Lebensdaten
1586 bis 1634
Beruf/Funktion
braunschweig-lüneburgischer Generalleutnant
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 13880687X | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Uslar, Thilo Albrecht von

Zitierweise

Uslar, Thilo Albrecht von, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd13880687X.html [21.02.2020].

CC0

  • Leben

    Uslar: Thilo Albrecht v. U., braunschweigisch-lüneburgischer Generallieutenant, dem Geschlechte der Freiherren von Uslar-Gleichen entstammend, der namhafteste unter den in der Geschichte des Dreißigjährigen Krieges auf Seiten der Kämpfer für den evangelischen Glauben vielfach genannten Söhnen des Obersten Hans Ernst v. U. (s. oben Friedrich Moritz v. U. und Georg v. U.), war am 13. December 1586 auf dem väterlichen Gute Wake, unweit Göttingen, geboren. Schon vor Ausbruch jenes Krieges hatte er sich mehrfach im Felde versucht. Zuerst 1604 unter spanischer Fahne als Freiwilliger in den Niederlanden, dann 1605 mit den braunschweigisch-wolfenbüttelschen Truppen bei dem fehlgeschlagenen Unternehmen die Stadt Braunschweig zu bezwingen, 1606 nochmals bei den Spaniern in den Niederlanden und 1615 zum zweiten Male vor Braunschweig, nachdem er inzwischen 1610 zu seiner Ausbildung in Frankreich gewesen war und von 1611—1614 im niederländischen Heere als Freireiter ("Aventurier") den Dienst der Reiterei kennen gelernt hatte. Kurze Zeit vor Beginn des Dreißigjährigen Krieges begegnen wir ihm auf einem anderen weniger rühmlichen Felde, dessen Betreten wir jedoch auf Grund der Anschauungen jener Zeit beurtheilen müssen und nicht mit dem Maaßstabe der Gegenwart messen dürfen. U. gerieth in den dringenden Verdacht, in Gemeinschaft mit seinem Bruder Friedrich Moritz, nach Art der Raubritter des Mittelalters, im J. 1619 einen Kaufmann aus Bielefeld, welcher auf der Heimreise vom Dreikönigsmarkte zu Kassel begriffen war, auf der Landstraße angefallen und ausgeraubt zu haben; beide Brüder wurden deshalb in contumaciam verurtheilt und am 27. April 1621 in die Acht erklärt; die kriegerischen Wirren werden veranlaßt haben, daß die Sprüche wirkungslos blieben. Thilo Albrecht war inzwischen, wie sein Bruder Georg, in den Dienst des Herzogs Johann Ernst zu Sachsen-Weimar getreten und mit jenem in der Schlacht am Weißen Berge (8./18. November 1618) als Oberstwachtmeister in die Gewalt der Sieger gefallen, auch er mußte 1000 Thaler für seine Freilassung zahlen. Dann wurde er Oberstlieutenant eines Reiterregiments des Herzogs Wilhelm zu Sachsen-Weimar, welcher ihn nebst seinem Bruder im Feldlager vor Waidhaus am 21. Juni 1621 bei der Stiftung des Ordens der Beständigkeit unter die Mitglieder desselben aufnahm. An der Spitze eines Reiterregiments, welches der Herzog für den Markgrafen Georg Friedrich von Baden-Durlach geworben hatte, focht Thilo Albrecht am 10.—20. Juni 1622 tapfer in der unglücklichen Schlacht bei Höchst,|dann nahm er seinen Abschied, verheirathete sich mit Sophie v. Adelebsen und blieb, da weder die Truppen des niedersächsischen Kreises, noch die der calenbergischen Landschaft, bei denen er Verwendung finden sollte, zur Thätigkeit berufen wurden, dem Feldlager fern, bis er im J. 1625 unter dem Herzoge Christian von Braunschweig von neuem Dienste nahm. Des Letzteren am 6./16. Juni 1626 erfolgter Tod löste das Verhältniß nach kurzer Dauer, U. focht ohne Bestallung in der Schlacht bet Lutter am Barenberge (17./27. August), kehrte dann nach Hause zurück und verblieb dort, alle Aufforderungen zum Eintritte in das Heer der Liga und zur Annahme des katholischen Glaubens ablehnend, bis Gustav Adolf's Landung in Pommern ihn von neuem zum Soldaten machte. Werbungen, die er 1628 für König Christian IV. von Dänemark begonnen hatte, waren, ehe sie weit geführt hatten, durch den am 12./22. Mai zu Lübeck abgeschlossenen Frieden gegenstandslos geworden.

    Der erste deutsche Fürst, welcher ein Bündniß mit dem Schwedenkönige einging, war Landgraf Wilhelm V. von Hessen-Kassel. Am 20. Mai 1631 ernannte dieser U. zum Oberst zu Roß und zu Fuß über ein Regiment von 8 Compagnien, das weiße Infanterieregiment; gleichzeitig erhielt letzterer eine schwedische Bestallung. Im Felde begegnen wir seinem Namen zuerst am 7./17. September 1631 bei Breitenfeld, wo er 5 Compagnien Reiter befehligte, welche zu Gustav Adolf's Reserve gehörten. Dann war er bei der Einnahme einer Anzahl von Städten im westlichen Deutschland thätig. Im nächsten Jahre wird er als Generalmajor bezeichnet, ohne daß bekannt ist, wann die Beförderung stattgefunden hat. In dieser Eigenschaft führte er im Frühjahr 1632 den Oberbefehl bei einem von Kassel aus unternommenen Angriffe auf die Stadt Volkmarsen. Der Anschlag war insoweit gelungen, daß die Besatzung capitulirt hatte. Da erschien am 17./27. Juni der von Hameln kommende Pappenheim, griff die Hessen überraschend an und brachte ihnen eine vollständige Niederlage bei. Ein über U. niedergesetztes Kriegsgericht sprach diesen von den gegen sein Verhalten erhobenen Anklagen frei, trotzdem kann nicht geleugnet werden, daß ihm die Schuld an dem Unfalle hauptsächlich und in erster Linie beizumessen ist. Gegen den aller Wahrscheinlichkeit nach unbegründeten Vorwurf, daß er Verrath geübt habe, nimmt ihn auch sein Gegner Pappenheim in Schutz, „weil U. ein redlicher Cavalier sei“. Letzterer blieb freilich mit dem Landgrafen, trotz des Vorgefallenen, in gutem Einvernehmen, sah sich aber doch veranlaßt seinen Abschied zu nehmen, wozu Mißhelligkeiten mit Untergebenen beigetragen haben mögen, von denen Einer dem Landgrafen gegenüber Uslar's Fähigkeiten, seine Ansichten auf thatsächlich gemachte Fehler stützend, in ein schlechtes Licht zu setzen bemüht war.

    Jetzt berief Herzog Friedrich Ulrich von Braunschweig-Wolfenbüttel, der nach Gustav Adolf's Tode seine Stellung selbständiger zu machen suchte, Uslar's Lehnsherr, diesen in seine Dienste. Ende 1632 ernannte er ihn zu seinem commandirenden General und zum Obersten über ein Regiment zu Roß und eines zu Fuß, sowie zum Kriegsrathe; zwei Cavallerie- und drei Infanterieregimenter sollten die Truppenmacht des Herzogs bilden; zum Zwecke ihrer Aufstellung schoß U. 42 000 Thaler vor, wogegen der Herzog ihm das Haus und das Amt Uslar im Sollingerwalde verpfändete. Die erste Verwendung im Felde, welche diese Truppen fanden, war bei der vom Herzog Georg von Calenberg unternommenen Belagerung von Hameln, wo U., nachdem er in Höxter und in dem von ihm genommenen Schlosse Polle Garnisonen zurückgelassen hatte, im April 1633 mit 1000 Mann zur Verstärkung der Einschließungstruppen eintraf. Die Besatzung leistete dem Angriffe der letzteren tapferen Widerstand, war aber mit ihren Kräften fast zu Ende, als die Generale Merode und Bönnighausen zum Entsatze erschienen. Herzog Georg ging diesen mit seiner Hauptmacht entgegen und erwartete sie in einer festen Stellung bei Hessisch-Oldendorf, wo es am 28. Juni/8. Juli zur Schlacht kam. Zum glücklichen Ausgange derselben trug U., welcher zunächst zur Beobachtung von Hameln zurückgelassen war, dann aber in richtiger Erkenntniß der Sachlage mit der ihm unterstellten Cavallerie rechtzeitig auf der Walstatt eintraf, redlich bei. Als darauf Oberstlieutenant v. Schellhammer, der tapfere Commandant von Hameln, die Festung übergeben hatte, trennte sich U., den Befehlen seines Kriegsherrn gehorchend, von Herzog Georg und marschirte nach dem Hildesheimschen, um von hier die Kaiserlichen zu vertreiben. Nach längerer Beschießung capitulirte am 3. August das feste Peine, dann wendete U. sich gegen die Stadt Hildesheim, welche vor Jahresfrist Pappenheim genommen hatte. Obgleich Herzog Georg die Mitwirkung ablehnte und dagegen Uslar's Hülfe bei der Blockade von Minden und von Nienburg wünschte, schritt letzterer am 10./20. August zur Belagerung (Jahrbücher für die deutsche Armee und Marine, Januar ff. 1893, Berlin), die er, durch Georg abberufen, für einige Zeit unterbrach, bald aber, nachdem er, den Weisungen des Herzogs Friedrich Ulrich folgend, sich am 4./14. September des tapfer vertheidigten Schlosses Calenberg bemächtigt hatte, von neuem begann. Mit unzulänglichen Kräften unternommen und in ihrem Fortgange vielfach gehemmt durch die Uneinigkeit der ihre Sonderzwecke verfolgenden Verbündeten dauerte sie fast ein Jahr lang. U. verzweifelte oft am Erfolge, er traute sich nicht zu, das Werk zu einem glücklichen Ende zu führen und wünschte der Verantwortung und eines Commandos enthoben zu sein, für welches er seine Kräfte nicht ausreichend hielt. Endlich, nachdem U. am 9./19. Juli bei Sarstedt einen entscheidenden Sieg über ein zum Entsatze heranrückendes Corps erfochten hatte, capitulirte die Besatzung und am 17./27. d. M. zog dieser in die Stadt ein.

    Kurze Zeit darauf, am 11./21. August, starb Herzog Friedrich Ulrich. Eine am 5./15. September zwischen den braunschweig-lüneburgischen Fürsten getroffene Vereinbarung bestimmte, daß ihre Truppen als im Dienste des Gesammthauses angesehen werden sollten und Herzog Georg, ihr Höchstcommandirender, ernannte U., der ihm, den Befehlen seines verstorbenen Kriegsherren gehorchend, so häufig entgegengetreten war, im Lager vor Wolfenbüttel, wohin jener, die Stadt zu blockieren, gerückt war, zum Generallieutenant und zum Chef seines Leibcavallerieregiments. Daneben veranlaßte er, daß ihm in beiden Eigenschaften schwedische Patente ausgefertigt wurden. Von dem Blokadecorps vor Wolfenbüttel aber berief er ihn zur Theilnahme an der Belagerung von Minden ab. Hier schenkte er U. Haus und Hof in Hildesheim, sowie eine sehr werthvolle goldene Kette. Bei der Belagerung der Weserfestung übertrug er ihm den Oberbefehl in einem der vier für diesen Zweck gebildeten Lager, dem vor dem Kuhthore errichteten. Daß U. die durch die Kriegssitten der Zeit ihm gebotene Gelegenheit Geld zu erwerben gut benützt hatte, beweist, daß er im Stande gewesen war, dem Herzoge 31 000 Thaler vorzuschießen, so daß seine Gesammtforderung an das Fürstenhaus jetzt 73 000 Thaler betrug, wogegen ihm das ganze Amt Uslar als Lehngut überwiesen wurde. Schon sein Sohn trat dieses wieder ab. Thilo Albrecht aber wurde am 14./24. October 1634 in den Laufgräben vor Minden durch eine Falkonettkugel getödtet.

    • Literatur

      Edmund Freiherr von Uslar-Gleichen, Beiträge zur Geschichte der Freiherren von Uslar-Gleichen, Hannover 1888, S. 251.

  • Autor/in

    B. Poten.
  • Empfohlene Zitierweise

    Poten, Bernhard von, "Uslar, Thilo Albrecht von" in: Allgemeine Deutsche Biographie 39 (1895), S. 386-388 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd13880687X.html#adbcontent

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