Lebensdaten
1872 bis 1961
Geburtsort
Gräfenhainchen (Kreis Bitterfeld)
Sterbeort
München
Beruf/Funktion
Reichspostminister
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 117112356 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Ohnesorge, Wilhelm

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Zitierweise

Ohnesorge, Wilhelm, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd117112356.html [10.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Johann Ferdinand (1837–1924), Wachtmstr. im Dragoner-Rgt. Nr. 6, später Ober-Telegraphenass. d. Reichs-Post- u. Telegraphenverw. in Frankfurt/M., S d. Christian (1802–55), Häusler u. Schneider in Politz b. Fürstenberg/Oder, u. d. Johanna Loise Halenz (1802–91) aus Rießen b. Politz;
    M Ida Franziska Auguste (1845–97), aus Bismark (Altmark), T d. Christoph Matthias Jakob August Sommermeyer (1808–79), aus Erxleben b. Magdeburg, Maurermstr., u. d. Dorothea Loise Frederike Seebach (1810–88), aus Pankow;
    1) Berlin-Willmerdorf 1897 Elsbeth Marie (1874–1915), T d. Friedrich Carl Alexander Ebert (1849–1904), aus Freystadt (Schlesien), Geh. Oberpostrat, u. d. Minna Pauline Louise Lohmann (1851–1931) aus Görlitz, 2) München-Neuhausen 1915 Margarethe (1885–1952), T d. Johann Adler (1848–1924) aus M., Tongrubenbes., u. d. Franziska Grahammer (1851–1931) aus Regenstauf, 3) Berlin 1940 Auguste (geboren 1912), T d. Martin Videcnik (1856–1949) aus St. Kunigund (Slowenien), k. u. k. Gendarmeriewachtmstr., u. d. Aloisia Vogler (1886–1965), aus Lockva (Slowenien);
    4 T aus 1), u. a. Marie (1899–1979, W. Otto Stierstadt, 1905–95, Dr., PD f. Experimentalphysik an d. TH Hannover, 1935 Gründer u. Leiter d. Forschungsinst. f. Physik in Berlin, seit 1952 in Heidenheim/Brenz, s. Klimesch; Pogg. VII a), 1 S aus 3) Hans (* 1939), Oberstlt. a. D. in Fürstenfeldbruck, 2 T aus 3) Charlotte (Lotti, * 1944), Reporterin b. Bayer. Rundfunk in M., Sigrid (1941–95), Reg.dir. in M.;
    E Klaus Stierstadt (* 1930), Dr., Prof. d. Physik in M.

  • Leben

    O. verbrachte seine Schulzeit in Frankfurt/Main und trat nach dem Abitur 1890 als Eleve in das hiesige Telegraphenamt ein. 1897 legte er nach dem Besuch der Post- und Telegraphenschule in Berlin die höhere Verwaltungsprüfung ab. Danach studierte er in Kiel und Berlin Mathematik und Physik. Seit 1900 war O. in Berlin beim Telegraphen versuchs-, dem Fernsprechamt und der Oberpostdirektion (OPD) angestellt. In den Jahren bis zum 1. Weltkrieg trat er mit mehreren Erfindungen hervor, die Eingang in den Fernsprechbetrieb fanden. Während des Weltkrieges diente O. zunächst als Referent für das Nachrichtenwesen bei der Obersten Heeresleitung; seit 1915 leitete er die Telegraphendirektion des Großen Hauptquartiers. 1915 gelang dank der von ihm entwickelten „Ohnesorge-Vierdrahtschaltung“ erstmals die telefonische Verbindung zwischen der Westfront (Mézières) und Konstantinopel. 1919-24 war O. bei der OPD Dortmund tätig. Während der Ruhrkrise 1923 hielt er unter Mißachtung der alliierten Verbote die Fernsprechverbindungen mit dem unbesetzten Teil des Deutschen Reiches aufrecht. Als Anerkennung seiner Verdienste während des „Ruhrkampfes“ wurde O. zum Abteilungspräsidenten bei der OPD Berlin ernannt. Seine Leistungen beim Umbau des Berliner Telefonnetzes von der noch vorherrschenden Handvermittlung auf Selbstwählbetrieb führten ihn schließlich am 1.9.1929 an die Spitze des Reichspostzentralamts, des Entwicklungszentrums der Deutschen Reichspost für Fernmeldetechnik in Berlin.

    O. war einer der frühesten Anhänger Hitlers. Bereits 1920 trat er als erster Nichtbayer der NSDAP bei und gründete in Dortmund die erste außerbayer. Ortsgruppe der Partei. 1921/22 rief er in Iserlohn, Altena und Hagen weitere Ortsgruppen ins Leben. Auch nach dem fehlgeschlagenen Putsch vom Nov. 1923 blieb er ein treuer Gefolgsmann Hitlers, der ihm persönlich die NSDAP-Mitgliedsnummer 42 verlieh. Am 1.3.1933 wurde O. Nachfolger August Kruckows als Technischer Staatssekretär im Reichspostministerium. Am 6. Juli übernahm er von Karl Sautter das Amt des Geschäftsführenden Staatssekretärs der Deutschen Reichspost (DRP). Nach dem Rücktritt des Münchener Staatssekretärs der DRP, Theodor Neumayer, Anfang Juli 1933 blieb er alleiniger „Gehilfe“ des Reichspostministers Paul Frhr. v. Eltz-Rübenach (1875–1943). Hitler ernannte O. am 2.2.1937 zum Nachfolger Eltz-Rübenachs, der wegen der kirchenfeindlichen Politik des Regimes seine Demission eingereicht hatte. Die bislang von diesem in Personalunion geführten Ämter des Reichspost- und Reichsverkehrsministers waren getrennt worden.

    O. übte bereits als Staatssekretär einen bestimmenden Einfluß auf die Entwicklung der DRP aus. Seine Politik zielte auf die umfassende Nationalsozialisierung der zweitgrößten Verwaltung des Deutschen Reiches, wobei zwei der hervorstechendsten Komponenten der NS-Lehre – Führerkult und Judenfrage – von ihm nachhaltig propagiert wurden. Unbestreitbar positiv erscheinen dagegen O.s Sozialpolitik, die er verstärkt seit 1937 ausbaute, sowie seine vergleichsweise fortschrittliche Einstellung zu den weiblichen Arbeitskräften der DRP. O. gelang es während des 2. Weltkrieges trotz erschwerter Bedingungen und steigender Schäden infolge der alliierten Luftangriffe, den Betrieb der DRP so lange wie möglich ohne größere Einschränkungen aufrechtzuerhalten.

    Nach seiner Verhaftung durch die Amerikaner im Mai 1945 verbrachte O. mehrere Jahre in verschiedenen Kriegsgefangenenlagern und wurde als Zeuge in den Nürnberger Prozessen vernommen. Ein erstes Spruchkammerverfahren stufte ihn 1948 als belastet ein. Dies änderte die Berufungskammer für Oberbayern 1949, die ihn zu den Hauptschuldigen zählte. 1955 erreichte O. die Aufhebung dieses Urteils und die Einstellung des Verfahrens. Ihm wurden die Ruhestandsbezüge eines Präsidenten des Reichspostzentralamts zuerkannt. In seinen letzten Jahren lebte O., der sich weiter mit technischen Fragen befaßte, zurückgezogen in München.|

  • Auszeichnungen

    Dr.-Ing. E. h. (Stuttgart 1929); Vorstandsmitgl. d. Dt. Mus., d. VDI u. d. Dt. Lufthansa; Mitgl. d. Ak. f. Dt. Recht, d. Verw.rats d. Dt. Reichsbahn u. d. Reichsarbeitskammer; Vors. d. Verbandes Dt. Elektrotechniker u. d. Fachgruppe Elektrotechnik d. Reichsgemeinschaft d. techn.-wiss. Arbeit.

  • Werke

    Die Dt. Reichspost im Dritten Reich, in: Archiv f. Post u. Telegraphie 64, 1936, S. 301-10;
    Post u. Kultur, ebd. S. 333-45;
    Die Reichspost im Dritten Reich, 1937;
    Die Dt. Reichspost, in: FS f. Hjalmar Schacht, 1937, S. 61-82;
    Dt. Reichspost u. Staatshoheit, Aufss. u. Vorträge, 1938;
    Die Aufgaben d. Dt. Reichspost, Aufss. u. Vorträge, 1939;
    Die Dt. Reichspost in Gesch. u. Gegenwart, 1941;
    Funk u. Fernsehen, 1952 (mit H. Roemmer). |

  • Nachlaß

    Nachlaß: BA Koblenz.

  • Literatur

    H. Leclerc, in: Archiv f. dt. Postgesch., 1988, H. 2, S. 120-54;
    St. Martens, Post u. Propaganda, Das Dritte Reich u. d. Briefmarken d. Dt. Reichspost 1933-1945, in: W. Lotz (Hg.), Dt. Postgesch., Essays u. Bilder, 1989, S. 321-37;
    W. Lotz u. G. R. Ueberschär, Die Dt. Reichspost 1933-1945, Eine pol. Verw.gesch. (Teil I 1933-1939 (Lotz), Teil II 1939-1945 (Ueberschär), (erscheint in Kürze);
    W. Lotz (Hg.), Die Dt. Reichspost 1933-1945, Eine pol. Verw.gesch., Ausgewählte Dok., 2 Bde. (erscheint in Kürze);
    Rhdb. (P).

  • Autor/in

    Wolfgang Lotz
  • Empfohlene Zitierweise

    Lotz, Wolfgang, "Ohnesorge, Wilhelm" in: Neue Deutsche Biographie 19 (1999), S. 494 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd117112356.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA