Lebensdaten
unbekannt
Beruf/Funktion
Tabakindustrielle
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 138143919 | OGND | VIAF: 88202444
Namensvarianten
  • Neuerburg

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Zitierweise

Neuerburg, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd138143919.html [30.09.2020].

CC0

  • Leben

    Der Familienname leitet sich ab vom gleichnamigen Dorf bei Wittlich. Der Stammvater der vermögenden Familie in Wittlich war Gotthard. Sein Sohn Matthias (1638–1723), wie sein Vater Gerichts- und Kirchenschöffe, hatte neun Kinder, von denen Johann Peter ( 1753) die Wittlicher Linie fortführte. Dessen Sohn Johann Robert (1730–96) hatte zwei Söhne, Johann Heinrich (1755–1835), dessen Familie in Wittlich ausstarb, und Gotthard (1757–1817), der nach seiner Heirat mit Katharina Blasius (1774–1836) Vater von 10 Kindern wurde. Von diesen wurde Willibord (1815–53) Stammvater der heute noch bestehenden Familie N. am Markt, Johann (1805–90) lernte die Rotgerberei und erwarb 1853 in Wittlich ein Haus in der Burgstraße, wo er mit seinen Söhnen eine 1866 ins Handelsregister eingetragene Tabakfabrik zur Herstellung von Pfeifen- und Strangtabaken einrichtete. Die Fabrik wurde 1920 in die Friedrichstraße verlegt und bestand dort bis 1957. Von den sieben Kindern des Johann arbeitete der dritte Sohn, Heinrich (1839–1901), 1854-57 als Volontär in der Zigarrenfabrik „Gräff“ zu Zell an der Mosel, bevor er in der elterlichen Fabrik in Wittlich tätig wurde. 1865 übersiedelte er nach Trier und gründete dort 1873 mit seinem Partner Vogel die Zigarrenfabrik „Vogel und Neuerburg“. Das Geschäft expandierte rasch. Zweigwerke wurden errichtet in Zell (1879), Pfalzel und im Trierer Vorort Löwenbrücken (heute Saarstraße), die um 1900 etwa 600 Personen, vornehmlich Arbeiterinnen, beschäftigten. Nach dem Tod Heinrichs 1901 leiteten dessen Söhne Hubert (1881–1923) und Heinrich (1883–1956) die Firma. Das veränderte Rauchverhalten von der Zigarre hin zur Zigarette bewog Heinrich, mit seinem Bruder August (1884–1944) 1908 die „Zigarettenfabrik Haus Neuerburg“ mit einem kleinen, aber qualitativ hochwertigen Sortiment zu gründen. 1917 gab Hubert die Zigarrenfabrikation ganz auf und überließ die Zweigwerke bewährten Meistern zur Produktion auf eigene Rechnung. 1919 wurde auch die elterliche Zigarrenfabrik in Trier auf die Herstellung von Zigaretten umgerüstet und Hubert als gleichberechtigter Teilhaber in die Firma aufgenommen. Der während des 1. Weltkriegs enorm gestiegene Zigarettenkonsum erforderte die Errichtung neuer Zweigwerke 1919 in Dresden und 1922 in Merzig. Im selben Jahr trat auch der vierte Bruder Hermann (1890–1937) als Teilhaber in die Firma ein. Während der Inflation stellte die Firma in der schon 1910 erworbenen „Trierer Druckereigesellschaft“ auch Trierer Notgeld her, 1923 wurde das Geschäftshaus am Gülichplatz in Köln errichtet. In den Jahren bis 1926 kam es zur Gründung einer Rohtabakzentrale in Hamburg („Merkur-Speicher“), zur Errichtung der dortigen Tabakfaktorei sowie zum Neubau des Zweigwerkes Wandsbek. 1927 wurde die „Waldorf-Astoria“-Fabrik in Stuttgart erworben, 1928 folgten die Zigarettenfabriken „Zuban“ in München und „Halpaus“ in Dresden sowie die Beteiligung an der dortigen „Eckstein“-Fabrik. Der Monatsumsatz betrug in diesem Jahr etwa 15 bis 20 Mio. RM durch den Verkauf von mehr als 500 Mio. Zigaretten, was einen Spitzenplatz unter den deutschen Industrieunternehmen bedeutete. Ein harter Konkurrenzkampf führte 1935 zum Verkauf des Hauses Neuerburg an die Zigarettenfirma „Reemtsma“ für 51 Mio. RM, zahlbar aus den jährlichen Gewinnen. Diese Besitzverhältnisse dauerten bis 1948, wobei weiterhin unter dem Namen „Haus Neuerburg“ produziert wurde und beide Firmengruppen bis Kriegsausbruch mit einem Anteil von 82% den deutschen Zigarettenmarkt beherrschten. Nach Kriegszerstörungen und Entflechtung der industriellen Monopolstrukturen, die dem Haus Neuerburg nur das Stammhaus in Trier, das Geschäftshaus in Köln und das neuerworbene Zweigwerk Baden-Baden („Batschari-Fabrik“) beließen, führte die von Heinrich initiierte Neugründung des Familienunternehmens im März 1950 rasch zu beachtlichen Erfolgen. Seine Söhne und Nachfolger Walter (1912–86), Paul (1916–60) und Hermann (1917–57) reagierten jedoch zu spät auf die Einführung der Filterzigarette (seit 1954) und mußten sich der übermächtigen Konkurrenz amerik. Firmen beugen. 1960 wurden 51% des Unternehmens an die Firma „Reynolds Tobacco“ verkauft, die 1963 auch den Restanteil erwarb.

  • Literatur

    Genealog. Chronik d. Fam. N., zus.gestellt u. im Bes. v. Elisabeth Becker-N., Wittlich (masch., Fotos v. Fam.mitgll. seit ca. 1850);
    Nachruf auf Hubert, in: Kur-Trier 7, 1923, S. 82;
    Heinrich Neuenburg, Fusion Reemtsma – Haus Neuerburg, 1945 (masch.);
    ders., Haus Neuerburg – Wie ich es erlebte, Rede, vorgelesen am 30. Dez. 1952 v. Herrn Paul N.;
    Haus Neuerburg ehrt seinen Senior-Chef Heinrich N. z. Vollendung seines 70. Lebensj. am 11. Jan. 1953;
    E. Fischer, „Liebe zum Tabak“, Die Gesch. e. Fam. Unternehmens, 1958 (masch.);
    Die Neuerburg-Tragödie, in: Capital 7, 1968, H. 4, S. 26 f.;
    Die Kampfmethoden d. Zigarettenindustrie, ebd. 16, 1977, H. 3, S. 68-70;
    R. Laufner, Hubert N. (1881-1923) z. Gedächtnis, in: Neues Trier. Jb. 1987, S. 53-55 (P);
    G. Bayer, Trierer Inflationsgeld d. Zigarettenfabrik Neuorburg, in: Trierer Petermännchen 6, 1992, S. 21-26;
    ders., Das Zigarrenstädtchen Zell an d. Mosel, 1996;
    Auskunft d. Fa. Reynolds Tobacco GmbH, Trier v. 19.6.1997.

  • Autor/in

    Klaus Petry
  • Empfohlene Zitierweise

    Petry, Klaus, "Neuerburg" in: Neue Deutsche Biographie 19 (1999), S. 112 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd138143919.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA