Lebensdaten
1918 bis 1996
Geburtsort
Heide (Holstein)
Sterbeort
Düsseldorf
Beruf/Funktion
Unternehmer
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 119346796 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Overbeck, Egon

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Zitierweise

Overbeck, Egon, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd119346796.html [20.10.2019].

CC0

  • Genealogie

    Aus in Brabant ansässiger Fam., die Ende d. 16. Jh. aus konfessionellen Gründen nach Hannover auswanderte; Angehörige waren als Pastoren, Beamte u. Kaufleute in Niedersachsen, Schleswig, Holstein u. im dän. Nordschleswig tätig; – V Georg Hermann (1882–1950), Reichsbahninsp., S d. Carl Emil (1853–1917), Landwirt, u. d. Petra Kirstine Wittmaack (1857–1930);
    M Anna Luise (1886–1945), T d. Friedrich Franz Heinrich Koops (1848–1909) u. d. Maria Magdalena Meyer (1855–1914);
    Lüneburg 1948 Hannegret Wiechell (* 1926);
    3 S, 1 T.

  • Leben

    O. verbrachte seine Jugend in Rendsburg, wo er die Schule besuchte, unterbrochen 1935 durch einen mehrmonatigen Aufenthalt in England. Nach dem Abitur entschied er sich 1936 für die Laufbahn des Berufssoldaten. Während des 2. Weltkriegs rückte O., der als Offizier im Polen- und Westfeldzug und im Rußlandkrieg eingesetzt und mehrfach verwundet und ausgezeichnet wurde, zum Major im Generalstab auf; 1945 geriet er in brit. Gefangenschaft. Nach der Freilassung absolvierte er in der von ihm mitgegründeten „Organchemie“ in Lüneburg eine kaufmännische Lehre und studierte seit 1947 an der Univ. Frankfurt/M. Betriebswirtschaft (Dr. rer. pol., 1952). Schon während des Studiums begann er 1948 als Volontär bei der „Metallgesellschaft AG“ und wurde schließlich zum kaufmännischen Leiter der technischen Abteilung ernannt. 1956 wurde er stellvertretendes, 1959 ordentliches Vorstandsmitglied der „Vereinigte Deutsche Metallwerke AG“ (VDM), einer Tochtergesellschaft der Metallgesellschaft, wo er das Ressort Rechnungswesen, Verwaltung und Finanzen betreute. Kurzzeitig erwogene Pläne für eine politische Tätigkeit ließ er wieder fallen.

    1962 übernahm O. den Vorstandsvorsitz der „Mannesmann AG, Düsseldorf“. Er strukturierte die Konzernführung um und unterstellte die neu gebildeten Konzerngruppen einer eigenverantwortlichen Führung, wodurch der Konzernvorstand von der direkten Führung des Tagesgeschäfts entlastet und für die strategische Geschäftspolitik freigestellt wurde. Die paritätische Mitbestimmung betrachtete O. als Hindernis für eine Unternehmensführung mit klaren Verantwortlichkeiten, weshalb es zu Konflikten mit den Gewerkschaften kam. Der Export von Großrohren in die Sowjetunion, der nach dem 1962 verhängten Embargo bis 1968 gestoppt war, erreichte durch das 1970 abgeschlossene „Erdgas-Röhren-Geschäft“ bis zu 20% des Gesamtexports der deutschen Mannesmann-Gesellschaften. Bald nach Übernahme der Verantwortung bei Mannesmann suchte O. nach neuen Entwicklungsmöglichkeiten dieses vertikal strukturierten Montan-Konzerns, der, wie auch die übrigen Unternehmen an Rhein und Ruhr, wegen der weltweiten Überkapazitäten im Stahl keine Zukunft hatte. O. begann als erster Konzernchef mit der grundlegenden Umgestaltung eines Montanunternehmens zu einem diversifizierten Investitionsgüterkonzern. Die zum Konzerngewinn wesentlich beitragenden Ruhrzechen gab er an die neugegründete „Ruhrkohle AG“ ab. 1970 wurde mit dem inländischen Hauptkonkurrenten in der Röhrenherstellung, der „Thyssen AG“, eine Interessenabgrenzung vereinbart: Mannesmann gab seine Walzstahlproduktion an Thyssen ab, erhielt dafür die „Thyssen-Röhrenwerke“ und wurde damit zu einem der weltweit größten Röhrenproduzenten. Die gewonnenen Rationalisierungsmöglichkeiten wurden konsequent genutzt. Die Umstrukturierung zu einem Unternehmen der Rohrherstellung mit eigener Stahlbasis, des Maschinen- und Anlagenbaus, der Chemie und Kunststoffverarbeitung, der Informationstechnik sowie des Handels wurde nachhaltig geprägt durch die Übernahme von Hydraulikunternehmen, insbesondere der „G. L. Rexroth GmbH“ in Lohr am Main (1968) und deren Ausbau zum Weltmarktführer, sowie durch den Erwerb der „Demag“ (1972), einem führenden Hersteller von Maschinen und Anlagen der Hütten-, Walzwerks- und Fördertechnik und Baumaschinen. Bis Mitte der 70er Jahre wandelte sich der Konzern dadurch stärker als je zuvor. Den Absatzeinbruch bei Stahlrohren Mitte der 80er Jahre konnte der Konzern deshalb verkraften. 1980/81 erfolgte mit dem Kauf der „Hartmann & Braun AG“ der Einstieg in die Meß- und Regeltechnik, 1982 erwarb Mannesmann mit der „Kienzle Apparate GmbH“ ein Unternehmen der Datentechnik.

    1983 ging mit O.s Eintritt in den Ruhestand eine der längsten Top-Karrieren der Bundesrepublik Deutschland zu Ende. Unter seiner Führung hatte sich der Umsatz des Konzerns von 1,3 auf über 14 Mrd. DM gesteigert, die Zahl der Beschäftigten von ca. 45 000 auf knapp 105 000. O. wechselte in den Aufsichtsrat der Mannesmann AG. 1986 zwang ihn ein akutes Herzleiden zur Zurückhaltung und Schonung.|

  • Auszeichnungen

    Aufsichtsratsmitgl. u. a.: „Allianz Vers. AG“ (1966-83), „Bertelsmann AG“ (1976-87), „Dt. Babcock AG“, „Esso AG“(1973-88), „Hoechst AG“ (1969-88), „Ruhrkohle AG“(seit 1972, Vors. 1979–88), „Siemens AG“ (1966-88), „J. M. Voith AG“ (seit 1978, Vors. 1983–90), „Victoria Vers./Leben AG“ (Vors. 1983–91, Ehrenvors. 1991), „Victoria Holding AG“ (1989-91), „Ruhrgas AG“ (seit 1972, Vors. 1979–88); Vors. d. Wirtsch. vereinigung Eisen u. Stahl (1969–73); Mitgl. d. Senats u. d. Verw.rats d. MPI (1975); Manager d. J. (1975); Präs. d. dt. Gruppe d. Internat. Handelskammer (1979–84); Vors. d. Kuratoriums d. Stiftung ev. Krankenanstalten Duisburg Nord/Oberhausen (1994–96) u. d. Dt. Krankenhauses in Istanbul (1976–96); Komturkreuz d. Nat.ordens v. Senegal (1969) u. Brasilien (1977); Gr. BVK (1978), mit Stern (1993); Verdienstorden d. Landes Nordrhein-Westfalen (1987).

  • Werke

    Zur Sache, Reden u. Aufss. 1971-1981, 1983;
    Mut z. Verantwortung, v. Gen.stabsoffz. z. Gen.dir., 1995 (Autobiogr.).

  • Literatur

    L H. A. Wessel, Kontinuität im Wandel, 100 J. Mannesmann 1890-1990, 1990, S. 381-480. |

  • Quellen

    Qu Mannesmann-Archiv.

  • Portraits

    Gem. v. H. Kallmann, in Gem. Slg. im Stahlhochhaus Düsseldorf;
    Büste v. Arno Breker.

  • Autor/in

    Horst A. Wessel
  • Empfohlene Zitierweise

    Wessel, Horst A., "Overbeck, Egon" in: Neue Deutsche Biographie 19 (1999), S. 723 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd119346796.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA