Lebensdaten
1785 bis 1862
Beruf/Funktion
k. k. Feldmarschalleutnant
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 135725542 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Culoz, Karl Freiherr von
  • Kuloz, Karl Freiherr von

Zitierweise

Culoz, Karl Freiherr von, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd135725542.html [20.10.2019].

CC0

  • Leben

    Culoz: Karl Frhr. von C., k. k. Feldmarschalllieutenant, entstammte einem altadeligen spanischen Geschlechte, wurde im J. 1785 zu Hartberg in Steiermark als Sohn eines kaiserl. Oberstlieutenants geboren und trat im J. 1798 als Cadet in das Infanterieregiment Nr. 27. In demselben Jahre Fähnrich geworden, machte er als solcher die Feldzüge 1799 und 1800 bei der Armee in Italien mit und wurde bei Chiavasso verwundet. Im J. 1805 zum Unterlieutenant befördert, focht er in dem Feldzuge jenes Jahres in Südtirol, 1809 als Oberlieutenant in Italien, wobei er bei Fontana Fredda verwundet wurde. Im Feldzuge 1813—1814 bei Krainburg abermals verwundet, wurde er infolge seines rühmlichen Verhaltens außertourlich zum Hauptmann befördert und machte als solcher den Zug gegen Neapel 1821 mit. Im December 1828 rückte C. außer der Tour zum Major im Infanterieregimente Nr. 1 vor und wurde 1835 zum Obersten im Infanterieregimente Nr. 7 befördert und in den Ritterstand erhoben. Im April 1843 zum Generalmajor ernannt, erhielt C. eine Brigade bei der Armee in Italien und im März 1848 eine Truppendivision beim Reservecorps des FZM. Grafen Nugent. Nach der Vereinigung dieses Corps mit der Armee in Verona, erhielt C. am 6. Juni die Weisung mit 5½ Bataillonen, einer Division Chevauxlegers und zwei Batterien nach San Bonifacio zu rücken und am 10. von Brendola oder Altavilla aus die Höhen oberhalb Vicenza bei Monte Madonna zu gewinnen. C. entsendete seine Vorhut am 8. nach Tavernelle und beauftragte sie, als selbständig detachirt, auf der Hauptstraße gegen Vicenza zu verbleiben, am 10. den Angriff von der Höhe gegen die Stadt abzuwarten, dann aber in den Kampf einzugreifen. Am 9. trat C. selbst seinen Marsch nach Brendola an und traf nach Ueberwindung schwieriger Terrainverhältnisse des Nachts in Acugnano ein, wo er ein maskirtes Lager beziehen und Vorposten aufstellen ließ. Der Feind hielt die gegenüberliegenden Häuser S. Margherita mit seinem rechten, das Schloß Rombaldo mit seinem linken Flügel besetzt. Vor Tagesanbruch entsendete C. drei Divisionen, um den vorliegenden Höhenzug von S. Margherita zu nehmen, zu behaupten und von dort aus das Castell Rombaldo, welches vom Feinde stark besetzt war, zu beschießen. Dies geschah, drei verbarrikadirte Straßenabgrabungen wurden in größter Stille hergestellt und S. Margherita, von Crociati (Insurgenten) und das Castell Rombaldo von Schweizern besetzt, genommen. Dem guten Anfange mußte eine rasche und energische Folge gegeben werden; C. ließ links und rechts von der Straße eine Division zur Unterstützung vorrücken, eine nahe Straßenabgrabung unter dem Gewehr- und Geschützfeuer des Feindes ausfüllen, das Blockhaus sowie die in den Verschanzungen vor demselben befindlichen Truppen mit Raketen bewerfen und aus Haubitzen beschießen.

    Dieses gut geleitete Feuer machte die Besatzungsmannschaft wanken, ein Umstand, welcher richtig erkannt und benutzt, mit der Erstürmung des Blockhauses endete. Die hochlodernden Flammen des angezündeten Blockhauses verkündeten der in der Ebene vorrückenden Armee, daß C. einen Theil seiner schwierigen Aufgabe bereits gelöst und den Schlüssel der Stellung genommen habe. Von dem FM. Grafen Radetzky verstärkt, erhielt nun C. den Auftrag mit den ferneren Angriffen so lange innezuhalten, bis die rechts mit ihm in Verbindung stehende Brigade Clam die Beschießung begonnen haben würde. Diese Gefechtspause benützte C. zur Recognoscirung der feindlichen Stellung. Er erkannte, daß es nur dann gelingen könne, letztere mit geringem Verlust zu nehmen, wenn der Gegner sich veranlaßt fände, die kaiserl. Truppen anzugreifen, wodurch die Möglichkeit geboten würde, sich mit dem Gros auf den Feind zu werfen und auf diese Weise nicht nur mit ihm zugleich in die Stellung zu dringen, sondern auch die übrigen befestigten Theile derselben zu erstürmen. Dies veranlaßte ihn, seine Infanterie noch immer so viel wie möglich maskirt zu halten. Gegen 3 Uhr wurde von der Brigade Clam zum allgemeinen Angriff geschritten, worauf die von C. zweckmäßig aufgestellte Batterie zu feuern begann und das Gefecht sich längs der ganzen Aufstellung entwickelte. Eine Colonne Schweizer versuchte Culoz' linken Flügel zu umgehen und rückte kühn gegen die auf der Straße aufgestellte Batterie. Jetzt trat der entscheidende Augenblick ein, das bisher verborgene Gros in volle Thätigkeit zu setzen und durch rasches Vordringen desselben den Feind in seine Stellung zurückzudrängen. C. warf den Schweizern drei Compagnien entgegen, sendete eine Division Infanterie zur Unterstützung der Jäger, die ohne weiteren Befehl abzuwarten, die Schweizer zurückjagten und bis in die Verschanzungen verfolgten. Ohne den Gegner zu Athem kommen zu lassen, ließ jetzt C. seine sämmtlichen Truppen vorrücken, und so rasch und entschlossen geschah dies, daß der Feind nicht mehr im Stande war, sein wohlverschanztes Centrum um die Kirche della Madonna zu sichern. Trotz der erbittertsten Gegenwehr gelang es den Truppen bis in die ersten Häuser der Vorstadt vorzudringen. Der Sieg war vollkommen. Die Einnahme von Vicenza wäre fraglich gewesen, wenn C. erst am 10. Juni die Monti Berici von Brendola erstiegen hätte. Für die umsichtige Waffenthat bei Vicenza erhielt C., der am 18. Juli 1848 zum Feldmarschalllieutenant befördert wurde, das Ritterkreuz des Maria-Theresien-Ordens. Eine Zeitlang commandirte C. dann das bei Legnago concentrirte 4. Armeecorps und betheiligte sich auch nach der Aufkündigung des Waffenstillstandes von Seite Piemonts an den Kämpfen bei Mailand, wofür er mit dem Commandeurkreuz des Leopoldordens betheilt wurde. Am 18. October 1849 wurde C. Inhaber des Infanterieregimentes Nr. 31, erhielt im November desselben Jahres eine Division, dann das Commando eines Corps bei der Armee in Italien. Seit 1852 Festungscommandant in Mantua, machte er auf diesem Posten den Krieg gegen Frankreich und Italien im J. 1859 mit, trat nach 65jähriger Dienstzeit am 1. Mai 1860 in den Ruhestand und starb am 11. November 1862 in Venedig.

    • Literatur

      Acten des k. u. k. Kriegs-Archivs. — Wurzbach, Biogr. Lexikon des Kaiserth. Oesterreich. —
      Hirtenfeld, Der Milit.-Maria-Theresien-Orden u. seine Mitglieder. —
      Blajekovič, Chronik des k. k. 31. Linien-Infanterie-Regiments. — Strack, Die Generale der österr. Armee.

  • Autor/in

    Oscar Criste.
  • Empfohlene Zitierweise

    Criste, Oscar, "Culoz, Karl Freiherr von" in: Allgemeine Deutsche Biographie 47 (1903), S. 574-575 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd135725542.html#adbcontent

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