Lebensdaten
1799 – 1833
Geburtsort
Zürich
Sterbeort
Bern
Beruf/Funktion
reformierter Theologe
Konfession
reformiert
Normdaten
GND: 117331058 | OGND | VIAF: 62323407
Namensvarianten
  • Usteri, Leonhard
  • Usteri, Leonard
  • Usteri, Leonhard III.
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Objekt/Werk(nachweise)

Orte

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Zitierweise

Usteri, Leonhard, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd117331058.html [26.02.2024].

CC0

  • Biographie

    Usteri: Leonhard U., reformirter Theologe, 1833. Unter den schweizerischen Theologen, welche im ersten Drittel des neunzehnten Jahrhunderts die im Geiste|Schleiermacher's erneuerte Theologie mit hervorragendem Erfolge vertraten, nahm Leonhard U. eine besonders geachtete Stellung ein. Er wurde zu Zürich am 22. October 1799 geboren, wo sein Vater Chorherr und Professor der hebräischen Sprache am Carolinum war. In seiner Vaterstadt erhielt er die humanistische Vorbildung, absolvirte dort auch seine theologischen Studien, woran sich die wohl bestandenen Examina und der Empfang der Ordination schlossen; aber seine eigentliche wissenschaftliche Geistesrichtung empfing U. erst in Berlin, wo er im Frühjahr 1820 die Universität bezog, auf welcher er nunmehr noch fast drei Jahre mit großem Fleiße philologischen, philosophischen und theologischen Studien oblag. Die philologischen Vorlesungen Böckh's und die theologischen Schleiermacher's beschäftigten ihn hier aufs wärmste. Der ausgezeichnete Erfolg seiner Studien zeigte sich sofort, als er nach seiner Rückkehr in seine Heimath im April 1823 mit einer gelehrten exegetischen Abhandlung über das Evangelium des Johannes hervortrat. Auf Anlaß der „Probabilia“ Bretschneider's, welche die ganze Johanneische Frage aufgerollt haben, wird in Usteri's „Commentatio critica, in qua evangelium Joannis genuinum esse ex comparatis IV evangeliorum narrationibus de coena ultima et passione Jesu Christi ostenditur“ gerade dem Verfasser des vierten Evangeliums im Unterschiede von der synoptischen Tradition die Augenzeugenschaft zugesprochen, ein Standpunkt, wie er seitdem von vielen gemäßigt kritischen Theologen, z. B. von Beyschlag, inne gehalten wurde. Im folgenden Jahre erschien sodann aus der Feder des fleißigen jungen Gelehrten in deutscher Sprache ein Werk über den Apostel Paulus, in welchem zum ersten Male die Theologie dieses Jüngers in ihrem Verhältnisse zu dem Lehrgehalte der anderen neutestamentlichen Schriften dargethan und dadurch die sogenannte „biblische Theologie“ als historische Wissenschaft in einem sehr wichtigen Theile erheblich gefördert wurde; es führt den Titel „Entwickelung des Paulinischen Lehrbegriffes mit Hinsicht auf die übrigen Schriften des Neuen Testamentes“ und fand solche Beachtung, daß es noch 1851 eine sechste Auflage erlebte. Ein ähnliches Werk über die Lehrweise des großen Heidenapostels hatte es vorher nicht gegeben; daher bezeichnet es in der Geschichte der Litteratur über Paulus einen sehr wichtigen Denkstein. Um die Zeit, als diese Schrift veröffentlicht wurde, erhielt ihr Verfasser in Bern die Anstellung als Professor und Director Gymnasii. In diesem Amte wirkte er als Lehrer der classischen Sprachen und des Hebräischen, gewann aber noch Zeit, wissenschaftlich rege thätig zu sein. Außer den Neubearbeitungen seines Paulinischen Lehrbegriffs lieferte er eine Bearbeitung der Wolf’schen Vorlesungen zu den vier ersten Gesängen der Ilias (2 Bände, 1830) und eine Ausgabe von Plutarch's Consolatio ad Apollonium (1830), verfaßte einen „Commentar über den Brief Pauli an die Galater“ (1833) und schrieb auch für die eben begründeten „Theol. Studien und Kritiken“ zwei Abhandlungen über den Täufer Johannes und die Taufe und Versuchung Christi (Jahrg. 1829 und 1832). Aber mitten in voller Arbeit, noch nicht 34 Jahre alt, wurde er durch einen jähen Tod am 18. September 1833 abberufen. Seinem Charakter nach war U. eine nüchterne, scharfsinnige, nach Wahrheit strebende und unermüdlich fleißige Gelehrtennatur; der Sinn für Kritik überwog in ihm die Fähigkeit, die geschichtlichen Personen und Geistesrichtungen in ihren concreten Gestalten zu erfassen, weshalb er z. B. das ursprüngliche Wesen des Christenthums abstract in der Begeisterung für die Wahrheit und in der gegenseitigen Liebe sah. Usteri's Schriften sind im vorstehenden Artikel erwähnt.

    • Literatur

      Zu vgl. ist Güder's Art. über U. in Herzog's Realencyklopädie 2. Aufl., XVI, 264—267 und die dort citirte „Trauerrede“ von Usteri's Leichenredner, dem damaligen Pfarrer und späteren Professor Lutz.

  • Autor/in

    P. Tschackert.
  • Zitierweise

    Tschackert, Paul, "Usteri, Leonhard" in: Allgemeine Deutsche Biographie 39 (1895), S. 397-398 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd117331058.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA