• Leben

    Schleupner: Christoph S., evangelischer Theologe, ein Enkel Dominicus Schleupner's (s. u.), wurde 1566 in Trumsdorf bei Bayreuth geboren. In den Schulen zu Goldkronach und Hof vorgebildet, bezog er 1583 die Universität Wittenberg. 1587 zwang ihn eine Krankheit zur Rückkehr in die Heimath. Noch in demselben Jahre wurde er Diakonus zu Gesees, 1589 zu Bayreuth. 1598 erhielt er eine Berufung als Pfarrer und Inspector zu Graz, konnte aber wegen der mächtigen gegenreformatorischen Strömung sein Amt nicht antreten. Doch erwarb er sich auf Kosten der Landstände von Steiermark in Wittenberg die Würde eines Doctors der Theologie mit der Dissertation „Abominationis pontificiae in articulo de Ecclesia“. 1600 wurde er als Superintendent nach Hildesheim berufen, 1607 siedelte er in gleicher Stellung nach Eisleben über, wo er u. a. gegen die im Lande übliche Selbstcommunion der Geistlichen auftrat. 1612 kehrte er als Generalsuperintendent und Hofprediger in seine Heimath zurück. Zunächst war sein Amtssitz Bayreuth, aber infolge einer Feuersbrunst zog er mit dem Hofe und dem Consistorium nach Kulmbach. Nach weiterer siebenjähriger Wirksamkeit in Hof wurde er 1632 von den Schweden zum Generalsuperintendenten nach Würzburg berufen, aber bereits zwei Jahre später mußte er infolge des Einrückens der kaiserlichen Armee seine Stellung ausgeben. Er starb in Erfurt am 10. August 1635. Schleupner's Schriften gehören größtentheils dem Gebiete der praktischen Theologie an. Zu nennen ist besonders der „Tractatus de quadruplici methodo concionandi“, 3. Aufl. Leipzig 1613; „Harmonia evangeliorum et epistolarum dominicalium“, erst lateinisch, dann deutsch von Andreas Heidemann, in verschiedenen Ausgaben; „Postilla“, Nürnberg 1635, Folio, mit einer Widmung an Markgraf Christian, die mancherlei Nachrichten über seine Person enthält; „Vier Predigten vom Steigen und Fallen des Papstthums zu Rom“ (zu Bayreuth aus Anlaß des Jubelfestes der Reformation 1617 gehalten), Leipzig 1618, 4°, mit einer längeren Vorrede über die Familie u. s. w. Die heimathliche Geschichte behandelt die „Topographia seu Sciagraphia Burggrafiatus Norici, quae Chronici nomine allegata est“, zuerst in seiner Harmonia 1613 erschienen, dann z. B. von J. Chr. Laurus wieder abgedruckt (Bayreuth 1617).

    • Literatur

      Jöcher IV, 278 f., wo auch Schleupner's zahlreiche Schriften einzeln aufgeführt werden. Zu letzteren ist u. a. noch hinzuzufügen: Leichpredigt ... Ernsten Grafen vnd Herren zu Manßfeld gehalten 1609. Eisleben. Jacob Gaubisch. — Unterschiedliche Predigten, bey beyderley Einweyhung der herrlichen newen Kirchen vnd des schönen Altars zu Bayreuth in Christiani, Marggrafen zu Brandenburg Hoflager. Leipzig 1616. 4°. —
      Die Correspondenz bezüglich seiner Stellung zur Selbstcommunion der Geistlichen befindet sich im k. s. Hauptstaatsarchiv zu Dresden. Loc. 9736. — Des Dekan Luthers in Leimbach und des Superintendenten Schleupner's in Eisleben Briefwechsel über die Kommunion der Geistlichen. 1611, 1612.

  • Autor/in

    Georg Müller.
  • Empfohlene Zitierweise

    Müller, Georg, "Schleupner, Christoph" in: Allgemeine Deutsche Biographie 31 (1890), S. 471-472 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd117643610.html#adbcontent

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