Lebensdaten
unbekannt
Beruf/Funktion
rheinische Adelsfamilie
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 138042977 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Leysiefen, von
  • Nesselrode, von
  • Leysiefen, von

Orte

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Zitierweise

Nesselrode, von, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd138042977.html [16.07.2020].

CC0

  • Leben

    Der Name leitet sich von dem Haus Nesselroth an der Wupper (Leichlingen) ab. Ein erster sicherer Nachweis des Familiennamens findet sich 1303 mit Henricus gen. Flecke de Nessilrode als Lehnsmann der Abtei Deutz, aber möglicherweise reicht die Familie unter dem Namen „von Leysiefen“ weiter zurück. 1368 ist ein Ritter Johann Lehnsmann der Grafen v. Berg. Vom 14. bis ins 18. Jh. erscheinen zahlreiche Mitglieder der Familie als Lehnsleute, Drosten, Amtleute, Vögte, Pfandinhaber und in anderen Funktionen in Berg, Jülich, Ravensberg und Kurköln (als kurköln. Beamte auch im Vest Recklinghausen). Verschwägert sind sie vornehmlich mit dem rhein. und westfäl. Adel.

    Die Familie, deren Stammsitz an der Wupper 1511 durch Heirat an westfäl. Familien überging, teilte sich seit dem Spätmittelalter in mehrere Linien. Eine ältere Linie N. (zum Stein/Rath/Wildenburg/Ehrenstein/Herten), die seit dem 16. Jh. das berg. Erbkämmerer-Amt innehatte, erwarb 1698 von den Grafen v. Wied die Burg Reichenstein (Puderbach, Kr. Neuwied), mit der die Reichsstandschaft verbunden war und wonach sie sich dann „N.-Reichenstein“ nannte. Sie wurde 1702 in die Reichsstandschaft erhoben (erloschen 1776). Bertram zu Herten, Stein und Ehrenstein (1592–1678, 1652 Freiherr) war kurköln. Geh. Rat u. Statthalter des Vest Recklinghausen, ebenso sein Sohn Franz (1635–1707), seit 1702 Graf, der überdies kaiserl. Kämmerer und fürstbischöfl. münsterscher Kanzler war. Auch dessen Sohn Bertram Karl (1672–1744) und dessen Söhne Franz Bertram Arnold (1697–1761) und Franz Wilhelm Anton (1701–76) waren Statthalter im Vest Recklinghausen.

    Die Enkel des 1508 mit Hugenpoët belehnten Johann, Johann und Wilhelm, begründeten die heute bayer. bzw. niederländ. Linie „N.-Hugenpoët“. Zu ersterer gehören Johann Leopold Erasmus Frhr. (um 1690–1768), 1739-68 Generalvikar zu Speyer (s. Gatz II), und Maximilian Frhr. (1804–86), bayer. General.

    Die mittlere Linie „N.-Landscron“ (erloschen 1824) nannte sich nach der durch die Ehe des Johann Salentin Wilhelm mit Franziska Margaretha Christina v. Brempt 1666 in die Familie gekommenen Burg Landscron b. Ahrweiler. Die Mitglieder dieser Linie – sie sind seit 1652 Freiherrn, seit 1710 Grafen – standen vor allem in kaiserl., österr. und kurköln. Diensten. Johann Hermann Franz (1671–1751) machte Karriere in der kaiserl. Armee, erwarb das ungar. und österr. Indigenat, war kaiserl. Generalfeldzeugmeister, Rat u. Kämmerer. Sein Sohn Johann Wilhelm Maximilian (1726–1800) war kaiserl. Kämmerer und kurköln. Rat, der Enkel Johann Franz Josef (1755–1824) kurköln. Geh. Staatsrat, Hofkammerpräsident und Statthalter des Vest Recklinghausen. 1806 wurde er ghzgl. berg. Staatsminister.

    Die jüngere Linie der „N.-Ehreshoven“, die seit 1396 über Schloß Ehreshoven an der Agger (Engelskirchen) verfügte, stellte seit 1466 die Erbmarschälle des Hzgt. Berg. Ihre Mitglieder – seit 1653 Reichsfreiherren, seit 1705 Reichsgrafen – standen fast alle als Amtleute und Räte in berg. Diensten oder waren Domherren und Kanoniker rhein., westfäl. oder lüttischer Stifte. So war Wilhelm Franz ( 1732) Kanoniker von St. Lambert zu Lüttich und zu Paderborn, Propst zu Münster und Stuhlweißenburg, kaiserl. Geh. Rat und seit 1703 Bischof von Fünfkirchen (Ungarn). Auch dieser Zweig der Familie gelangte im 18. Jh. in Spitzenpositionen in der kurpfälz. Verwaltung der Herzogtümer Jülich-Berg. Franz Karl (1673–1750) war kaiserl. Wirkl. Geh. Rat und jülich-berg. Kammerpräsident. Sein Sohn Karl Franz (1713–98) war jülich-berg. Kanzler und kurpfälz. Geh. Staats- und Konferenzminister und stand 1776-94 als kurpfälz. Statthalter von Jülich-Berg an der Spitze des Territoriums. Er führte in Düsseldorf ein großes Haus (Palais Nesselrode), war Protektor der kurfürstl. Kunstakademie und Förderer der kurfürstl. öffentlichen Bibliothek, er war dem Jacobi-Kreis verbunden und mit Goethe bekannt, der ihm Bücher zukommen ließ (s. L). Sein jüngerer Bruder Wilhelm (1728–1810) war russ. Geh. Rat und Gesandter in Lissabon und Berlin, sein Neffe Robert wurde russ. Reichskanzler (s. u.). Der Enkel von Karl Franz, Franz Bertram (1783–1847) gilt als Gönner und Förderer des Komponisten Norbert Burgmüller. Franz Bertrams Sohn Maximilian (1817–98) war preuß. Kammerherr und Oberhofmeister der Kaiserin Augusta. Der Besitz Ehreshoven wurde von der Tochter von Maximilian Bertram, Maria (1853–1920), der Genossenschaft des rhein. ritterbürtigen Adels zur Einrichtung eines „Stifts für unverheiratete kath. adelige Fräuleins“ vermacht.

  • Literatur

    J. Strange, Btrr. z. Genealogie d. adeligen Geschlechter, 8. H., 1869;
    W. Güthling, Zur Gesch. d. Geschlechts N., in: Zs. d. Berg. Gesch.ver. 63, 1935, S. 57-77;
    K. Niederau, Die ältesten Generationen der v. N., in: Mitt. d. Westdt. Ges. f. Fam.kde. 18, Jg. 45, 1957, S. 26 ff. u. 90 ff.;
    A. Blömer, Der Bastard Wilhelm v. N. zu Randerrath, ebd. 28, Jg. 66, 1978, S. 147 f.;
    F. W. Oediger (Bearb.), Das HStA Düsseldorf u. seine Bestände, II, 1970, S. 340-48 (zu N.-Ehreshoven);
    Europ. Stammtafeln, NF VII, hrsg. v. D. Schwennicke, 1979, Tafeln 152-56;
    E. Rümmler, Haus Nesselrode u. seine Bewohner, in: dies., Von Straßen, Häusern u. Menschen, Aufsätze z. Topographie u. Gesch. d. alten Düsseldorf, 1992, S. 112-17;
    Ernst v. Oidtman u. seine genealogisch-herald. Slg. in der Univ.-Bibl. Köln, XI, bearb. v. H. M. Schleicher, 1996, S. 262-315. – Zu Karl Franz: St. Mörz, Aufgeklärter Absolutismus in d. Kurpfalz, 1991.

  • Autor/in

    Clemens Graf von Looz-Corswarem
  • Familienmitglieder

  • Empfohlene Zitierweise

    Looz-Corswarem, Clemens Graf von, "Nesselrode, von" in: Neue Deutsche Biographie 19 (1999), S. 73 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd138042977.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA