Dates of Life
1879 bis 1947
Place of birth
Hirschberg/Saale (Thüringen)
Place of death
Moskau (Gefängnis Lubjanka)
Occupation
NS-Gauleiter von Sachsen
Religious Denomination
evangelisch
Authority Data
GND: 117204587 | OGND | VIAF: 30307216
Alternate Names
  • Mutschmann, Martin

Relations

The links to other persons were taken from the printed Index of NDB and ADB and additionally extracted by computational analysis and identification. The articles are linked in full-text version where possible. Otherwise the digital image is linked instead.

Places

Map Icons
Marker Geburtsort Place of birth
Marker Wirkungsort Place of activity
Marker Sterbeort Place of death
Marker Begräbnisort Place of interment

Localized places could be overlay each other depending on the zoo m level. In this case the shadow of the symbol is darker and the individual place symbols will fold up by clicking upon. A click on an individual place symbol opens a popup providing a link to search for other references to this place in the database.

Citation

Mutschmann, Martin, Index entry in: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd117204587.html [24.02.2021].

CC0

  • Genealogy

    V Johann August Louis (* 1852), Schlosser u. Monteur in Göritz Kr. Schleiz, S d. Johann Christoph Erdmann (1810–73), Schuhmachermeister u. Bgm. in Göritz, u. d. Eva Marie Langheinrich (1814–1902);
    M Sophie Karoline Henriette (* 1855), T d. Heinrich Lieber (1819–84), Bürger u. Buchdrucker zu Rudolstadt, u. d. Marie Sophie Hinzpeter;
    Brockau Kr. Plauen (Vogtland) 1909 Minna (1884–1971), T d. Friedrich August Popp, Ziegeleibes. in Christgrün Kr. Reichenbach (Vogtland).

  • Life

    Nach dem Besuch der Bürgerschule in Plauen begann M. dort 1893 eine Lehre als Sticker und absolvierte die Handelsschule. Die Tätigkeit als Stickmeister, Abteilungs- und Lagerchef in Spitzen- und Wäschefabriken in Plauen, Herford (Westfalen) und Köln wurde 1901-03 unterbrochen durch den Militärdienst in Straßburg. 1907 gründete M. eine eigene Spitzenfabrik in Plauen, danach in Brockau und schloß sich später auch mit anderen Unternehmern zusammen. Er nahm als Freiwilliger am 1. Weltkrieg teil und kehrte 1916 als Kriegsverletzter zurück. Seit Ende 1918 Mitglied des Deutsch-völkischen Schutz- und Trutzbundes, trat M. 1923 der NSDAP bei. Er gründete den Völkischen Block, wurde 1924 dessen Landesführer und überführte ihn geschlossen in die am 27.2.1925 neuentstandene Hitlerpartei, die er auch finanziell unterstützte. Im selben Jahr erfolgte seine Ernennung zum Leiter des Gaues Sachsen, der damals bereits zu den größten in Deutschland zählte. Von September 1930 bis November 1933 vertrat er die NSDAP im Deutschen Reichstag.

    Seit dem 5.5.1933 war M. Reichsstatthalter für Sachsen, am 28.2.1935 löste er Ministerpräsident Manfred Frhr. v. Killinger (1886–1944) als „Führer der sächs. Landesregierung“ ab (von Sept. 1936 bis Mai 1945 „Der Reichsstatthalter in Sachsen – Landesregierung“). Im Laufe der Jahre übernahm M., der 1937 den Rang eines SA-Obergruppenführers erhielt, weitere Ämter, wurde mit Kriegsausbruch Reichsverteidigungskommissar für Sachsen und 1944 Beauftragter für die Aufstellung des Volkssturms in Sachsen. Schwerpunkte seiner Tätigkeit sah er in politischen Säuberungen und in der Verwirklichung des antisemitischen Programms seiner Partei. Nach 1939 mußte er die Leistungsfähikeit der Kriegswirtschaft garantieren, und seit Herbst 1944 stand die organisatorische Abwicklung des Transports von Kunstschätzen aus dem Osten im Vordergrund. Maßnahmen zum Schutz der Zivilbevölkerung vor Bombenangriffen vernachlässigte er. Am 8.5.1945 begann M.s Flucht, acht Tage später wurde er im damals noch besatzungsfreien Kreis Schwarzenberg/Tellerhäuser (Erzgebirge) von der deutschen Polizei gefangengenommen und der Roten Armee übergeben. Er wurde in das Moskauer Gefängnis Lubjanka gebracht und am 30.1.1947 von einem Militärkollegium des Obersten Gerichts der UdSSR zum Tode verurteilt. Seine Frau, in den Waldheimer Prozessen 1950 als Hauptverbrecherin eingestuft und zu einer Zuchthausstrafe von 20 Jahren verurteilt, kam Ende 1955 durch Gnadenerlaß frei. – M. verkörperte durch seine Ämterhäufung seit 1935 den nahezu unumschränkten Herrscher Sachsens, zumal er auf die Unterstützung Hitlers, seit 1936 durch seine Beziehungen zu dessen Schwester und ihrem Ehemann gefördert, rechnen konnte. Zwar hatte er keinen Anteil an der Artikulierung des nationalsozialistischen Programms, engagierte sich aber zielstrebig und verbissen für dessen Realisierung.

  • Literature

    Kal. f. d. Sächs. Staatsbeamten auf d. J. 1934, 1934, S. 3 f. (P);
    In Treue z. Führer, Zum 65. Geb.tag unseres Gauleiters u. Reichsstatthalters, in: Der Freiheitskampf 14, Nr. 68 v. 9.3.1944, S. 1 f. (P);
    Für d. Volkes Wohl, Zum 65. Geb.tag unseres Gauleiters M. M., in: Dresdner Ztg. 214. Nr. 58 v. 9.3.1944, S. 1 f. (P);
    W. A. Ruban, Abschaum d. Menschheit, in: Tagesztg. f. d. dt. Bevölkerung, Nr. 11 v. 2.6.1945, S. 1;
    P. Hüttenberger, Die Gauleiter, 1969, S. 217;
    E. Schmidt, M. – Nazi-“König“ v. Sachsen, in: Dresdner Neueste Nachrr. 1, Nr. 56-60 v. 6.-10.11.1990;
    E. Stockhorst, Fünftausend Köpfe, Wer war was im Dritten Reich, 1967, S. 303;
    Ch. Zentner u. F. Bedürftig (Hrsg.), Das große Lex. d. Dritten Reiches, 1985, 21993, S. 397 f. (P);
    Wi. 1935. – Eigene Archivstud.

  • Author

    Agatha Kobuch
  • Citation

    Kobruch, Agatha, "Mutschmann, Martin" in: Neue Deutsche Biographie 18 (1997), S. 659-660 [online version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd117204587.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA