Lebensdaten
1694 bis 1755
Geburtsort
Riga
Sterbeort
Stockholm
Beruf/Funktion
Diplomat ; schwedischer Staatsmann
Konfession
lutherisch
Normdaten
GND: 138255725 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Nolcken, Erich Matthias von
  • Nolcken, Eric Mathias von
  • Nolcken, Eric Mathias (bis 1726)
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Zitierweise

Nolcken, Erich von, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd138255725.html [25.04.2019].

CC0

  • Genealogie

    Die Fam. stammt ursprüngl. aus. d. Gfsch. Hoya (Westfalen), wo als Stammvater Tönnes v. Nolcke gegen Ende d. 15. Jh. belegt ist. Zu ihr gehören: Georg Ludwig (1727–92), ösel. Landmarschall, Ernst Baron (1809–91), Politiker, Wilhelm Frhr. (1813–98), Lepidopterologe, Nikolai (1830–1913), ev. Theologe, Alexander Baron (1855–1928), russ. Staatsrat, Adolf Baron (1860–1919), russ. GR u. Senator (alle s. Dt.balt. Biogr. Lex.). – V Christoffer Reinhold (1650–1732), auf Hasik (Ösel), schwed. Oberst (1695–1715 in Wismar, 1714-19 Rgt.-Kommandeur), dann Landrat auf d. (seit 1721 russ.) Ösel;
    M Ingeborg Christina (1664–1747), T d. Landrats Matthias v. Stackelberg u. d. Ingeborg Grubbe (schwed. Stierfelt);
    B Reinhold Gustav ( 1762), Landmarschall v. Ösel (s. Dt.balt. Biogr. Lex.);
    1) 1731 Christina Margarethe (1707–39), T d. livländ. Landrats Gerhard v. Lode u. d. Margarethe Elisabeth Horn af Kanckas, 2) Stockholm 1749 Anna Regina ( 2) Peter Fredrik Frhr. v. Hegardt,|schwed. Staatssekr.), T d. Obristen Frhr. Christen Horn af Åminne u. d. Frfr. Anna Regina Sjöblad;
    3 S, 3 T aus 1), 1 S, 1 T aus 2), u. a. Gustav Adam (1733–1812), schwed. Ministerresident in London, Präs. d. Göta Hofgerichts, Johann Friedrich (1737–1809), schwed. Gesandter in St. Petersburg u. Wien;
    N Christopher (1728–1802), russ. Staatsrat; Nachfahren Georg (1789–1853), Ernst (1814–1900), beide Politiker, Gustav (1815–79), Landrat, Woldemar Gf.(1851–1917), russ. GR (alle s. Dt.balt. Biogr. Lex.).

  • Leben

    N. wuchs in Wismar auf, studierte in Uppsala und trat 1716 in den schwed. diplomatischen Dienst. 1718 wurde er Gesandtschaftssekretär am preuß. Hof und 1730 Regierungsrat bei der schwed.-pomm. Regierung in Stralsund. Frühzeitig erwarb er sich den Ruf außerordentlicher Tüchtigkeit und diplomatischer Geschicklichkeit. Seit seiner Heirat trat N. in einen sehr engen und vertraulichen Briefwechsel mit Arvid Gf. Horn (1664–1742), der 1718-38 die schwed. Politik leitete. Dieser übte mit Hilfe N.s bedeutenden Einfluß auf die schwed.-pomm. Innenpolitik aus. N. informierte Horn über wichtige Vorgänge im Lande und klärte Maßnahmen, die Horn für Pommern wünschte, zunächst informell in Stralsund ab, so z. B. die von diesem betriebene Einsetzung des Timotheus Lütkemann zum Generalsuperintendenten für Schwedisch-Pommern. Darüber hinaus führte N. in Deutschland die Erbauseinandersetzung Horns mit der Familie Königsmarck. Schon 1732 wurde er mit dem Vorwurf konfrontiert, er befördere „unter der Hand“ über Horn seine eigenen Angelegenheiten. Damals hatte er gerade eine Gehaltszulage von jährlich 200 Rtlr. erhalten. Als die pomm. Ritterschaft 1732 gegen die Belehnung N.s mit dem pomm. Gut Wiepkenhagen Bedenken anmeldete, weil dieser nicht in die Matrikel des pomm. Adels aufgenommen war, scheint sich Horn entschieden für N. verwendet zu haben. Möglicherweise damit im Zusammenhang setzte sich N. bald darauf in Stockholm dafür ein, daß der bereits seit 1721 geplante, aber aus Geldmangel immer wieder verschobene Bau eines adligen Jungfrauenstifts in Barth nunmehr mit landesherrlichen Mitteln errichtet wurde (1733). Noch vor Horns Sturz 1738 war N. zum schwed. Gesandten in St. Petersburg ernannt worden. Da Horn eine rußlandfreundliche Politik betrieben hatte, war diese Ernennung geeignet, den russ. Hof in Sicherheit zu wiegen. Als Verwandter Horns wurde N. von der schwed. Kriegspartei, den Hüten, nicht über den Krieg unterrichtet, der für den Fall des Ablebens Kaiser Karls VI. im Einvernehmen mit Frankreich und Preußen vorbereitet wurde; Schweden sollte durch einen Angriff auf Rußland verhindern, daß das Zarenreich Österreich unterstützte. Erst 1740 erhielt N. den ausdrücklichen, aber gleichzeitig vage formulierten Befehl, den geplanten schwed. Angriff auf Rußland diplomatisch vorzubereiten. 1743 war N. Mitglied der schwed. Delegation, die den Frieden von Åbo aus verhandelte (Ber. gedr. in: Historisk tidskrift 9, 1889, S. 75-202). 1744 wurde er Staatssekretär in der außenpolitischen Abteilung der Reichskanzlei, 1747 Hofkanzler, 1750 schließlich Präsident des Göta Hofgerichts in Jönköping und damit in einem hochdotierten Amt fernab der Hauptstadt politisch kaltgestellt.

  • Literatur

    ADB 23;
    J. v. Bohlen, Gesch. d. Geschl. d. Bohlen, 2 Bde., 1859-75;
    G. Elgenstierna, Den introducerade svenska adelns ättortavlor, V, 1930, S. 441 ff.;
    W. Buchholz, Öff. Finanzen u. Finanzverw. in Schwed.-Pommern 1720-1806, 1991;
    Dt.balt. Biogr. Lex.

  • Autor/in

    Werner Buchholz
  • Empfohlene Zitierweise

    Buchholz, Werner, "Nolcken, Erich von" in: Neue Deutsche Biographie 19 (1999), S. 326 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd138255725.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Nolcken: Erich Matthias v. N., als ältester Sohn des oeselschen Landraths und schwedischen Obristen Christoph Reinhold von N. und der Ingeborg Christina v. Stackelberg am 24. Mai 1694 in Riga geboren, besuchte die Universitäten Upsala und Göttingen. 1716 bereiste er Holland und wurde von dem dortigen schwedischen Minister Baron Görtz mit Depeschen nach Stockholm gesandt und dadurch veranlaßt, in die Kanzlei der Staatsexpeditionen für auswärtige Angelegenheiten einzutreten. Bald entdeckte man seine hervorragende Begabung und verwandte ihn zu wiederholten Missionen an den preußischen Hof. Von 1730 bis 1738 Regierungsrath in Pommern, rief er daselbst das adlige Fräuleinstift zu Barth ins Leben. 1738 begab er sich als außerordentlicher Gesandter nach Petersburg. Mit dem französischen Botschafter La Chetardie begünstigte er die Thronbesteigung der Kaiserin Elisabeth. Sein Plan bei dieser Staatsveränderung, Esthland und Livland an Schweden abtreten zu lassen, scheiterte an der Niederlage, welche die schwedischen Waffen im entscheidenden Augenblicke in Finnland erlitten. Doch erlangte er, daß der vordringenden russischen Armee von Petersburg aus Halt geboten wurde, wodurch damals der Verlust des Großfürstenthums verhütet ward. Als Vertreter Schwedens wohnte er der Krönung der Kaiserin Elisabeth bei. 1743 war er als zweiter Congreßgesandter mit den Verhandlungen betraut, die zu dem Friedensschlusse von Åbo führten. Das in Moskau aufbewahrte Friedensinstrument trägt seine Unterschrift und sein Siegel. 1744 Staatssecretär für die auswärtigen Angelegenheiten und 1747 Hofkanzler wurde er am 12. December desselben Jahres in den schwedischen Freiherrenstand erhoben. Er starb zu Stockholm am 18. October 1756 als Präsident im Götha Hofräth, den Seinigen nichts als einen geachteten Namen hinterlassend, hierin eine Ausnahme unter den damaligen schwedischen Staatsmännern. Sein Wahlspruch simplex recti cura, entspricht der selbständigen Stellung, die er sich inmitten der von Frankreich und Rußland beeinflußten Parteien wahrte. Er ist der Stammvater des freiherrlichen Zweiges des heute in Livland und Kurland blühenden Geschlechts.

    • Literatur

      Familienarchiv der Nolcken in Lunia. — Anrep, Swenska Adelns Aettar Taflar.
      Die Neue Europäische Fama. — Vandal, Louis XV. et Elisabeth de Russie.

  • Autor/in

    Schiemann.
  • Empfohlene Zitierweise

    Schiemann, Theodor, "Nolcken, Erich von" in: Allgemeine Deutsche Biographie 23 (1886), S. 758 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd138255725.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA