Lebensdaten
unbekannt
Beruf/Funktion
Adelsfamilie aus Graubünden
Konfession
katholisch,reformiert
Normdaten
GND: 119041782 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Salice de
  • Salis von
  • Salice de

Orte

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Zitierweise

Salis von, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd119041782.html [22.11.2019].

CC0

  • Leben

    Die S. mit Stammsitz Soglio sind gegen Ende des 13. Jh. im Bergell (Graubünden) nachweisbar. Sie gehen wohl auf ein Geschlecht der Führungsschicht von Como (Lombardei) zurück, das im 12. Jh. bezeugt ist. Ende des 13. und im 14. Jh. Lehens- und Herrschaftsträger des Hochstifts Chur (Erstbezeugung f. Rudolf zu Soglio 1300), hatten sie jedoch noch keine dominante Stellung im Bergell inne; erst 1396 erscheint mit Augustin ein S. erstmals im Amt des Bergeller Talrichters. Die Familie erwarb bedeutenden Grundbesitz in der Region von Chiavenna und Plurs (Veltlin) und engagierte sich im Handel Südgraubündens mit dem Hzgt. Mailand; seit 1393 erwarb sie mehrere mailänd. Handelsprivilegien, die 1440, 1457 und 1544 bestätigt wurden. Gleichzeitig traten Mitglieder der Familie als Söldnerführer in Oberitalien|hervor (Augustin 1391 in Mailand) und betätigten sich im Notariat von Südgraubünden. Im 15. Jh. gelang es der Familie, sich in der Führungschicht des Hochstifts Chur (Gotteshaus/Gotteshausbund) zu etablieren und den Besitz über das Bergell hinaus auszudehnen.

    Neben der weiterhin fortbestehenden Stammlinie „Soglio“ kam es – über ganz Graubünden verteilt – zur Gründung mehrerer Linien: „Samaden“ (Gründer Friedrich [1510-70]), „Grüsch“ (Gründer: Herkules [1503-78]), „Jenins-Maienfeld“ (Gründer: Gilbert [1512-91]). „Malans/Zizers“ (Gründer: Rudolf [ 1579]), „Marschlins“ (Gründer: Ulysses [1594–1674, s. ADB 30]; Frhr. 1582), „Rietberg-Chur“ (Gründer: Anton [ 1554]). Gubert (um 1544) ist der Gründer einer zeitweilig bestehenden Linie in Regensburg. Weitere Zweige bestanden im Veltlin, das seit dem frühen 16. Jh. Untertanenland der III. Bünde war.

    Die Blütezeit der S. beginnt im 16. Jh., unmittelbar nach Entstehung der Republik der III. Bünde (Graubünden). Die Familie gehörte zum innersten Kreis der Oberschicht von Graubünden und verfügte über gute Beziehungen zum Haus Habsburg (1556–73 war Dietegen österr. Landvogt d. Prättigaus). Daneben waren Mitglieder der Familie weiterhin als Söldnerführer in den Diensten der europ. Großmächte erfolgreich tätig: Anton ( 1558) war ksl. General, Rudolf (ca. 1560–1600) Oberst, dann General in franz., venezian. und ksl. Diensten. Als erfolgreicher Montanunternehmer und Großkaufmann trat Johann (1546-1624) hervor. Seit Einführung der Reformation in Graubünden zu Beginn des 16. Jh. sind die S. gemischtkonfossionell. Mehrere Versuche, den Erzpriester Bartholomäus (1501–70, s. Gatz III) zum Bischof von Chur zu erheben, scheiterten. Franz Rudolf (1654–1739) war Generalvikar in Chur.

    Nach 1500 nutzten die S. besonders erfolgreich die Möglichkeiten für die Ämterlaufbahn innerhalb ihrer Heimat und deren Untertanenland im Veltlin, wo sie bereits im 16. Jh. neben der Familie Planta die meisten Amtsleute stellten, sowie in den III. Bünden.

    Aufgrund ihrer Stellung im Transitland Graubünden gerieten die S. im frühen 17. Jh. in den strategischen Konflikt zwischen Frankreich und Österreich-Spanien sowie Venedig, wobei sie sich politisch stärker für Frankreich und Venedig engagierten. So vertrat Herkules (1565–1620) als Diplomat und Politiker die Interessen Venedigs. Sein Sohn Ulysses (1594–1674), Offizier in franz. Diensten (erster schweizer. Gen. in Frankreich), unterstützte in Graubünden die Politik Frankreichs und Venedigs. Rudolf (1589–1625, s. ADB 30) war 1622 Oberbefehlshaber der aufständischen Bündner gegen Österreich. Vom 16. bis Ende des 18. Jh. waren die S. das erfolgreichste Offiziers- und Ämtergeschlecht ihrer Heimat: Jakob (1615–59) war ksl. Oberst, Hans Wolf (1597–1640) ksl. General, Johann Baptista (1646–1702) franz. Oberst, Carl Ulysses (1707–77) franz. General.

    Nach dem 30jährigen Krieg nahm der Einfluß der Familie in den III. Bünden zu. In den Untertanen-Landen, wo sie über umfangreichen Grundbesitz verfügte und das Beziehungsgeflecht zu dortigen Eliten und zur Bündner Aristokratie ausbaute, stellte sie im 18. Jh. die höchste Anzahl an Amtsleuten. Herkules (1650–1727) und Peter (1675–1749, s. Schweizer Lex.), Gründer einer engl. Linie, lehnten sich politisch an Frankreich an, ebenso Johann Lucius (1672–1722), der Freiherr zu Haldenstein bei Chur und Gründer dieser Nebenlinie wurde, die bis zum Untergang der III. Bünde im Besitz von Haldenstein blieb. Besondere Erwähnung verdient die Gelehrte und Theologin Hortensia, verh. Gugelberg v. Moos (1659–1715, s. L).

    Mehrerer Familien aus der übrigen Führungsschicht Graubündens wandten sich im 18. Jh. gegen die überbordende Machtposition der S. in Graubünden und in den Untertanenlanden, was zur Gründung der Gruppierung der ‚Patrioten' führte. Seit 1774 war Ulysses (1728–1800, s. L), ein besonders einflußreicher Politiker, franz. Ministerresident in Graubünden. Sein Bruder Johann Baptista (1731–97) stand als General in holländ. Diensten. Peter (1729–83) war Inhaber von Bündner Landeszöllen und Bankier.

    Im 19. Jh. traten folgende S. hervor: Gaudenz (1825–86) als Ständerat und Nationalrat. Johann Gaudenz (1762–1834, s. 1), erster schweizer. Generalstabschef, als Offizier und Dichter, und sein Bruder Johann Ulrich Dietegen (1777–1817, s. L) als Historiker, Mitbegründer der Ökonomischen Gesellschaft Graubünden und Redaktor von „Der neue Sammler“ (1805-12). Besondere Erwähnung verdient die Schriftstellerin und Frauenrechtlerin Meta (1855–1929, s. W, L). Johann Ulrich (1790–1871, s. ADB 30; Schweizer Lex.) war 1848 Befehlshaber des schweizer. Sonderbunds. Adolf (1818–91) und Friedrich (1825–1901) waren Wasserbauer (s. Franke/Kleinschrot, Kurzbiogrr. Hydraulik u. Wasserbau, 1991; Schweizer Lex.)

    Im 20. Jh. machten sich die Historiker Jean Rudolf (1901–96, s. 2), der Archäologe Arnold (1881–1958, s. Drüll I; R. Lullies u. W. Schiering, Archäologenbildnisse, 1988, S. 210 f.), der Jurist Ludwig Rudolf (1863–1934, s. A. Staehelin [Hg.], Professoren d. Univ. Basel, 1960 [W, P]) und der Physiker Gubert (1899–1977, s. Schweizer Lex.) einen Namen.

    Von dem in Österreich lebenden Zweig seien genannt Rudolf Gf (1779–1840, s. Wurzbach; G. Kugler, Staatskanzler Metternich u. seine Gäste, 1991), Obersthofmeister von Ehzg. Franz Karl sowie die österr. Generäle Karl (1836–1915), Daniel (1826–1919) und Johann Ulrich (1862–1940, alle drei s. ÖBL). Mitglieder der Familie leben außerdem in Deutschland und England.

  • Werke

    zu Meta: Die unerwünschte Weiblichkeit, Autobiogr., Gedichte, feminist. Schrr., 1988.

  • Literatur

    S. Färber, Der bündner. Herrenstand im 17. Jh., 1983;
    P. E. Grimm, Die Anfänge d. Bündner Aristokratie im 15. u. 16. Jh., 1981;
    Nicolaus v. Salis, Die Fam. v. S., 1891;
    ders., Regesten d. im Archiv d. Geschl.-Verbandes derer v. S. befindl. Pergamenturkk., 1902;
    ders., Gen. Hans Wolf v. S. u. die Regensburger S., 1906;
    Rodo v. Salis, Zur Geneal. d. S.-Samaden in Österr., des Stammes d. Salice aus Sala Comacina (Hzgt. Mailand), dann Breslau, 1990;
    Gubert D. v. Salis-Grüsch, Baudenkmäler d. Fam. v. S. in Graubünden, 1992;
    G. Hrabe de Angelis, Zur frühen Gesch. d. v. S. u. de Angelis, 1992;
    Ver. f. Bündner zur Kulturforsch. (Hg.), Hdb. d. Bündner Gesch., I/2, 2000;
    HBLS (P zu 13 Fam.mitgll.);
    GHdA 125 (Adelslex. XII);
    Stammbaum v. A. v. Sprecher im StA Graubünden, Chur;
    zu Hortensia:
    H. Mohler, H., Ein Tag aus d. Leben e. Frau, 1999;
    BBKL (W, L); – zu Ulysses:
    ADB 30;
    P. Metz, U. v. S.-Marschlins, 2000;
    Bed. Bündner: Schweizer Lex.;
    Killy;
    zu Johann Ulrich Dietegen:
    ADB 30;
    Bed. Bündner;
    Schweizer Lex.;
    zu Meta:
    B. Schleicher, M. v. S.-Marschlins, 1932;
    D. Stump, Sie töten uns – nicht unsere Ideen, M. v. S.-Marschlins, 1855–1929, 1986;
    Bed. Bündner;
    Schweizer Lex.;
    Killy.

  • Autor/in

    Conradin von Planta
  • Familienmitglieder

  • Empfohlene Zitierweise

    Planta, Conradin von, "Salis von" in: Neue Deutsche Biographie 22 (2005), S. 373-375 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd119041782.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA