Lebensdaten
unbekannt
Beruf/Funktion
Patrizier in Nördlingen, Leipzig, Breslau und Nürnberg
Konfession
katholisch,evangelisch
Normdaten
GND: 138272344 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Oelhafen von Schöllenbach
  • Oelhafen von und zu Schöllenbach
  • Oelhafen von Schöllenbach

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Zitierweise

Oelhafen von und zu Schöllenbach, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd138272344.html [14.11.2018].

CC0

  • Leben

    Der Ursprung des in Nürnberg heute noch blühenden Juristen- und Patriziergeschlechts liegt in der Schweiz, wo es im 14. Jh. unter den Zürcher Stadtgeschlechtern verzeichnet ist. Ein Ruegger ist hier 1340 als Regimentsrat belegt. Seine Nachkommen wanderten wohl über Lauingen nach Nördlingen aus, wo seit 1363 Heinrich als Mitglied des dortigen Rats nachzuweisen ist. Vom Ries verzweigten sie sich weiter nach Nürnberg (Hauptlinie, Stammvater: Johann, 1520-80), Leipzig (Stammvater: Sixt II., 1503-44) und Breslau (Stammvater: Leonhard II., 1513-60). Die Stationen zeigen Parallelen zu anderen Nürnberger Patrizierfamilien wie etwa den Scheurl.

    Das erste in Nürnberg faßbare Mitglied der Familie ist Sixt I. (um 1466–1539, s. ADB 24), zugleich der bedeutendste Vertreter seines Geschlechts. Der Sohn des Nördlinger Ratsherrn und Patriziers Georg ( 1486) wurde oberster Sekretär in der Hofkanzlei Kaiser Friedrichs III. Dieser verlieh ihm sowie seinen Brüdern 1489 den erblichen Reichsadel und das redende Wappen mit Löwen und Ölkrug (1501 vermehrt um das Wappen der Geuschmied). Position und Aufgaben als kaiserl. Hofrat und Sekretär behielt Sixt auch unter Maximilian und Karl V. 1501 übertrug ihm Maximilian das Amt eines Sekretärs beim Reichsregiment, das in Nürnberg tagte. Im selben Jahr heiratete er Anna Pfinzing, die Schwester des Sebalder Propstes Melchior Pfinzing (1481–1535). Ebenso wie die 1508 geschlossene zweite Ehe mit Barbara Rieter belegt dies die standesgemäße Akzeptanz des Nördlinger Patriziersohns durch die Nürnberger Patrizierfamilien, obwohl die O. 1521 beim Abschluß des Tanzstatuts nicht in den Kreis der ratsfähigen Familien aufgenommen wurden. Erst 1546 wurden sie als gerichtsfähig anerkannt und 1729 zusammen mit den Gugel, Peßler, Scheurl, Thill und Waldstromer ins Patriziat kooptiert. Allerdings konnten sie keine Vertreter in den reichsstädt. Rat entsenden. Nachdem Sixt 1512/16 von den Rech v. Rechenberg und den Hetzelsdorfer die Dörfer Ober- und Unterschöllenbach gekauft hatte, die 1538 als Vorschickung Schöllenbach namengebender Stammsitz des Geschlechts wurden, erwarb er 1519 auch das Nürnberger Bürgerrecht und wurde Mitglied des Größeren Rats der Reichsstadt. Obwohl Diplomat in kaiserl. Diensten, war Sixt der Reformation zugetan. 1521 kam er auf dem Reichstag zu Worms persönlich mit Martin Luther in Kontakt und war von diesem so beeindruckt, daß er Johann (1520–80, s. NDB VI*), einen seiner Söhne aus zweiter Ehe, zum Studium nach Wittenberg schickte, wo dieser 1534-36 als Freund Melanchthons im Hausstand Luthers lebte. Ähnlich wie sein Vater machte Johann Karriere als Jurist (Stadt- und Bannrichter) im Dienst der Reichsstadt Nürnberg.

    Auch spätere O. zeichneten sich durch diplomatisches Geschick aus: Johann Christoph (1574–1631) bereiste 1594-99 zu wissenschaftlichen Studien die Niederlande, England, die Schweiz, Elsaß, Lothringen, Frankreich, Spanien und Portugal. In Bologna stand er der Nürnberger Seidenhändlerfirma Praun als juristischer Berater zur Seite. Spätestens seit 1602 war er im Dienst des Reiches (kaiserl. Hofpfalzgraf) und als Konsulent seiner Heimatstadt sowie Kursachsens, Kurbrandenburgs, des Deutschen Ordens, der Grafen von Mansfeld, Castell, Wertheim, Ortenburg und Schwarzenberg, mehrerer freiherrl. Familien, der frank. Reichsritterschaft sowie der Reichsstädte Rothenburg, Windsheim, Weißenburg und Schweinfurt tätig. Er arbeitete am Reichskammergericht, wurde 1600 Assessor am Nürnberger Stadt- und Ehegericht und zelebrierte 1623 die Gründungsfeierlichkeiten der Univ. Altdorf, zu deren Prokanzler er 1626 berufen wurde.

    Johann Christophs Neffe Tobias (1601–66) und dessen zweiter Sohn Georg Tobias (1632–85) zählen ebenfalls zu den herausragenden reichsstädt. Diplomaten. Nach einer juristischen Ausbildung in Tübingen, Straßburg und Basel bzw. Altdorf führte ihre Kavalierstour sie in die Niederlande, nach Frankreich, England, Tirol, Italien und in die Schweiz. Es folgte die Promotion in Altdorf, die Anstellung bei reichsstädt. Gerichten und der diplomatische Dienst für Nürnberg und andere Reichsstände. Tobias vertrat seit 1644 mit Jobst Christoph Kress seine Heimatstadt auf dem westfäl. Friedenskongreß in Münster und Osnabrück und war ebenso an den abschließenden Exekutionsverhandlungen in Nürnberg maßgeblich beteiligt. Seit 1652 war er Prokanzler der Univ. Altdorf, und 1659/60 vertrat er Nürnberg auf dem Reichstag in Regensburg. Dort ist 1680 auch Georg Tobias zu finden, nachdem er zuvor als Nürnberger Gesandter in Wien fungierte und sich 1684 im kaiserl. Hoflager zu Linz und am Reichshofrat in Wels aufhielt. 1685 starb er in Regensburg.

    Georg Christoph (um 1710–99), ein Sohn des Christoph Elias, avancierte zum Generalfeldmarschall-Leutnant des fränk. Reichskreises, Paul Christoph (1773–1836) wurde 1798 preuß. Forstverweser in Feucht, 1803 Forstkommissär in Ansbach, 1813 schließlich bayer. Forstmeister in Schwabach.

    Nicht nur der an Gewerken in Ilmenau (Thüringen) beteiligte Sixt I. investierte einen Teil seines Vermögens in den Kauf von Liegenschaften (1512/16 Ober- und Unterschöllenbach) und dokumentierte damit seine Ebenbürtigkeit mit dem Nürnberger Patriziat. 1709 kaufte Christoph Elias (1675–1736), der 1729 für sich und seine Erben von Kaiser Karl VI. das Kooptationsdiplom zu den „adeligratsfähigen Geschlechtern“ erwirkte, die Hofmark Eismannsberg b. Altdorf und ließ 1726 das dortige Schloß neu errichten. Sein Sohn Karl Christoph (1709–85), 1737 Pfleger der Nürnberger Ämter Velden und Hausseck, 1748 Pfleger des Amtes Gräfenberg, seit 1764 Oberamtmann und Oberrichter des Sebalder Waldamts, erwarb als forstwissenschaftlicher Schriftsteller hohe Anerkennung und|wurde 1771 in die Leopoldina berufen. Er kaufte 1754/83 die im Oberpfälzer Jura gelegene Hofmark Rupprechtstein mit Landsassengütern in zehn hzgl. sulzbach. und drei nürnberg. Ortschaften. 1754 gelangten sie als Erbe in die Hände der Familien O., Harsdörfer und Härtung, im selben Jahr konnten die O. den Harsdörferschen und 1783 endgültig den Hartungschen Anteil aufkaufen. Um 1810 besaßen sie das später sog. „Doktorschlößchen“ in Mögeldorf, 1843 erbten sie zudem den vormaligen Fürerschen Herrensitz in Oberwolkersdorf b. Schwabach.

    1813 wurden die O. in die bayer. Adelsklasse immatrikuliert. Im 19. Jh. widmeten sie sich auffallend intensiv dem Militärdienst und stellten zwischen 1806 und 1906 16 aktive und vier Reserveoffiziere der bayer. Armee, davon allein sechs Söhne des Majors Karl (1810–75).

  • Literatur

    ADB 24;
    G. Hirschmann, Das Nürnberger Patriziat im Kgr. Bayern, 1971;
    Piendl, Hist. Atlas v. Bayern, H. 10, 1957;
    G. Friedrich, Bibliogr. z. Patriziat d. Reichsstadt Nürnberg, S. 106-109;
    Zedler 25;
    Berühmte Nürnberger;
    Rieser Biogrr.;
    Gen. Hdb. d. in Bayern immatrikulierten Adels, XX, 1994, S. 689-97. |

  • Quellen

    Qu German. Nat.mus., Nürnberg; Stadtarchiv Nürnberg.

  • Autor/in

    Michael Diefenbacher
  • Empfohlene Zitierweise

    Diefenbacher, Michael, "Oelhafen von und zu Schöllenbach" in: Neue Deutsche Biographie 19 (1999), S. 437-439 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd138272344.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA