Lebensdaten
1645 bis 1714
Geburtsort
Rabenstein
Sterbeort
Freiberg (Sachsen)
Beruf/Funktion
kursächsischer Kammer- und Bergrat ; Oberberghauptmann ; Forstwissenschaftler
Konfession
lutherisch
Normdaten
GND: 100039596 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Carlowitz, Johann Karl von
  • Carlowitz, Hans Carl von
  • Carlowitz, Johann Karl von
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Zitierweise

Carlowitz, Hans Carl von, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd100039596.html [26.06.2019].

CC0

  • Genealogie

    V Gg. Carl (1616–80), kursächsischer Landjägermeister u. Amtshauptmann, S des Hans Gg. (1586–1643), kursächsischer Landjägermeister, u. der Sabine v. Wolframsdorff;
    M Anna Marie (1623–80), T des Christoph v. Römer, kursächsischer Oberforstmeister, u. der Marta Rositzky v. Kinsky;
    Liebenwalde 19.9.1675 Ursula Marg. v. Böse ( 1727);
    3 T.

  • Leben

    Nach dem Besuch des Gymnasiums zu Halle 1659-64 studierte C. in Jena Rechtswissenschaften und beschäftigte sich mit fremden Sprachen und Naturwissenschaften. 1665-69 begab er sich auf eine abenteuerliche Kavalierstour durch Deutschland, die Niederlande, England, Dänemark, Schweden, Frankreich und Italien, unterbrochen durch Studium an den Universitäten Leiden und Utrecht. Nach seiner Rückkehr wurde C. zum kursächsischen Kammerjunker ernannt und 1670/71 „in gewissen Verrichtungen“ an den kaiserlichen Hof entsandt. 1672 erfolgte seine Ernennung zum Amtshauptmann in Wolkenstein (Erzgebirge). 1679 rückte er zum Vizeberghauptmann auf. Seine Verdienste um das sächsische Bergwesen wurden 1709 durch die Ernennung zum Kammer- und Bergrat und 1711 zum Oberberghauptmann in Freiberg gewürdigt. - Nachhaltiger als im Bergwesen war C. Wirken in forstlicher Hinsicht. Die Sorge um die Erhaltung der Erzgebirgswälder, die durch Bergbau und Gewerbe stark angegriffen waren, veranlaßte ihn 1713 zur Herausgabe seiner „Sylvicultura oeconomica“, dem ersten rein forstlichen Werk der Welt ohne die herkömmliche Bindung an Landwirtschaft und Jagd. Trotz mancher absonderlichen Anschauungen in naturwissenschaftlicher Hinsicht|enthält das Buch eine Fülle von treffenden Beobachtungen und Anweisungen für den praktischen Waldbau. Es kann als Grundstein für die sich in den darauffolgenden Jahrzehnten entwickelnde Forstwirtschaft angesehen werden.

  • Werke

    Sylvicultura oeconomica od. haußwirthl. Nachr. u. naturgemäße Anweisung z. wilden Baumzucht …, Leipzig 1713, 21732, um einen 3. T. v. J. B. v. Rohr vermehrt (Hist. naturalis arborum et fructum sylvestrium Germaniae …);
    weitere Mss. verschollen.

  • Literatur

    ADB III;
    H. J. Wäger, Gedächtnispredigt (15.4.1714), Freiberg o. J.;
    v. C., der erste Autor üb. d. Baumzucht, in: Tharandter Jb. 17, 1866, S. 227;
    M. Kunze, H. C. v. C., ebenda, 39, 1880, S. 296;
    O. R. v. C., Aus d. Archive d. Fam. v. C., 1875, S. 182;
    D. v. Zedlitz, Das erste forstl. Buch u. sein Autor, in: Allg. Forstzs. 7, 1952, S. 400 (P).

  • Portraits

    Stiche v. Bernigeroth (Kupf.-Kab. Dresden, Coburg, Bibl. Nat. Nat. Paris);
    Ölgem. (Stadt- u. Bergbaumus. Freiberg);
    Gem. v. Max Vollmer (P -Slg. Dt. Mus. München).

  • Autor/in

    Albert Richter
  • Empfohlene Zitierweise

    Richter, Albert, "Carlowitz, Hans Carl von" in: Neue Deutsche Biographie 3 (1957), S. 147-148 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd100039596.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Carlowitz: Johann (Hans) Karl v. C., Sohn des kursächsischen Oberforstmeisters Georg Karl v. C., geb. zu Oberrabenstein 25. December 1645, 3. März 1714 zu Freiberg. Die wichtigsten Phasen seines Lebens sind in Kürze folgende: Studium auf der Universität Jena; 5jährige, ausgedehnte Reisen; 1669 Kammerjunker bei Johann Georg II.; 1672 Amtshauptmann zu Wolken- und Lauterstein; 1677 Vice-Berghauptmann; 1709 Kammer- und Bergrath und 1711—bis an sein Lebensende — Oberberghauptmann zu Freiberg.

    C. war also von Haus aus Bergmann, hat sich aber durch seine — die Summe aller seiner Studien und Erfahrungen umfassende, erst gegen den Abschluß seines Lebens hin geschriebene — „Sylvicultura oeconomica“ oder „Anweisung zur wilden Baumzucht etc.“ (1713; vom Hochfürstlichen Sächsischen Landkammerrath und Domherrn Julius Bernhard v. Rohr 1732 in zweiter Auflage und mit einem dritten Theil vermehrt herausgegeben) in der Geschichte der Forstwissenschaft ein unvergängliches Denkmal gesetzt. In diesem dem damaligen König von Polen und Kurfürsten von Sachsen gewidmeten Werk wird die seither von den sogenannten Hausvätern (Petrus de Crescentiis, Heresbach, Colerus, Böcler, von Hohberg, Florinus u. A.) in landwirthschaftlichen Schriften uebenbei mit behandelte Forstwirthschaft zum ersten Mal als ein selbstständiges Ganzes — und zwar mit Ausschluß der Jagdkunde — (eine für damals und von Seiten eines Edelmanns gewiß seltene, von geistiger Höhe|zeugende Entsagung!) gewürdigt. Die nächste Veranlassung der Epoche machenden Schrift war allerdings das Interesse des Verfassers (als Bergofficiant) an der Erhaltung der Wälder zu Zwecken des Bergbaus. C. fürchtet, wie seine Zeitgenossen, hereinbrechenden Holzmangel durch die sorglose Waldwirthschaft seines Zeitalters und — in Folge dessen — Beeinträchtigung, ja Vernichtung des gerade für Sachsen so höchst wichtigen Bergbaus. Indessen sind seine Klagen über Abnahme der Wälder etc. doch nicht ausschließlich auf einseitige montanistische Gründe gestützt; unverkennbar erhellt vielmehr aus seiner ganzen Darstellung — namentlich im Eingang — eine Ahnung von der höheren volkswirthschaftlichen Bedeutung der Wälder. Der I. Theil behandelt den Gegenstand in 18 Capiteln mehr im Allgemeinen, der II. Theil in 12 Capiteln ist vorzugsweise der beschreibenden Botanik gewidmet (ebenso der III. in 47 Capiteln). Das ganze Werk ist vom classischen Hauch und philosophischen Geist der damaligen Zeit durchweht. Sein Autor war in der Litteratur der Römer und Griechen wohl bewandert und stand in den Hauptsätzen der Physiologie wenigstens nicht hinter seinen Zeitgenossen zurück. Seine Auffassung des Baums: Planta est corpus animatum, vegetans (p. 17) wird begründet; die Wurzeln sind ihm os arboris; in Bezug auf die Entstehung der Gewächse (causa materialis) unterstellt er eine causa hyperphysica (übernatürlich, durch Gottes Allmacht) und physica (natürlich — p. 18); der Connex zwischen Standort und Wuchs ist ihm nicht unbekannt; ebenso spricht er von einer Saftbewegung — aufwärts und in den Blättern etc. Die Hauptstärke der Schrift liegt aber im waldbaulichen Theil derselben. Die Lehre von der Holzsaat (mit Tangel- = Nadelholz, insbesondere Fichte und Kiefer) und Pflanzung, von der Anlage der Baumschulen wird ausführlich und in der Hauptsache richtig vorgetragen; der Pathologie und Therapie der Holzgewächse wird ein Capitel gewidmet; die Nachtheile des Laub- und Moosrechens werden bereits hervorgehoben. Schon aus diesen aphoristischen Andeutungen dürfte hervorgehen, daß der Verfasser — nicht einmal Forstmann von Beruf — seiner Zeit weit vorausgeeilt war. Man kann von seiner Schöpfung den Beginn der eigentlichen Forstwissenschaft datiren.

    • Literatur

      Behlen, Allgemeine Forst- und Jagdzeitung, 1828, S. 108. Ratzeburg, Forstwissenschaftliches Schriftstellerlexikon 1872, S. 105. Fraas, Geschichte der Landbau- und Forstwissenschaft, S. 513. Bernhardt, Geschichte des Waldeigenthums etc. I., S. 248.

  • Autor/in

    R. Heß.
  • Empfohlene Zitierweise

    Heß, Richard, "Carlowitz, Hans Carl von" in: Allgemeine Deutsche Biographie 3 (1876), S. 791-792 unter Carlowitz, Johann Karl von [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd100039596.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA