Lebensdaten
1768 bis 1824
Geburtsort
Markt Sugenheim bei Neustadt/Aisch
Sterbeort
Wiesbaden
Beruf/Funktion
politischer und belletristischer Schriftsteller
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 118598775 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Rabiosus, Anselmus
  • Rebmann, Andreas Georg Friedrich von
  • Rebmann, Georg Friedrich von
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Zitierweise

Rebmann, Georg Friedrich von, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118598775.html [15.08.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Johann Christian (1734–1801), Sekr. u. Kassierer d. Rr.kt. Steigerwald in S., Kitzingen u. seit 1781 in Erlangen, S d. Georg Friedrich Räbmann (1710–65), Färber in Heidenheim/Hahnenkamm;
    M Sara Johanna Sabine ( 1805), T d. Andreas Georg Schreiber (1713–72), Pfarrer in Happurg;
    B Karl Friedrich (1775–1847), Jurist in Frankenthal (Pfalz), Johann Georg Friedrich (1780–1848), Bgm. in Lindau;
    Trier 1803 Anna Henriette Katharina (* 1771), T d. Joseph Anton Runten, Beamter in Trier.

  • Leben

    Nach Schulbesuch in Kitzingen und Nürnberg studierte R. 1785-87 in Erlangen, 1787-89 in Jena Rechtswissenschaften. 1789 nach Erlangen zurückgekehrt, arbeitete er zunächst als Skribent bei seinem Vater, seit 1790 als Prokurator und Advokat der Ritterkantone Steigerwald und Baunach. Nach Aufenthalten in Leipzig und Berlin lebte er 1792-94 als freier Schriftsteller in Dresden. Im Herbst 1794 gründete R. zusammen mit dem Buchhändler Gottfried Dietrich Leberecht Vollmer (1768–1815) eine Verlagsbuchhandlung in Erfurt. Nachdem Vollmer 1795 wegen Verstoßes gegen die Zensurvorschriften verhaftet worden war, flüchtete er nach Altona, wo er Kontakte zu den aufgeklärten Kreisen in Hamburg hatte; 1796-98 lebte er als Publizist in Paris.

    R., der vom Ertrag seiner Schriften abhängig war, publizierte 1792-98 in rascher Folge u. a. Stadt- und Reisebeschreibungen, satirische Romane und Zeitschriften wie „Das neue graue Ungeheuer“ (1795/96, Neudr. 1972), mit dem er an Wilhelm Ludwig Wekhrlin anknüpfte. Dabei radikalisierte sich sein politisches Denken. R.s frühe Schriften kritisierten die kirchliche Orthodoxie, die politischen Verhältnisse in den dt. Staaten und soziale Mißstände, zielten aber noch auf Reformen durch die bestehenden Regierungen. Erst allmählich wurde R. zu einem Anhänger der republikanischen Staatsform und trat für die Franz. Revolution ein, doch verurteilte er Robespierre und die Jakobinerherrschaft, während seine Sympathie der Gironde galt. Eine gewaltsame politische Umwälzung in Deutschland lehnte R. indes bis 1796 ab und hielt erst 1797 zeitweilig eine dt. Revolution für notwendig. Von den Verhältnissen in Paris enttäuscht, kritisierte R. zugleich die Politik des Direktoriums bis zu dem von ihm begrüßten Staatsstreich vom 18. Fructidor (4.9.1797).

    Am 23.12.1797 wurde R. zum Richter in den an Frankreich abgetretenen linksrhein. Gebieten ernannt und wirkte seit 1798 am Kriminalgericht für das Departement Donnersberg in Mainz, seit 1799 am Revisions- bzw. Appellationsgericht zu Trier. 1803 wurde er als Präsident des Kriminalgerichts und des Spezialgerichtshofes zur Bekämpfung des Banden- und Räuberunwesens für das Departement Donnersberg nach Mainz berufen, wo er die Prozesse gegen die Räuberbanden von Johann Bückler (Schinderhannes, 1803) und Damian Hessel (1810) leitete. 1811 wurde er zunächst Richter, dann Kammerpräsident am Appellationsgericht in Trier; nach der Eroberung des linken Rheinufers durch die Alliierten führte er die Geschäfte des Präsidenten. Seit Aug. 1815 Präsident des neuen Appellationsgerichts für den Bereich der bayer. -österr. Landesadministration in Kaiserslautern, wurde R. 1816 nach der Inbesitznahme des Rheinkreises durch Bayern als Präsident des Appellationsgerichtshofes für den Rheinkreis zu Zweibrücken in den bayer. Justizdienst übernommen. Er starb während eines Kuraufenthaltes in Wiesbaden.

    Nach seiner Übernahme in den franz. Justizdienst publizierte R. v. a. zu Fragen der Verwaltung und Strafrechtspflege in den vier Departements des Rheinlands und übte, in zunehmender Distanz zur napoleon. Herrschaft, Kritik an deren Verwaltungspraxis. Ende 1814 stellte sich R. in den Dienst der bayer. Pressepolitik und arbeitete u. a. an der offiziösen Zeitschrift „Allemannia“ mit. Er trat dafür ein, franz. Rechts- und Verwaltungsinstitutionen, die durch den politischen Konservativismus und romantischen Nationalismus in Frage gestellt wurden, zu bewahren. Als Beamter trug er dazu bei, daß die franz. Gerichtsverfassung und Strafgesetzgebung im bayer. Rheinkreis in ihren Grundzügen erhalten blieben.

    In der konservativen Zeitschrift „Eudämonia“ als „Haupt-Revolutionair“ angegriffen, gilt R. heute vielfach als einer der bedeutendsten „dt. Jakobiner“. Im politischen Urteil von moralischen Maßstäben geleitet, spiegeln seine Schriften die für die radikale dt. Spätaufklärung charakteristische Spannung zwischen Reformhoffnung und Revolutionserwartung, zwischen Ausrichtung am republikanischen Fernziel und schrittweiser Verbesserung staatlicher Institutionen unter dem Eindruck der Franz. Revolution.|

  • Auszeichnungen

    Mitgl. d. Ehrenlegion (1804); Rr.kreuz d. Verdienstordens d. bayer. Krone (1817).

  • Werke

    Weitere W Briefe über Erlangen, 2 T., 1792 (Neudr. 1984);
    Kosmopol. Wanderungen durch e. T. Dtlds., 1793 (Neudr. 1968);
    Hans Kiekindiewelts Reisen in alle vier Weltteile u. den Mond, 1794, 21796 (Neudr. 1989);
    Wanderungen u. Kreuzzüge durch e. T. Dtlds., 1795, 21796 (Neudr. 1990);
    Vollst. Gesch. meiner Verfolgungen u. meiner Leiden, 1796 (Neudr. 1979);
    Die Schildwache, 1796/97 (Neudr. 1972);
    Die Geißel, 1797/98 (Neudr. 1972);
    Die neue Schildwache, 1797/98 (Neudr. 1972);
    Holland u. Frankreich, 2 T., 1797/98 (Neudr. 1981);
    Blick auf d. vier neuen Departemente d. linken Rheinufers, 1802;
    Hist.-pol. Miscellen, 1805;
    Damian Hessel u. seine Raubgenossen, 1810, 31811;
    Baiern vor Teutschlands Richterstuhle, 1815;
    Aussichten v. d. Zeit f. d. Zukunft, 1816;
    – Werke u. Briefe, hg. v. H. Voegt, 3 Bde., 1990.

  • Literatur

    ADB 27;
    H. Voegt, Die dt. jakobin. Lit. u. Publizistik 1789-1800, 1955;
    K. G. Faber, in: Pfälzer Lb. I, 1964, S. 191-217 (P);
    R. Kawa, G. F. R. (1768-1824), 1980 (W-Verz.);
    M. A. Sossenheimer, G. F. R. u. d. Problem d. Rev., 1988;
    Ch. Wirth, Der Jurist J. A. G. F. R. zw. Rev. u. Restauration, 1996;
    E. Wadle u. G. Sauder (Hg.), G. F. R. (1768-1824), Autor, Jakobiner, Richter 1997 (P);
    NND I, 1824, S. 885-900;
    Reinalter;
    Kosch, Lit.-Lex.3;
    Killy;
    BBKL. – Zur|Fam.:
    K. F. Rebmann, Notizen über d. Fam. Rebmann, 1915.

  • Portraits

    Ölgem., anonym (Landesmus. Mainz).

  • Autor/in

    Georg Seiderer
  • Empfohlene Zitierweise

    Seiderer, Georg, "Rebmann, Georg Friedrich von" in: Neue Deutsche Biographie 21 (2003), S. 226-228 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118598775.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Rebmann: Andreas Georg Friedrich v. R. wurde am 24. November 1768 zu Kitzingen in Franken von bürgerlichen Eltern geboren; sein Vater wohnte dort als Directorialcassirer des Ritterorts am Steigerwald. Mit glänzenden Gaben ausgestattet und durch tüchtige Lehrkräfte gebildet, war der Sohn schon im Alter von 13 Jahren so weit mit Kenntnissen ausgerüstet, daß er zur Universität hätte übertreten können; doch wartete er mit diesem Schritt noch vier Jahre, worauf er die Akademie zu Erlangen bezog. Bald wandte er sich nach Jena, wo er seine Studien beendete, die sich hauptsächlich auf Rechtsgelehrsamkeit erstrecken sollten, ihn aber bald auf das ihn mehr anziehende Gebiet der Staatswissenschaften führten. Der Abschluß seiner akademischen Lehrzeit traf mit dem Ausbruch der französischen Revolution zusammen. Rebmann's Individualität machte ihn zu einem feurigen Anhänger der Grundsätze, die sich in ihr entwickelten. Ehe er für dieselben mit der Feder eintrat, lebte er in seiner Heimath als Reichsritterorts-Steigerwaldischer Procurator zu Erlangen, dann in Leipzig, Berlin, Jena und seit dem 15. November 1792 zu Dresden in stiller Zurückgezogenheit und beschäftigte sich mit litterarischen Arbeiten, theils staatspolitischer, theils belletristischer Art. Zu letzteren gehören seine Romane „Heinrich von Neideck" (1791) und „Albrecht der Friedländer. Hochverräther durch Kabale" (1793), seine satyrischen Schriften „Empfindsame Reise nach Schilda“ (1793), „Hans Kiekindiewelts Reise in alle vier Welttheile und in den Mond“ (1794), „Leben und Thaten des jüngeren Herrn von Münchhausen, Bürgermeisters zu Schilda“ (1795), sowie Schilderungen seiner Reisen durch Deutschland ("Nelkenblätter"; II, 1792—93 — „Kosmopolitische Wanderungen durch einen Theil Deutschlands"; II, 1793—95 — „Wanderungen und Kreuzzüge durch einen Theil Deutschlands“, 1795). Dann aber erfaßte sein Blick die mancherlei Schäden, die in der Regierung Kursachsens und vieler anderer deutschen Provinzen grell zu Tage traten und mit den Grundsätzen einer echten Staatsweisheit nicht im Einklange standen, und er hielt es für seine Pflicht, den Regenten ein ernstes Mahnwort zuzurufen. Er that dies in der anonym erschienenen Flugschrift „Wahrheiten ohne Schminke, bei Gelegenheit des Werkes von Arthur Young: Die französische Revolution, ein warnendes Beispiel etc.“ (1794). Diese im bitteren Unwillen geschriebene und mit grellen Farben überladene Schrift verfehlte aber ihre Wirkung vollständig; sie brachte ihren Urheber vielmehr in den Verdacht, als deutscher Jacobiner im Solde der französischen|Republik zu stehen und für die letztere in Deutschland Stimmung zu machen. Gleichwol würde ihn die kursächsische Regierung ohne Gefährdung in ihrem Gebiete geduldet haben, wenn er sich nicht auch feiner mit politischen Angelegenheiten befaßt hätte. Man schien bereits sein bisheriges Austreten in einem milderen Lichte anzusehen, als er unvermuthet eine Uebersetzung der berüchtigten Rede Robespierre's, „Ueber die politische Lage Europa's“ bei Vollmer in Dessau (1794) herausgab. Dieser Buchhändler hatte R. im Sommer 1794 zu sich eingeladen, um mit ihm die Gründung einer Buchhandlung und einer politischen Zeitschrift unter der Redaction Rebmann's ins Werk zu setzen. Von dieser Zeitschrift „Das neue graue Ungeheuer“ (erschienen sind 10 Stücke, vom 7. Stück an war R. nicht mehr daran betheiligt) waren die ersten Hefte ausgegeben, als die oben angeführte Robespierre'sche Rede alle Unternehmungen ins Stocken brachte. Der Fürst von Anhalt verbot nicht nur die Gründung der projectirten Buchhandlung in Dessau, sondern verwies R. auch des Landes. Dieser ging mit Vollmer Ende des Jahres 1794 nach Erfurt, der damals kurmainzischen Stadt, und setzte hier die Herausgabe seiner Zeitschrift ungestört fort. Da geschah es, daß die sogenannten Mainzer Clubbisten in der Citadelle von Erfurt internirt wurden. Die Behandlung, welche hier diesen Männern widerfuhr, die R. als die Märtyrer derselben Grundsätze ansah, zu denen er sich bekannte, erweckte seine lebhafteste Theilnahme und bewog ihn, in Wort und Schrift für die Clubbisten einzutreten, sodaß die Gefangenen ihrer Haft entlassen wurden. Dafür hatte er aber den ganzen Zorn der Erfurter Regierung auf sich geladen, und als bald darauf der aus Mainz vertriebene Kurfürst in Erfurt einzog, waren die Feinde Rebmann's so geschäftig, daß dieser einer schweren Strafe durch die Flucht sich glaubte entziehen zu müssen. Unter manchen Hindernissen und Gefahren gelangte er über Heiligenstadt und Göttingen nach Altona, wo er sich nach Ueberwindung einer ernstlichen Krankheit sofort wieder in den politischen Kampf stürzte und zunächst dem Publicum in zwei Broschüren Aufklärung über seine Angelegenheiten gab: „Vorläufiger Abschluß über mein sogenanntes Staatsverbrechen, meine Verfolgung und Flucht etc.“ (1796) und „Die Wächter der Burg Zion. Nachricht von einem geheimen Bunde gegen Regenten- und Völkerglück und Enthüllung der einzigen wahren Propaganda in Teutschland“ (1796). Dem Ansinnen der Erfurter Regierung, N. an sie auszuliefern, wurde von Seiten Dänemark's nicht entsprochen; gleichwol hielt sich R. für die Dauer in Altona nicht sicher, und daher begab er sich nach sechsmonatlichem Aufenthalte in dieser Stadt 1796 über Holland, wo er die „Vollständige Geschichte meiner Verfolgungen und meiner Leiden etc.“ (1796) in Druck gab, nach Paris. Ueber den Geschäftskreis, in dem er sich während seines Aufenthaltes in der französischen Hauptstadt bewegte, fehlen nähere Nachrichten; doch wissen wir, daß er sich nicht der besonderen Gunst der Machthaber Frankreichs erfreute und sogar aus Paris verwiesen wurde. Dagegen war er ungemein thätig als Schriftsteller, und es erschienen in rascher Folge neben anderen weniger bedeutenden Schriften „Frankreich's politische Verhältnisse zum übrigen Europa, vorzüglich zu Preußen und Oesterreich“ (1796) — „Die fünf Männer. Lebensgeschichte der fünf jetzt in Frankreich regierenden Directoren“ (1797) — „Zeichnungen zu einem Gemälde des jetzigen Zustandes von Paris“ (1797) — „Holland und Frankreich; in Briefen geschrieben auf einer Reise etc.“ (II, 1797—98) — „Der politische Thierkreis oder die Zeugen der Zeit“ (1796). Wir finden R. zu Anfang dieses Jahrhunderts wieder als zweiten Criminalrichter bei dem Obertribunal des Departements Donnersberg zu Mainz, wo er 1803 Präsident des Peinlichen und Specialgerichts wurde und 1804 von Napoleon den Orden der Ehrenlegion erhielt. Der von ihm geführte Proceß gegen|die berüchtigten Räuber Damian Hessel und Schinderhannes und viele ihrer Spießgesellen setzte seiner richterlichen Umsicht und Energie ein ehrenvolles Denkmal. Als Schriftsteller war er nur selten und dann ausschließlich auf dem Gebiet der Rechtspflege thätig. Im Jahre 1811 wurde R., als die peinlichen Gerichte der Departements eingegangen waren, Präsident des kaiserlichen Gerichtshofes in Trier und nach der Restauration (1816) vom Könige von Bayern zum Präsidenten des für den Rheinkreis errichteten Appellationsgerichts ernannt, und fungirte er als solcher erst in Kaiserslautern, dann in Zweibrücken. Er starb am 16. September 1824 zu Wiesbaden, wo er Linderung seiner Leiden gesucht hatte.

    • Literatur

      Neuer Nekrolog der Deutschen, Jahrg. 1824, S. 885. — Meusel, Das gelehrte Teutschland, Bd. 6, 10, 11, 19, 22.

  • Autor/in

    Franz Brümmer.
  • Empfohlene Zitierweise

    Brümmer, Franz, "Rebmann, Georg Friedrich von" in: Allgemeine Deutsche Biographie 27 (1888), S. 483-485 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118598775.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA