Lebensdaten
1913 bis 1991
Geburtsort
Jagstfeld bei Bad Friedrichshall (Württemberg)
Sterbeort
Schwäbisch Hall
Beruf/Funktion
liberaler Politiker
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 132435233 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Müller, Hermann

Objekt/Werk(nachweise)

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Zitierweise

Müller, Hermann, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd132435233.html [23.04.2019].

CC0

  • Genealogie

    V Friedrich (1877–1957), Verw.beamter in Bad F., dann Kreisamtmann in Neckarsulm, S d. Jakob, Bauer in Kochendorf b. Bad F., u. d. Rosine Schweizer;
    M Julie (1891–1967), T d. Hermann Leibfried, Brauereibes. in Jagstfeld, u. d. Marie Burger aus Sindelfingen;
    1949 Sigrid (* 1926), Stadträtin (FDP) in Sch., seit 1994 Kreisrätin, T d. Paul Rummel (1896–1945), Kaufm. in Sch., u. d. Eugenie Gutensohn (1900–87);
    3 S, 1 T, u. a. Friedrich Paul (* 1951), Rechtsanwalt in Stralsund, Reinhard (* 1952), Dr. rer. pol., bei d. Treuarbeit in Stuttgart, Herbert (* 1953), Dr. iur., Wirtschaftsprüfer in München.

  • Leben

    Nach dem Abitur am Heilbronner Realgymnasium und einem kaufmännischen Volontariat in Neckarsulm studierte M. Jura und Staatswissenschaften in Freiburg und Tübingen, wo er 1938 zum Dr. iur. promoviert wurde. Die Referendarzeit, u. a. in Stuttgart und Calw, wurde durch den Kriegseinsatz und die sich anschließende Kriegsgefangenschaft in England unterbrochen, so daß M. erst 1948 das Assessor-Examen ablegen konnte. Danach war er als kommissarischer und stellvertretender Landrat in Heilbronn tätig, ehe er Anfang 1949 zum Landrat in Schwäbisch Hall gewählt wurde. In dieser Position gewann M. durch den von ihm vorangetriebenen Wiederaufbau rasch großes Ansehen, so daß seine Wiederwahl im Dezember 1954 einstimmig erfolgte. Obwohl bis dahin parteilos, stellte ihn die baden-württ. FDP 1956 als Kandidaten für die Landtagswahl auf, bei der er mit einem Stimmenanteil von über 26 % als zweiter Direktkandidat in den Landtag einzog. Da er sich auch weiterhin mit Erfolg für das Hohenlohesche Gebiet einsetzte, blieb M. dort sehr populär und konnte drei weitere Male den Wahlkreis Schwäbisch Hall/Crailsheim mit Stimmenanteilen zwischen 34 und 42 % direkt für seine Partei gewinnen, ein bislang in der FDP unerreichter Rekord. Im Landtag war M. Sprecher seiner Fraktion in Finanz- und Haushaltsfragen. 1960 nominierte ihn die Partei bei der Bildung der ersten CDU-FDP-Koalition unter Kurt Georg Kiesinger für das Finanzministerium, wo er die Nachfolge seines Parteifreundes Karl Frank antrat.

    Während seiner sechsjährigen Amtszeit kümmerte sich M. besonders um die finanziellen Grundlagen der Städte und Gemeinden; unter seiner Ägide stiegen die finanziellen Zuwendungen des Landes an die Kommunen von 760 Mio. auf mehr als 1, 7 Mrd. DM, womit Baden-Württemberg unter den Ländern die Spitzenposition einnahm. Gleichzeitig versuchte er, die Verwaltung – u. a. durch die Einführung der EDV – zu effektivieren. Schließlich unterstützte M. engagiert die anlaufende Bildungsreform, indem er z. B. Mittel für den Ausbau des Hochschulwesens und den kostenlosen Transport von Fahrschülern bereitstellte. Gegen Ende seiner Amtszeit suchte M. die wachsenden Ausgaben des Landes zu begrenzen, konnte aber aufgrund der konjunkturellen Entwicklung ein größeres Defizit für das Haushaltsjahr 1967 nicht verhindern, welches ihm nach dem Regierungswechsel von der neuen CDU-SPD-Regierung persönlich angelastet wurde.

    Als nach dem Wechsel Kiesingers nach Bonn im Dezember 1966 eine Fortsetzung der Koalition mit der CDU vor allem an den Gegensätzen in der Schulpolitik scheiterte und die FDP in Baden-Württemberg erstmals seit 1945 in die Opposition gehen mußte, übernahm M. Anfang 1967 den Landesvorsitz seiner Partei. Ein Jahr später wurde er auch zum stellvertretenden Bundesvorsitzenden gewählt; 1968 übernahm er zusätzlich nach dem Tod von Walter Erbe dessen Amt als Landtagsvizepräsident. Seine Aufgabe als Landesvorsitzender sah M. vor allem darin, gegen die in Bonn und Stuttgart regierende Große Koalition in Abgrenzung zu den sich regenden extremen Kräfte rechts und links eine „Opposition der Sachargumente“ zu führen und andererseits seinen Landesverband in den nun anbrechenden Flügelkämpfen zwischen eher konservativen „Altliberalen“ und nach links drängenden „Sozialliberalen“ zusammenzuhalten. Dies gelang ihm in Baden-Württemberg, so daß die FDP bei der Landtagswahl 1968 mit 14, 4 % einen überraschenden Wahlerfolg erzielen konnte. Auf Bundesebene hat M. den Kurs des seit 1968 amtierenden FDP-Vorsitzenden Walter Scheel loyal mitgetragen und dessen Anbahnung einer sozial-liberalen Koalition gegen innerparteiliche Widerstände verteidigt, obwohl er nach Herkunft und Selbstverständnis kein „Sozialliberaler“ war.

    1970 trat M. in den Vorstand der Kreditanstalt für Wiederaufbau ein, deren Vorstandssprecher er 1973-79 war. Dafür gab er Anfang 1971 den Landesvorsitz und 1972 den stellvertretenden Bundesvorsitz ab, fungierte aber noch 1973-83 als Schatzmeister der baden-württ. FDP, welche ihn danach zum Ehrenvorsitzenden ernannte. – M. war ein später Vertreter derjenigen württ. Liberalen, die zumeist schon über die Familientradition mit der süddeutschen „Demokratie“ bzw. der „Süddeutschen Volkspartei“ verbunden waren und in Württemberg auch noch nach 1945 über einen starken politischen Rückhalt verfügten. Es war M.s Verdienst, daß in Baden-Württemberg der Übergang von der „altliberalen“ zur „sozial-liberalen“ Ära relativ reibungslos verlief, was die Stellung des Landesverbandes innerhalb der FDP erheblich stärkte.|

  • Auszeichnungen

    Gr. Bundesverdienstkreuz mit Stern (1969) u. Schulterband (1972), baden-württ. Vfg.medaille in Gold (1967), Verdienstmedaille d. Landes Baden-Württemberg (1978).

  • Werke

    Die Entstehung d. Gerichtsvfg.wesens, Diss. Tübingen 1939;
    Koordinierung u. Einheit d. Verw. auf d. Kreisebene, in: Die öffentl. Verw. 7, 1954, S. 114-17;
    Die Verstaatlichung d. Vollzugspolizei – e. staatspol. Notwendigkeit, ebd. 8, 1955, S. 79 f.;
    Läßt sich d. Verw. rationalisieren?, in: Das Rathaus 15, 1962, S. 205-08;
    Weiterentwicklung d. Finanzausgleichs, in: FDP-Landesverband Baden-Württemberg (Hrsg.), 100 J. Volkspartei 1864-1964, 1964, S. 41-47;
    Opposition d. Sachargumente, 1968. |

  • Nachlaß

    Nachlaß: Kreisarchiv Schwäbisch Hall u. Archiv d. Dt. Liberalismus, Gummersbach.

  • Literatur

    U. D. Adam, Pol. Liberalismus im dt. Südwesten, in: P. Rothmund u. E. R. Wiehn (Hrsg.), Die F.D.P./DVP in Baden- Württemberg u. ihre Gesch., 1979, S. 220-53;
    W. Hofmann, Die Zeit d. Reg.beteiligung, ebd., S. 255-80;
    H. Schneider, Der Landtag v. Baden-Württemberg seit 1952, in: Von d. Ständeverslg. z. demokrat. Parlament, Die Gesch. d. Volksvertretungen in Baden-Württemberg, 1982, S. 296-326;
    J. Morlock, in: Liberale Profile, 1983, S. 19-26;
    Hdb. d. Landtags v. Baden-Württemberg, 2. Wahlperiode, 1956 (P);
    J. Weik, MdL u. Landtagsgesch. v. Baden-Württemberg 1945-1984, 31984 (P). – Eigene Archivstud.

  • Autor/in

    Jürgen Frölich
  • Empfohlene Zitierweise

    Frölich, Jürgen, "Müller, Hermann" in: Neue Deutsche Biographie 18 (1997), S. 414 -415 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd132435233.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA