Lebensdaten
1803 - 1879
Geburtsort
Amt Herzogenbusch
Beruf/Funktion
Schulmann
Konfession
evangelisch?
Normdaten
GND: 117454478 | OGND | VIAF: 20458002
Namensvarianten
  • Trompheller, Ernst Ludwig
  • Trompheller, Ernst

Quellen(nachweise)

Orte

Symbole auf der Karte
Marker Geburtsort Geburtsort
Marker Wirkungsort Wirkungsort
Marker Sterbeort Sterbeort
Marker Begräbnisort Begräbnisort

Auf der Karte werden im Anfangszustand bereits alle zu der Person lokalisierten Orte eingetragen und bei Überlagerung je nach Zoomstufe zusammengefaßt. Der Schatten des Symbols ist etwas stärker und es kann durch Klick aufgefaltet werden. Jeder Ort bietet bei Klick oder Mouseover einen Infokasten. Über den Ortsnamen kann eine Suche im Datenbestand ausgelöst werden.

Zitierweise

Trompheller, Ernst Ludwig, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd117454478.html [18.06.2021].

CC0

  • Leben

    Trompheller: Ernst Ludwig T. wurde am 5. August 1803 zu Herzogenbusch geboren, wo sein Vater damals als Hauptmann in holländischen Diensten stand. Wenige Monate später siedelten die Eltern nach dem thüringischen Städtchen Waltershausen über. Seine Schulbildung erhielt T. auf dem zu jener Zeit in hoher Blüthe stehenden Gymnasium zu Gotha. Auf der Universität Jena studirte er, namentlich unter der Leitung von Eichstädt (s. A. D. B. V, 742 f.) und Göttling (s. A. D. B. IX, 487—489), mit Erfolg Philologie, betheiligte sich aber auch mit Eifer am Turnen und Fechten. Als dann im Sommer 1825 durch den Tod des alten Raths Facius am Gymnasium Casimirianum zu Coburg eine Lehrerstelle zur Erledigung kam und für die Wiederbesetzung derselben die Heranziehung eines gelehrten und anregenden jungen Philologen erforderlich schien, fiel die Wahl auf Empfehlung der genannten Jenaer Professoren auf T. Am 15. November hielt er die üblichen Probevorlesungen in lateinischer und deutscher Sprache über Thukydides und Horaz und wurde alsbald als Collaborator fest angestellt. Von da an ist T. am Casimirianum länger als ein halbes Jahrhundert unausgesetzt als Lehrer thätig gewesen. Nachdem er bereits 1833 zum ordentlichen Professor ernannt worden war, erhielt er 1866 den Titel Schulrath und am 15. November 1875 aus Anlaß seines 50jährigen Dienstjubiläums das Ritterkreuz I. Classe des Herzoglichen Hausordens. Die ihm bei seinem Ehrenfeste von dankbaren Schülern zur Verfügung gestellte Geldsumme überwies er dem Gymnasium zur Begründung eines Stipendiums, der sogenannten „Jubiläumsprämie“. Drei Jahre später, zu Michaelis 1878, wurde er in Folge seines geschwächten Gesundheitszustandes unter Verleihung des Titels „Oberschulrath“ in den Ruhestand versetzt, aber schon am 12. Mai 1879 machte ein immer drückender auftretendes körperliches Leiden seinem Leben ein Ende. Kinder hinterließ er nicht. Seine Gattin, die Tochter eines Geistlichen aus dem Coburger Lande, mit der er seit 1827 in glücklicher Ehe gelebt hatte, war ihm schon seit mehr als einem Jahrzehnt im Tode vorangegangen.

    T. war nach dem Urtheile eines langjährigen Amtsgenossen ein Mann von gediegener Gelehrsamkeit, der seine Befriedigung weniger in dem Haschen nach bunter Mannigfaltigkeit der Kenntnisse, als in der Vertiefung und Beherrschung eines engeren Wissenskreises suchte. Was ihm Interesse ablocken sollte, mußte er in das Ganze seines Gelehrtenorganismus einreihen können; Ordnung und|Klarheit war ihm bei seinen wissenschaftlichen Bestrebungen die Hauptsache. Den Geist der alten Schriftsteller zu fassen, ihn in seinen Offenbarungen, hauptsächlich auf dem Gebiete der Poesie, zu belauschen, vor allem von den sittlichen Mächten des Alterthums, von seinen Schönheitsidealen sein Herz erwärmen zu lassen, das war sein Streben, das seine Lust, und darauf beruhte seine hervorragende Befähigung zum Lehren an einer höheren Bildungsanstalt. Von den Griechen und Römern las er mit Vorliebe Homer, Sophokles, Cicero und Horaz. Diese Schriftsteller regten ihn zu selbständigen Forschungen an, die, soweit sie veröffentlicht wurden, in der Gelehrtenwelt eine beifällige Aufnahme fanden. In der lateinischen Stilistik war er ein anerkannter Meister. Auch besaß er eine ausgebreitete Kenntniß der deutschen Litteratur und besonders in den Schriften Goethe's eine staunenswerthe Belesenheit. Von dem öffentlichen Leben hielt er sich fern; aber des Vaterlandes Wohl lag ihm zu allen Zeiten aufrichtig am Herzen.

    Die Programme des Coburger Casimirianums enthalten von T. folgende Abhandlungen: „De versibus intercalaribus“, 1826. — „De particula cum“, 1828. — „Versuch einer Charakteristik der Ciceronischen Bücher vom Redner", 1830. — „Bemerkungen über Cicero's Brutus", 1832. — „Ueber Deutung und Zeitbestimmung von Horazens 14. Ode des ersten Buchs", 1850. — „Betrachtungen über die sechs ersten Lieder im dritten Buche der Horazischen Oden“, 1851. — „Beiträge zur Würdigung der Horazischen Dichtweise“, I. 1855, II. 1858, III. 1862, IV. 1866, V. 1874. Trompheller's wissenschaftlicher Nachlaß, der noch manche andere gründliche Ausarbeitung enthielt, wurde nach seinem Tode zufolge seiner bestimmten Anordnung durch Feuer vernichtet.

    • Literatur

      Vergl. die Programme des Casimirianums von 1876, 1879 und 1880. In dem letzten findet sich auf S. 21 ff. ein vom Professor Study verfaßter Nekrolog T.'s, der vorher schon in der Coburger Zeitung vom 17. und 19. Mai 1879 veröffentlicht gewesen war. Darauf gründen sich auch die Mittheilungen in Bursian's Biographischem Jahrbuche, 2. Jahrg., 1879.

  • Autor/in

    F. Koldewey.
  • Empfohlene Zitierweise

    Koldewey, Friedrich, "Trompheller, Ernst Ludwig" in: Allgemeine Deutsche Biographie 38 (1894), S. 649-650 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd117454478.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA