Lebensdaten
1761 bis 1839
Geburtsort
Cavalese (Südtirol)
Sterbeort
Passau
Beruf/Funktion
Bischof von Passau
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 119327538 | OGND | VIAF: 10653809
Namensvarianten
  • Riccabona, Karl Josef von
  • Riccabona von Reichenfels, Carl Joseph von
  • Riccabona, Karl Josef von
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Zitierweise

Riccabona von Reichenfels, Carl Joseph von, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd119327538.html [04.12.2020].

CC0

  • Genealogie

    V Joseph (1730–1808), Gutsbes. in C., S d. Karl Josef (1691–1770, 1758 rittermäßiger Reichsadel mit Prädikat „v. Reichenfels“), aus C., Oberstwaldmeister, Bergrichter an d. Etsch, Hauptzolleinnehmer in Fleims, u. d. Marianna Margarethe a Santa Croce (1701–87), aus Lengmoos;
    M Maria Rosa (1739–97), aus Bozen, T d. Felix Josef Eberschlager zu Kofel u. Leh(e)negg, u. d. Therese Atzwang v. Rigelheim;
    6 Geschw (3 früh †), u. a. Josef (1768–1841), Handelsmann in Fleims;
    N Benedikt (s. 2).

  • Leben

    R. besuchte das Gymnasium in Brixen, studierte seit 1777 an der Univ. Innsbruck Philosophie (1779 Mag. phil.) und wechselte auf Empfehlung seines Firmpaten, des Passauer Fürstbischofs Kard. Leopold Ernst v. Firmian (1708–83), an das Collegium Germanicum in Rom. Von Pius VI. mit einem Kanonikat am Kollegiatstift St. Johann zu Regensburg versehen, wurde er hier 1783 zum Priester geweiht und schloß 1784 sein Studium ab (Dr. theol.).|Nach sechs Jahren als Kaplan in Auer (Diözese Trient) erhielt R. 1790 als Domizellar von St. Johann die diesem Stift inkorporierte Pfarrei Wallersdorf (Niederbayern). 1813 wurde der mit Johann Michael Sailer (1751–1832) freundschaftlich Verbundene zudem Distriktsschulinspektor und Dekan im Landgericht Landau/Isar. Nach Abschluß des Bayer. Konkordats (1817) berief ihn Nuntius Francesco Serra di Cassano (1783–1850) in Absprache mit der bayer. Regierung im Zuge der Neuerrichtung der Domkapitel 1821 in das Münchener Metropolitankapitel. 1822 Generalvisitator des neuen Erzbistums München und Freising, 1824 Dom- und kgl. Hofpfarrer, wurde R. auf wiederholte Empfehlung Sailers am 1826 von Kg. Ludwig I. zum Nachfolger des letzten Passauer Fürstbischofs Leopold Gf. v. Thun (1748–1826) nominiert und im folgenden Jahr in München geweiht.

    R. regierte das stark verkleinerte und seit der Säkularisation vernachlässigte Bistum Passau trotz seines Alters mit großer Tatkraft. Er organisierte die Bistumsverwaltung neu, visitierte sämtliche Pfarreien und setzte beim König die Wiedererrichtung des Priesterseminars (1828/33) und des (nunmehr kgl.) Lyzeums durch (1833), für das er Professoren aus dem Umkreis Sailers gewinnen konnte. Außerdem verpflichtete er seinen Klerus zu regelmäßiger Sonntagspredigt und katechetischer Unterweisung, für die er 1827 als Grundlage den einheitlichen „Katechismus der christkath. Religion für Bayern“ einführte, sorgte für die Herausgabe eines Diözesanrituals (1837) und siedelte zur Errichtung einer Erziehungsanstalt die Engl. Fräulein in Passau an.

  • Literatur

    ADB 28;
    A. Halser, Bf. K. J. v. R. u. seine Zeit, 1928;
    F. X. Eder, 150 J. Priesterseminar St. Stephan in Passau, 1978;
    A. Leidl, Die Bischöfe v. Passau in Kurzbiogrr., 21978;
    K. Wolf, Wallersdorfer Heimatkunde, K. J. A. R., Edler v. Reichenfels, 1761–1839, Dorfpfarrer, Domprediger, Bf., FS z. 150. Todestag, 1989;
    H.-J. Nesner, Das Metropolitankap. zu München (seit 1821), in: G. Schwaiger (Hg.), Monachium Sacrum 1, 1994, S. 475-608, hier S. 521;
    Schärl;
    Gatz I (P).

  • Autor/in

    Manfred Weitlauff
  • Empfohlene Zitierweise

    Weitlauff, Manfred, "Riccabona von Reichenfels, Carl Joseph von" in: Neue Deutsche Biographie 21 (2003), S. 502-503 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd119327538.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Riccabona: Karl Josef v. R., Bischof von Passau, stammte aus der Familie der Edlen v. R. auf Reichenfels und wurde am 28. Juli 1761 zu Cavalese in Südtirol geboren. Sein Vater Joseph Anton v. R. sandte den aufgeweckten Knaben zur nöthigen Ausbildung an die Studienanstalt nach Brixen, von wo er im J. 1777 die Universität Innsbruck bezog. Nach Absolvirung des philosophischen Cursus entschloß sich der junge R., das älteste von fünf Geschwistern, zum Studium der Theologie. Auf Verwendung seines Firmpathen, des Fürstbischofs Firmian von Passau, erhielt er Aufnahme in das Collegium Romanum und zugleich die Zusicherung eines Kanonikats an der Kathedralkirche zu Passau. Firmian starb jedoch schon 1783, in welchem Jahre R. am Allerheiligenfest in der Capelle des Ouirinals als Diakon seine erste Predigt hielt, in Gegenwart von Pius VII. und sämmtlicher Kardinale. Der Papst verlieh ihm bei dieser Gelegenheit ein Kanonikat an dem Collegiatstift St. Johann in Regensburg. Nachdem R. am 20. December desselben Jahres in Rom die Priesterweihe empfangen hatte, wirkte er zunächst als Caplan in der Pfarrei Auer im Bisthum Trient, 1790 wurde er vom Stift St. Johann als Pfarrer von Wallersdorf, Diöcese Regensburg, präsentirt. In dieser Stellung wirkte R. 31 Jahre lang als eifriger Seelsorger und erwies sich namentlich in den verhängnißvollen Kriegsstürmen, die auch über seine Pfarrei dahinzogen, wiederholentlich als schützender Engel seiner Heerde gegenüber den ungestümen französischen Kriegern. Als dann infolge des Concordats in Baiern die durch die Kriegs- und Säcularisationsstürme zerstörte kirchliche Hierarchie wieder hergestellt werden sollte, wurde R. am 2. October 1821 als Domcapitular in das Metropolitancapitel nach München berufen, und von Erzbischof Gebsattel am 12. December dess. Jahres zum 1. Rath bei der I. Ehegerichtsinstanz, sowie zum Diöcesanvisitator ernannt. Am 4. März 1824 beförderte ihn Max I. zum Dompfarrer und als zwei Jahre darauf der letzte Fürstbischof von Passau, Graf Thun, auf seinem Landgut Cybulka bei Prag starb, wurde R. von König Ludwig I. am 25. December 1826 zum Bischof von Passau ernannt, am 9. April 1827 durch Leo XII. bestätigt; am 25. desselben Monats in München consecrirt, hielt er am 17. Mai seinen feierlichen Einzug in Passau. Des neuen Bischofs harrte eine schwere Aufgabe; die Kriegs- und Säcularisationsstürme hatten, wie in andern deutschen Diöcesen, so auch in Passau viele Ruinen geschaffen, ja hier waren die Folgen noch weit verheerender, da Fürstbischof Graf von Thun aus Aerger über seine Mediatisirung seine Diöcese grollend verlassen und sich um deren Angelegenheiten nicht im geringsten kümmerte, trotzdem aber sein Amt nicht niederlegte. So war Passau factisch ein Vierteljahrhundert ohne jeden Hirten, was für das kirchliche Leben, vor allem aber auch für den kirchlichen Besitz von schlimmen Folgen sein mußte. Es galt nun eine Restauration zu beginnen und R., seiner schweren Aufgabe sich ganz und voll bewußt, ging unverdrossen, aber nicht überstürzend ans Werk. Zunächst sorgte er für einen würdigen Gottesdienst in seiner verarmten Kathedrale und wußte zu diesem Zweck 1829 die Extradirung des Domkirchenfonds von König Ludwig I. zu erwirken. Zur Beseitigung vorhandener Mängel und Neubelebung des religiösen Lebens in seinem Sprengel hielt der Bischof selbst eingehende Diöcesanvisitationen, wobei er in erster Linie für Ertheilung eines ersprießlichen Religionsunterrichtes in Schule und Kirche, sowie für würdige Feier des Gottesdienstes sorgte. Eine nicht weniger wichtige Angelegenheit war die Sorge für Erziehung und Heranbildung eines tüchtigen Diöcesanklerus. Die blühenden Lehranstalten Passaus waren durch die Säcularisation vollständig vernichtet worden und Riccabona's erste Sorge mußte es sein, dafür in irgend einer Weise Ersatz zu schaffen. Durch das bereitwillige Entgegenkommen König Ludwig's konnte er bereits im Januar 1829 das Diöcesanseminar eröffnen und 1833 wurde durch einen weiteren königlichen Gnadenact ein vollständiges Lyceum mit zweijährigem Philosophischen und dreijährigem theologischen Cursus ins Leben gerufen. Den weiteren Wunsch der Errichtung eines Knabenseminars sah der Bischof sich nicht mehr verwirklichen, dagegen konnte er für Erziehung und Heranbildung der weiblichen Jugend die englischen Fräulein am 8. October 1836 in Niedernburg feierlich einführen. Wie der Jugend und deren religiöser Ausbildung galt seine Sorge nicht weniger auch den Armen. Das sprechendste Zeugniß hierfür ist sein Testament, worin er die Armen Wallersdorfs, seiner ehemaligen Pfarrei und das zweite Waisenhaus in Passau als Universalerben einsetzte. Nach einem für die Diöcese so segensreichen Wirken entschlief der Bischof am 25. Mai 1839 und darf wol mit Recht als Regenerator des kirchlichen Lebens in Stadt und Diöcese Passau angesehen werden.

  • Autor/in

    Knöpfler.
  • Empfohlene Zitierweise

    Knöpfler, Alois, "Riccabona von Reichenfels, Carl Joseph von" in: Allgemeine Deutsche Biographie 28 (1889), S. 407-408 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd119327538.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA