Lebensdaten
1838 bis 1889
Geburtsort
Osnabrück
Sterbeort
Rotterdam
Beruf/Funktion
Erzhändler
Konfession
lutherisch
Normdaten
GND: 137859449 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Müller, Wilhelm Heinrich

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Zitierweise

Müller, Wilhelm Heinrich, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd137859449.html [23.07.2019].

CC0

  • Genealogie

    Aus im 16. u. 17. Jh. in Lemke b. Marklohe (Gfsch. Hoya) nachweisbarer Fam.;
    V John Henry (Heinrich) (1811–86), Kaufm. in O. u. Linden b. Hannover, S d. Johann Hinrich Wilhelm (1799–1845), Söldner u. a. d. brit. King's German Legion, Reservist in O., u. d. Ann Mills (1788–1862) aus Irland;
    M Anna Wilhelmine Lisette (Minna) (1815–76), T d. Johann Arnold Friedrich Meese (1780–1832), Kaufm. in O., u. d. Anna Henriette Wilhelmine Wallmichrath (1783–1818) aus Langenberg (Rheinland);
    Bielefeld 1864 Emilie (1843–1924), T d. Gottfried Heinrich Neese (1798–1878), Leinenhändler in O., u. d. Johanna Wilhelmine Opderbekke (1811–82) aus Mülheim/Ruhr;
    1 S Gustav Henry (1865–1913), Kaufm. u. Reeder in Düsseldorf u. Rotterdam, rumän. Honorarkonsul, 1 T Helene (1869–1939, Anthony G. Kröller, 1862–1941, Prokurist d. Fa. Wm. H. Müller & Co.), Kunstsammlerin, Ehrenbürgerin d. Univ. Heidelberg (s. L);
    E Lotte (* 1894, Hans Carl Scheibler, * 1887, Fabr., niederländ. Gen.konsul, s. Wenzel; Wi. 1935).

  • Leben

    Nach dem Besuch der Bürgerschule und der Handelsschule in Osnabrück folgte M. 1854, gerade 16 Jahre alt, seinem als Handlungsreisender tätigen Vater in die USA. Als dieser Anfang 1855 nach Deutschland zurückkehrte, blieb M. als Kommis eines Eisenwarengeschäfts auf sich allein gestellt zurück. Während der folgenden Jahre versuchte er in verschiedenen Orten und Berufen Fuß zu fassen, letztlich aber ohne finanziellen Erfolg, so daß er 1861 wieder in die Heimat zurückkehrte. Ein Onkel mütterlicherseits, Wilhelm Meese, vermittelte ihm eine Begegnung mit dem Ruhrindustriellen Friedrich Grillo. Dieser suchte einen kaufmännischen Leiter für den 1856 gegründeten Berg- und Hüttenverein Neu-Schottland, der ein Hochofenwerk bei Essen-Steele und ein Puddel- und Walzwerk in Horst bei Steele betrieb. Im April 1862 trat M. dieses Amt an, fünf Jahre später wurde er zum Direktor ernannt. Das Unternehmen nahm einen raschen Aufschwung und machte mit Schienenlieferungen gute Geschäfte. 1872 erfolgte die Fusion von Neu-Schottland mit der Dortmunder Hütte – dem Überrest eines fehlgeschlagenen größeren Gründungskomplexes aus dem Jahre 1854 – und der 1853 von Henrich Gf. zu Stolberg-Wernigerode erbauten Henrichshütte bei Hattingen sowie einigen anderen Unternehmen zur Union AG für Bergbau, Eisen- und Stahlindustrie (Dortmunder Union). Mit ihr entstand das erste deutsche „gemischte Hüttenwerk“, ein vertikal integrierter Konzern, in dem Kohle und Erz gefördert und Roheisen und Stahl sowohl erschmolzen als auch weiterverarbeitet wurden. M. und ein früherer Kollege bei Neu-Schottland, Friedrich Netke, wurden Leiter der Dortmunder Union, M. mit dem Titel eines Generaldirektors.

    Das neue Unternehmen stand unter ungünstigen strukturellen Vorzeichen. Nach zwei Jahren wurde eine größere Umorganisation vorbereitet, die M. ablehnte. Im März 1876 schied er aus der Dortmunder Union aus. Der mit ihm verschwägerte Generaldirektor des Bochumer Vereins, Louis Baare, bot ihm an, sein Nachfolger zu werden, doch bei M. überwog der Wunsch nach einer selbständigen Tätigkeit. Da er mit einer steigenden Nachfrage nach ausländischen Eisenerzen rechnete, gründete er 1876 in Düsseldorf das Handelshaus „Wm. H. Müller & Co.“ für Bergwerks- und Hüttenprodukte, dazu im folgenden Jahr eine Filiale in Lüttich sowie 1878 in Rotterdam und Amsterdam ein Fracht- und Speditionsgeschäft mit einer Niederlassung in (Duisburg-) Ruhrort. Bereits nach einem Jahr setzte das Unternehmen über 100 000 t Erz um. M. gründete weltweit weitere Zweiggeschäfte, betrieb Bergwerke u. a. in Spanien (Bilbao) und stellte seit 1882 eigene Erzdampfer und Massengutfrachter auf der Linie Holland-Bilbao in Dienst. Weniger erfolgreich war sein Versuch, den Erzhandel auch auf Nordafrika auszudehnen. Zurückgehende Umsätze bewogen ihn gegen Ende seines Lebens, die ausländischen Aktivitäten auf Rotterdam zu konzentrieren.

    Nach M.s Tod übernahm sein in Liverpool, London und Antwerpen ausgebildeter Sohn Gustav Henry, unterstützt von seinem Schwager Anton (Anthony G.) Kröller, die Leitung des Unternehmens, seit Juni 1890 als Teilhaber. Neue Handelszweige (Holz aus eigenen Waldungen, Getreide, sonstige Massengüter) wurden hinzugenommen. 1895 nahm die Reederei unter der Flagge der „Batavier Lijn“ die Fahrgastbeförderung auf und eröffnete eine tägliche Schiffsverbindung zwischen Rotterdam und London. Zudem wurden Handelsbeziehungen mit Rumänien aufgenommen. Bis 1910 bestand ein Erzausfuhrmonopol für den ukrain. Hafen Nikolajew am Schwarzen Meer. Im 20. Jh. wurde der internationale Erzhandel – seit den 30er Jahren mit dem neuen Schwerpunkt Brasilien – von Rotterdam aus weiter ausgebaut. Das Geschäft in Deutschland wird seit 1994|von Essen aus durch eine Holding-Gesellschaft fortgeführt.

  • Werke

    Der Eisenerz-District v. Bilbao, in: Stahl u. Eisen 2, 1982, S. 337-45;
    Die industrielle Entwicklung v. Bilbao u. Umgebung, ebd. 3, 1883, S. 552-54, 639.

  • Literatur

    Stahl u. Eisen 9, 1889, S. 637;
    D. N. Skillings jr., W. H. Muller S. A. Planning Major Iron Ore Expansion Program, in: Skillings' Mining Review v. 13.8.1977, S. 10-13. – Zu Gustav Henry: Stahl u. Eisen 33, 1913, S. 464 (P);
    Gazette de Hollande v. 22.2.1913 (üb. d. berühmte Orchideenslg.). - Zu Helene: Rijksmus. Kröller-Müller, hrsg. v. d. Kröller-Müller Stichting, 1973;
    E. Dickhoff, Essener Köpfe, 1985. – Zur Fam.: Westdt. Ahnentafeln I, hrsg. v. H. C. Scheibler u. K. Wülfrath, 1939, S. 171-246.

  • Autor/in

    Günter Bauhoff
  • Empfohlene Zitierweise

    Bauhoff, Günter, "Müller, Wilhelm Heinrich" in: Neue Deutsche Biographie 18 (1997), S. 485 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd137859449.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA