Lebensdaten
um 775 bis 850
Geburtsort
in der alten Gallia Belgica, wohl im Umkreis von Metz
Sterbeort
wahrscheinlich Metz
Beruf/Funktion
Liturgiker ; Bischof von Trier und Lyon ; Chorbischof von Metz
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 118502379 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Amalheri
  • Amelarius
  • Amalerius
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Porträt(nachweise)

Orte

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Zitierweise

Amalarius von Metz, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118502379.html [13.12.2018].

CC0

  • Leben

    Die personale Gleichheit des Bischofs A. von Metz mit dem gleichnamigen Bischof von Trier wurde mit guten Gründen kürzlich von J. M. Hanssen dargelegt. Schon als Metzer Kleriker (nicht Mönch) muß er irgendwann Alkuin nähergetreten sein. 812 übernahm er den Bischofsstuhl von Trier. Seine dortige Amtstätigkeit scheint aber nur bis zu der bald nach Ostern 813 angetretenen Legationsreise gedauert zu haben, die er im Auftrag|Karls des Großen mit Abt Petrus von Nonantula an den Hof Kaiser Michaels I. in Konstantinopel unternahm. Nach der Rückkehr hat er vermutlich unter Ludwig dem Frommen eine Lehrtätigkeit an der Palastschule in Aachen aufgenommen; 831 studierte er auf Veranlassung Ludwigs des Frommen die liturgischen Gewohnheiten der römischen Gemeinde. Auf der Synode in Diedenhofen (Thionville) 835 wurde er zum Nachfolger des abgesetzten Bischofs Agobard von Lyon ernannt, 838 aber auf dessen und des Diakons Florus Betreiben auf der Synode von Quierzy abgesetzt mit der Beschuldigung, seine liturgischen Werke seien voller schwerer Verstöße gegen die Tradition. Über sein weiteres Leben wissen wir nur noch, daß er höchstwahrscheinlich seinen Wohnsitz in Metz genommen und vielleicht zeitweilig als Hilfsbischof des dortigen Oberhirten Drogo gewirkt hat. Vieles spricht für die Überlieferung, daß er (um 850) in Metz gestorben und in St. Arnulf daselbst begraben worden ist. - A. hat mit seiner allegorischen Liturgie-Interpretation, die er als erster im Abendland in großem Maßstabe durchführte, trotz all seiner Künsteleien und trotz des Widerstandes einiger Zeitgenossen und weniger Späterer (Walahfried Strabo, Albert der Große) Bedeutung erlangt.

  • Werke

    J. M. Hanssen, Amalarii episcopi liturgica omnia, 3 Bde., Rom 1948–50;
    Versus marini, hrsg. v. E. Dümmler, in: MG, Poetae latini aevi carolini I, S. 426-28.

  • Literatur

    ADB I (unter Amalharius); J. M. Hanssen (s. W) I, 1948, S. 39-91 (ausführl. Verz. d. älteren L).

  • Autor/in

    Balthasar Fischer
  • Empfohlene Zitierweise

    Fischer, Balthasar, "Amalarius von Metz" in: Neue Deutsche Biographie 1 (1953), S. 236 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118502379.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Amalharius, Amalherius, Hamularius, Amularius Fortunatus und Symphosius nach der älteren Meinung ein und dieselbe Person, nach der jüngeren, besonders von Marx (Geschichte des Erzstifts Trier I. Abth. II. Bd. S. 387 f.) verfochtenen Ansicht zwei gleichzeitig lebende und in gleichen Kreisen sich bewegende geistliche Gelehrte der Karolingischen Zeit (809—832). Der erste Amalharius, gewöhnlich mit dem Beinamen Fortunatus, vorher Abt zu Mettlach an der Saar, wurde von Karl dem Großen 809 oder 810 zum Bischof von Trier berufen und unterstützte den Kaiser aus Dankbarkeit durch Uebersendung von Marmorsäulen und musivischem Schmucke aus den Ruinen von Trier zum Bau des Palastes und Doms zu Aachen. Kaiser Karl betraute ihn 811 mit der Consecration der neu erbauten bischöflichen Kirche zu Hamburg und 813 mit einer Gesandtschaft nach Byzanz zu Kaiser Michael. Von Constantinopel kehrte A. nach Kaiser Michaels und Karls des Großen Tode in Begleitung einer griechischen Gesandtschaft zurück, welche 814 Kaiser Ludwig dem Frommen Namens des Kaisers Leo zu seiner Thronbesteigung Glück wünschte. Da Hatto als Erzbischof von Trier bereits 817 fungirt, so nimmt man an, daß der trierische A. damals gestorben, der fernerhin erscheinende also eine zweite von ihm verschiedene Person gewesen sei. Von dem trierischen A. sind folgende Schriften bekannt: Ein „Tractatus de baptismo“ oder „de caeremoniis baptismi“, als Denkschrift auf eine Anfrage Kaiser Karls des Großen an die Erzbischöfe und Bischöfe seines Reiches über die Vorbereitung und den Modus der Taufe. Ein Codex der Bibliothek der Abtei Petau bezeichnet ausdrücklich den Bischof A. als Verfasser und ist daher die Angabe des Jesuiten Jakob Sirmond, sowie des ersten Herausgebers der Werke von Alkuin, Quercetanus, welche jenen Tractat als von Alkuin verfaßt bezeichnen, zu berichtigen. (Vgl. die Ausgabe der „Alcuini opera“ vom Abte Froben von Regensburg II. 520—524). Dann ein von demselben gelegentlich seiner Reise nach Byzanz verfaßtes liturgisches Werk: „De divinis officiis“ insbesondere de missa, auch „Liber officiorum“ genannt. Auch dieser von M. Hittorp 1568 edirte und von Quercetanus den Werken Alkuins angeschlossene Tractat, welcher auch von Froben (l. c. 461—516) unter die Spuria Alcuini aufgenommen worden ist, wird durch einen Codex der Stadtbibliothek zu Trier ausdrücklich als ein Werk des Hamularius Fortunatus Cardinalis Romanus Trebirorum Metropolitanus bezeichnet. Endlich verfaßte derselbe auch noch auf seiner Seereise nach Byzanz ein kleines Gedicht: „Versus marini“, welches ebenfalls bei Froben gedruckt ist. —

    Der zweite A. mit dem Beinamen Symphosius, angeblich aus Burgund stammend und von Alkuin zu Tours gebildet, Diakon-Priester, zuletzt Chorbischof zu Metz, 819 bis gegen 832 wirkend, schrieb: „Libri quattuor de officiis ecclesiasticis seu divinis sacramentis“ welche er (gegen 820) Ludwig dem Frommen und dessen Gemahlin Judith widmete — ein Werk, welches im engsten Zusammenhange mit dem „Liber officiorum“ des Trierer A. steht und sehr für die Identität beider Personen spricht Angeblich 831 ging dieser A. als Gesandter Ludwigs des Frommen nach Rom zu Papst Gregor IV. und schrieb in Folge dieser Mission zur Erzielung einer liturgischen Uebereinstimmung des gallischen mit dem römischen Ritual einen „Liber de ordine antiphonarii.“ Beide Schriften sind gedruckt Biblioth. Max. P. T. Leyden. XIV. 934—1061.

    Trier rühmte sich, das Grab des trierischen A. im Stifte St. Pauli zu besitzen, während Metz die Grabstätte seines A. in der vor seinen Mauern gelegenen Abtei St. Arnulph verehrte, von wo aus bei der Belagerung Karls V. 1555 die Gebeine nach der Domincanerkirche in der Stadt gebracht wurden.

    • Literatur

      Broweri et Masenii Annales Trevirenses I. 394—404. Marx, Geschichte des Erzstiftes Trier I. 2. 387 ff.

  • Autor/in

    L. Eltester.
  • Empfohlene Zitierweise

    Eltester, L., "Amalarius von Metz" in: Allgemeine Deutsche Biographie 1 (1875), S. 382-383 unter Amalharius [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118502379.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA