Lebensdaten
gestorben 1274
Beruf/Funktion
Propst von St. Guido zu Speyer
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 138026297 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Otto von Bruchsal
  • Bruchsal, Otto von

Zitierweise

Otto von Bruchsal, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd138026297.html [19.05.2019].

CC0

  • Genealogie

    Aus e. nach Bruchsal benannten edelfreien Fam. oder (nach Debus) aus Speyerer Bürgerfam.: 1223 wird ein „Oddo de Brucsel“ als „civis Spirensis“ erwähnt, 1293 ein „spactabilis (sic!) vir Otto de Brusella“; Eltern unbek.;
    N Otto v. B. d. J. (erw. 1277), als Propst v. St. Guido wohl um 1274 Nachfolger O.s.

  • Leben

    O. wird 1249 erstmals als Speyerer Domherr erwähnt, seit November 1258 als Propst von St. Guido und damit Nachfolger des am 15.4.1258 verstorbenen Konrad von Steinach. Schon bald danach scheint er am Heidelberger Hof des Pfalzgrafen bei Rhein und Herzogs von Oberbayern, Ludwigs II. des Strengen, eine Vertrauensstellung eingenommen zu haben; an Weihnachten 1265 ist er mit seinem gleichnamigen Neffen am Hof in Ingolstadt nachweisbar; 1267 wird er als Intervenier einer Urkunde Konradins für das Domkapitel in Speyer, ausgestellt am 31. März in Esslingen, genannt. Im Frühsommer 1273, nach dem Tod Richards von Cornwall, wurde O. zu den drei rhein. Erzbischöfen gesandt, um deren Absichten für die kommende Königswahl zu ergründen. Eine Nebenabsicht dieser Reise lag darin, die territorialpolitischen Spannungen zwischen Ludwig II. und den Erzbischöfen von Köln und Trier beizulegen, wofür O. den Erzbischof von Mainz, Werner v. Eppstein, als Vermittler gewinnen konnte. Die Versöhnung Ludwigs II. mit den beiden geistlichen Fürsten ermöglichte ihm die Lösung vom Bann und seinen Territorien die vom Interdikt, sie stellte aber auch die Weichen für die bevorstehende Königswahl. O. war maßgeblich am Gelingen der Verhandlungen des Trierer Erzbischofs mit dem Papst, am Vergleich zwischen Pfalz und Köln, und an den Wahlabsprachen beteiligt. Er konnte, freilich nicht ohne die Unterstützung des Burggf. Friedrich III. v. Nürnberg, alle rhein. Kurfürsten dazu bewegen, sich auf einen Kandidaten zu einigen, allerdings nicht, wie vorgesehen, auf Ludwig II. selbst, sondern auf Rudolf von Habsburg. Vor diesem Hintergrund ist nur allzu verständlich, daß der neugewählte König den Propst zu seinem Kanzler ernannte und als seinen Bevollmächtigten mit Verhandlungen an der Kurie betraute; noch kurz vor seinem Tod, während des Konzils von Lyon (1274), erlangte O. die päpstl. Anerkennung für den Habsburger.

  • Literatur

    K. Baumann, Ein Reichskanzler Rudolfs v. Habsburg, Probst O. v. St. Guido zu Speyer, in: Pfälzer Heimat 1, 1950, S. 94 ff.;
    K. H. Debus, Stud. zur Personalstruktur d. Stiftes St. Guido in Speyer, 1984, bes. S. 62 f. (dort sämtl. Qu);
    Lex. MA.

  • Autor/in

    Stephanie Haarländer
  • Empfohlene Zitierweise

    Haarländer, Stephanie, "Otto von Bruchsal" in: Neue Deutsche Biographie 19 (1999), S. 698 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd138026297.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA