Lebensdaten
gestorben 1453
Beruf/Funktion
Bischof von Chiemsee ; österreichischer Kanzler
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 136585876 | OGND | VIAF: 80904858
Namensvarianten
  • Silvester
  • Pflieger, Silvester
  • Pflieger, Sylvester
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Zitierweise

Silvester Pflieger, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd136585876.html [06.08.2020].

CC0

  • Genealogie

    V N. N., Kleriker;
    M N. N.

  • Leben

    S. immatrikulierte sich 1411 („de Augusta Pauper“) an der Univ. Wien (1415 als Bakkalaureus der Dekretalen genannt) und studierte danach 1419 an der Univ. Padua; dort ist er 1421 als Doktor der Dekretalen erwähnt. Ebenfalls 1421 ist er als Diakon bezeugt. Schon während seiner Studienzeit hatte S. als Rektor der Pfarrkirche von Binabiburg im Bistum Regensburg eine erste Pfründe erworben, der zahlreiche weitere folgten (1420/21 Pfarrei Radkersburg, 1421 Provisur auf die|Propstei Friesach in Kärnten, um 1426 eine Pfarrei „Bruck“, 1427 Passauer Domkanonikat). Die Pfarrei Radkersburg tauschte er 1427 gegen die Propstei Schliersee; im selben Jahr erhielt S. eine – erfolgreiche – Provision für die im Erzstift Salzburg gelegene Pfarrei Pfarrwerfen. Auf dem Tauschweg gewann er 1430 das Amt des Domdekans in Passau; zudem war er Inhaber der Pfarrei Zell am Ziller.

    Im Dienst der Salzburger Erzbischöfe, wo S. schon 1420 als Zeuge erscheint, verlief denn auch ein Teil seiner Karriere. 1426 und 1433 ist er als deren Kanzler nachweisbar. Wohl im Auftrag von Ebf. Eberhard IV. weilte S. 1427 in Rom. 1440 war er Rat in Salzburg. Am 24.2.1438 wurde er von Ebf. Johann von Reisberg zum Bischof von Chiemsee ernannt und am 2. März konsekriert. In diesem Amt war er in vielem vom Salzburger Erzbischof abhängig, dem er auch als eine Art Weihbischof zur Verfügung stehen mußte. So hatte er u. a. 1444 anläßlich der Gründung des Zisterzienserklosters in Wiener Neustadt die wirtschaftlichen und rechtlichen Voraussetzungen dafür zu prüfen und den neuen Abt einzusetzen. Wohl um seine Einkünfte zu verbessern, aber auch um eine Art Pastoralresidenz zu haben, wurde 1446 die Pfarrei St. Johann in Tirol, die im Bistum Chiemsee lag, S.s bfl. Mensa inkorporiert.

    Der zweite Teil seiner Karriere führte S. an den Hof der Habsburger. Er ist 1439 als Rat Kg. Albrechts II. belegt und übte dieses Amt – wohl ohne Unterbrechung in der Übergangszeit – auch unter Friedrich III. aus. Als Beisitzer am kgl. Kammergericht, wo er später auch den Vorsitz innehatte, ist er 1445 erwähnt; im selben Jahr erscheint er auch als Kanzler in der österr. Kanzlei. Offensichtlich stand die Kirchenfrage im Zentrum seines Wirkens. So hatte er schon 1439 einen Auftrag Albrechts II. zu Verhandlungen mit Papst Eugen IV. und dem Konzil von Basel erhalten. 1441 entsandte ihn Kg. Friedrich auf den Mainzer Reichstag und im selben Jahr auf den Frankfurter Reichstag. 1442 stand er gemeinsam mit dem Augsburger Bischof an der Spitze der kgl. Delegierten in Frankfurt, die die Vertreter des Baseler Konzils und des Papstes getrennt anhören, sich aber jeglicher Übereinkunft enthalten sollten. Im Jan. 1443 erhielt S. eine Vollmacht für weitere Verhandlungen auf dem Nürnberger Reichstag über die Kirchenangelegenheit. Er ebnete gemeinsam mit den Bischöfen Leonhard von Passau und Peter von Augsburg – beide gleichfalls Räte des Königs – den Weg zu einer Einigung zwischen dem Papsttum und Friedrich III., an dessen Ende das Konkordat von 1448 stand. Um für seinen Kurs bei den Reichsfürsten zu werben, reiste er im Reich umher, war 1445 und 1446 dafür erneut in Frankfurt tätig, konnte 1446 gemeinsam mit Kaspar Schlick den konzilsnahen Salzburger Erzbischof für seine Auffassung gewinnen und schaffte 1447 auf dem Nürnberger Reichstag als einer der Vertreter des Königs zusammen mit Enea Silvio Piccolomini (1405–64) den Durchbruch. Im selben Jahr trat er an der Univ. Wien für die kgl. Lösungsvorschläge in der Kirchenfrage ein.

    Darüber hinaus wirkte S. als Gesandter und Vermittler 1441 in den Streitigkeiten zwischen Salzburg und Berchtesgaden, 1442 als Orator des Königs auf dem Steirer Tag; 1448 war er auf dem Landtag in Krems und 1449/50 verhandelte er als Kommissar im „2. Städtekrieg“ in Bamberg und München. 1451 vermittelte er als einer der beiden Beauftragten im Streit zwischen Nikolaus von Kues und Leonhard Wiesmair um das Bistum Brixen.

    Der dem Humanismus zugeneigte S. empfahl die Aufnahme von Enea Silvio Piccolomini, dem nachmaligen Papst Pius II., in die Kanzlei Friedrichs III. Im „Pentalogus“ Piccolominis von 1443 ist der Bischof von Chiemsee einer der fünf Gesprächspartner. Bernhard von Kraiburg, einer seiner Nachfolger als Salzburger Kanzler und im Bischofsamt, widmete S. ein Schreiben über den Fall Konstantinopels 1453. Die Inschrift der Grabplatte würdigt S.s Einsatz für seine Kirche; in den ersten Regierungsjahren Friedrichs III. zählte er zu dessen wichtigsten Diplomaten.

  • Quellen

    Qu Salzburger Landesarchiv, Lehenakten 211, Chiemsee Lehenbuch, fol. 21 ½; Stiftsbibl. Klosterneuburg Cod. 1205, fol. 37 f.; Univ.bibl. Salzburg M II 99, fol. 311 vb-314 vb; Æneæ Silvii postea Pii secundi pont. max. pentalogus ( . . . ), in: B. Pez, Thesaurus anecdotorum novissimus IV/3, 1723, S. 638–743; RTA 14–16, 1914–35, passim; – Internet: Regesta Imperii Online.

  • Literatur

    ADB 34;
    E. Wallner, Das Bm. Chiemsee im MA (1215–1508), 1967, S. 109–11;
    P.-J. Heinig, Ks. Friedrich III. (1440–1493), Hof, Reg., Pol., 3 Bde., 1979, bes. S. 581–84;
    H. Dopsch u. H. Spatzenegger (Hg.), Gesch. Salzburgs I, 1983;
    P. F. Kramml, Propstei u. Land Berchtesgaden im Spätma., Das Ringen mit Salzburg um pol., wirtschaftl. u. kirchl. Selbständigkeit, in: Gesch. v. Berchtesgaden, hg. v. W. Brugger, H. Dopsch u. P. F. Kramml, I, 1991, S. 477;
    S. Weiss, Kurie u. Ortskirche, 1994;
    R. Becker, Wege auf d. Bischofsthron, 2006, bes. S. 425;
    M. Fürst, Biogr. Lex. f. d. Gebiet zw. Inn u. Salzach, 1901;
    E. Naimer, in: Gatz III (L).

  • Portraits

    P Grabplatte mit liegender Ganzfigur, Rotmarmor, wohl v. H. Baldauf, 1453 (Bischofshofen, Pfarrkirche St. Maximilian), Abb. in: F. Martin, Die Kunstdenkmäler d. Lkr. Bischofshofen, Ostmärk. Kunsttopogr. 28, 1940, S. 51 u. Abb. 408.

  • Autor/in

    Erwin Naimer
  • Empfohlene Zitierweise

    Naimer, Erwin, "Silvester Pflieger" in: Neue Deutsche Biographie 24 (2010), S. 416-418 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd136585876.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Silvester: Pflieger S., Bischof von Chiemsee, über dessen Heimath und Bildungsgang näheres nicht bekannt ist, vermuthlich jener „Maister Silvester Flyger“, der 1424 als Pfarrer zu Rakkersburg a. d. Mur in Untersteier vorkommt, erscheint im J. 1432 als Domdechant zu Passau und als Vermittler zwischen seinem Bischof und den Bürgern der genannten Stadt. Schon im nächsten Jahre tritt er als Kanzler des Erzbischofs Johann II. von Salzburg auf und erhält im Frühjahre 1438 von letzterem das Bisthum Chiemsee verliehen. Um das Jahr 1439 wurde Bischof S. in den geheimen Rath des Kaisers Friedrich III. berufen, nahm fortan in dessen Auftrag wiederholt an Reichstagen theil und begleitete ihn namentlich im J. 1442 auf einer größeren Reise, während welcher Aeneas Sylvius auf seine Empfehlung hin in kaiserliche Dienste genommen und von Friedrich III. zum Dichter gekrönt wurde. In eben diesem Jahre besuchte der Kaiser den Gegenpapst Felix Amadeus; Bischof S. begrüßte denselben bei diesem Anlaß zu seiner Enttäuschung mit Tua clemens benignitas. Auch noch in späteren Jahren übernahm S. im Auftrage des Kaisers verschiedene Botschaften: so 1447 an die Universität Wien, 1448 an den Landtag zu Krems, 1450 an die Conferenz in Bamberg. Trotz seiner vielfachen politischen Thätigkeit waltete er eifrig des bischöflichen Amtes; seine Grabschrift nennt ihn den Reformator des Bisthums Chiemsee. Erzbischof Friedrich von Salzburg schenkte ihm die Pfarrei St. Johann im Leukenthal als sog. Tafelgut. Bischof S. starb nach Aventin am 10. September 1453 und wurde in der Kirche zu Bischofshofen im Pongau bestattet, wo auch sein aus Marmor gemeißelter Sarkophag sich befindet. Aeneas Sylvius rühmt S. in seinem Pentalogus bedeutendes Wissen und vielseitige Erfahrung nach.

    • Literatur

      Chmel, Kaiser Friedrich IV. Bd. 2. — Allg. Deutsche Biographie XXVI, 209. — Erhard, Geschichte von Passau I, 174; II, 45, 46.

  • Autor/in

    Gg. Westermayer.
  • Empfohlene Zitierweise

    Westermayer, Georg, "Silvester Pflieger" in: Allgemeine Deutsche Biographie 34 (1892), S. 342 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd136585876.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA