Lebensdaten
1628 bis 1679
Geburtsort
Kaschau (Košice, Slowakei)
Sterbeort
Engelhartszell bei Passau
Beruf/Funktion
Zeichner ; Radierer ; Maler ; Freskant
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 120021080 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Spielenberger, Johann (bis 1669)
  • Spiellenberg, Johann
  • Spielberg, Johann der Jüngere
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Zitierweise

Spillenberger, Johann von, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd120021080.html [19.10.2019].

CC0

  • Genealogie

    V Johann S. (1594–1652), Freskant, Papierhersteller in K.;
    M Esther Kurzweil;
    Ov Martin S., Maler in Stolp (Pommern);
    Regensburg 1664 Anna Maria ( 1679), T d. Melchior Lidl, Handelsmann in Regensburg, Goldschmied in Augsburg;
    5 K u. a. Johann Melchior (Spi[e]l[n]berger) (erw. 1680/81), Radierer (s. ThB; L).

  • Leben

    S. dürfte eine erste Einweisung in künstlerische Techniken von seinem Vater erhalten haben, von dem er laut Joachim v. Sandrart auch die Freskotechnik erlernt haben soll. Nach einem Aufenthalt in Stolp (Pommern)|bei seinem Onkel Martin soll S. um 1645 in die Werkstatt des Münchner Malers Johann Carl Loth eingetreten sein, dessen eklektizistische, Einflüsse Caravaggios und Rubens' verarbeitende Kompositionen jedoch ohne nachhaltige Wirkung blieben.

    Um 1650 dürfte S. Loths Werkstatt verlassen haben, um danach möglicherweise mehrere Jahre auf Gesellenwanderung in Süddeutschland zu gehen. Nach einem Besuch in Kaschau 1658 begab er sich nach Italien, wo er sich insbesondere in Venedig aufhielt. Eine 1660 datierte und mit der Ortsangabe „Venedig“ versehene Vanitasallegorie (Wien, Albertina) dokumentiert diesen Aufenthalt auch künstlerisch, doch muß Vermutung bleiben, S. sei zusammen mit Johann Carl Loth nach Venedig gekommen und in die Werkstatt des Pietro Liberi eingetreten. Stilistisch prägend waren vielmehr die Arbeiten von Künstlern älterer Generation – v. a. Tizians, Tintorettos und Veroneses, deren Einfluß in seinen späteren Werken sichtbar wird.

    S.s Aufenthalt in Italien dauerte kaum drei Jahre, denn 1661 führte er bereits das Hochaltargemälde für die Pfarrkirche in Kitzbühel aus (Madonna mit den hll. Andreas u. Jakobus, 1661, Kitzbühel, St. Andreas). Zwei Jahre später ist S. in München zwar im Auftrag des Kf. Ferdinand Maria tätig, doch veranlaßte ihn offenbar die schlechte Auftragslage, nach Augsburg überzusiedeln, wo er mit den Neuerungen des Hochbarocks in Berührung kam. Doch auch hier hielt sich S. nur sporadisch auf – 1664 heiratete er in Regensburg –, bis er 1666 nach Wien zog. Dort war er wohl auch als ksl. Hofmaler tätig. Seine Reputation hatte sich zu Beginn der 70er Jahre so weit gesteigert, daß er zum gesuchten Altarbildmaler avancierte. 1672 erhielt er mit der Gestaltung des Frauenaltars im Stephansdom (Himmelfahrt Mariens, heute Kirchberg am Wechsel, St. Wolfgang) seinen bedeutendsten Auftrag. In der Folge lieferte er Arbeiten in den gesamten süddt.-oberösterr. Raum bis nach Mähren; sie weisen ihn zusammen mit Sandrart und Tobias Pock als Wegbereiter der barocken Altarbildmalerei in dieser Region aus. In für die dt. Kunst des 17. Jh. repräsentativer Weise setzte sich S. hier mit realistischen und klassizistischen Tendenzen auseinander.

    S. verkörpert den typischen nordischen Wanderkünstler; erst in seinen letzten Lebensjahren ließ er sich in Wien nieder. Als im Sommer 1679 die Pest nach Wien eingeschleppt wurde, verließ er mit seiner Familie die Residenz, um – so überliefert es Sandrart – nach Augsburg zu reisen, doch starben er und seine Frau auf dem Weg dorthin in Engelhartszell bei Passau.

  • Werke

    Weitere W Salomos Götzendienst, 1665 (Amsterdam, Rembrandthuis);
    Bathseba im Bade, 1667 (Cognac, Musée Municipal);
    Susanna u. d. beiden Alten, 1670 (Pommersfelden, Schloß Weißenstein);
    Ausstattung d. Hofmark Stockau b. Ingolstadt, um 1671, zerstört;
    Pfingstpredigt d. Apostel, 1673/74 (Augsburg, Hl. Kreuz);
    Apostelberufung am See Genezareth, 1675 (Göttweig, Mariä Himmelfahrt);
    Diana u. Kallisto, 1676 (Prag, Národní Gal.);
    Heimsuchung Mariae, 1677 (Olmütz, Wallfahrtskirche am Hl. Berg);
    Die hl. Fam. mit d. Johannesknaben, 1678 (Passau, St. Paul);
    Der hl. Leopold mit d. Madonna, 1678 (Passau, St. Michael);
    Abschied d. Apostel Petrus u. Paulus, 1679 (Brünn, Dom St. Peter u. Paul).

  • Literatur

    Th. v. Frimmel, Bemm. zu J. S., in: Neue Bll. f. Gem.kde. 1, 1922, S. 75–80;
    A. Hämmerle, J. u. J. M. S., Zwei Maler-Radierer, in: Das Schwäb. Mus., 1929, S. 168–92;
    J. Fleischer, Der Barockmaler J. v. S., in: Wiener Jb. f. Kunstgesch. 16, 1954, S. 129–74;
    R. Baljöhr, Bemm. zu J. S. als Zeichner, in: Barockberr. 20/21, 1998, S. 210–21;
    dies., J. v. S. 1628–1679, 2003 (P);
    ThB;
    Augsburger Stadtlex.

  • Portraits

    Kupf. v. Ph. Kilian, 1671, Abb. in Baljöhr, 2003 (s. L), Frontispiz.

  • Autor/in

    Peter Prange
  • Empfohlene Zitierweise

    Prange, Peter, "Spillenberger, Johann von" in: Neue Deutsche Biographie 24 (2010), S. 698-699 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd120021080.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA