Lebensdaten
1651 bis 1719 oder 1720
Geburtsort
Sommerhausen beiWürzburg
Sterbeort
Germantown (Pennsylvania, USA)
Beruf/Funktion
Stadtgründer ; Pietist ; Auswanderer nach Amerika ; Dichter
Konfession
evangelisch,pietistisch
Normdaten
GND: 12019323X | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Pastorius, Francis Daniel
  • Pastorius, Franz Daniel
  • Pastorius, Francis Daniel
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Zitierweise

Pastorius, Franz Daniel, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd12019323X.html [22.09.2019].

CC0

  • Genealogie

    V Melchior Adam (1624–1702, 2] Margaretha, um 1635–61, T d. Windsheimer Ratskonsulenten Dr. Johann Gelchsheimer, 1659, 3] Barbara Greulich, geb. Heider, 1604–74, aus Hüttenheim, 4] Dorothea Esther Volkmann, * 1654, aus Bayreuth), Jurist, kaiserl. Oberrichter, Bgm. v. Windsheim, Dichter, Vf. v. Reisebeschreibungen (s. Killy; Fränk. Lb. 15, W), S d. Martin (1576–1631), aus Warburg (Westfalen), kurmainz. Eheger.assessor in Erfurt, u. d. Brigitta v. Flinsberg;
    M Magdalena Dietz (1607–57, 1] Heinrich Frischmann, Schultheiß v. Workhausen, 2] Johann Johm, Schultheiß v. S.), T d. Schultheißen N. N. Dietz v. Main-Nordheim;
    Germantown 1688 Anneke (1658–1723), aus Mülheim/Ruhr, T d. Arztes Dr. Jan Klostermann u. d. Anneke van Nensheim;
    2 S Johann Samuel (* 1690), Weber, Heinrich (* 1692), Schuhmacher.

  • Leben

    P. verbrachte seine Kindheit in Sommerhausen, wo sein Vater zu den Räten des Grafen v. Limpurg gehörte, und in der Reichsstadt Windsheim. Während sein Vater hier rasch sozial aufstieg (1659 Ratsmitglied, 1670 Bürgermeister), besuchte er die dortige Lateinschule und 1668-74 die Universitäten Altdorf, Straßburg, Basel und Jena. Nach einem Aufenthalt am Regensburger Reichstag (1674/75) legte er in Altdorf die Lizentiatenprüfung ab und wurde 1676 zum Dr. iur. promoviert. 1676-79 praktizierte er als Jurist in Windsheim, ehe er auf Empfehlung des dortigen pietist. Pfarrers Heinrich Horb (1645–95) nach Frankfurt/M. ging, wo er Anschluß an den Kreis der Saalhofpietisten um Johann Jakob Schütz (1640–90) und Johanna Eleonore v. Merlau (verh. Petersen, 1644–1724) fand. 1680-82 begleitete er Johann Bonaventura v. Bodeck auf einer Kavalierstour durch mehrere westeurop. Länder. Seine wachsende Abneigung gegen die akademische Gelehrsamkeit und juristische Praxis seiner Zeit, Unbehagen gegenüber der Lebensführung der adligen und bürgerlichen Oberschichten und zunehmende Differenzen mit seinem dominanten Vater führten schließlich zu P.s Bruch mit der als moralisch korrumpiert empfundenen Alten Welt. Unmittelbaren Anlaß zu seiner Auswanderung nach Amerika bildete der Erwerb einer Option auf 15 000 Morgen (acres) Land in William Penns neugegründeter Kolonie Pennsylvania durch die Frankfurter Saalhofpietisten, die daraufhin eine „Teutsche Landcompagnie“ (später als „Frankfurter Compagnie“ bezeichnet) bildeten. Die Absicht der Gruppe, geschlossen nach Amerika überzusiedeln und so dem „sündhaften“ Europa zu entfliehen, wurde jedoch nie realisiert.

    Im April 1683 brach P. als Agent der Frankfurter Landgesellschaft nach Amerika auf und traf am 20. August mit neun Begleitern in Philadelphia ein. Nach zähen Verhandlungen mit William Penn erreichte P., der ursprünglich die Gründung einer separaten deutschen Provinz anstrebte, daß der Compagnie drei Grundstücke in Philadelphia, 300 Morgen in den stadtnahen „Liberties“ und 15 000 Morgen im Landesinnern zugeteilt wurden. Im Okt. 1683 gründeten P. und eine Gruppe von Krefelder Einwanderern auf 5700 Morgen Land die in Form eines Straßendorfs angelegte Siedlung Germantown sowie die Dörfer Sommerhausen, Crefeld und Cresheim. Im folgenden Jahr hatte Germantown nach P.s Angaben 42 vor allem handwerklich tätige Einwohner. Bis 1702 wuchs die Bevölkerung auf rund 230 an. P.s Briefe und Berichte an Verwandte, Freunde und Auftraggeber in Europa, die wiederholt nachgedruckt wurden, vermitteln ein Bild der schwierigen Anfänge und allmählichen Fortschritte der Siedlung; sie betonen den natürlichen Reichtum des Landes und bezeugen P.s Sympathie für die indian. Ureinwohner des Landes. Als Dolmetscher, Notar und Verfasser rechtlicher Dokumente nahm P. bald eine herausragende Stellung in Germantown ein, das 1691 eine eigene Gemeindeverwaltung erhielt, und bekleidete zahlreiche öffentliche Ämter (Friedensrichter f. Philadelphia County; Mitgl. d. Abg.hauses v. Pennsylvania, 1687). 1688 unterzeichnete er mit drei weiteren Einwohnern Germantowns die erste in Nordamerika verfaßte, an die Quäkervorsammlung von Lower Dublin gerichtete Protestschrift gegen die Sklaverei. Nach dem Tod mehrerer Gründungsmitglieder der Frankfurter Landkompanie wurde P. 1700 seiner Stellung als Landagent enthoben; seine Vollmachten gingen auf Daniel Falckner, Johannes Kelpius und Johann Jawert über. P. war fortan kaum mehr in öffentlichen Ämtern tätig. 1702-18 wirkte er als Lehrer in Germantown und verfaßte englischsprachige Schulbücher; 1709 erwarb er die engl. Staatsbürgerschaft. Als polyglotter, enzyklopädisch interessierter Akademiker und produktiver Literat war P. unter den frühen deutschen Auswanderern eine Ausnahmeerscheinung. Seine zumeist in Amerika entstandenen moralisch-belehrenden Gedichte und ironisch-satirischen Epigramme weisen ihn als vielseitigen Barockdichter aus.

  • Werke

    u. a. Sichere Nachr. auß America, wegen d. Landschafft Pennsylvania v. e. dorthin gereißten Teutschen de dato Philadelphia, den 7. Martii 1684, o. J.;
    Vier kleine Doch ungemeine Und sehr nutzliche Tractätlein, I. De omnium Sanctorum Vitis […], 1690;
    Ein Send=Brieff Offenhertziger Liebesbezeugung an die so genannte Pietisten in Hoch=Teutschland, 1697;
    A New Primmer Or Methodical Directions To attain the True Spelling, Reading & Writing of English […]. [1698];
    Umständige Geograph. Beschreibung Der zu allerletzt erfundenen Provintz Pensylvaniae, In denen End= Gräntzen Americae In d. West-Welt gelegen, 1700 (Faks. 1937), 21704;
    Deliciae Hortenses or Garden=Recreations and voluptates Apianae, hg. v. Ch. E. Schweitzer, 1982;
    Bee-Hive (Ms., Van Pelt Library. Univ. of Pennsylvania, Philadelphia), auszugsweise ed. in: M. D. Learned, From P.' Bee-Hive or Bee-Stock, in: Americana Germanica 1/4, 1897, S. 67-110, ebd. 2/1, 1898, S. 33-42, ebd. 2/2, 1898, S. 59-70, ebd. 2/4, 1898, S. 65-79;
    zu Melchior Adam:
    Kurtze Beschreibung Des H. R. Reichs Stadt Windsheim (…), 1692, Nachdr. hg. v. A. Estermann, 1980.

  • Literatur

    ADB 25;
    O. Seidensticker, Die erste Dt. Einwanderung in Amerika u. d. Gründung v. Germantown im J. 1683, 1883;
    S. W. Pennypacker, The Settlement of Germantown, Pennsylvania, and the Beginning of German Emigration to North America, 1901;
    J. F. Sachse (Hg.), Letters Relating to the Settlement of Germantown in Pennsylvania 1683-4 from the Könneken Manuscript in the Ministerial-Archiv of Lübeck, 1903;
    M. D. Learned, The Life of F. D. P., Founder of Germantown, 1908;
    E. W. Hokker, Germantown 1683-1933, 1933, S. 9-61;
    E. G. Alderfer, P. and the Origins of Pennsylvania German Culture, in: American-German Review 17/3, 1951, S. 8-11;
    D. V. Toms, The Intellectual and Literary Background of F. D. P., Diss. Northwestern Univ. 1953;
    St. G. Wolf, Urban Village, Population, Community, and Family Structure in Germantown, Pennsylvania 1683-1800, 1976;
    I. Schöberl, F. D. P. and the Foundation of Germantown, in: Germans to America, 300 Years of German Immigration, hg. v. G. Moltmann, 1982, S. 16-24;
    Ch. E. Schweitzer, F. D. P, the German-American Poet, in: Yearbook of German-American Studies 18, 1983, S. 21-28;
    K. Deppermann, Pennsylvanien als Asyl d. frühen dt. Pietismus, in: Pietismus u, Neuzeit 10, 1984, S. 190-212;
    R. Mack, F. D P. – sein Einsatz f. die Quäker, ebd. 15, 1989, S. 132-71;
    J. D. Weaver, V. D. P. (1651-ca. 1720), Early Life in Germany with Glimpses of his Removal to Pennsylvania, Diss. Univ. of California 1985;
    D. Blaufuß. Melchior Adam P. (1624-1710) u. F. D. P. (1651-1719/20), Frühe Beispiele d. Wandels zw. d. Konfessionen, in: Europa in d. Frühen Neuzeit, FS f. Günter Mühlpfordt, hg. v. E. Donnert, 1997, S. 465-476;
    DAB 14;
    B. Dölemeyer, Frankfurter Juristen im 17. u. 18. Jh., 1993;
    BBKL.

  • Portraits

    Denkmal, 1920 (Philadelphia, Vernon-Park).

  • Autor/in

    Mark Häberlein
  • Empfohlene Zitierweise

    Häberlein, Mark, "Pastorius, Franz Daniel" in: Neue Deutsche Biographie 20 (2001), S. 97 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd12019323X.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Pastorius: Franz Daniel P. wurde am 26. September 1651 zu Sommerhausen im bairischen Unterfranken geboren, machte seine Studien in Straßburg, Basel und Jena und wanderte 1683 als Bevollmächtigter der Frankfurter Gesellschaft nach Amerika aus. Hier gründete er die erste deutsche Ansiedelung in Germantown, die jetzt einen Theil von Philadelphia bildet, und entwickelte hier als Richter, Bürgermeister und Lehrer bis zu seinem am 27. September 1719 erfolgten Tode eine außerordentliche Thätigkeit. Daneben war er litterarisch äußerst fruchtbar; seine Schriften sind nicht alle erhalten, doch lassen sich 43 Werke, meist gemeinnützigen Inhalts, Reifebeschreibungen etc. nachweisen. Als Dichter machte er sich bekannt durch seine „Deliciae hortenses. Eine Sammlung deutscher epigrammatischer Gedichte“ (1710).

  • Autor/in

    Franz Brümmer.
  • Empfohlene Zitierweise

    Brümmer, Franz, "Pastorius, Franz Daniel" in: Allgemeine Deutsche Biographie 25 (1887), S. 219 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd12019323X.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA