• Leben

    Vogel: Paul Joachim Siegmund V., protestantischer Theologe, 1834. In der Periode des theologischen Rationalismus gegen Ende des achtzehnten und im ersten Drittel des neunzehnten Jahrhunderts vertrat V. als Professor der Theologie zu Erlangen den Kantianismus auf theologischem Gebiete sowol in seinen Vorlesungen als auch in zahlreichen Schriften. In jüngeren Jahren betheiligte er sich lebhaft an freimaurerischen Bestrebungen im Dienste der „Aufklärung“, war aber später einer vertieften Religiosität zugethan. V. stammte aus Nürnberg, wo er am 13. Januar 1753 geboren wurde. Nach Absolvirung seiner akademischen Studien trat er als Vicarius an dem Gymnasium zu Nürnberg ein; 1784 finden wir ihn als Conrector der Sebalder Schule daselbst und 1787 als deren Rector. 1793 wurde er Professor der Theologie zu Altdorf und promovirte 1797 als Doctor der Theologie. Seit 1808 fungirte V. als „zweiter“ ordentlicher Professor der Theologie auf der Universität zu Erlangen, wie auch als Pfarrer der dortigen altstädtischen Gemeinde; diese Stelle erhielt V. während der Occupation des Landes durch die Franzosen (die Berufungsurkunde, ausgestattet von der Kriegs- und Domänenkammer zu Baireuth als Consistorium d. d. 6. Mai 1808 ist abgedruckt in [Engelhardt], die Universität Erlangen s. unten, S. 87). 1813 wurde V. erster Professor der Theologie daselbst, erhielt 1814 den Charakter als Kirchenrath, 1822 als Geh. Kirchenrath. In dieser Stellung starb er am 18. April 1834. — V. war ein gewissenhafter, fleißiger Gelehrter und ausgezeichneter Lehrer, als Mensch eine friedfertige, melanchthonische Natur.

    Schriften: „Reden über den Zweck, die Beschaffenheit und den Ursprung der Freymaurerey, gehalten in Logen“ (Berlin 1791); „Versuch über die Religion der alten Aegypter und Griechen“ (Nürnb. 1793); „Programma de conjecturae usu in crisi Novi Testamenti etc.“ (Altdorfii 1795); „Aufsätze theologischen Inhalts“ (Nürnberg und Altdorf 1796 und 1799). Viele Aufsätze von V. in Joh. Christoph König's Monatsschrift „Der Freund der Aufklärung" (1785 und 1786) und „Freund der aufgeklärten Vernunft und wahren Tugend" (1787), und in der Berliner Monatsschrift 1792 September. Besonders charakteristisch für seinen Anschluß an die Kantische Philosophie sind ferner zwei Abhandlungen von ihm aus den neunziger Jahren des 18. Jahrh. in Gabler's Neuestem theol. Journal unter den Titeln „Ueber den Vortrag der wissenschaftlichen Moral nach den Principien der kritischen Philosophie" (1798, Bd. I, St. II, S. 160—166) und „Theoretisch-praktischer Beweis des objectiven Daseins Gottes" (1799, Bd. II, S. 19—34). — Darauf folgten die Schriften: „Ideen zu einer Metaphysik des Menschenverstandes" (1. Theil, Nürnb. 1801); „Lehrbuch der christlichen Moral zu akademischen Vorlesungen“ (ebendas. 1803); „Compendium der christlichen Moral zu akademischen Vorlesungen“ (Nürnb. und Altdorf 1805); „Ueber die letzten Gründe des menschlichen Glaubens, Briefe u. s. w.“ (Nürnb. und Sulzbach 1806); „Ueber die Hoffnung des Wiedersehens, Briefe u. s. w.“ (ebendas. 1806); „Glaube und Hoffnung in Briefen u. s. w.“ (ebendas. 1806); Progr. „Commentationis de canone Eusebiano pars prima“ (Erlangae 1809, pars secunda 1810, pars tertia 1811); Progr. „Prima pars commentationis de Apocalypsi Johannis“ (1811); „De Gersonio mystico“ (ib. 1822); „Ueber das Philosophische und das Christliche in der christlichen Moral" (1. Bd., 1. Abth., ebendas. 1823); 2., neu bearbeitete Aufl. 1825 unter dem Titel: „Compendium der christlichen Moral zu akademischen Vorlesungen“. — Endlich noch eine Anzahl wissenschaftlicher Abhandlungen: „Vergleichung des theoretisch-praktischen Beweises des objectiven Daseins Gottes“ (in Gabler's neuem theol. Journal St. 1) mit den Principien der Kantischen Philosophie (in Gabler's neuem theol. Journal Bd. I, 1798 St. 2, S. 109—154); Schlüssel zu dem Fichteschen|System (ebendas. Bd. III, St. 3, S. 266—299), Bestätigung des theoretischpraktischen Beweises vom objectiven Dasein Gottes (ebendas. Bd. V, St. 1, S. 17—54); Ueber die verschiedenen möglichen Gesichtspunkte des Für und Wider bei der Fichteschen Gotteslehre St. 3, S. 217—222. Ueber 1. Petr. III, 18, 19 (ebendas. Bd. 8, St. 4, S. 309—326). Neuer Erklärungsversuch der Stelle Gal. III, 19, 20 (ebendas. Bd. XII, St. 1, S. 63—65.) Versuch über chronologische Standpunkte in der Lebensgeschichte Pauli in Gabler's Journal für die auserlesene theol. Litteratur Bd. I, St. 2 (1804), S. 229—264.

    • Literatur

      Vgl. Meusel, Joh. Georg, Das gelehrte Teutschland, Bd. 8 (1800), S. 230 ff. (wo noch erwähnt wird, daß sich Vogel's Bildniß nebst kurzen Nachrichten über sein Leben in „Bock's Sammlung“ vorfinde), Bd. 16 (1812) S. 99 ff; Bd. 21, S. 232 f. — (Engelhardt), Die Universität Erlangen von 1743—1843. Zum Jubiläum der Universität 1843. Erlangen (1843), S. 87 und 93, 98, 99.

  • Autor/in

    P. Tschackert.
  • Empfohlene Zitierweise

    Tschackert, Paul, "Vogel, Paul Joachim Siegmund" in: Allgemeine Deutsche Biographie 40 (1896), S. 122-123 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd100672248.html#adbcontent

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