Lebensdaten
1500 bis 1567
Sterbeort
Wiesdorf/Rhein bei Leverkusen
Beruf/Funktion
Jurist ; kurkölnischer Kanzler
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 120915200 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Omphal, Jacobus von
  • Omphalius, Jakob
  • Nabel, Jakob
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Zitierweise

Omphalius, Jakob von, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd120915200.html [18.09.2019].

CC0

  • Genealogie

    V Bernd, in A.;
    M Hermine v. Büren;
    1539 Elisabeth, T d. Kölner Stadtsyndikus Dr. Peter Bellinghausen u. d. N. N. v. Neuhof; 6 überlebende K u. a. Bernhard ( 1580), Jakob II., beide Juristen, Kaspar (1549–1627), Vogt d. Amtes Gimborn-Neustadt (alle s. Einl.).

  • Leben

    O. wurde nach Studien in Köln, Utrecht und (wahrscheinlich) Löwen 1529/30 an der Univ. Paris zum Magister promoviert. 1532 war er dort Prokurator der deutschen Nation und stand in Briefkontakt mit Erasmus, Amerbach, Scaliger, Viglius ab Aytta, |Ulrich Zasius und anderen Humanisten. 1535 erfolgte die jur. Promotion in Toulouse, die sein Interesse an jur. Rhetorik zeigt. 1537 kehrte er nach Deutschland zurück und wurde von Kurköln auf eine Assessorenstelle am Reichskammergericht präsentiert. Nach Wechsel in den kurköln. Hofrat 1540 trat er in enge persönliche Verbindungen zu Kf. Hermann v. Wied (1477–1552), vertrat Kurköln auf dem Reichstag 1544 und übernahm 1545 den kurköln. Kanzlerposten. Nach der erzwungenen Resignation Hermanns 1547, den O. noch einige Jahre juristisch beriet, trat O. wahrscheinlich wegen seiner Kontakte zu Sommerset, dem Vormund Kg. Edwards VI., 1551 in den Dienst des Hzg. Wilhelm V. von Jülich-Kleve-Berg (1516–92) und nahm als|dessen Rat an den Reichs- und Deputationstagen 1556, 1557/58 und 1562 sowie an der Kaiserwahl 1563 teil. Durch den kreisausschreibenden Herzog erhielt er 1559 das Amt des Syndikus des Niederrhein.-Westfäl. Reichskreises. Diese Tätigkeit auf Reichsebene erleichterte wohl 1559 seine Nobilitierung ebenso wie seine vom Reichskammergericht herrührende persönliche Bekanntschaft mit Reichsvizekanzler Georg Sigmund Seld (1516–65).

    Seit 1529 veröffentliche O. parallel zu seiner juristisch-politischen Tätigkeit mindestens 13 rechtswissenschaftliche und philologische Werke: zunächst eine Textausgabe zu Herodian, eine Cicero- (1535) sowie eine Plautus-Rede (1537). Diese wurden ergänzt durch Schriften zur Rhetorik (1536/37), besonders durch sein Werk „De eluctionis imitatione“, das 15 Auflagen erlebte. O.s erste Schrift zur Staats- und Gesellschaftslehre „De suspicienda reipublicae propugnatione“ (1538) ist eine Reaktion auf das Täuferreich zu Münster. Aus der Korrespondenz mit Johann Sturm ging die kleine Schrift „Epistolae de dissidiis religionis“ (1539) hervor. 1550 veröffentlichte O. auf der Grundlage antiker Rechtstexte ein jur. Lehrbuch über Gerechtigkeit, Recht und Richtertum. „De usurpatione legum …“ zieht im Unterschied zu anderen ähnlichen Kompilationen möglichst viele Quellen heran und zeigt die humanistische Einstellung O.s, der sich nicht auf die Praxis, sondern auf die theoretische Begründung des Rechts berief. Ebenfalls 1550 erschien in Basel seine an die zeitgenössischen Fürstenspiegel angelehnte Abhandlung „De officio et potestate principis“, die stärker als ihr Vorbild, die „Institutio“ des Erasmus, rechtswissenschaftlich-systematisch aufgebaut ist und noch im 17. Jh. rezipiert wurde. Sein wohl wichtigstes Werk „De civili politia libri III“ erschien 1563 in Köln mit einer Widmung an Kaiser Ferdinand I.

    Ob 0. 1540-65 tatsächlich eine Rechtsprofessur an der Univ. Köln innehatte, ist nicht belegt, zumindest hielt er Privatvorlesungen und verfaßte gelegentlich jur. Gutachten für den Kölner Rat. Seine religiöse Haltung blieb unentschieden: äußerlich katholisch, entsprach seine Überzeugung wohl der reformkatholisch orientierten konfessionsneutralen Position des Jülicher Hofes. Nach einem Reitunfall 1562 zog O. sich auf sein in (Leverkusen-)Wiesdorf erworbenes Landgut zurück; die sog. „Doktorsburg“ ist heute Seniorenheim der Stadt Leverkusen.

  • Quellen

    Qu Epistolae aliquot familiares eiusdem D. Iacobi Omphalii, 1591.

  • Literatur

    ADB 24;
    W. Harleß, Ber. d. Kurköln. Rats J. O. v. Reichstage zu Speyer (1544), in: Zs. d. Berg. Gesch.ver. 30, 1894, S. 172-79;
    J. J. Höveler, Iacobus O. Andernacus, in: Jb. d. Progymnasiums zu Andernach 1899/1900, S. 3-28;
    G. Bers, Anmerkungen zu d. Widmungsvorreden e. Kölner Humanisten, Zur lit. Tätigkeit d. J. O., in: Humanismus in Köln, hg. v. J. Mehl, 1991, S. 175-208 (W-Verz.);
    M. Philipp, J. O., De officio et potestas Principis, 1550, in: Fürstenspiegel d. Frühen Neuzeit, hg. v. H.-O. Mühleisen, Th. Stammen u. M. Philipp, 1997, S. 116-65.

  • Portraits

    Porträtmedaille im Köln. Stadtmus., Abb. bei G. Bers, s. L, S. 206.

  • Autor/in

    Stefan Ehrenpreis
  • Empfohlene Zitierweise

    Ehrenpreis, Stefan, "Omphalius, Jakob von" in: Neue Deutsche Biographie 19 (1999), S. 533 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd120915200.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Omphalius: Jakob O., Rechtsgelehrter, wurde 1500 zu Andernach geboren. Nachdem er zuerst humanistische Studien gepflegt, wandte er sich später der Jurisprudenz zu, reiste als Begleiter vornehmer junger Leute nach Frankreich und erwarb sich in Toulouse den Doctorhut. 1537 trat er als Kölnischer Beisitzer in das Reichskammergericht ein, sehr bald (1540) in den Dienst des Erzbischofs Hermann von Wied (s. A. D. B. XII, 144), für dessen reformatorische Bestrebungen er großen Eifer an den Tag legte. Namentlich unterstützte er denselben in der Zeit schwerster Vedrängniß, als der Kurfürst zur Resignation von Amt und Würden genöthigt wurde. Nach dem Tode des Kurfürsten trat O. in den Dienst des clevischen Hofes, bekleidete eine Professur in Köln und war hauptsächlich für den Kölner Rath praktisch thätig. Einen Theil seines Vermögens büßte er ein, so daß er nur mit Mühe sich im Besitze kleinerer Landgüter erhalten konnte. Er zog sich auf eines derselben, Büchel bei Wiesdorf a. Rh., zurück und starb daselbst' am 25. October 1567. Von seinen litterarischen Arbeiten sind besonders werthvoll „Prolegomena in M. T. Ciceronis pro A. Caecina orationem“ (1538) und eine Schrift „De usurpatiane legum et eorum studiis, qui jurisprudentiae professionem sibi sumunt“ (1560).|Sein Sohn Bernhard gab Briefe des Vaters heraus, welche von 1536—1566 reichen (1572. 1613).

    • Literatur

      Stintzing, Gesch. d. deutschen Rechtswissenschaft, I, 101. 260. 483 ff.

  • Autor/in

    Teichmann.
  • Empfohlene Zitierweise

    Teichmann, "Omphalius, Jakob von" in: Allgemeine Deutsche Biographie 24 (1887), S. 352-353 unter Omphalius [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd120915200.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA