Lebensdaten
1512 bis 1578
Sterbeort
Löwen
Beruf/Funktion
Philologe ; Schulmann
Konfession
keine Angabe
Normdaten
GND: 100568661 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Wouters, Cornelius
  • Waltheri, Cornelius
  • Gualtheri, Cornelius
  • mehr

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Zitierweise

Valerius, Cornelius, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd100568661.html [15.11.2018].

CC0

  • Leben

    Valerius: Cornelius V. (eigentlich Wouters, Waltheri oder Gualtheri), Philolog, wurde 1512 in Oudewater geboren, einer kleinen Stadt Hollands, südwestlich von Utrecht. Caspar Burmann hielt mit Unrecht für seine Geburtsstadt Utrecht und Oudewater für seinen Familiennamen. Valerius' Erziehung wurde von dem leichtlebigen Vater vernachlässigt, daher besuchte er erst im späteren Alter die Schule zu Utrecht, die der berühmte Dramatiker Georg Macropedius leitete. Nach drei Jahren begab sich V., etwa 20 jährig, nach Löwen, wo er sechs Jahre Konrad Goclenius ( 1539) zum Lehrer im Lateinischen und Rutger Rescius (Ressen 1545) zum Lehrer im Griechischen hatte am Collegium trilingue Buslidianum. Dieses von Busleiden, dem bei Karl V. beliebten Kanonikus, gegründete und von Erasmus begünstigte Institut machte sich um die Kenntniß der lateinischen, griechischen, hebräischen Sprache hochverdient. Die Geschichte des Collegium trilingue ist von der Geschichte der Philologie nicht zu trennen. Bald erhob sich Löwen über die Stellung, die Deventer im 15. Jahrhundert eingenommen hatte und wurde ein Mittelpunkt aller philologischen Studien in Belgien. Zwar litt die streng katholische Schule in den Bürgerkriegen, so daß Lipsius im J. 1605 schreiben konnte: nunc iacent ibi omnia et silent: heu tempora, an et heu iudicia dicam? sed refraeno. Aber derselbe Lipsius gab ihr später wieder neuen Glanz; ihm folgten Erycius Puteanus und Vernulaeus (s. d.).

    Nach Vollendung seiner Studien in Löwen wurde V. Lehrer der Rhetorik an der Schule zu Utrecht unter Macropedius. Erst nach 6 Jahren kehrte er nach Löwen zurück und übernahm dann die Erziehung einiger vornehmer Jünglinge, mit denen er Frankreich bereiste. Nach seiner Rückkehr wurde er, als Petrus Nannius (s. A. D. B. XXIII, 245) starb, im Herbst 1557 sein Nachfolger in Löwen: er siegte über seinen Mitbewerber, den Arzt und Philologen Johannes Boschius. Ein Jahr darauf starb sein Lehrer Macropedius; V. widmete ihm lateinische Verse, die auf des Freundes Grabstein standen. V. wurde ein beliebter Lehrer in Löwen: Jünglinge aus allen 17 Provinzen strömten ihm zu; nur wer ihn selbst habe vortragen hören, meint Suffridus Petrus, habe auch seine Schriften recht verstanden. Nach Art seiner Vorgänger lehrte er auch privatim; eine Bestimmung im Testament Busleiden's gab dazu die Erlaubniß: die öffentlichen Vorträge wurden nicht bezahlt und das Gehalt war gering.|V. wird als ein gütiger und heiterer Mann geschildert. Seine Beobachtungen theilte er gern mit; so benutzte seine Bemerkungen zu Lucrez Giffen (Obertus Gifanius) in seiner Ausgabe des Lucrez, die 1566 zu Antwerpen erschien und öfter wieder gedruckt wurde, so 1595, 1597 und 1611. Sie gehört zu den besten derartigen Arbeiten der damaligen Zeit, wie Schirmer (s. A. D. B. IX, 182) bemerkt, aber J. Scaliger warf dem charakterlosen Giffen dreistes Plagiat vor. Cicero und Vergil, die Lieblinge Valerius', waren auch die Vorbilder für seine eigenen Schriften und lateinischen Gedichte. Er schrieb klar und bestimmt im Gegensatz zu der affectirten Kürze und anspruchsvollen Dunkelheit der Nachahmer von Lipsius. In seine Vorlesungen flocht V. gern Bemerkungen aus der Ethik und Physik ein, denn für seine Zeit war er in der Naturkunde nicht unbewandert. Lipsius, von dem drei Briefe an V. vorhanden sind, urtheilt über V., ihn mit Nannius vergleichend, studio non impar, quamquam ingenio fortasse inferior.

    Wie Macropedius verfaßte auch V. Schulbücher über lateinische Grammatik, Logik, Rhetorik, Ethik, die einer vernünftigeren Methode zum Siege verhelfen sollten, auch ein astronomisches Hilfsbuch „de sphaera et primis astronomiae rudimentis“ Antv. 1593. Die meisten seiner Schriften wurden wiederholt gedruckt, nicht blos in der Heimath, sondern in Basel, Frankfurt, Marburg, Straßburg, Köln, Venedig. So erschien die lateinische Grammatik 1567 zu Antwerpen und öfter; 1574 zu Dillingen; das 4. Buch besonders unter dem Titel prosodia zu Jena 1580. Die Physik 1567 zu Antwerpen; 1591 zu Marburg; 1597 zu Frankfurt. Von seinen lateinischen Dichtungen sei erwähnt, daß er Karl's V. Anwesenheit in Utrecht 1540 und 1546 feierte. Die letzte Zeit seines Lebens öfter von Gicht geplagt, starb V. in Löwen 11. August 1578, 66 Jahre alt. In der Hauptkirche wurde er beigesetzt; erst im Jahre 1610 ließ ihm Georg von Oesterreich, der natürliche Sohn Georg's, der selbst ein natürlicher Sohn Maximilian's I. war, in dankbarer Erinnerung an seinen einstigen Lehrer, ein Epitaph mit feierlicher Widmung setzen. Auch andere Schüler gedachten seiner dankbar: in einem Briefe sagt Lipsius ductore omnium nostrum Cornelia Valerio et quasi chorago; in einem Epigramm des Miraeus auf ihn heißt es omnis Belgica nobilitas est venerata ducem. Ich nenne noch W. Canter, der wie V. Schüler des Macropedius war und V. sehr jung in Löwen hörte, weite Reisen machte und drei Jahre vor V. an der Schwindsucht starb; Franc. Haraeus (Verhaer) (s. A. D. B. X, 313), der ebenfalls Schüler des Macropedius war und 1632 starb; den Philologen und Juristen Carrion 1595 (s. A. D. B. IV. 27); den Philologen Fr. Modius 1597 (s. A. D. B. XXII, 46); den Philologen und Juristen Delrio 1608 (s. A. D. B. V, 44); Andreas Schottus 1629 (s. A. D. B. XXXII, 392). Von Giffen war oben die Rede.

    • Literatur

      Sweert, Athenae Belgicae p. 197 f. — Caspar Burmann, Traiectum erud. 1738 p. 377 f. — Georg Macropedius, Programm N. 63. 1886, vom Unterzeichneten p. 8 und 10. —
      J. Lipsi Lovanium. Antv. 1605 p. 99. —
      F. de Nève, Mémoire hist. et litt, sur le Collège des trois-langues. 1856 p. 156 f. —
      Suffr. Petrus de script. Frisiae 1699 p. 199.Lipenii bibl. realis ph. 1682, index.
      Draudii bibl. classica 1625, index.Paquot, mém. 1768. 12, 145 f.

  • Autor/in

    Daniel Jacoby.
  • Empfohlene Zitierweise

    Jacoby, Daniel, "" in: Allgemeine Deutsche Biographie 39 (1895), S. 469-470 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd100568661.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA