Lebensdaten
erwähnt 1211, gestorben 1233
Beruf/Funktion
Graf von Oldenburg ; Bischof von Paderborn und von Utrecht
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 102362432 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Willebrand
  • Wilbrand
  • Willebrand

Zitierweise

Wilbrand, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd102362432.html [11.12.2018].

CC0

  • Leben

    Wilbrand, Graf von Oldenburg, Sohn des Grafen Heinrich II. von Oldenburg und der Gräfin Beatrix von Hallermund, als Bischof von Utrecht am 27. Juli 1233. W. hatte den, geistlichen Stand erwählt; eine gute Quelle, welche nur die Jahre nicht angiebt, läßt uns seine Laufbahn zurückverfolgen bis zu einer Propstei in Zütphen. Später begegnet uns W. als Kanonikus in Hildesheim. Sein dortiges Wirken unterbrach er im J. 1211 durch eine Pilgerreise ins heilige Land. Damals war die Herrschaft der Lateiner in Palästina auf einige wenige Städte und Burgen an der Küste beschränkt, so daß W.|Jerusalem nur unter saracenischem Geleit betreten konnte. Aber es wurden im Abendland von verschiedenen Seiten Kreuzfahrten zur Wiederaufrichtung des Königreichs Jerusalem geplant, so vom Kaiser Otto IV. und von dem Herzog Leopold VI. von Oesterreich. Eben diese Fürsten nun hatten dem W. geheime Aufträge gegeben, welche mit ihrem Vorhaben eng zusammenhingen. Sein ganzer Reisebericht verräth, daß die Pilgerfahrt zugleich eine Recognoscirungsfahrt war, bei welcher der größere oder geringere Grad der Festigkeit der besuchten Orte ein Hauptaugenmerk bildete. Auch der längere Aufenthalt Wilbrand's in Kleinarmenien (Cilicien), dessen Beschreibung einen so lehrreichen Abschnitt jenes Berichts ausmacht, wurde ohne Zweifel veranlaßt durch Aufträge, welche W. im Namen Kaiser Otto's an den armenischen König Leo II. zu bestellen hatte, parallel mit dem, was die gleichzeitig an demselben Hofe weilenden Gesandten des Herzogs von Oesterreich verhandelten. Man hatte allen Grund, auf Leo's Bundesgenossenschaft für den nächsten Kreuzzug zu rechnen; denn der König war ein Freund der Deutschen, dies erfuhr in reichem Maaße W. selbst und konnte es bestätigen hören durch den Deutschordenshochmeister Hermann von Salza, welcher auf der Weiterreise nach Cypern und Palästina sein Gefährte wurde. Nachdem W. durch den Besuch der heiligen Stätten sein Pilgergelübde erfüllt hatte, kehrte er wahrscheinlich im J. 1212 nach Hildesheim zurück. Dort wurde er jedenfalls vor dem Anfang des Jahres 1219 zum Dompropst gewählt. Ein paar Jahre darauf ging er, dem Hoflager Kaiser Friedrich's II. folgend, nach Italien. Es war um die Zeit, da im Namen dieses Kaisers der Erzbischof Albrecht von Magdeburg als Legat in der Lombardei, der Romagna und der Trevisaner Mark waltete (1222—24). Friedrich wies ihm eine Hülfskraft zu in der Person Wilbrand's, und dieser blieb in Reichsgeschäfte verstrickt so lange fort, daß er glaubte, sich deshalb bei seinem Capitel entschuldigen zu müssen, während der Kaiser zu weiterer Begütigung der Hildesheimer Kirche zwei kostbare Seidenstoffe sandte. — Wahrscheinlich gegen Ende des Jahres 1225 wurde W. auf den Bischofssitz von Paderborn erhoben, von welchem aus er dann im J. 1226 auf kürzere Zeit auch die Verwaltung der erledigten Bisthümer Münster und Osnabrück besorgte. Schon hier zeigte sich W. als tapferer Vertheidiger bischöflicher Rechte, indem er den alten Streit der Paderborner Bischöfe mit den Grafen Volkwin IV. und Adolf I. von Schwalenberg (alte Waldeckische Linie) durch deren Unterwerfung zu Ende führte (14. April 1227). Noch eine viel schwerere Aufgabe wartete seiner bei der Versetzung nach Utrecht. Hier hatte Bischof Otto II., als er an der Spitze eines glänzenden Heeres gegen die von dem Ritter Rudolf von Koevorden geführten friesischen Bauern von Drenthe zu Felde zog. durch Versinken ins Moor (28. Juli 1227) den Tod und eine schmähliche Niederlage erlitten. Diese Scharte auszuwetzen schien den Grafen Gerhard von Geldern und Florentius von Holland niemand geeigneter als ihr Verwandter W. v. O. Sie lenkten die Wahl auf ihn. Von Kaiser und Papst bestätigt, von König Heinrich (VII.) investirt (Donauwerth, Juli 1228) hielt W. seinen Einzug in Utrecht am 20. August 1228. Er säumte nicht, dem Rachedurst der bischöflichen Ministerialen genug zu thun; mit sechs Heerhaufen, deren stärksten er selbst anführte, eröffnete er den Kampf gegen die Aufständischen, welche nach kurzem Widerstand der Uebermacht wichen und sich den von W. dictirten Friedensbedingungen fügten. Freilich dauerte dieser Friede nicht lange. Schon im J. 1229 setzte sich Rudolf von Koevorden durch Verrath wieder in den Besitz seiner Stammburg, die er hatte aufgeben müssen, und behauptete sie gegen ein bischöfliches Belagerungsheer. Auch die Friesen von Drenthe erhoben sich aufs neue zur Abwehr der bischöflichen Machtansprüche. Einen Augenblick ruhte der Kampf, um Waffenstillstandsverhandlungen Platz zu machen. Inmitten dieser nun wurde Rudolf von des Bischofs Leuten ergriffen und hingerichtet (1230); W. selbst scheint wenigstens nicht alles aufgeboten zu haben, um diese Frevelthat zu verhüten. Sie befreite ihn von seinem Hauptgegner, nützte ihm aber doch wenig. Denn die Drenther beharrten im Aufstand, und W. war in zwei Feldzügen, welche er in den Jahren 1230 und 1232 gegen sie führte, wenig vom Glück begünstigt. Er starb, ohne diesen Kampf zu Ende geführt zu haben. Als Todestag steht der 27. Juli unbestritten fest. Das Todesjahr kann nicht 1234 sein, wie Laurent nach dem Vorgang von Andern annimmt; es muß vielmehr 1233 als solches gelten (so schon Heda), da Wilbrand's Nachfolger Otto III. schon am 5. Mai 1234 als erwählter Bischof von Utrecht erscheint.

    Einen kurzen Abriß seiner Laufbahn geben die Gesta episc. Traj. (s. unten) S. 415 f.; eine vollere Lebensgeschichte liefert Laurent in seiner ersten Ausgabe des Reisebuchs S. 33—40. — Die Pilgerfahrt beschreibt W. selbst, lat. Orig. zweimal herausg. v. J. C. M. Laurent, einmal mit Uebersetzung und Anm. Hamburg 1859, dann ohne die Uebersetzung in seinem Buch: Peregrinatores medii ævi quatuor. Lips. 1864. p. 159—190. — Für die Hildesheimer Zeit vgl. Lüntzel, Gesch. d. Diöcese und Stadt H., 2, 40 f. — Döbner, Urk.-B. d. Stadt H., 1, 44, 46. — Janicke, Urk.-B. des Hochstifts H., Bd. 1, s. d. Reg. — Mecklenb. Urk.-Buch 1, Nr. 265, 276. — Für die Paderborner Zeit: Schaten, annal. Paderborn. T. 1, p. 1014—1026. — Westfäl. Urk.-B. 4, S. 102 f. und sonst. — Osnabrücker Urk.-B., Bd. 2, Nr. 208, 210, 211, 214, 215, 229. — Ledebur im Archiv f. Gesch. des preuß. Staats 12 (1833), 369—381, und dazu Winkelmann, Friedrich II. in Ibb. d. d. Gesch. S. 472. A. 4. — Für die Utrechter Zeit: Gesta episcoporum Trajectensium in Mon. Germ. SS. XXIII, p. 415—426 (Hauptquelle Winkelmann's a. a. O. S. 509—511); Beka et Heda de episcopis Ultraject. 1643. (Beka p. 72—75. Heda p. 204 f.); Bondam, charterboek der hertogen van Gelderland p. 367 f., 374 f., 386. Oorkondenboek van Holland en Zeeland 1, 183, 184 f., 194.

  • Autor/in

    Heyd.
  • Empfohlene Zitierweise

    Heyd, Wilhelm von; Slee, Jacob Cornelis van, "Wilbrand" in: Allgemeine Deutsche Biographie 42 (1897), S. 474-476 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd102362432.html#adbcontent

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  • Leben

    Willebrand, Bischof von Utrecht, Sohn des Grafen Heinrich II. von Oldenburg-Wildeshausen, wurde nicht wegen seiner geistlichen Vorzüge noch im kirchlichreligiösen Interesse gewählt, sondern ganz allein als tüchtiger und erfahrener Kriegsmann. Am 28. Juli 1227 nämlich war der Utrechter Bischof Otto II in der Schlacht beim Dorfe Anen wider Rudolf von Koevorden und die aufrührerischen Einwohner Drenthe's, mit zahlreichen Tapferen gefallen, und diese Niederlage hatte im ganzen Bisthume und bei den bischöflichen Bundesgenossen große Aufregung und Erbitterung hinterlassen. Als nun im Capitelhause die Neuwahl vorgenommen werden sollte, wurden die grausam mißhandelten, verwundeten, aber ihrer Haft unter Bürgschaft entlassenen Grafen Gerhard von Geldern und Gisbrecht von Amstel hereingetragen und erbaten sich von den versammelten Prälaten, Vasallen und Adeligen einen Bluträcher. Auf Empfehlung des holländischen Grafen Floris IV. wurde die Bischofswahl auf den ihm verwandten Willebrand von Oldenburg gelenkt. Man hatte sich in ihm nicht getäuscht. Der Erwählte, seit 1225 Bischof von Paderborn, hatte sich vorher auf einem Zug gegen die Grafen von Schwalenberg (1226) als tapferer, unerschrockener Kriegsherr bewährt und war zwei Mal zum Kampfe wider die Ungläubigen als Kreuzfahrer ins Heilige Land gezogen. In ihm durfte man also hoffen, den gesuchten Rächer seines Vorgängers Otto gefunden zu haben. W. war bald bereit, sein Paderborner Bisthum mit dem Utrechter zu vertauschen. Er begab sich selbst zum Kaiser nach Apulien, und erwirkte vom Papst Gregor IX. die Erlaubniß zur Annahme der Wahl. Auf der Rückreise erhielt er in Donauwörth die Regalien und hielt am 20. August seinen feierlichen Einzug in Utrecht, wo er feierlich installirt wurde. Seine erste Sorge galt der Heerfahrt wider Rudolf von Koevorden und die Drenther. Schnell waren sie gezüchtigt und mit schweren Steuern gestraft. Dazu wurde ihnen auferlegt, zu Anen ein Kloster für 25 Benedictinerinnen zu stiften, welche für alle Zeit für die Seele des gefallenen Bischofs Otto II. beten sollten. Kaum aber war W. nach Utrecht heimgekehrt, als sich auch schon die Streitigkeiten unter Rudolf von Koevorden's Führung in Drenthe erneuerten; sie dauerten bis an Willebrand's Tod fort. Dem Bischofe, welcher daher ganz von Kriegssorgen in Anspruch genommen|war, blieb nur wenig Muße für die kirchlichen Interessen seines Bisthums übrig. Doch traf er neue Maßregeln zum Schutze der Geistlichen und der kirchlichen Güter, stiftete auch einen Benedictinerinnenconvent, Zwarte Water genannt, bei Zwartsluis in Overyssel, und bestätigte das Kloster Bethlehem bei Dötichem im Besitz seiner Güter und Privilegien. Als er sich eben aufs neue zum Krieg wider die aufrührerischen Drenther vorbereitete, starb er am 27. Juli 1235 zu Zwolle, einem von ihm kurz vorher mit Stadtrechte versehenen Dorf, und wurde zu Utrecht im St. Servatiuskloster bestattet.

    • Literatur

      Vgl. Anonymus de reb. Ultraject. apud Matthaeum. — Heda und Beka. —
      Moll, Kerkgesch. d. Nederl. II, 1. Th., S. 110 f. — Batavia Sacra II, 164 f.

  • Autor/in

    J. C. van Slee.
  • Empfohlene Zitierweise

    Heyd, Wilhelm von; Slee, Jacob Cornelis van, "Wilbrand" in: Allgemeine Deutsche Biographie 43 (1898), S. 260-261 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd102362432.html#adb2content

    CC-BY-NC-SA