Lebensdaten
1760 bis 1832
Beruf/Funktion
sächsischer Generalleutnant
Konfession
evangelisch?
Normdaten
GND: 117597287 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Zeschau, Heinrich Wilhelm von
  • Zeschau, Heinrich von
  • Zeschau, Heinrich Wilhelm von
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Quellen(nachweise)

Porträt(nachweise)

Zitierweise

Zeschau, Heinrich von, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd117597287.html [20.05.2019].

CC0

  • Leben

    Zeschau: Heinrich Wilhelm von Z., königlich sächsischer Generallieutenant, wurde am 22. August 1760 auf dem väterlichen Gute Garenchen bei Luckau in der Niederlausitz geboren. Um den Eltern die Erziehung ihrer dreizehn Kinder zu erleichtern, nahm ihn seine Pathin, die Gräfin Marie zur Lippe-Biesterfeld, welche sich mit dem Grafen Wilhelm von Schaumburg-Lippe vermählt hatte, im J. 1768 als Pagen zu sich nach Bückeburg, wo Johann Gottfried Herder ihn unterrichtete; 1774 trat er in die Militärschule auf dem Wilhelmsteine. Hier schloß er mit Scharnhorst eine bis zu dessen Tode unterhaltene Freundschaft. Als Graf Wilhelm am 10. September 1777 seiner ihm vorangegangenen Gemalin in das Jenseits gefolgt und durch den Nachfolger jene Lehranstalt aufgelöst war, kehrte Z., welcher inzwischen schon als Schüler der letzteren zum Secondlieutenant der Artillerie befördert worden war, in seine Heimath zurück, wurde am 26. Juni 1778 zum Secondlieutenant im Infanterieregimente Kurfürst ernannt, dessen Stabsgarnison Weißenfels war, verheirathete sich schon 1781 mit der Tochter seines Bataillonscommandeurs v. Brause, ward Scharnhorst's Mitarbeiter an dessen militärischem Journale und war, um sein schmales Einkommen zu vermehren, auch sonst schriftstellerisch thätig. Seine militärische|Brauchbarkeit veranlaßte, daß er außer der Reihe 1789 zum Premierlieutenant befördert und zum Regimentsadjutanten ernannt wurde. Als solcher machte er den Feldzug des Jahres 1793 und namentlich die Belagerung von Mainz sowie die Schlacht bei Kaiserslautern, als Brigademajor im Stabe des commandirenden Generals v. Lindt den des nächstfolgenden Jahres mit. Bei General v. Lindt wurde er 1794, nach der Rückkehr in das Land, in Dresden Inspectionsadjutant und begleitete ihn im Herbst 1795 zu den als Reichscontingent noch im Felde befindlichen Truppen, die aber bald nach Sachsen zurückkehrten. Das Jahr 1796 brachte einen neuen Feldzug, an welchem Z. in dem nämlichen Verhältnisse zuerst am Hunsrück, dann an der Lahn und zuletzt am Neckar theilnahm. Im November erfolgte die Heimkehr; im Herbst 1797 erhielt Z. eine Compagnie im Regimente Kurfürst zu Zeitz; im Jahre 1804 fanden seine Leistungen durch eine zweite ausnahmsweise verfügte Beförderung, die zum Major, Anerkennung. In dieser Stellung rückte er 1806 von neuem in das Feld. Sein Verhalten im Gefechte bei Saalfeld am 10. October trug ihm großes Lob seitens des Fürsten Hohenlohe ein, aber die erlittenen Verluste nöthigten dazu die Reste des Regiments in einem Bataillone zu vereinigen, dessen Commando als ältester dienstfähig gebliebener Officier Major v. Z. übernahm und am 14. in der Schlacht bei Jena führte. Bei dem Rückzuge bewies er besonderes Geschick, indem er die Armeeequipage deckte und sie, nachdem der König mit Napoleon Frieden gemacht hatte, durch die Reihen der Franzosen nach Sachsen schaffte. Das Regiment Kurfürst wurde jetzt seines guten Verhaltens wegen nach Dresden verlegt; Z. erhielt den St. Heinrichsorden und wurde 1808 zum Flügeladjutanten des Königs und zum Oberstlieutenant ernannt; als solcher kam er 1809 zum Infanterieregimente v. Niesemeuschel nach Bautzen; die bald darauf stattfindende Mobilmachung für den Krieg gegen Oesterreich aber führte ihn nach Dresden zurück, wo er den Dienst als Chef des Generalstabes bei dem unter die Befehle des Marschalls Bernadotte gestellten sächsischen corps d'armée übernahm. Am 19. März zum Oberst und schon am 8. April auf Bernadotte's Empfehlung zum Generalmajor befördert, erhielt er beim Ausmarsche das Commando einer Infanteriebrigade. Mit dieser und der übrigen sächsischen Infanterie, deren Führung er übernommen hatte als die älteren Generäle verwundet waren, focht er in der Schlacht bei Wagram so tapfer, daß nach errungenem Siege am Abend des 6. Juli Bernadotte in südfranzösischer Ueberschwänglichkeit vor der Front seiner Truppen ihm sagte: „Je Vous le jure, qu'aujourd'hui j'aurais mieux aimé être infanteriste saxon que français“. Napoleon gab ihm das Kreuz der Ehrenlegion.

    Bei der nach Friedensschluß im J. 1810 vorgenommenen Neuformation des Heeres wurde Z. Generallieutenant. Als der jüngste des Heeres erhielt er, als das Jahr 1812 den Krieg gegen Rußland brachte, das Commando der im Lande zurückbleibenden Truppen. 1813 war er zuerst in Torgau bei der Aufstellung eines Truppenkörpers zum Ersatze der verloren gegangenen thätig, dann wurde er Commandant der Festung Königstein; Ende August erhielt er den Befehl, das Commando der 1. Division zu übernehmen, bei welcher er am 7. September, am Tage, nachdem die Schlacht bei Dennewitz verloren gegangen war, eintraf. Die sächsischen Truppen waren so zusammengeschmolzen, daß aus den Ueberbleibseln der Infanterie eine Division gebildet wurde; das Commando derselben, sowie das des ganzen sächsischen Truppencorps, erhielt Z.; aber schon am 12. singen die Bestandtheile desselben an zu den Verbündeten überzugehen und am zweiten Tage der Schlacht bei Leipzig, am Abend des 18. October, waren ihm nur 710 Mann, verschiedenen Infanteriebataillonen und der Sappeurcompagnie angehörend, übergeblieben, mit denen er sich beim Könige|meldete; vergebens hatte er versucht, die anderen höheren Officiere, wie ihre Untergebenen, auf Seiten der Franzosen zu erhalten, wo ihr Kriegsherr sie sehen wollte. Z. blieb nun beim Könige, begleitete diesen nach Berlin, Friedrichsfelde und Preßburg, wurde während dieser Zeit mehrfach zu diplomatischen Sendungen verwendet, die aber in der Hauptsache erfolglos waren, und zog am 7. Juni 1815 mit dem Könige wieder in Dresden ein. Hier wurden ihm das Directorium der Geheimen Kriegskanzlei sowie die Leitung der Militär-Bildungsanstalten, der Befehl über das Artillerie- und Ingenieurcorps und das Hauptzeughaus, bald darauf auch das Präsidium der Kriegsverwaltungskammer übertragen; Stellungen, welche veranlaßten, daß er mit dem Range eines Ministers Sitz und Stimme im Geheimen Rathe erhielt. Durch die Finanzlage des Landes zu größter Sparsamkeit genöthigt, hat er trotzdem eine Reihe vortrefflicher Einrichtungen und Verbesserungen geschaffen, bis er auf seine durch Gesundheitsrücksichten bedingte Bitte im J. 1821 in General v. Zezschwitz einen Gehilfen erhielt, welcher einen Theil seiner Aemter übernahm. Z. blieb jedoch als Staatssecretär im Ministerium, wurde daneben 1823 Gouverneur der Residenzstadt, erbat aber, als mit dem Jahre 1830 eine neue Zeit gekommen zu sein schien, seine Entlassung und starb im Ruhestande am 14. November 1832 zu Dresden. Die ihm gewidmete Lebensbeschreibung hebt ganz besonders die Uneigennützigkeit hervor, welche Z., der kein reicher Mann war, als er hohe Stellungen erlangt hatte, auf einen Theil der ihm gebührenden Einkünfte verzichten machte, um sie dem Staate zu belassen.

    • Literatur

      Erinnerungen an Heinrich Wilhelm v. Z., Dresden 1866.

  • Autor/in

    B. v. Poten.
  • Empfohlene Zitierweise

    Poten, Bernhard von, "Zeschau, Heinrich von" in: Allgemeine Deutsche Biographie 45 (1900), S. 103-105 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd117597287.html#adbcontent

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