Lebensdaten
um 1480 bis 1550
Sterbeort
Kriebstein (Sachsen)
Beruf/Funktion
sächsischer Rat
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 135708028 | OGND | VIAF: 8610193
Namensvarianten
  • Carlowitz, Georg von
  • Karlowitz, Georg von

Verknüpfungen

Von der Person ausgehende Verknüpfungen

Personen in der NDB Genealogie

Verknüpfungen auf die Person andernorts

Verknüpfungen zu anderen Personen wurden aus den Registerangaben von NDB und ADB übernommen und durch computerlinguistische Analyse und Identifikation gewonnen. Soweit möglich wird auf Artikel verwiesen, andernfalls auf das Digitalisat.

Orte

Symbole auf der Karte
Marker Geburtsort Geburtsort
Marker Wirkungsort Wirkungsort
Marker Sterbeort Sterbeort
Marker Begräbnisort Begräbnisort

Auf der Karte werden im Anfangszustand bereits alle zu der Person lokalisierten Orte eingetragen und bei Überlagerung je nach Zoomstufe zusammengefaßt. Der Schatten des Symbols ist etwas stärker und es kann durch Klick aufgefaltet werden. Jeder Ort bietet bei Klick oder Mouseover einen Infokasten. Über den Ortsnamen kann eine Suche im Datenbestand ausgelöst werden.

Zitierweise

Carlowitz, Georg von, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd135708028.html [26.10.2020].

CC0

  • Genealogie

    V Blasius;
    Anna, T des Cäsar Pflugk (1458–1524), 1. Rat Hzg. Georgs, wirkte als Statthalter, Gesandter b. den wichtigsten Botschaften, Hofrichter, Schw des letzten kath. Bischofs v. Naumburg Julius Pflugk ( 1564);
    N Christoph s. (2).

  • Leben

    C. war der einflußreichste Rat Herzog Georgs zu Sachsen und des jungen Herzogs Moritz. Als junger Landedelmann sammelte er daheim und bei den Kämpfen der Wettiner und des Kaisers in Friesland reiche Erfahrungen, die ihm im Verwaltungsdienst zugutekamen als Amtmann zu Dresden 1510, Landvogt zu Pirna 1517-20, Amtmann zu Sagan 1520-22 und Amtmann zu Radeberg. Herzog Georg verpfändete es 1519 an ihn, und erst 1540 wurde es zurückgelöst. 1522 an den Hof gekommen, nahm er seit 1524 die Stellung seines verstorbenen Schwiegervaters ein und gewann durch seine politische Fähigkeit noch stärkeren Einfluß als dieser. Er war in der Lage, an seinen Herzog und an Adlige große Geldsummen zu verleihen. Mit Herzog Georg stimmte er überein in seinen Bestrebungen, den Bergbau zu fördern, das Finanzwesen zu heben, die Staatsgewalt zu stärken, den Frieden zu erhalten. Als Rat oder Statthalter am Hofe zu Dresden oder als Gesandter vermittelte er als äußerst geschickter Diplomat. Er verstand es meisterhaft, sich eigenwilligen Verhandlungspartnern anzupassen und sie, soweit möglich, nach seinen habsburgfreundlichen Zielen zu lenken. Schon 1532 setzte sein Ringen um den 1521 geborenen Herzog Moritz ein, der im streng protestantischen Sinne am Hofe zu Dresden von Herzogin Elisabeth, der Schwester Landgraf Philipps von Hessen, beeinflußt wurde. Dieser jahrelange mit List geführte Kampf der beiden um Moritz blieb letzten Endes unentschieden. C. hielt aus Tradition zur Papstkirche, ohne die tiefe Frömmigkeit und die Gewissensbedenken Herzog Georgs recht zu verstehen. Ihm ging das Interesse für den Staat über die Religion. Durch die Strenge des Herzogs gegen die lutherfreundlichen Untertanen, sah C. den Frieden ernstlich gefährdet. Deshalb bemühte er sich, erasmisch beeinflußt von seinem Schwager, dem Meißner Domherrn Julius Pflugk, in den Religionsgesprächen von 1534 und 1539 eine Einigung der beiden religiösen Parteien mit Zugeständnissen an die Protestanten herbeizuführen. Es gelang nicht, das Volk zur christlichen Einigung zu führen. - Er schlug vor, aus den Klostergütern Schulen zu errichten, in denen Knaben aller Stände sechs Jahre gemeinsam unentgeltlich erzogen werden sollten. Herzog Moritz, der den nach Herzog Georgs Tod vorübergehend kaltgestellten Staatsmann bei seinem Regierungsantritt wieder in seine alte Stellung einsetzte, verwirklichte diesen Erziehungsplan durch Gründung der Fürstenschulen. 1543 verschrieb er C. die Herrschaft Kriebstein, wohin sich dieser 1545 zurückzog. Seitdem diente er nur noch als Rat von Haus aus. C. hat zusammen mit seinem Neffen Christoph das Schicksal des albertinischen Sachsens im Reformationszeitalter entscheidend beeinflußt.

  • Literatur

    ADB III;
    E. Brandenburg, Mor. v. Sachsen I, 1898;
    ders., Pol. Korr. d. Hzg. u. Kf. Mor. v. Sachsen, 2 Bde., 1900-04;
    R. v. Mansberg, Erbarmannschaft wettin. Lande II, 1904;
    F. Geß, Akten u. Briefe z. Kirchenpol. Hzg. Gg.s v. Sachsen, Bd. 1 u. 2,1905 (Bd. 3 u. 4 ungedr.);
    O. A. Hecker, Rel. u. Pol. in d. letzten Lebensjahren Hzg. Gg.s d. Bärtigen v. Sachsen, 1912;
    W. Goerlitz, Staat u. Stände unter d. Herzögen Albr. u. Gg., 1928;
    R. Kötzschke-H. Kretzschmar, Sächs. Gesch. I, 1935;
    E. Werl, Elis. Hzgn. zu Sachsen, d. Schwester Landgf. Phil.s v. Hessen, I. T., Diss. Leipzig 1938.

  • Autor/in

    Elisabeth Werl
  • Empfohlene Zitierweise

    Werl, Elisabeth, "Carlowitz, Georg von" in: Neue Deutsche Biographie 3 (1957), S. 146 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd135708028.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Carlowitz: Georg v. C., Oheim Christoph's v. Carlowitz, geb. um 1471, Besitzer der gegen das Amt Senftenberg eingetauschten Herrschaft Kriebstein, Amtmann zu Dresden, 1516 Landvogt zu Pirna, dann Hauptmann zu Sagan, endlich Amtmann zu Radeberg, Herzog Georgs des Bärtigen von Sachsen vertrautester Rath, vielfach beschäftigt in den Staats- wie in den Familienangelegenheiten, namentlich auch in den Religionshändeln dieses Fürsten, mit welchem er trotz der Ueberzeugung von der Nothwendigkeit einer Kirchenreform die Abneigung gegen die lutherische Reformation theilte, daher er bei den Protestanten als Papist arg verschrien war; doch sprach er sich 1539 zu Mühlberg gegen Brück für die Durchführung des Reformwerks durch die Laien, nicht durch den Clerus aus, scheint es aber überhaupt verstanden zu haben, seine religiösen Ansichten mit seinem persönlichen Vortheil in Uebereinstimmung zu setzen. Sofort nach Herzog Georgs Tode sammt den übrigen Räthen entlassen, wurde er doch gegen das Ende von Herzog Heinrichs Regierung wieder zu den Geschäften gezogen und blieb auch unter Moritz neben seinem Neffen Christoph einer der einfluß reichsten Räthe, zeigte sich nunmehr, wenn auch nie ein Freund der protestantischen Geistlichkeit, der evangelischen Lehre geneigter, nahm noch an den Verhandlungen über das Interim Theil, diente aber zuletzt wegen Gebrechlichkeit dem Kurfürsten nur noch vom Hause aus und starb 2. Mai 1550.

  • Autor/in

    Flathe.
  • Empfohlene Zitierweise

    Flathe, Heinrich Theodor, "Carlowitz, Georg von" in: Allgemeine Deutsche Biographie 3 (1876), S. 791 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd135708028.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA