Lebensdaten
1592 bis 1661
Beruf/Funktion
polnischer Adeliger ; Theologe
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 121935310 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Slichting von Bukowiec, Jonas von
  • Schlichting, Jonas von
  • Schlichting von Bukowiec, Jonas von
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Zitierweise

Slichting, Jonas von, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd121935310.html [14.11.2018].

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  • Leben

    Schlichting: Jonas S. von Bukowiec (Bauchwitz in der heutigen Provinz Posen) war einer der scharfsinnigsten und regsamsten socinianischen Theologen. Geboren 1592, bezog er, zu Rakow vorgebildet, 1616 die Universität Altorf und wurde dann Prediger zu Rakow, nachher zu Luclawice. Unermüdlich war er für die Sache der Socinianer thätig. So unternahm er 1638 eine Reise nach Klausenburg, um die dortigen Nonadoranten (Leugner der Anbetungswürdigkeit Christi) mit den übrigen Antitrinitariern auszusöhnen, freilich ohne Erfolg. Das von ihm 1642 unter dem Titel „Confessio fidei Christianae illarum Ecclesiarum, quae in Polonia unum Deum et Filium ejus unigenitum Jesum Christum et Spiritum Sanctum profitentur“ herausgegebene, übrigens im Laufe der Zeit in viele fremde Sprachen übersetzte Glaubensbekenntniß zog ihm den besonderen Haß der Katholiken zu. Er wurde 1647 auf dem Reichstag zu Warschau geächtet und konnte erst, als die Schweden ins Land eingerückt waren, es wieder wagen, aus der Verborgenheit hervorzutreten und in Krakau öffentlich thätig zu sein. 1658 mußte er indeß Polen für immer verlassen. Er begab sich zunächst nach Pommern und fand zuletzt auf dem Gute einer adeligen Dame in Selchow in der Mark Aufnahme, wo er 1661 gestorben ist. — Litterarisch war S. besonders als Exeget thätig. Seine Commentare zu neutestamentlichen Schriften bilden eine besondere Abtheilung der Bibliotheca fratrum Polonorum. Als Einleitung ist dort ein Brief abgedruckt, welcher über Schlichting's schriftstellerische Thätigkeit Auskunft giebt. — Außer der bereits oben erwähnten Confessio schrieb S. noch: „De S. S. Trinitate, de moralibus N. et V. Testamenti praeceptis itemque de Sacris Eucharistiae et Baptismi ritibus adversus Balth. Meisnerum (Professor in Wittenberg) Disputatio“ 1637. — Endlich sind einige von ihm herrührende Zusätze und Verbesserungen zum Rakauer Katechismus in einer zweiten lateinischen, 1665 zu Amsterdam erschienenen Ausgabe desselben aufgenommen.

    • Literatur

      Vgl. Otto Fock, der Socinianismus. Kiel 1847. S. 196 ff.

  • Autor/in

    Adolf Link.
  • Empfohlene Zitierweise

    Link, Adolf; Tschackert, Paul, "Slichting, Jonas von" in: Allgemeine Deutsche Biographie 31 (1890), S. 489 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd121935310.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Slichting: Jonas v. S. (Schlichting) von Bukowiec d. i. Bauchwitz, polnischer Edelmann und socinianischer Schriftsteller, 1661. S. stammte aus einer Familie, welche lange Zeit in den ehemals polnischen, jetzt preußischen Fürstenthümern Glogau, Wohlan und Oels angesessen war. Sein Vater, Wolfgang v. S., huldigte bereits socinianischen Anschauungen. So wurde denn auch sein Sohn, unser Jonas S., welcher 1592 geboren war, frühzeitig der socinianischen Gemeinschaft zugeführt und erhielt in Racau seine Vorbildung unter dem seit 1613 dort lehrenden (aus Altdorf entwichenen) Socinianer Joh. Crell (s. A. D. B. IV, 586). Universitätsstudien betrieb er seit 1616 in Altdorf, nachdem er dort nur mühsam Aufnahme gefunden hatte, weil man gegen kryptosocinianische Bestrebungen daselbst Untersuchungen anzustellen begonnen hatte. Nach seiner Rückkehr nach Polen erhielt er eine amtliche Stellung als Pfarrer in Racau selbst, wurde aber bald im Interesse seiner Partei zu weiten Reisen veranlaßt; so reiste er z. B. 1638 nach Siebenbürgen, um dort ausgebrochene Streitigkeiten seiner Gesinnungsgenossen beizulegen. Inzwischen war er durch antitrinitarisch-dogmatische Commentare zu den Briefen an die Galater ("Commentarius in epistolam ad Galatas.“ Racoviae 1628, 8°) und an die Hebräer ("Commentarius in epistolam ad Hebraeos.“ Racoviae 1634, 8°) hervorgetreten und hatte 1642 ein antitrinitarisches Glaubensbekenntniß ("Confessio fidei christianae, edita nomine ecclesiarum quae in Polonia Unum Deum et Filium ejus unigenitum Jesum Christum et Spiritum S. profitentur“ 1642, 4°) veröffentlicht, eine Schrift, welche in zweiter lateinischer Ausgabe verbessert 1651 in 8°, außerdem aber polnisch 1646, niederländisch (1652 in 8°) und deutsch erschien. Auf einem 1647 in Warschau tagenden polnischen Reichstage wurde S. wegen dieser Confession für infam erklärt, diese selbst durch den Henker öffentlich verbrannt, und S. dadurch genöthigt, als Verbannter seine Zuflucht außer Landes zu suchen. Aber in dem zwischen Polen und Schweden darauf ausgebrochenen Kriege stellte sich S. anfangs unter schwedischen Schutz und hielt sich zu Krakau auf, verließ indeß 1658 das polnische Gebiet und begab sich zunächst nach Schlesien, wo er sich auf dem Gute Möstricht an der brandenburgischen Grenze aufhielt. Von hier durch die Kriegsunruhen vertrieben, nahm er seinen Wohnsitz in Stettin und blieb daselbst bis 1660. Auch von hier verscheucht, zog er weiter nach Stargard in Pommern, wurde aber hier durch die Kurbrandenburger als politisch verdächtig aufgegriffen und nach der Festung Spandau gebracht. Nachdem sich seine Unschuld herausgestellt, ließ man ihn frei, erstattete ihm auch in Berlin, wohin er sich begeben, seine ihm abgenommenen Schriften wieder und erlaubte ihm auf kurbrandenburgischem Gebiete, auf dem Rittergute Selchow in der Mark, sich aufzuhalten; aber bald nach der Uebersiedelung dahin starb er daselbst am 1. November 1661, im 69. Jahre seines Alters. Während des Kriegsgetümmels hatte er eine Tochter (welche von Polen getödtet worden war) und seine Gattin verloren, hinterließ aber nach seinem eigenen Tode noch drei Söhne und eine Tochter.

    In seinen zahlreichen lateinischen Commentaren vertrat S. die socinianische Exegese mit aller Entschiedenheit und achtungswerther Gelehrsamkeit. Unter seinen dogmatischen Schriften verdient außer der bereits erwähnten „Confessio“ besondere Beachtung sein gegen den Wittenberger Professor der Theologie Balthasar Meißner gerichtetes Werk „De S. S. Trinitate; de moralibus N. et V. Testamenti praeceptis; item de sacris eucharistiae et baptismi ritibus. Disputatioadversus Balthasarum Meisnerum.“ a. 1637. 8°. Die Titel aller Schriften von S., der Originale und der Uebersetzungen, stehen in Christophori Chr. Sandii Bibliotheca auti-trinitariorum (Freistadii 1684) p. 127—132. Am leichtesten zu erlangen sind seine „Commentaria posthuma in plerosque Novi Testamenti libros, in duos tomos distincta“ (Irenopoli 1656 in Folio), weil sie eine Abtheilung der bekannten Sammlung der Werke der Socinianer bilden, welche unter dem Titel „Bibliotheca fratrum Polonorum“ gedruckt ist.

    • Literatur

      Quellen seiner Biographie sind außer den genannten Werken die Mittheilungen, welche der Pole Lubieniecius in einer „Epistola“ gibt, „qua viro cuidam magno historiolam commentariorum et vitae ac mortis Jonae Slichtingii pertexit“. Diese „Epistola“ ist datirt Hamburgi die 14/24. Junii 1665 und steht als Einleitung vor den oben citirten „Commentaria posthuma“. — Unter den Neueren handelt über S. Otto Fock, Der Socinianismus. Kiel (1847) I, 196 ff.

  • Autor/in

    Paul Tschackert.
  • Empfohlene Zitierweise

    Link, Adolf; Tschackert, Paul, "Slichting, Jonas von" in: Allgemeine Deutsche Biographie 34 (1892), S. 464-465 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd121935310.html#adb2content

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