Lebensdaten
1656 bis 1736
Geburtsort
Niederrad bei Frankfurt/Main
Beruf/Funktion
Sektierer ; Prophet ; Chiliast
Konfession
lutherisch,Sektierer
Normdaten
GND: 100099246 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Daut, Johannes Maximilian
  • Daut, J. M.
  • Daut, J. Maximilianus
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Orte

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Zitierweise

Daut, Johannes Maximilian, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd100099246.html [15.07.2020].

CC0

  • Genealogie

    V Wilh., Nachbar in Niederrad;
    M Anna Marg.

  • Leben

    D. war Schustergeselle aus Frankfurt/Main, der zu Beginn des 18. Jahrhunderts durch chiliastische Ideen von sich reden machte. 1710 trat er mit den: „Helle Donnerposaunen von den bevorstehenden Gerichten Gottes“, die auch ins Französische übersetzt worden sind, an die Öffentlichkeit (Hamburg). Da er in dieser Schrift der Stadt Frankfurt, dem Römischen Reich und Schweden bis auf einen kleinen von Christus geretteten Rest den Untergang ankündigte, er andererseits auch stark die lutherische Geistlichkeit angriff, wurde er des Landes verwiesen. In dem damals religiös sehr aufgewühlten Leiden fand er Gesinnungsgenossen, zu denen er bald wieder in Widerspruch geriet. Auch in dem von ungesunden pietistischen Ideen stark erfaßten Wittgensteinschen Land, besonders aber im Ulmer Landgebiet, fand er Anhänger. Hier vertrieb ihn der Ulmer Rat 1712. Sogar bis nach England verbreiteten sich seine Ideen. Wir hören dann nur noch von ihm, daß er in den 30er Jahren seine oben genannte Erstlingsschrift widerrufen habe.

  • Werke

    Weitere W Göttl. Betrachtungen üb. d. Heuchelchristen u. scheinheiligen Pietisten, Hamburg 1711 (auch: Der güldene Augenspiegel, ebd. 1713).

  • Literatur

    ADB IV;
    J. G. Heinsius, Unpartei. Kirchenhist. II, Jena 1735, S. 1106;
    F. Keidel, Der Pietismus in d. Ulmischen Kirche, in: Bll. f. Württ. KG, 1888, 1889, 1912;
    Zs. f. hist. Theol., 1896, S. 198 f.;
    PRE;
    RGG.

  • Autor/in

    Heinrich Laag
  • Empfohlene Zitierweise

    Laag, Heinrich, "Daut, Johannes Maximilian" in: Neue Deutsche Biographie 3 (1957), S. 530 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd100099246.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Daut: Johann Maximilian D., Prophet und Chiliast, geb. zu Niederrad bei Frankfurt a/M., trat in letzterer Stadt, wo er als Schuhknecht arbeitete, 1709 gegen das todte Kirchenwesen auf. Am 17. Nov. störte er in der Barfüßerkirche nach dem Absingen des Vaterunsers durch eigenmächtige Ansprache an die Gemeinde den Gottesdienst. Dem Pfarrer, der ihn confirmirt und den das Ministerium mit seiner Zurechtweisung beauftragt hatte, versprach er zwar sich hinfort still zu halten, aber als er nach acht Tagen wieder auf öffentlicher Straße predigend umherwandelte, ließ ihn der Rath aus der Stadt weisen. In Frankfurt hatte der holländische Mystiker Ueberfeld seine ersten himmlischen Gesichte gehabt, hier hatte sein Freund, der abgesetzte Prediger Dr. Eberhard Zeller, Conventikel gehalten und als beide 1683 sich nach den Niederlanden begaben, folgte ihnen von Frankfurt ein Genosse ihrer Richtung, Isaak Passavant. Ohne Zweifel hatte sich in Frankfurt ein Kreis von Erweckten und Separatisten erhalten, durch den D. angeregt und erhitzt worden war. Er begab sich daher nach seiner Ausweisung zu Ueberfeld, seit Gichtel's Tod Haupt der Engelsbrüder in Leyden, bald zerfiel er mit ihm und nannte die Engelsbrüder Judasbrüder, bald erneuerte er mit ihm den himmlischen Seelenbund. Eine Zeit lang trieb er sein Wesen im Wittgenstein'schen; später scheint er in Verbindung mit dem schwärmerischen Barbier und Perrückenmacher Johann Tennhart zu Nürnberg gestanden zu haben. Mit der Wanderpredigt verband er auch die Schriftstellern. In der „Hellen Donnerstimme Gottes“ (s. l.) eifert er 1710 „auf göttliche Eingebung“ gegen das herrschende Christenthum und weissagt den Untergang aller Sonderkirchen, die Zerstörung aller Staaten, die Vertilgung der Gottlosen und die Rettung der Frommen. Im folgenden Jahre erschienen seine „Göttlichen Betrachtungen über die Heuchelchristen und scheinheiligen Pietisten“ (s. l.), worin er die Nähe des tausendjährigen Reiches verkündigt und „von der Schwängerung der Natur durch den hl. Geist“ faselt. Seine und Tennhart's mystische Schriften fanden so zahlreiche Jünger in den Landgemeinden Ulms, daß die Kirchen leer standen. Der Rath sandte daher 1712 die Prediger Dr. Frick und Algöwer zu den Separatisten und es gelang sie wieder zur lutherischen Kirche zurückzuführen. Von da an verliert sich jede Spur von D.

    • Literatur

      Vgl. die Protokolle des luth. Ministerium zu Frankf. vom 20. Novbr. bis 11. Decbr. 1709. Unschuldige Nachrichten 1710 (S. 282), 1711 (S. 872), 1714 (S. 298). Walch, Religionsstreitigkeiten in der luth. Kirche II, 794. V, 1051. Daut's u. Römling's Weissagungen, beurtheilt von einem membro des Ministerii in Hamburg, 1711. Herstellung des Kirchenfriedens in etlichen Landgemeinden Ulms, 1712 (historischer Bericht und zwei Predigten Frick's u. Algöwer's). Die Artikel in Ersch u. Gruber's u. in Herzog's Realencyklopädie (der letztere von Hagenbach).

  • Autor/in

    Steitz.
  • Empfohlene Zitierweise

    Steitz, "Daut, Johannes Maximilian" in: Allgemeine Deutsche Biographie 4 (1876), S. 776 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd100099246.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA