Lebensdaten
1771 bis 1844
Geburtsort
Bern
Sterbeort
Aarau
Beruf/Funktion
Kupferstecher
Konfession
evangelisch?
Normdaten
GND: 137760817 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Scheuermann, Samuel Johann Jakob
  • Scheuermann, Jakob
  • Scheuermann, Samuel Johann Jakob
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Orte

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Zitierweise

Scheuermann, Jakob, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd137760817.html [30.03.2020].

CC0

  • Leben

    Scheuermann: Samuel Johann Jakob S., tüchtiger, aber von den fachwissenschaftlichen Nachschlagewerken bisher gleichwol nicht beachteter Kupferstecher, gehört einem ursprünglich in Zofingen (Aargau) verbürgerten Geschlechte an, das der Pfarrer Sem S. 1577 nach dem benachbarten Aarburg verpflanzt hatte. Seine Eltern, Daniel S. und Maria geb. Schmid, beide in dem genannten Städtchen heimathberechtigt, wohnten in Bern, wo der erstere das Handwerk eines Kupferschmiedes betrieb. Hier am 20. April 1771 geboren und am folgenden 28. April im Großen Münster getauft, bestand Jakob S. nach Ablauf der Schuljahre seine Lehrzeit bei einem Berner Kupferstecher und ließ sich nach Vollendung derselben 1796 zur Begründung eines eigenen Geschäftes in Aarau nieder. Er verheirathete sich am 31. Januar 1798 mit einer dortigen Bürgerstochter, erwarb 1806 (nicht 1812) nach damaligem Brauche durch den Ankauf eines neuen Hauses vor dem St. Laurenzenthore das Bürgerrecht und versah neben seinem Berufe von 1802—10 noch die Stelle eines Zeichenlehrers an der aargauischen Kantonsschule. Seine Theilnahme an dem von Joh. Rudolf Meyer, Vater, (s. A. D. B. XXI, 587 ff.) veranstalteten und von dem Straßburger Geometer J. H. Weiß aufgenommenen großen Atlas der Schweiz (16 Blätter und Generalkarte, 1796—1802), dessen Stich er mit C. Guérin und G. Eichler ausführte, erwarb ihm mit einem Male weithin Anerkennung und Ruf. Mit erstaunlichem, durch eine feste Gesundheit begünstigtem Fleiße vollendete er seitdem eine Reihe geschätzter Arbeiten seines Faches, deren Aufzählung um so weniger unterbleiben darf, als ein solches Verzeichniß nur an ziemlich verborgener Stelle (s. u.) gegeben worden ist. Außer sechs Blättern des Meyer'schen Atlas, darunter die Generalkarte, sind aus seiner Hand noch hervorgegangen: die Karten der Schweizerkantone zum „Helvetischen Almanach“ (1799—1822), eine von ihm selbst auch gezeichnete Karte des Kantons Aargau mit Ausführung der Höhen in getuschter Manier (1803; erneuert 1825), eine Karte von Vindonissa nach eigener geometrischer Aufnahme, Stapfer's und Thellung de Courtlary's Karte des Erguel, R. J. Bollin's „Plan von der Stadt und dem Stadtbezirk Bern“ (1811; nach F. Roder's neuer Aufnahme 1831), Heinrich Keller's erste Reisekarte der Schweiz (1813; erneuert 1844), verschiedene Kupfer zu dem Schweizer-Taschenbuche „Alpenrosen“ (1811—33, 1837—39), die nach J. R. Meyer's Relief der Schweiz von ihm gezeichnete und gestochene Karte zu der „Reise auf die Eisgebirge des Kantons Bern“ (1813), einer Schrift, welche H. Zschokke nach den Auszeichnungen der Gebrüder Meyer von Aarau herausgab (s. A. D. B. XXI, 595), David Breitinger's „Plan der Stadt Zürich“ (1814), H. Keller's „Aussicht vom Weissenstein auf|dem Jura, Canton Solothurn" (1818; Länge 196 Cm.), dessen kleinere „Aussicht vom Rigi-Kulm“ (1820; 92 Cm.), Stähli's „Aussicht vom Hohbühl bei Interlaken“, Keller's Panoramen vom Freudenberg bei St. Gallen (1821; 320 Cm.), vom Heiligenberg, der Borromäischen Inseln, von Chiavenna und vom Dom zu Mailand, K. Belliger's von Aarau „Panorama vom Schlosse Habsburg“ (1821; gemeinsam mit Chr. Meichelt), ein von ihm, Keller, Pfyffer v. Altishofen und Osterwald gezeichneter Atlas der Schweiz (1822; 19 Blätter und colorirtes Titelbild), Oberst Meßmer's Karte des Berner Oberlandes (1824; 2., verbesserte Auflage 1845), Keller's „Der Kanton Zürich mit seinen nähern Angrenzungen“ (1828 in Fol., 1831 in 4°; beide berichtigt 1843 und 1845), Keller's Wegekarten des Kantons Zürich, wovon die größere mit Darstellung der Kirchen und Schlösser in Ansicht (1828; berichtigt 1831 und 1839), desselben Panoramen von der Röthifluh bei Solothurn (1829) und vom Rigi-Kulm (das größere, 1836; 196 Cm.), dessen „Grundriß der Stadt Basel“ (1832; berichtigt 1844), zweite Reisekarte der Schweiz (1833; neue Ausgabe 1844) und Grundrisse Zürcherischer Ortschaften mit Ansicht der Kirchen und Schlösser. Endlich bewahrt das Künstlerbuch der Zofinger Stadtbibliothek eine Sepiazeichnung Scheuermann's: „Rettung der Zofinger Fahne im ersten Villmerger Kriege, 14. Januar 1656“. — Fast bis zum Ende vermochte er seiner Arbeit ungestört obzuliegen; doch trat in den letzten Jahren als Folge der sitzenden Lebensart eine Lähmung der unteren Körpertheile ein, welche ihn an selbständiger Fortbewegung hinderte, so daß man ihn täglich zum Arbeitstische tragen mußte. Der Tod erfolgte am 27. Januar 1844. Von seiner Gattin Magdalena Hässig hinterließ er zwei Töchter und einen Sohn. Der letztere, Jakob Emanuel S., geboren am 25. Juni 1807 in Aarau, bildete sich unter der Leitung seines Vaters zu einem geschickten Kupferstecher aus, arbeitete längere Zeit mit diesem gemeinsam, dann für sich in Aarau und seit Ende 1859 in Zürich, von wo der bekannte Landkarten- und Panoramenzeichner Heinrich Keller (s. A. D. B. XV, 580 f.) schon vorher die mit seinem Vater gepflogene Verbindung auch mit ihm fortgesetzt und seinen bewährten Grabstichel mehrfach beansprucht hatte. Dort starb er am 13. August 1862. Von seinen Arbeiten sind hervorzuheben: sieben auf einem Blatte vereinigte Karten zur Geschichte der Schweiz von 53 v. Chr. bis 1800 n. Chr. (1840), ein „Kleiner Atlas zur Schweizergeschichte für Lehranstalten und Geschichtsfreunde“ (1844; 10 Blätter in kl. 4°), Keller's „Die Schweiz mit den Entfernungen in Wegestunden“ (1844) und „Schul-Wandkarte der Erde“ (4 Blätter; 3. Aufl. 1860—61).

    • Literatur

      Der Schweizer-Bote, 41. Jahrg. 1844, Nr. 13 vom 30. Jan., S. 50a und Nr. 16 vom 6. Febr., S. 63b; wieder abgedruckt in: N. Nekrolog, 22. Jahrg., 1844, 1. Thl. (1846), S. 78 f. — F. X. Bronner, Der Kanton Aargau. 2. Bd., St. Gallen und Bern 1844, S. 50. —
      Der Unterzeichnete im „Katalog des Zofinger Künstlerbuches“, Zofingen 1876, S. 31 f. (Danach das oben im Text ergänzte Verzeichniß der Stiche Echeuermann's d. ä.) — Außerdem Familiennachrichten.

  • Autor/in

    A. Schumann.
  • Empfohlene Zitierweise

    Schumann, A., "Scheuermann, Jakob" in: Allgemeine Deutsche Biographie 31 (1890), S. 142-143 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd137760817.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA