Lebensdaten
1678 bis 1757
Geburtsort
Augsburg
Sterbeort
Augsburg
Beruf/Funktion
Kartograph ; Kupferstecher ; Landkartenstecher ; Landkartenverleger
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 118613537 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Seuter, Matthäus
  • Seutter, Matthäus IV.
  • Seutter, Matthäus
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Zitierweise

Seutter, Matthäus, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118613537.html [14.07.2020].

CC0

  • Genealogie

    V Matthäus (um 1640–1704, Goldarbeiter in A., S d. Martin (1607–77/81), ksl. Hofsilberhändler in A. (s. Einl.), u. d. Viktoria Schanternell;
    M Helena (1658–1704), T d. Hans Geiselmair u. d. Barbara N. N.;
    1) Augsburg 1707 Maria Barbara (1681–1708), T d. Johann Georg Gaap u. d. Rosina Lang, 2) Augsburg 1708 Euphrosina (1689–1716), T d. Caspar Grießbeck u. d. Regina Eberhard, 3) Augsburg 1717 Magdalena ( 1761), T d. Johann Mitteregger;
    6 K (4 früh †) aus 2), S Georg Matthäus (* 1710), Kupferstecher im väterl. Verlag, T Euphrosina (1709–84, ⚭ Tobias Conrad Lotter, 1717–77, Kupferstecher, Landkartenverl. in A., erwarb 1762 d. Kupferdruckplatten u. Kartenbestände v. S.s Verlag, s. Augsburger Stadtlex.; L), 7 K (5 früh †) aus 3) S Albrecht Carl (1722–62), Kupferstecher, nach S.s Tod Verlagsinh., T Anna Sabina (1731–82, 1] Christoph Gustav Kilian, 1724–76, Pastellmaler, Schabkünstler, Kunstverl., s. ADB 15; Augsburger Stadtlex., 2] Georg Balthasar Probst, 1732–1801, Kunstverl., s. L).

  • Leben

    S. erlernte nach 1697 bei Johann Baptist Homann (1664–1724) in Nürnberg die Kunst des Landkartenstichs und übte diese Tätigkeit anschließend für den Augsburger Verleger Jeremias Wolff (1663–1724) aus. Nach seiner Heirat 1707 gründete er in seiner Heimatstadt eine eigene Graphikoffizin. S. stach und verlegte Landkarten im zeittypischen Barockstil. Sein Sortiment umfaßte das gesamte kartographische Spektrum von der Welt- und Kontinentkarte bis zur großmaßstäblichen Darstellung einer einzelnen Grafschaft oder der Umgebung einer Stadt. Ergänzend hierzu produzierte er thematisch verwandte Sujets wie Himmelskarten und Globen, Kriegs-, Geschichts-, Postrouten- und Ordenskarten, Stadtpläne und -ansichten, theoretische und Phantasiekarten, aber auch Wappentafeln und genealogische Schaubilder. Seit 1720 faßte er diese großformatigen, meist einblättrigen Stiche (ca. 50 x 60 cm) in diversen Atlasausgaben zusammen, die von 20 Blatt (Atlas Compendiosus, 1720) auf über 400 Blatt (Grosser Atlas, 1731/32) anwuchsen. S.s „Atlas Novus“ erschien seit 1728 auch im Verlag des Wiener Buchdruckers und Zeitungsverlegers Johann Peter van Ghelen (1673–1754), versehen mit einem vollständigen Ortsregister zu jeder Karte. Seit den 1740er Jahren bot S. zudem einen preisgünstigen „Atlas Minor“ mit kleinformatigen Karten (ca. 20 x 25 cm) an, der sich besonders für den geographischen Schulunterricht und für interessierte Laien eignete. Wie die großen Atlanten erschien auch dieser Atlas in Ausgaben verschiedenen Umfangs und konnte mehr als 60 Karten enthalten. 1741 erhielt er ein Druckprivileg für den oberrhein. und den schwäb. Reichskreis sowie für den Bereich fränk. Rechts.

    S.s Œuvre besteht überwiegend aus Nachstichen und Kompilationen von Karten anderer Verlage. Da in Augsburg das akademische Umfeld fehlte, konnte er keine dauerhaften Beziehungen zu namhaften Kartographen aufbauen. S. fertigte daher nur wenige Originalkarten, diese vornehmlich von Territorien Süddeutschlands (nach Entwürfen v. Militärkartographen) und der Schweiz (Kantonskarten v. Gabriel Walser). Doch gelang es ihm mit Geschäftssinn und sicherem Gespür für den Geschmack der Zeit, die mangelnde wissenschaftliche Qualität des Großteils seiner Karten durch eine künstlerisch ansprechende Gestaltung wettzumachen. Sein Erfolgsrezept war in allen wesentlichen Merkmalen von Homann übernommen; hierzu gehörten eine reiche Ausschmückung der Karten mit dekorativen Kartuschen, Vignetten und figürlichen Elementen, eine hohe Dichte an Ortseintragungen, ein weitgehend einheitliches Blattformat, eine ansprechende Kolorierung und niedrige Preise. Als ebenso geschickter wie fleißiger Stecher produzierte S. viele Karten selbst, er beschäftigte aber auch andere Kupferstecher, darunter seine beiden Söhne und seinen Schwiegersohn Tobias Conrad Lotter.

    S. war einer der berühmtesten und erfolgreichsten Landkartenverleger seiner Zeit. Er trug zwar nur unwesentlich zum wissenschaftlichen Fortschritt der Kartographie bei, umso größer aber war seine Bedeutung für die Verbreitung geographischer Kenntnisse in weiten Bevölkerungskreisen Deutschlands im 18. Jh. Mit S.s Sohn und Nachfolger Albrecht Carl begann der Niedergang der Offizin. In den fünf Jahren seiner Verlagsleitung|erschienen nur ca. 15 neue Blätter. Nach seinem Tod wurden die Kupferdruckplatten und Kartenbestände an den Augsburger Kunsthändler Johann Michael Probst d. Ä. (1727–76) und an Lotter verkauft, die damit den Grundstock für eigene Landkartenverlage legten und S.s Karten noch einige Jahrzehnte lang weitervertrieben.

  • Auszeichnungen

    ksl. Geograph (1731/32, auf d. Karten meist bezeichnet als „Sacrae Caesareae Maiestatis Geographus“), vermutl. anläßl. d. Widmung d. „Grossen Atlas“ an Ks. Karl VI.

  • Werke

    Suevia Universa, v. J. Michal (9 Bll.), um 1725;
    Alsatia Superior et Inferior, v. dems. (3 Bll.), um 1725;
    Rhenus per tres tabellas delineatus, v. dems. (3 Bll.), nach 1731;
    Novissima delineatio Marchionatus Burgoviae, v. dems., nach 1740;
    Charte geographique de la Campagne du Haut Rhin, v. J. F. Oettinger (2 Bll.), 1734;
    Neu verfertigt accurater Grund Riß d. Hochberühmten ( . . . ) Haupt Statt Augspurg, v. J. T. Kraus, 1743;
    Tabulae Principatus Brandenburgico-Culmbacensis ( . . . ) pars Superior, v. J. A. Riediger, 1750.

  • Literatur

    ADB 34;
    C. Sandler, M. S. u. seine Landkarten, in: Mitt. d. Ver. f. Erdkde. zu Leipzig 1894, S. 1–38 (Neudrr. 1963, 2001);
    H. Wolff, Cartographia Bavariae, Bayern im Bild d. Karte, Ausst.kat., 1988, S. 141 f. (P);
    P. H. Meurer, Das Druckprivileg f. M. S., in: Cartographica Helvetica 8, 1993, S. 32–36;
    M. Ritter, S., Probst and Lotter, An eighteenth-century map publishing house in Germany, in: Imago Mundi, The Internat. Journal for the History of Cartography 53, 2001, S. 130–35;
    ders., Augsburger Landkartenproduktion im 18. Jh., Die Verleger S., Lotter u. Probst, in: Augsburg, die Bilderfabrik Europas, Essays z. Augsburger Druckgraphik d. Frühen Neuzeit, hg. v. J. R. Paas, 2001, S. 153–62 (P, dort auch e. v. S. hg. Verlagsverz. ,,Catalogus der Landcharten“);
    ders., Der Verlag v. M. S. in Augsburg u. andere Konkurrenten im Dt. Reich im 18. Jh., in: „auserlesene u. allerneueste Landkarten“, Der Verlag Homann in Nürnberg, 2002, S. 186–95;
    Augsburger Stadtlex.

  • Portraits

    Brustbild, Schabkunstbl. v. M. Deisch, um 1735 bzw. 1748/49 (Augsburg, Staats- u. Stadtbibl.;
    Nürnberg, German. Nat.mus.).

  • Autor/in

    Michael Ritter
  • Empfohlene Zitierweise

    Ritter, Michael, "Seutter, Matthäus" in: Neue Deutsche Biographie 24 (2010), S. 285-286 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118613537.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Seutter: Matthäus S. (auch Seuter), Kupferstecher und Kartograph, wurde 1678 als Sohn des Goldarbeiters Matthias S. und der Bierbrauerstochter Helene Geiselmeir zu Augsburg geboren. Seine Eltern bestimmten ihn ursprünglich zum Bierbrauer, er setzte es aber durch, daß er bei J. B. Homann in Nürnberg das Landkartenstechen erlernen durfte. Bereits 1707, in welchem Jahre er sich zum ersten Male verheirathete (1708 und 1717 heirathete er zum zweiten und dritten Male), finden wir ihn als selbständigen Kupferstecher zu Augsburg ansässig. Binnen kurzer Zeit gelang es ihm, seine dortigen Vorgänger|und Concurrenten im Landkartenstich, Joh. Stridbeck und Jer. Wolf, besonders in Bezug auf Reichhaltigkeit und Mannigfaltigkeit des kartographischen Verlags zu überholen und den Landkartenhandel, der durch die kriegerischen Zeiten begünstigt wurde, im Großen zu betreiben. Seinen kaufmännischen Erfolg bezeugt der 1723 abgeschlossene Kauf des Hauses D 261 (St. Annagasse), seinen wissenschaftlichen der Titel „kaiserlicher Geograph“, den ihm gegen 1730 der Kaiser für die Dedication seines „großen Atlas“ verlieh. Er starb 1757. — Aus seiner Officin sind bis zu diesem Jahr gegen 400 Blätter hervorgegangen, die zum großen Theil von ihm selbst, im übrigen von seinem Schwiegersohn (seit 1740) Tobias Konrad Lotter, dem Kupferstecher Andreas Silbereisen und seinem Sohn Albrecht Karl S. gestochen sind. Ungefähr 250 davon sind Landkarten, gegen 100 Pläne und Ansichten von Städten, der Rest chronologische Tafeln, Stammbäume. Tafeln zur Erklärung des See- und Kriegswesens, endlich Jak. Brucker's „Geschichte der Philosophie" in 6 Tabellen und verschiedene „Curiosa“. Sämmtliche Blätter des Verlags, so wie sie in den verschiedenen Jahren gerade vorhanden waren, bildeten unter gelegentlicher Zuhülfenahme von Homännischen und anderen Karten Seutter's „großen Atlas“ (ohne Jahr), während die Hauptkarten zu kleineren Atlanten unter besonderen Titeln zusammengestellt wurden; bekannt sind: „Atlas geographicus“, 1725, mit 46 Karten; „Atlas compendiosus“, o. J., mit 20 Karten; „Atlas compendiosus scholasticus“, o. J., mit 26 Karten; „Atlas novus indicibus instructus“, Wien und Augsburg, um 1730 mit 25, um 1735 mit 50 in Buchstabenquadrate eingetheilten Landkarten und dazu gehörigen vom kaiserl. Hofkriegsagenten Matth. Roth angefertigten Ortsregistern; „Atlas minor“ (4°), o. J., mit 50 Karten. Jedem dieser Atlanten ist außer dem erwähnten (gedruckten) Titel noch ein „gemaltes“ Titelblatt mit der östlichen Erdhälfte und allegorischen Figuren vorgesetzt, welches ihn als „Atlas novus sive tabulae geographicae totius orbis faciem exhibentes ...“, o. J., bezeichnet, und zumeist ist auch eine kurzgefaßte, mathematisch-physikalische „Einleitung zu dem so anmuthig- als nutzlichen Studio der Geographie“ (lat. oder deutsch) beigefügt. — Die große Mehrzahl der Blätter sind Copien oder unwesentliche Veränderungen holländischer und französischer, aber auch Homännischer Originale; nach Manier und Inhalt den Homännischen Karten auf das genaueste gleichend wurden sie, wie damals üblich, möglichst rasch nach dem Erscheinen der theuren, oft schwer zu verschaffenden Originale ohne Angabe von Autor und Publicationsjahr auf den Markt gebracht und dem großen Publicum um billigen Preis angeboten. S. hat außerdem noch das Verdienst, daß er dem geographisch ungeschulten, „zeitungslesenden“ Publicum durch Beigabe der Ortsregister eine leichte und schnelle Orientirung auf der Landkarte ermöglichte. Seine Originalkarten beschränken sich meist auf kleinere deutsche Gebiete; hervorzuheben sind Michal's „Schwaben“ in 9 Bl. (um 1720) und „Rheinstrom“ in 3 Bl., Harenberg's „Palästina“ (1738), Walser's Karten mehrerer schweizer Cantone (nach 1740), Zürner's „sächsische Specialkarten“ (nach 1750). Ständige wissenschaftliche Mitarbeiter hat sich S. nicht gehalten; Hasius und Tob. Mayer, welch letzterer 1741—46 bei Andreas Silbereisen wohnte, sind nur gelegentlich, der Geograph Rizzi-Zannoni aus Padua, der sich eine Zeit lang, wahrscheinlich Mitte der fünfziger Jahre, im Seutterischen Hause aufhielt, nur vorübergehend für ihn thätig gewesen. Kritische Selbständigkeit in der Kartographie, so wie sie die Homännischen Erben seit 1732 zu erreichen suchten, hat S. wohl überhaupt nicht angestrebt. — Sein Verlag wurde nach seinem Tode vertheilt und ging theils an seinen Sohn Albrecht Karl über, der aber bald starb, theils an Michael Probst, theils an Tob. Konr. Lotter (1717—77). Letzterer, dessen Stich sehr gelobt wurde, und noch mehr sein Sohn und Erbe Matthäus Albrecht|Lotter (geb. 1741), waren durch Benützung englischer Originalkarten und häufigere Ausgabe eigener Werke sichtlich bemüht, die Seutterische Officin wieder auf einen zeitgemäßen Standpunkt zu heben; aber auch sie haben besonders hervorragende Erfolge nicht zu verzeichnen.

    • Literatur

      Paul v. Stetten d. j., Kunst-, Gewerbe- und Handwerks-Geschichte der Reichsstadt Augsburg. Augsburg 1779, S. 54 ff. — Die übrigen biogr. Daten aus verschiedenen Acten und Protokollen des augsb. städt. Archivs. — E. D. Hauber, Historie der Landkarte von Schwaben, Ulm 1724, S. 33 ff. — Ein Verzeichniß der Landkarten u. s. w. von Matth. Seutter s. im Neuen Büchersaal der schönen Wissensch. VI. Bd. (1748), S. 559 ff.

  • Autor/in

    Sandler.
  • Empfohlene Zitierweise

    Sandler, "Seutter, Matthäus" in: Allgemeine Deutsche Biographie 34 (1892), S. 70-72 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118613537.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA