Lebensdaten
1726 - 1798
Beruf/Funktion
Missionar
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 128384786 | OGND | VIAF: 25654228
Namensvarianten
  • Schwartz, Christian Friedrich
  • Schwartz, Friedrich
  • Schwartz, Christian Friedrich
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Zitierweise

Schwartz, Friedrich, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd128384786.html [13.06.2021].

CC0

  • Leben

    Schwartz: Christian Friedrich S., geb. in Sonnenburg bei Küstrin am 22. Oct. 1726, evangelischer Missionar in Vorderindien, starb daselbst in Tanjour am 13. Febr. 1798. Sein Vater, der Bäckermeister Georg S. ( 1758) bestimmte den Knaben, wie dessen früh verstorbene Mutter es gewünscht hatte, für das theologische Studium, und ließ ihn erst die Schule in Sonnenburg, dann 1741, nach seiner Confirmation, die lutherische Rathsschule in Küstrin besuchen. Im Herbst 1746 bezog er die Universität Halle, welche ihn mehr als die damals wesentlich reformirte Universität in dem benachbarten Frankfurt anziehen mußte. Denn früh hatte sein empfängliches Gemüth religiösen Eindrücken sich erschlossen, welche er durch „Erweckte“ der Spener-Francke'schen Richtung empfing. Außerdem war vor kurzem (1743) sein älterer Landsmann, der Sonnenburger Benjamin Schultze (geb. 1689, in Halle 1760), nach einer vierundzwanzigjährigen Missionsarbeit im Tamulenlande aus Gesundheitsrücksichten nach Europa zurückgekehrt, hatte 1744 und 1746 seine Vaterstadt besucht und dann sich in Halle niedergelassen, um von hier aus auch ferner noch das Werk der Mission in Indien zu fördern. So sah sich S. gewissermaßen auf den Weg gewiesen, den er in Halle einzuschlagen hatte. Sein erster Gang war zu B. Schultze. Und wie der junge Student eifrig die Vorlesungen von Siegm. Jakob Baumgarten, J. G. Knapp, Anast. Freylinghausen u. A. besuchte, so wählte Jener ihn daneben auch zum Gehülfen für seine neue Ausgabe der von Barthol. Ziegenbalg ( 1719) und ihm selbst angefertigten Uebersetzung der Bibel in das Tamulische, das beste Mittel, ihn in das Studium dieser Sprache einzuführen. Schwartz's akademisches Triennium nahte seinem Ende, als von Dänemark wieder an die Hallischen Anstalten die Aufforderung erging, an Stelle eines verstorbenen Missionars andere geeignete Persönlichkeiten für die seit 1620 bestehende Colonie in Tranquebar vorzuschlagen. Denn das von König Friedrich IV. (reg. 1699 bis 1730) unter Beirath seines Hofpredigers Lütkens (s. A. D. B. XIX, 700) gestiftete Missionscollegium in Kopenhagen fand dänische Missionare nur für seine Stationen in Grönland; als Sendboten nach seinen indischen Colonieen hatte es sich gewöhnt, Deutsche hinauszuschicken, die es sich in Halle erbat. So war 1705 Ziegenbalg, so 1719 Schultze erwählt worden, jetzt schlug dieser S. vor, der nicht anstand, dem Rufe, den er vom Herrn an ihn ergangen hielt, zu folgen. Man wird annehmen können, daß bei S. sowohl wie früher bei Schultze, die Jugendeindrücke aus ihrer Vaterstadt Sonnenburg, dem alten Sitz eines Johanniter-Herrenmeisters, in dessen Kirche die Wappen zahlreicher Ritter sich befanden und der Ritterschlag neuer Mitglieder feierlich begangen wurde, von nicht zu unterschätzendem Einfluß auf ihre Theilnahme an den Werken der Heidenmission gewesen sind. Nach kurzem Besuch im Elternhause, wo er noch der|Heirath seiner Schwester beiwohnen konnte, eilte S. mit noch zwei andern ihm zugesellten Theologen: Poltzenhagen aus Wollin und Hüttemann aus Minden, nach Kopenhagen. Dort wurden sie nach wohlbestandenem Examen am 17. Sept. 1749 ordinirt und kehrten noch einmal nach Halle zurück, um am 4. Nov. die Reise nach London anzutreten, woselbst sie am 8. December ankamen.

    Die von König Wilhelm III., dem Oranier, 1701 bestätigte „Gesellschaft zur Fortpflanzung des Evangeliums in fremden Welttheilen“ sorgte für die Ueberfahrt nach Indien, wo die Missionare in der englischen Colonie Kudelur landeten und am 30. Juli 1750 in Tranquebar eintrafen. Während Hüttemann später die Station Kudelur übernahm, Poltzenhagen schon 1756 einer Epidemie auf den von den Dänen besetzten Nicobaren erlag, arbeitete S. in Tranquebar zwölf Jahre von 1750—1762, mit unermüdlichem Eifer lehrend und predigend und die Gemeinde, welche mit mehreren Kirchen und Missionaren versehen war, durch seine herzgewinnende Persönlichkeit sammelnd und zusammenhaltend. Den tamulischen Christen, an Zahl fast zweitausend, vermochte erschon am 28. Nov. 1750 den Text Matth. 11, 25—30 in der Landessprache auszulegen. Von günstigem Einfluß war es auch, daß in den Kämpfen, welche während des österreichischen Erbfolgekrieges und des siebenjährigen Krieges in Europa wie auch in den Colonieen ausgefochten wurden, Tranquebar nicht in Mitleidenschaft gezogen wurde, da die Dänen aus ihrer Neutralität nicht heraustraten. So konnten mehrfach die Glaubensgenossen auch aus den englischen Stationen in Madras und Kudelur hier eine Zuflucht finden. Im Verlauf jener Kämpfe aber verschob sich in bemerkenswerther Weise die Machtstellung der Franzosen und Engländer in Indien. Während im Aachener Frieden (1748) die Letzteren nur mit Mühe in den Besitz des 1746 an die Franzosen verlorenen Madras wieder gelangt waren, bewirkten die staunenswerthen Erfolge Robert Clive's im Gangesthale nach dem Siege bei Plassey über den Seradschah-ed-Daulah am 21. Juni 1757, sowie die Capitulation des französischen Pondichery am 18. Jan. 1761, daß im Pariser Frieden von 1763 die Franzosen, wie sie Canada an die Engländer abtreten mußten, so auch ihren Einfluß im Dekan an diese einbüßten, wodurch das ihnen wiedererstattete Pondichery zu einer bloßen Factorei herabsank.

    Mit freiem, weitschauenden Blick faßte S. diese Verhältnisse in's Auge und gewann die Ueberzeugung, daß das steigende Ansehen Englands benutzt werden könne, um auch unter den Eingeborenen außerhalb des Colonialgebietes das Evangelium zu verbreiten; man müsse daher auch die Unterschiede der deutschen und anglicanischen Kirche, namentlich soweit sie mehr ritueller als confessioneller Natur seien, nicht allzusehr betonen. In diesem Sinne hatte er schon 1757 die Uebersiedelung des deutschen Missionars Kienander nach Calcutta geschehen lassen, dessen späteres Verhalten freilich seine Erwartungen täuschte, hatte 1759 sich mit dem Fürsten Tartabusinga zu Tanjour (im S. W. von Tranquebar) persönlich in freundliche Beziehung gesetzt, weil dort eine christliche Gemeinde unter eingeborenen Predigern emporblühte. Und als nun die Engländer auf den Wunsch des Fürsten von Arkot in dessen Festung Tritschinapali (unweit Tanjour) zum Schutz gegen feindliche Angriffe eine Besatzung legten, um welche sich eine Gemeinde sammelte, begab sich S. mit dem Missionar Klein dorthin in der Absicht, eine neue Station zu gründen. Sonntäglich predigte er deutsch, englisch, tamulisch und portugiesisch der Garnison und den Eingeborenen, und hatte die Freude, schon zu Pfingsten 1766 eine durch Geldsammlungen errichtete Kirche (die noch heute stehende Christuskirche) einweihen zu können. Dieser Erfolg muß um so bedeutsamer erscheinen, als in nächster Umgebung der Stadt auf einem Felsen ein berühmtes Heiligthum des Siwa und bei Sirengam ein heiliges Flußeiland mit der größten vielbesuchten Pagode Südindiens für Vischnu sich befand. Aber|mit einem solchen Vorgehen auf bisher unbetretenen Pfaden fand S. weder in Halle, noch in Kopenhagen Anklang und Beifall. Walteten dort — wo B. Schultze 1760 gestorben war und Gotthilf Aug. Francke (der Sohn Aug. Hermann's), die Missionsangelegenheiten verwaltete — kirchliche Bedenken ob, so fürchtete man in Kopenhagen politische Verwickelungen. So ward nach längeren Verhandlungen zwischen den Betheiligten 1767 das friedliche Abkommen getroffen, daß von Halle aus S. (und damit auch die Station) der oben erwähnten englischen Missions-Gesellschaft überlassen werden sollte. War doch 1726 auch B. Schultze, als er nach Madras übersiedelte, in den Dienst jener Gesellschaft getreten. Als Ersatz für S. in Tranquebar wurden die Missionare König und Leidemann gesandt; ihre Wahl war die letzte, welche G. A. Francke vollzog: er starb im August 1769.

    Bis 1772 waltete S. in Tritschinapali seines doppelten Amtes als Prediger der Garnison, die er gelegentlich auf ihren Streifzügen begleitete, und als Sendbote des Evangeliums an die Heiden. Da geschah es, daß der Fürst Tulossi zu Tanjour, welcher 1763 seinem Vater Tartabusinga gefolgt war, von Feinden umdrängt und selbst sich zu schützen zu schwach, sich zum Vasallen der Krone Englands erklärte. Die darüber erzürnte Englische Compagnie bereitete ihm schwere Drangsale, in welchen ihm S., sein wie seines Vaters Freund, erfolgreichen Beistand zu leisten verstand. So wünschte ihn der Fürst an seine Seite und S. folgte seinem Rufe in der Hoffnung, daß ihm in Tanjour eine neue Thür zu erfolgreichem Wirken sich öffnen werde. Das persönliche Ansehen, welches er in allen Kreisen der Bevölkerung genoß, sein langjähriger Dienst an der Mission in Indien ließen ihn gewissermaßen als den Repräsentanten der dortigen Christengemeinden erscheinen, eine Stellung, der man durch den Titel eines „Bischofs von Tanjour“ Ausdruck gab. Wider sein Erwarten aber ward er auch noch auf politischem Gebiet eine hervorragende Rolle in schwerer Zeit zu spielen berufen.

    Haben wir bisher gesehen, wie der steigende Einfluß der Engländer anfing auch die einheimischen Fürsten in seine Kreise zu bannen, so konnte es kaum fehlen, daß sich dagegen aus der einheimischen Bevölkerung heraus eine Reaction erhob, ehe sie aussichtslos erscheinen mußte. Sie ging aus von einem kühnen Abenteurer, Haider Ali, einem Muhamedaner, welcher von gleichem Haß gegen die Hindu und ihre Religion, wie gegen die Engländer und ihre Herrschaft in Indien erfüllt war. Geboren wahrscheinlich um 1721, setzte er sich anfangs als Bandenführer in Maysur (Mysore am oberen Kaweri) fest, nannte sich seit 1761 Fürst und suchte von dort aus seine Herrschaft weiter auszubreiten. Schon 1767 begann er seine Feindseligkeiten gegen die Engländer und als zehn Jahre später die nordamerikanischen Colonieen, unterstützt von Frankreich, den Kampf gegen das Mutterland führten, nahm er ihn mit größerer Energie wieder auf, im Bunde mit den Franzosen. Zwar verloren diese dabei ihre letzten Besitzungen in Indien, Pondichery und Chandernagore, aber Haider brach Friedensverhandlungen, zu welchen die Engländer den Bischof von Tanjour ausersahen (1780), hinterlistig wieder ab. Selbst als ein von Warren Hastings aus Bengalen gesandtes Heer unter Eyre Coote dem kühnen Krieger bei Porto Novo (nördlich von Tranquebar) am 1. Juli 1781 eine entscheidende Niederlage beibrachte, war er noch nicht zu bewegen die Waffen zu strecken. Erst nach Haider's Tod, als auch die Waffen in Amerika wieder ruhten, schloß sein Sohn Tippu am 11. Mai 1784 den Frieden von Mungalur, in welchem die Eroberungen herausgegeben wurden. Das Land war zur Einöde geworden, der Wohlstand zerstört: Die englische Regierung übernahm die Verwaltung in Tanjour und setzte neben dem schwachen Fürsten eine Commission ein, deren Ehrenmitglied S. wurde.

    Tulossi starb schon 1787; der christliche Einfluß vermochte es, die Wittwenverbrennung bei seiner Bestattung zu hintertreiben. Vor seinem Tode hatte er|seinen zehnjährigen Neffen Serfogi adoptirt und zu seinem Nachfolger ernannt. S., der ihn erzogen hatte, sollte auch ferner sein Berather sein und ward ihm bald, wie einst seinem Vater, der Helfer in der Noth. Denn ein Halbbruder Tulossi's, Amar Sing, machte dem Knaben den Thron streitig und ließ ihn einkerkern; doch S. überzeugte die englische Regierung von den gerechten Ansprüchen Serfogi's und bewirkte dessen Erhebung zum Raja von Tanjour. Er regierte dann bis 1834, ein Freund der Christen und dem Bischof, welcher 1798 im Alter von 71 Jahren starb, über das Grab hinaus ein dankbares Andenken bewahrend, aber selbst nicht Christ durch Taufe und Bekenntniß. Dieses eigenartige Verhältniß des Hindufürsten zu S. prägt sich am deutlichsten in dem prächtigen Marmordenkmal aus, welches er seinem Freunde in der Kirche des Forts von Tanjour errichten ließ, sowie in den englischen Versen, welche er für die sein Grab daselbst deckende Granitplatte dichtete. Jenes, von Flaxman angefertigt, stellt S. auf dem Sterbebette dar, ihm zu Häupten seinen Freund, den Missionar Gerike mit der Bibel in der Hand, seitwärts den Raja mit zwei Eingeborenen vor dem Bischof sich neigend. Die Verse, in gleicher Weise den Verfasser ehrend und den, an welchen sie gerichtet sind, lauten in ihren Schlußzeilen (nach Graul's Uebersetzung, in dessen „Reise nach Ostindien“ IV, S. 12):

    „Denen in Finsterniß Helfer zur Klarheit, Wandelnd und weisend die Wege der Wahrheit; Segen den Fürsten, den Völkern und mir, Daß ich, mein Vater, nachwandele Dir, Wünschet und bittet Dein Serfogi hier.“

    Auch in der Fortkirche zu Madras veranlaßten die Directoren der Ostindischen Compagnie die Errichtung eines Marmordenkmals für S. mit einer ausführlichen, seine Thaten schildernden Inschrift.

    Mit S. hatte die dänisch-hallische Mission ihren Höhepunkt erreicht. Waren schon Schultze und S. dazu gedrängt worden in den Dienst der englischen Gesellschaft zu treten, so nahm begreiflicher Weise in Kopenhagen wie in Halle die Theilnahme für die Mission in Indien immer mehr und mehr ab und verlor 1844 nach der Abtretung der dänischen Besitzungen an England allen Boden. Englische Missionare zogen in die vorhandenen Stationen und Kirchen ein, doch hat daneben auch die Dresdener (Leipziger) Missionsgesellschaft, deren Leitung in jenen Jahren Dr. Graul übernahm, versucht, an einzelnen Punkten das Erbe jener früheren Gründungen anzutreten.

    Es würde die Grenzen dieser Skizze überschreiten, wollten wir näher auf diese Verhältnisse eingehen. Dagegen sei hier schließlich noch erwähnt, daß, obwohl spät, auch in Sonnenburg das Andenken an die beiden dort geborenen Missionare durch ein Erinnerungszeichen wachgerufen worden ist. In der Johanniterkirche befindet sich jetzt, inmitten der Wappenschilder, unweit des Altars eine Gedenktafel für B. Schultze mit dessen Geburts- und Todestage, und eine andere für S. mit den gleichen Angaben und dem Zusatz: „Errichtet von Freunden der Mission in und um Sonnenburg am 22. October 1855“, d. i. seinem 130. Geburtstage.

    • Literatur

      Vgl. Berichte der Königl. dänischen Mission in Ostindien von 1710—1767 und als Fortsetzung: Neuere Geschichte der evangelischen Missionsanstalt der Heiden in Ostindien. — Pearson, Memoirs of the life of Chr. Fdr. Schwartz, 1834, übers. Basel 1835. — Gehrmann, der Missionar C. F. S., Erlangen 1870.

  • Autor/in

    R. Schwarze.
  • Empfohlene Zitierweise

    Schwarze, R.; Hantzsch, Viktor, "Schwartz, Friedrich" in: Allgemeine Deutsche Biographie 33 (1891), S. 205-208 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd128384786.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Schwartz: Christian Friedrich Sch., einer der namhaftesten evangelisch-lutherischen Missionare in Indien, ist am 22. October 1726 zu Sonnenburg in der Neumark, dem alten Sitze des Johanniterordens, als Sohn eines in dürftigen Verhältnissen lebenden, dem Pietismus ergebenen Bäckermeisters geboren. Er besuchte bis zur Confirmation die Schule seiner Vaterstadt, dann das Gymnasium in Cüstrin und bezog 1746 die Universität Halle, um Theologie zu studiren. Hier lernte ihn der gleichfalls aus Sonnenburg gebürtige Missionar Benjamin Schultze kennen, der von 1719—43 in Trankebar und Madras gewirkt hatte. Dieser nahm sich seiner an und verschaffte ihm Freitische sowie eine Lehrerstelle an der deutschen Schule der Francke'schen Stiftungen. Von seinen akademischen Lehrern wirkten besonders Gotthilf August Francke, Baumgarten, Knapp, Freylinghausen und Michaelis nachhaltig auf ihn ein. Nachdem sich bereits im zweiten Semester seines Studiums die damals in Pietisten kreisen übliche „Erweckung“ an ihm vollzogen hatte, faßte er den Entschluß, als Missionar nach Indien zu gehen. Sein Gönner Schultze unterrichtete ihn daher im Tamulischen und verwendete ihn bei den Vorbereitungen zu dem schließlich nicht zu Stande gekommenen Drucke seiner tamulischen Bibelübersetzung. 1749 forderte ihn G. A. Francke auf, in den dänischen Missionsdienst einzutreten. Er folgte diesem Antrage mit großer Bereitwilligkeit, reiste nach Kopenhagen, um sich hier prüfen und ordiniren zu lassen, verabschiedete sich darauf in Sonnenburg und Halle von seinen Verwandten und Freunden und begab sich dann nach London, um sich hier im Gebrauche der englischen Sprache zu vervollkommnen. Während seines Londoner Aufenthaltes schloß er Freundschaft mit Georg Whitefield, dem Vater des Methodismus. 1750 fuhr er gemeinsam mit seinen Gefährten David Poltzenhagen und Georg Hüttemann nach Indien ab, um dort die verstorbenen Missionare Obuch und Dal zu ersetzen. Nach kurzer und glücklicher Fahrt landete er am 17. Juni 1750 in Kuddalur, wo ihn Missionar Kiernander mit großer Freude empfing. Nach einem kurzen Aufenthalte reiste er weiter nach nach Trankebar, wo damals fünf Missionare, die Deutschen Wiedebrock, Kohlhoff, Zeglin, Klein und der Däne Maderup wirkten. Die Mission befand sich um diese Zeit in einem Zustande ruhiger, gesunder Entwicklung. Die Gemeinde zählte in der Stadt und ihrer Umgegend über 5000 Seelen. Sch. erweiterte zunächst seine Kenntnisse im Tamulischen und begann mit dem Studium der portugiesischen Sprache. Ende 1750 hielt er seine erste tamulische Predigt, und im folgenden Jahre begann er in der tamulischen Kinderschule zu unterrichten. Nachdem er sich körperlich und geistig acclimatisirt hatte, unternahm er eine Reihe von Predigtreisen in die weitere Umgegend der Stadt. Da er aber wenig Erfolg sah und überdies die Sittlichkeit der ihm anvertrauten Gemeindeglieder trotz aller Ermahnungen viel zu wünschen übrig ließ, überfiel ihn eine düstere Schwermuth. Um sich zu zerstreuen, studirte er die profane und theologische Litteratur der Tamulen und betheiligte sich eifrig an der von Johann Philipp Fabricius begonnenen Revision der tamulischen Bibel. Als 1756 sein Freund Poltzenhagen nach den damals von Dänemark besetzten Nikobaren ging, um dort die Gründung einer Missionsstation vorzubereiten, übernahm er an dessen Stelle die Leitung der portugiesischen Schule und die geistliche Versorgung der portugiesischen Gemeinde in Trankebar. Er mußte sie auch behalten, da Poltzenhagen kurz nach seiner Ankunft auf den Nikobaren vom Fieber hinweggerafft wurde. Da ihm aber das Klima in Trankebar auf die Dauer nicht zusagte, beschloß er unter Zustimmung seiner Mitarbeiter, eine Reihe größerer Missionsreisen durch entferntere Landschaften Südindiens zu unternehmen. So drang er 1759 in das bis dahin den Missionaren verschlossene Königreich Tandschur ein und besuchte die gleichnamige Hauptstadt. Im folgenden Jahre fuhr er nach nach Ceylon über, um die zahlreichen Lutheraner kirchlich zu bedienen, die dort im Dienste der holländischen Colonialregierung lebten. 1761 besuchte er seinen Freund Fabricius in Madras und wirkte auch einige Zeit in der Station Kuddalur. Im nächsten Jahre begab er sich nach der von den Engländern besetzten Festung Tritschinapalli, einem stark besuchten Wallfahrtsorte der Eingeborenen. Da ihm hier die Anlage einer neuen Missionsstation aussichtsreich erschien und da überdies der englische Befehlshaber sich erbot, ihm auf eigene Kosten eine Kirche zu erbauen, blieb er an diesem Orte und begann trotz körperlicher Schwachheit und trotz des ungesunden, überaus heißen Klimas eine Schule zu errichten und englisch, portugiesisch, tamulisch und für die zahlreichen deutschen Söldner der englischen Handelscompagnie auch deutsch zu predigen. Außerdem|versäumte er nicht, unermüdlich die Umgegend bis nach nach Tandschur hin lehrend und gedruckte Tractate vertheilend zu durchwandern. Als die Nachricht von seinem Aufenthalte in Tritschinapalli an das Missionscolleg in Kopenhagen gelangte, wurde sie hier sehr ungünstig aufgenommen, da die Stadt nicht auf dänischem, sondern auf englischem Gebiete lag. Auch die Vorsteher der Mission in Halle hegten schwere Bedenken, da sie für das lutherische Bekenntniß der neuen Gemeinde fürchteten. Sch. trat, um diesen Schwierigkeiten zu entgehen, mit G. A. Francke's Zustimmung unter ausdrücklicher Wahrung seiner confessionellen Zugehörigkeit aus dem dänischen Dienst in den englischen über und wurde daraufhin von der Colonialregierung in Madras 1767 zum Garnisonprediger für Tritschinapalli ernannt. Als solcher mußte er die englischen Truppen auf ihren vielfachen Kriegszügen gegen Haider Ali von Maissur und andere eingeborene Fürsten oft unter großen Beschwerden und Gefahren begleiten. 1769 erhielt er von dem König von Tandschur eine Einladung, sich dort niederzulassen. Er folgte ihr, hielt sich aber zunächst abwechselnd in Tandschur und Tritschinapalli auf, um die neu gesammelten Gemeinden vor Verfall und Auflösung zu bewahren. Erst seit 1772 verlegte er den Schwerpunkt seiner Wirksamkeit nach nach Tandschur. Der König war ihm sehr wohlgesinnt, besuchte wiederholt seine Predigten, fragte ihn oft um Rath in politischen Angelegenheiten und zeigte sich der christlichen Lehre geneigt, ohne indeß überzutreten. Auch das Volk verehrte Sch. wegen seiner Menschenfreundlichkeit und steten Hülfsbereitschaft und ehrte ihn durch den Beinamen des Königspriesters. Da die Umgangssprache der Gebildeten in Tandschur das Hindustani und die Hof- und Staatssprache das Persische war, erlernte er beide Sprachen, um auch in ihnen predigen zu können. 1772 gelang es ihm, in der bei Tandschur gelegenen englischen Festung Wallam eine neue Missionsstation zu gründen. Als die Engländer den König von Tandschur mit Krieg überzogen, begab sich Sch. nach nach Tritschinapalli, kehrte aber, nachdem das englische Heer den König besiegt und gefangen und seine Hauptstadt erobert hatte, wieder dorthin zurück, um die zerstreute Gemeinde von neuem zu sammeln. Als der König die englische Oberhoheit anerkannte, wurde er wieder in seine Würde eingesetzt. Sch. verkehrte auch jetzt viel mit ihm, bemühte sich aber vergeblich, ihn zu bekehren. 1777 übergab er die Station Tritschinapalli, die er bis dahin von Tandschur aus theils persönlich, theils durch eingeborene Lehrer geleitet hatte, an den neu eingetroffenen Missionar Pohle. Als er 1778 von dem Concurs seines unglücklichen Freundes Fabricius in Madras erfuhr, eilte er sogleich dorthin, um die äußerst verworrenen Verhältnisse zu ordnen, doch blieben seine Bemühungen ohne Ergebniß. In den folgenden Jahren wurde er vielfach von den Engländern in diplomatischen Geschäften verwendet, zu denen ihn seine ausgebreitete Sprachkenntniß und seine von Christen, Heiden und Muhamedanern gleichermaßen geschätzte Redlichkeit und Unbestechlichkeit besonders befähigten. 1779 reiste er im Auftrage des englischen Gouverneurs von Madras als Gesandter zu Haider Ali nach nach Sirengapatnam, um ihn zu einem friedlichen Vergleiche mit der englischen Compagnie zu überreden, doch scheiterten seine Bemühungen, da Haider Ali, gewitzigt durch frühere Treulosigkeiten der Engländer, ihren Versprechungen kernen Glauben schenkte, wenn er auch die Ehrenhaftigkeit ihres Gesandten zu schätzen wußte. Auch während des nun folgenden dreijährigen Krieges der Compagnie gegen Haider Ali wurde er wiederholt als Friedensvermittler in Anspruch genommen. Wenn man seiner Dienste nicht bedurfte, zog er sich zu seiner Gemeinde nach nach Tandschur zurück. Hier erbaute er in den Jahren 1779 und 1780 zwei neue Kirchen, die eine für die Farbigen, die andere für die Lutheraner der|Garnison. Auch um das äußere Wohlergehen seiner Neubekehrten war er unermüdlich besorgt. Als infolge des Krieges eine Hungersnoth auszubrechen drohte, kaufte er rechtzeitig große Vorräthe von Reis auf und verwerthete sie so erfolgreich zur Linderung der Noth, daß ihm auch die englische Compagnieregierung die Vertheilung ihrer Gaben anvertraute. Als 1782 Haider Ali gestorben war, wurde Sch. von Lord Macartney, dem englischen Gouverneur von Madras, ersucht, mit Tippu Sahib, dem neuen Herrscher von Maissur, wegen des Friedens zu unterhandeln. Derselbe verweigerte ihm aber den Eintritt in sein Land, so daß er unverrichteter Sache nach nach Tandschur zurückkehren muhte. Jedoch wurde er später noch mehrfach als Gesandter an verschiedene indische Fürstenhöfe geschickt. Bei der englischen Colonialbehörde genoß er so hohes Ansehen, daß ihn dieselbe 1786 in eine viergliedrige Commission wählte, welche die Regierungsmaßnahmen des Königs von Tandschur überwachen sollte. In diesem Amte gelang es ihm, viele nützliche Verbesserungen zum Wohle der Unterthanen anzuregen und durchzusetzen. In demselben Jahre wurde er auch von der englischen Colonialverwaltung als Regierungsdolmetscher mit ansehnlichem Gehalte angestellt. Ebenso übertrug man ihm die Einrichtung und Oberleitung der mit erheblichem Aufwande neu begründeten Regierungsschulen. Als 1787 der König von Tandschur starb, sollte Sch. nach dem Wunsche des englischen Residenten die Vormundschaft über den unmündigen Thronerben übernehmen und dessen Erziehung leiten, doch lehnte er dieses verantwortungsvolle Amt ab, da es ihn seinem eigentlichen Berufe allzusehr entfremdet hätte. 1788 reiste er, als er hörte, daß sein unglücklicher Freund, der Missionar Fabricius in Madras, zum dritten Mal seiner Schulden halber ins Gefängniß gesetzt worden war, nach dieser Stadt, doch gelang es ihm trotz seines Einflusses nicht, ihn zu befreien. Die folgenden Jahre verlebte er in unermüdlicher Thätigkeit vorzugsweise in Tandschur. Die englischen Behörden regierten dieses Land ganz nach seinen Rathschlägen, so daß die Besserung der Rechtspflege und der Finanzverhältnisse gute Fortschritte machte. Zwei Jahre lang bekleidete er nicht ohne vielfache Anfeindung durch habsüchtige Beutejäger unentgeltlich das wichtige Amt eines englischen Residenten in Tandschur. In den letzten Jahren seines Lebens zog er sich von der politischen Thätigkeit fast ganz zurück und widmete sich fast ausschließlich der Mission. Er starb am 13. Februar 1798 in Tandschur, betrauert von einer Gemeinde von mehr als 3000 Seelen. Sein bedeutendes Vermögen hinterließ er der Mission. Er war ein Mann von seltener Redlichkeit, Uneigennützigkeit und staatsmännischer Klugheit, dazu von ungewöhnlicher Arbeitskraft und mit hervorragendem Sprachtalent begabt. Der Mission hat er fast 50 Jahre als der geistig bedeutendste und erfolgreichste aller älteren Missionare gedient. Sein Andenken wird noch heute in den indischen Gemeinden in hohen Ehren gehalten. In Madras setzte ihm wenige Jahre nach seinem Tode die ostindische Compagnie ein Denkmal. Ein zweites wurde ihm in der Missionskirche in Tandschur errichtet.

    Halle'sche Missionsnachrichten: alte Band 6—7, neue Band 1—5 (mit Bildniß in Bd. 3). — Hugh Nicholas Pearson, Memoirs of the Life and Correspondence of the Rev. Christian Frederick Swartz. London 1834, 3. Auflage 1839 (mit Bildniß). — Pearson, Leben des vollendeten deutschen Missionars Chr. Fr. Schwartz im südlichen Indien. Aus dem Englischen übersetzt. Basel 1835. — Fenger, Den Trankebarske Missions Historie. Kjöbenhavn 1843. — Pearson, Chr. Fr. Schwarz, der deutsche Missionar in Südindien. Nach dem Englischen von C. G. Blumhardt, vollendet und herausgegeben von W. Hoffmann. Basel 1846 (mit Bildniß).|— Vormbaum, Chr. Fr. Schwach. Düsseldorf 1851 (Evangel. Missionsgeschichte in Biographieen, Bd. 2, Heft 3—4). — Leipziger Missionsblatt 1864 (mit Bildniß). — Germann, Missionar Chr. Fr. Schwach. Erlangen 1870 (mit Bildniß). — Sidney Lee, Dictionary of National Biography 50, 443—446. London 1897.

  • Autor/in

    Viktor Hantzsch.
  • Empfohlene Zitierweise

    CC-BY-NC-SA