über den Ortsnamen kann eine Suche im Datenbestand ausgelöst werden.

Zitierweise

Deckel, Friedrich Wilhelm, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd135726093.html [18.06.2024].

CC0

  • Genealogie

    V Karl (1825–1906), Kleinbauer u. Händler in Jungingen, S des Bernhard, Bauer;
    M Thekla Miller aus Jungingen;
    1902 Kreszenz (* 1880), T des Joh. Nep. Boniberger;
    S Dr. Hans (* 1903), DiplomIng. Frdr. Wilh. (1906-67), geschäftsführende Teilhaber der Fa. Friedrich Deckel.

  • Biographie

    Nach Beendigung 3jähriger Feinmechanikerlehre in einem Junginger Kleinbetrieb arbeitete D. in Betrieben des mathematisch-optischen Faches unter anderem in Jena, sodann in Holland und England (Siemens Brothers in Woolwich). Er empfing bei Zeiss in Jena unter persönlicher Anleitung E. Abbes als dessen bevorzugter Labormechaniker nachhaltige wissenschaftliche Förderung. Die Ära berühmter Münchener Physiker (Fraunhofer, Reichenbach, Utzschneider, Steinheil und andere) war in München produktiv geblieben und veranlaßte D. 1897 bei C. A. Steinheil die Stelle eines Entwicklungsmechanikers für Photo-Optik anzunehmen. In der aufkommenden Amateurphotographie und Projektion „lebender Bilder“ erkannte D. besondere Möglichkeiten. Ende 1898 machte er sich mit der Eröffnung einer kleinen mechanischen Werkstätte auf der Grundlage eines Teilezulieferers, besonders einer Telephonfabrik und anderer Unternehmen, selbständig. Nebenbei beschäftigte er sich angelegentlich mit Kamera- und Kinematographentechnik. 1903 vergesellschaftete sich D. mit Christian Bruns, dem Erfinder der ersten sichtbar optisch scharf einstellbaren Magazinkamera (1890). Die Werkstätte Bruns & D. wurde gegründet zur Herstellung eines von Bruns konzipierten und von D. konstruierten zentralen Verbundverschlusses für Kameras - des „Compound“-Verschlusses -, dessen Belichtungszeit durch sinnreiche Kombination von Federautomatik und mechanisch einstellbarem, reibungsgebremsten Vorspannungsablauf, außerdem durch in das Objektivsystem verlegte Blenden- und Lamellenbewegung gekennzeichnet ist. Bruns schied 1905 aus dem Geschäft aus. Damit wurde D. dessen Alleininhaber. 1910 nahm er auch den Bau von Präzisions-Werkzeugmaschinen auf. Nach der Betriebsaufnahme in eigenem Werkbau, 1911, begann D. einen erheblich weiter entwickelten Kameraverschluß, den „Compur“-Verschluß, herzustellen, dessen Funktion auf dem Prinzip meß- und eichbaren zwangsläufigen Federwerkablaufes beruhte und bei raschesten Öffnungs- und Schließbewegungen bisher unerreichte Genauigkeit der eingestellten Öffnungszeiten gewährte. Der Photo-Optik, Photometrie und Photochemie wurden damit neue Entwicklungswege und Marktmöglichkeiten erschlossen, so daß D. mit diesem Verschluß nahezu ein Monopol errang Der „Compur“-Verschluß hatte den sogenannten elektrischen Vaku-Blitz- und Entladeröhrengeräten mit den Weg bereitet. Die Weiterentwicklung, der Öffnungsmaximale und Kontaktverschluß (M/X) absolut synchronisierende „Synchro-Compur“-Verschluß, löste eines der schwierigsten Probleme der Aufnahmetechnik. Dieser Verschluß bildet die zwecklogische Voraussetzung zur Vorautomatisierung des modernen, Belichtungszeit- und Blendenstellung in einem Einstellorgan vereinigenden „Synchro-Compur“-Verschlusses mit Lichtwertskala.

    D. hatte 1912 als erster Unternehmer in München den Achtstunden-Arbeitstag eingeführt. „D.“-Präzision ist in der deutschen und besonders auch in der bayerischen Feinmechanik seit über 25 Jahren ein Haushaltwort zur Kennzeichnung hoher Präzision. Bei seinem Tode zählte sein Werk 1926 Beschäftigte, 1956 3000. KR., Dr. Ehren halber der TH München (1928).

  • Literatur

    F. L. Neher, 50 Jahre F. D., 1953 (P).

  • Autor/in

    Franz Ludwig Neher
  • Zitierweise

    Neher, Franz Ludwig, "Deckel, Friedrich Wilhelm" in: Neue Deutsche Biographie 3 (1957), S. 543-544 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd135726093.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA