Lebensdaten
erwähnt 1256 oder 1266 , gestorben 2. Hälfte 13. Jahrhundert
Beruf/Funktion
Lieddichter ; Sangspruchdichter
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 101245203 | OGND | VIAF: 12667658
Namensvarianten
  • Breisach, Walther von
  • Meister Walther von Prisach
  • Waltherus scolasticus
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Zitierweise

Walther von Breisach, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd101245203.html [20.04.2024].

CC0

  • Biographie

    Ein „magister Waltherus scolasticus“ ist seit 1256 in Breisach, seit 1271 – in diesem Jahr zusammen mit dem Minnesänger Albrecht II. Gf. von Hohenberg und Haigerloch (um 1235–98, s. Meves) – in Freiburg (Br.) (hier auch als rector puerorum) und zuletzt 1300 urkundlich belegt. Nach R. J. Merkle darf man in W., der auch in Rechtsangelegenheiten herangezogen wurde, einen „nicht in der Kirche tätigen Kleriker mit niederen Weihen“ vermuten, worauf seine Stellung in den Zeugenlisten nach Klerikern und vor Rittern und bürgerlichen Zeugen hinweist. Zwar sind die Einheit der Person und die Identität mit dem Dichter nicht nachweisbar, doch spricht für sie nach E. C. Lutz „die Geschlossenheit der in den Urkunden greifbaren Führungsgruppen, die Äbte und Grafen, regionalen Adel, Klerus und Patriziat aus beiden Städten einschließen“.

    Das nachträglich in die Große Heidelberger (Manessische) Liederhandschrift (C) eingetragene (fol. 295r–296r) und nur dort überlieferte, nach einer alten Vorschrift dem „Meister walther von prisach“ zugehörige Œuvre umfaßt drei Töne mit insgesamt 22 Strophen, deren Gliederung umstritten ist. Ton I besteht aus sieben kunstvoll gestalteten, lehrhaft-moralischen Strophen. Dem Lob des dreieinigen Schöpfers (Strophe 1) schließt sich ein Preis der Schöpfungswunder an, mündend in einen Aufruf, die Knie vor Gott dem Allmächtigen zu beugen (Strophe 2). Die folgenden Strophen thematisieren in verschiedenen Konstellationen die „triuwe“ und die mit ihr verbundenen „höfischen“ Werte für das menschliche Miteinander. Die Frage nach dem adäquaten Gegenstück für einen treuen Mann (Strophe 3) beantwortet Strophe 4 mit dem Verweis auf die Liebe einer treuen Frau. In Strophe 5 geht es um die Treue unter dem Aspekt der Freundschaft, während Strophe 6 ganz dem Lob der Treue, der Mutter aller Tugenden, gewidmet ist, die, einst bei den Herren und an ihren Höfen höher als Gold geschätzt, nunmehr aus dem Land gejagt ist. Eindeutigkeit und Aufrichtigkeit der Rede bewahrt den Menschen vor dem Höllenfeuer, lehrt die Schlußstrophe. Das geistliche Verfasserschaft|nicht ausschließende fünfstrophige Tagelied (Ton II) entspricht in der Grundsituation (leidvolle Trennung der Liebenden bei Tagesanbruch nach heimlich zusammen verbrachter Nacht) und der Figurenkonstellation (Dame, Ritter, Wächter) den von Beginn des 13. Jh. eingeführten Konventionen dieser beliebten Gattung. Die ersten vier Strophen des dritten, an rhetorischen Figuren, Bildern und Wortspielen reichen Tons preisen Maria und ihren Sohn, den neuen Adam. Die folgenden vier Strophen stellen die Bedeutung wahrer Rede für das Zusammenleben heraus. Strophe 9 appelliert an die Frauen, sich ihres von Gott verliehenen Wertes bewußt zu sein. Ohne Belehrung durch ihre Tugenden bleibe das Ansehen des Mannes ohne Ehrenkleid. Mit einer scharfen Kritik an Rednern, die zu Unrecht behaupten, es gäbe keine reinen und guten Frauen mehr, und die daher als bösartig charakterisiert werden, endet der Sangspruchton (Strophe 10 unvollst.), der abermals die Bewahrung „höfischer“ Tugenden und Werte propagiert.

    Der oft und seit langem in der Forschung hervorgehobene Einfluß des Sangspruchdichters Marner auf die gelehrt-didaktisch geprägte Dichtung W.s findet bei den von E. Willms festgestellten Wirkungen und Nachwirkungen des Marner keine Erwähnung mehr.

  • Werke

    |F. Pfaff, Der Minnesang im Lande Baden, 1908, S. 17–25;
    Dt. Liederdichter d. 13. Jh., hg. v. C. v. Kraus, ²1978, I, S. 575–81, II, S. 624–26;
    Dt. Tagelieder, Von d. Anfängen d. Überlfg. bis z. 15. Jh., hg. v. S. Freund, 1983, S. 237 u. 270;
    Owe do tagte ez, Tagelieder u. motivverwandte Texte d. MA u. d. frühen Neuzeit, hg. v. R. Hausner, 1983, S. 27 f.;
    Tagelieder d. dt. MA, Mhdt./ Neuhochdt., Ausgew., übers. u. komm. v. M. Backes, 1992, bibliogr. erg. Aufl. 2003, S. 166–69 u. 272 f.

  • Literatur

    |ADB 41;
    F. Pfaff, Der Minnesang im Lande Baden, 1908, S. 16;
    A. Schlageter, Unterss. über d. liedhaften Zus.hänge in d. nachwaltherschen Spruchlyrik, Diss. Freiburg (Br.) 1951, S. 270–88;
    P. Nowak, Stud. zu Gehalten u. Formen mhdt. Gebetslyrik d. 13. Jh., 1975, S. 238–43;
    U. Peters, Lit. in d. Stadt, 1983, S. 284 f.;
    Repert. d. Sangsprüche u. Meisterlieder d. 12. bis 18. Jh., V, hg. v. H. Brunner u. B. Wachinger, 1991, S. 457–59;
    B. Weber, Œuvre-Zus.setzungen b. d. Minnesängern d. 13. Jh., 1995, S. 250–58;
    R. J. Merkle, W. v. B., Leben u. Werk, Lizentiatsarb. Freiburg (Uechtland) 1997;
    U. Meves (Hg.), Regg. dt. Minnesänger d. 12. u. 13. Jh., 2005, S. 837–49;
    Der Marner, Lieder u. Sangsprüche aus d. 13. Jh. u. ihr Weiterleben im Meistersang, hg., eingel., erl. u. übers. v. E. Willms, 2008, S. 298–401;
    St. Seeber, Freundschaft b. W. v. B. u. d. Kanzler, in: ZDP 129, 2010, S. 347–62;
    E. C. Lutz, in: Vf.-Lex. MA²;
    Kosch, Lit.-Lex.³;
    Lit.-Lex. MA IV, 2012, Sp. 369–71.

  • Autor/in

    Uwe Meves
  • Zitierweise

    Meves, Uwe, "Walther von Breisach" in: Neue Deutsche Biographie 27 (2020), S. 348-349 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd101245203.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Biographie

    Walther von Breisach, bürgerlicher Minnesinger der Verfallzeit. Er ist 1256—66 als Schulmeister in Breisach nachgewiesen; man hat vermuthet, daß er mit einem 1271—94 zu Freiburg auftretenden Schulmeister Walther dieselbe Person sei. — In die große Heidelberger Handschrift sind als Anhang zu den Dichtungen des Schulmeisters von Eßlingen lehrhafte und minnigliche Poesien seines ganz anders gearteten Amtsgenossen nachgetragen. W. ist gelehrt ohne doch mit Wissen zu prunken, lehrhaft, fromm; in seiner ganzen Haltung wie gelegentlich in seiner Strophenbildung erinnert er an den Marner. Wortaufnahme und Wortspielerei bilden sein beliebtestes Kunstmittel. Der erste Ton preist Gott und die (dem Teufel besonders verhaßte) Treue; der zweite ist ein Tagelied: wie der Marner beschränkt sich W. darauf, Wächter und Frau sprechen zu lassen, bringt aber durch Steigerung in der Rede des Wächters dramatische Spannung in den Stoff; der dritte bringt ein formet- und reimreiches Marienlob. Wir erkennen einen typischen Vertreter jener braven Schulmeisterpoesie, die in Hug von Trimberg ihren Abschluß findet.

    • Literatur

      Text: v. d. Hagen. Minnesinger 2, 140. — Biographisches: Bauer, Germ. 18, 213, Grimme ebd. 33, 50. — Litterarhistorisches: Burdach, Reinmar und Walther Anm. 52, zum Tagelied de Gruyter, Das deutsche Tagelied S. 15. Roethe, Anz. f. d. A. 16, 96.

  • Autor/in

    Richard M. Meyer.
  • Zitierweise

    Meyer, Richard M., "Walther von Breisach" in: Allgemeine Deutsche Biographie 41 (1896), S. 33 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd101245203.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA