• Leben

    Reum: Johann Adam R., Dr. phil., Forstbotaniker, geboren am 16. Mai 1780 zu Altenbreitungen (Sachsen-Meiningen); am 26. Juli 1839 zu Tharand. Nachdem er den ersten Schulunterricht in seinem Heimathorte und bei dem gelehrten Adjunct Mosengeil in dem nahen Frauenbreitungen genossen hatte, bezog er 1798 das Lyceum zu Meiningen und siedelte 1802 auf die Universität Jena über, um Theologie zu studiren. Neben den theologischen Studien trieb er aber auch und zwar mit weit größerer Vorliebe Philosophie und Naturwissenschaften. Von seinen akademischen Lehrern scheint Schelling die größte Anziehungskraft auf ihn ausgeübt zu haben, denn er folgte diesem Philosophen, nachdem er in Meiningen bereits das theologische Staatsexamen absolvirt hatte, später noch ein Semester nach Würzburg. Hier wurde er sich bald völlig darüber klar, daß die theologische Laufbahn seiner inneren Neigung weniger entspreche, als philosophische Studien. Er entsagte daher jener, ging einige Zeit auf Reisen und folgte 1805 der Aufforderung H. Cotta's, in das schon vor einem Jahrzehnt von diesem begründete Forstinstitut zu Klein-Zillbach als Lehrer der Mathematik und Botanik einzutreten. Von da ab blieb sein Geschick ohne Unterbrechung mit demjenigen seines nachmals so berühmt gewordenen Directors eng verbunden. Er promovirte 1808 in Jena als Dr. phil., siedelte 1811 — unter Beibehaltung seiner Lehrgegenstände — mit Cotta nach Tharand über und wirkte hier, seit 1816 als königl. sächsischer Professor mit seltenem Eifer, unwandelbarer Liebe zur Wissenschaft und musterhafter Berufstreue bis an sein Lebensende. Noch am Morgen seines Sterbetages hielt er in gewohnter Weise seine botanischen Vorträge im Forstgarten, nicht ahnend, daß ihn am Nachmittage ein Nervenschlag diesem Leben entrücken sollte. Zu dem guten Rufe der Forstlehranstalt Tharand hat er als langjähriger, pflichteifriger Mitarbeiter redlich das Seinige beigetragen. —

    R. war ein reich begabter, scharfsinniger und äußerst anregend wirkender Lehrer. Seine Lehrmethode war nicht auf einseitige Schulung, sondern auf Anleitung der akademischen Jugend zum selbständigen Denken gerichtet. Dabei war er zugleich ein warmer und väterlicher Freund seiner Hörer. Sein lebhaftes Interesse für die Wissenschaft riß ihn zwar zeitweise zum heftigen Disputiren hin, wobei er sich durch Widerspruch leicht verletzt fühlte; der besseren Begründung lieh er aber stets ein williges Ohr. Sein Lieblingsfach war die Botanik und zwar namentlich die beschreibende und die angewandte. Seine schriftstellerische Thätigkeit war eine ziemlich umfangreiche. 1814 veröffentlichte er einen „Grundriß der deutschen Forstbotanik" (2 Theile), welcher 1825 in zweiter und 1837 in dritter Auflage erschien und in das Französische übersetzt wurde. Der rein wissenschaftliche Theil dieses Werkes, welches sich lange Zeit eines vorzüglichen Rufes erfreute, entbehrt zwar der wünschenswerthen Vertiefung; der beschreibende Theil hingegen überragt alle früheren forstbotanischen Schriften. 1819 ließ er „Die deutschen Forstkräuter" als selbständiges Werk erscheinen, welches später wesentlich verbessert und vermehrt als 3. Abtheilung der „Forstbotanik" neu aufgelegt wurde. Es folgten: „Grundlehren der Mathematik für angehende Forstmänner", 2 Theile (1823), „Oekonomische Botanik, oder Darstellung der haus- und landwirthschaftlichen Pflanzen, zum Unterrichte junger Landwirthe" (1832), „Von der Zucht einiger Laubholzarten durch Saat und Pflanzung" (1833) und „Pflanzenphysiologie, oder das Leben, Wachsen und Verhalten der Pflanzen mit Rücksicht auf deren Zucht und Pflege u. s. w." (1835). Ferner ließ er als Manuscripte für seine Zuhörer drucken: „Uebersicht der Benutzung der Waldprodukte" (1827), „Uebersicht des Forstwesens“ (1828) und „Anwendung der Raumgrößenlehre auf forst- und landwirthschaftliche Messungen, Berechnungen und Theilungen“ (1836). Außerdem sind noch Abhandlungen von ihm in forstlichen Zeitschriften und in Oken's Isis enthalten. In allen diesen Schriften offenbart sich ein mit seinem Bildungsgange zusammenhängender naturphilosophischer Anstrich. In der Physiologie und Pathologie der Holzgewächse war er offenbar weniger bewandert, als in der Dendrographie, was bei seiner umfangreichen Lehrthätigkeit — er hatte später nebenbei auch noch Encyklopädie der Forstwissenschaft zu lesen — nicht Wunder nehmen kann. Rühmlicher Erwähnung bedarf noch seine unermüdliche Thätigkeit in Bezug auf den botanischen Garten zu Tharand. Er richtete denselben sehr zweckmäßig ein, wendete ihm dauernd eine sachgemäße Behandlung zu und ertheilte vortrefflichen praktischen Unterricht namentlich über Zucht und Pflege der forstlich wichtigen Pflanzen, wodurch er viele Generationen späterer Pfleger des Waldes befruchtete. Seine Eigenschaften als Mensch chararakterisiren die Worte auf dem ihm von seinem Freunde, Commerzienrath Tamnau (Berlin) gesetzten Grabstein:.... „Ein treuer Freund, sowie ein Mann von Wort; — Der Lüge Feind, der Unterdrückten Hort; — Ein Geist, der sich vor keinem Götzen beugte — Und, scheinbar rauh, ein fühlend Herz stets zeigte.“ — Eine ihm zu Ehren von seinen Schülern im botanischen Garten aufgestellte Büste wurde am 30. October 1863, bei Gelegenheit des Cottafestes, feierlich eingeweiht.

    • Literatur

      Gwinner, Forstliche Mittheilungen II. 6. Heft, 1839, S. 139. — Fraas, Geschichte der Landbau- und Forstwissenschaft, S. 580. — Fr. v. Löffelholz-Colberg, Forstliche Chrestomathie, III. 1, S. 673, Bemerkung 745 aa (Geburtsjahr unrichtig), S. 780, Nr. 984; III. 2, S. 889, Nr. 1448 a.
      Ratzeburg, Forstwirthschaftliches Schriftsteller-Lexikon, S. 435. —
      Bernhardt, Geschichte des Waldeigenthums u. s. w. II. S. 371, 372 und 384; III. S. 155, 317, 318 und 372. —
      Roth, Geschichte des Forst- und Jagdwesens in Deutschland, S. 644. — Heß, Lebensbilder hervorragender Forstmänner u. s. w., 1865, S. 290.

  • Autor/in

    R. Heß.
  • Empfohlene Zitierweise

    Heß, Richard, "Reum, Johann Adam" in: Allgemeine Deutsche Biographie 28 (1889), S. 282-283 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd115376534.html#adbcontent

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