Lebensdaten
1835 bis 1888
Beruf/Funktion
jüdischer Theologe ; Talmudist
Konfession
jüdisch
Normdaten
GND: 130185531 | OGND | VIAF: 35555679
Namensvarianten
  • Rabinowitz, Raphael Nathan
  • Rabbinovicz, Raphael Nathan Nata
  • RBYNWYṢ, Refāʾēl Nātān
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Quellen(nachweise)

Zitierweise

Rabinowitz, Raphael Nathan, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd130185531.html [13.08.2020].

CC0

  • Leben

    Rabinowitz: Raphael Nathan R., hervorragender Talmudgelehrter, geboren am 4. Juni 1835 in Scharagin, am 29. November 1888 in Kiew. Schon als Jüngling erregte R., nachdem er die in Rußland üblich gewesene talmudische Ausbildung genossen, durch seine ungewöhnliche Begabung, verbunden mit einem bewundernswerthen Gedächtniß und lichtvollem Scharfblick, Aufsehen in fachgenössischen Kreisen, und war er wie selten einer besonders dazu geeignet, im Talmud und den dazu gehörigen Litteraturgebieten mit Erfolg zu arbeiten. Im J. 1860 gab R. das Gutachten des R. Meir ben Baruch aus Rothenburg aus dem achten Jahrhundert heraus und bekundete schon damals Tüchtigkeit in der kritischen Behandlung von Handschriften. Angezogen durch die an hebräischen und rabbinischen Mauuscripten reiche Hof- und Staatsbibliothek in München, nahm R. 1862 daselbst seinen bleibenden Wohnsitz und bereitete mit Hülfe eines edlen Förderers der Wissenschaft, des Numismatikers Abraham Merzbacher, welcher ihm Geldmittel und eine auserlesene Fachbibliothek zur Verfügung stellte, den kritischen Apparat zu einer neuen Talmudausgabe auf Grund der in der Münchener Hof- und Staatsbibliothek, als Unicum befindlichen Talmud-Handschrift (cod. Hebr. 95) vor. Zum Zwecke seiner Studien auf diesem Gebiete besuchte R. viele Bibliotheken des Auslandes. Im J. 1868 erschien der erste Band seines großangelegten Werkes: „Variae lectiones in Mischnam et in Talmud Labylonicum“ auf Grund von Handschriften und alten Drucken mit wissenschaftlichen Anmerkungen. In rascher Folge erschienen fünfzehn Bände dieses Werkes, etwa über die Hälfte des gesammten Babylonischen Talmud sich erstreckend. Mitten im Drucke des sechzehnten Bandes über den Tractat Chulin wurde R. auf einer Reise im Kiew vom Tode ereilt und erschien derselbe redigirt von Dr. Ehrentreu.

    Neben diesem Hauptwerke, durch welches sich R. ein dauerndes Denkmal unermüdlichen Fleißes und großer Gelehrsamkeit gesetzt hat, erschienen von ihm: 1863 „Ikre ha-Aboda, Zusammenstellung der Gesetze und Vorschriften über die Opfer; „Gaon Jakob, Novellen zum Tractat Erubin von dem Gaon|R. Jacob aus Wien“, nach einer Handschrift geordnet und herausgegeben; 1874: „Jechuse Tanaim we Amoraim“, nach einer in der Oxforder Bibliothek befindlichen Handschrift, herausgegeben vom Verein „Mekize Nirdamim“ mit Quellennachweis und Glossen; 1888: „Ohel Abraham, Catalog der Bibliothek des sel. Herrn Abraham Merzbacher in München“, in welchem 156 Handschriften und 4332 Druckwerke verzeichnet sind. Zu erwähnen wäre noch der Separatabdruck aus dem neunten Bande seiner „Variae lectiones": „Kritische Ausgabe der Gesammt- und Einzelausgaben des Babylonischen Talmuds seit dem Jahre 1484“. Durch die wissenschaftlichen Reisen, die R. nach Frankreich, England, Italien und Rußland unternommen, wurde der Ankauf seltener Druckwerke und Handschriften für die großen Bibliotheken Deutschlands vermittelt und verdankt ihm besonders die Münchener Hof- und Staatsbibliothek eine wesentliche Bereicherung ihrer hebräischen Abtheilung, von der wir die Erwerbung der kostbaren Bibelhandschrift (cod. Hebr. 422) besonders hervorheben.

  • Autor/in

    Adolf Brüll.
  • Empfohlene Zitierweise

    Brüll, Adolf, "Rabinowitz, Raphael Nathan" in: Allgemeine Deutsche Biographie 53 (1907), S. 186-187 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd130185531.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA