Lebensdaten
1870 bis 1954
Geburtsort
Moritzfeld (Banat)
Sterbeort
Temeswar
Beruf/Funktion
Bischof von Temeswar
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 120444496 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Pacha, Augustin

Porträt(nachweise)

Orte

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Zitierweise

Pacha, Augustin, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd120444496.html [16.07.2019].

CC0

  • Genealogie

    V Marfan, Schuster;
    M Elisabeth Halsdorfer; 12 Geschw.

  • Leben

    P. wuchs in einer Banater Schwabengemeinde auf, wo er die Grundschule besuchte. Nachdem er das ungarischsprachige Gymnasium in Kecsekemét absolviert hatte, studierte er in Temeswar Theologie (1893 Priesterweihe). Nach einer kurzen Kaplanszeit berief ihn Bischof Dessewffy als Sekretär ins Ordinariat nach Temeswar. Bis 1927 übernahm P, der 1906 zum Domherrn ernannt wurde, zahlreiche Aufgaben (Archivar, Kämmerer, Domherr, Diözesankanzler). In einer Zeit dramatischer Veränderungen war er engster Vertrauter von drei Bischöfen (bis 1907 von Alexander Dessewffy, bis 1911 von János Csernoch, bis 1923 von Gyula Glattfelder). Nach 1920, als fast zwei Drittel des Banats Rumänien zugeteilt wurde, zog sich Bf. Glattfelder nach Szeged in Ungarn zurück. Im Februar 1923 übernahm P. als Apostolischer Administrator (1927 als Weihbischof) die Betreuung des rumän. Teils der Diözese. Am 11.6.1929 wurde das Konkordat zwischen dem Vatikan und der rumän. Regierung besiegelt. Am 5.6.1930 wurde die Apostolische Administration zum Bistum erhoben und P. am 16. Oktober zum Bischof bestellt. In den dreißiger Jahren versuchte er, sein Bistum aus den politischen Spannungen herauszuhalten. Er unternahm den erfolglosen Versuch, durch einen Besuch bei Hitler 1934|Zugeständnisse zu erzielen. 1941 wurde der Bischof gezwungen, die konfessionellen Schulen an die nationalsozialistische Deutsche Volksgruppe in Rumänien zu übergeben. Nach 1945 wurden diskriminierende Maßnahmen gegen die deutsche Minderheit und die kath. Kirche ergriffen. Er konnte nicht verhindern, daß der gesamte Besitz der Orden und Klöster enteignet und 1948 das Konkordat mit dem Vatikan aufgekündigt wurde. Als einziger kirchlicher Würdenträgerhat sich P. zur Wehr gesetzt, als auf Betreiben Moskaus eine sog. „Friedenskirche“ die traditionellen Glaubensgemeinschaften spalten sollte. Am 4.6.1950 wurde sein anklagender Hirtenbrief im Dom zu Temeswar verlesen. Kurze Zeit später kam es zur Verhaftung des überaus volkstümlichen und stets auf Ausgleich bedachten Bischofs. 1951 wurde er in einem Schauprozeß vor dem Militärgerichtshof in Bukarest als angeblicher Spion des Vatikans zu 18 Jahren schweren Kerkers verurteilt. Im Mai 1954 setzte man den hochbetagten, kranken Bischof auf freien Fuß. – P. gelang es, ein gut funktionierendes deutsches Schulwesen im Banat aufzubauen. Die von ihm geförderten kath. Jugendvereine waren in einer Zeit politischer Wirren Bildungsmittelpunkte. Ein christliches, ethnienübergreifendes regionales Identitätsbewußtsein zu stiften, scheiterte an der Dominanz der rechts- bzw. linksextremen politischen Kräfte.|

  • Auszeichnungen

    Dr. theol. h. c. (Münster 1928); Großoffz. d. rumän. Kronenordens (1930).

  • Werke

    u. a. Predigt z. Zweihundertjahrfeier d. dt. Ansiedlung im Banat, 1923;
    Rückblick auf d. ersten fünf J. d. Temeswarer Apostol. Administratur 1923-1928, 1928. – Hg.: Gebetbuch f. kath. Soldaten, 1942.

  • Literatur

    N. Engelmann, Hirte seines Volkes, Aus d. Leben u. Wirken d. Temesvarer Bischofs Dr. theol. h. c. A. P., 1955 (W, L, P S. 59-86 Hirtenbriefe);
    ders., in: Festgabe für Prälat Josef Haltmayer, 1991, S. 95-108;
    L. Geier, in: Banatica IX, 1992, Nr. 4, S. 40-48;
    V. K. Hetényi, Papi sorsok a horogkereszt és a vörös csillag árnyékában (Priesterschicksale im Schatten d. Hakenkreuzes u. d. roten Sterns), 1994, S. 267-74;
    F. Kräuter, Erinnerungen an d. ersten Bischof v. Temeswar Dr. h.c. A. P. (1870-1954), 1995 (P);
    H. Diplich, in: Biogr. Lex Südosteuropa III;
    Biogr. Lex. Banat.

  • Autor/in

    Horst Fassel
  • Empfohlene Zitierweise

    Fassel, Horst, "Pacha, Augustin" in: Neue Deutsche Biographie 19 (1999), S. 744 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd120444496.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA