Lebensdaten
1853 bis 1917
Geburtsort
Schönau (seit 1914 Großschönau) Bezirk Schluckenau (Nordböhmen)
Sterbeort
Schönau (seit 1914 Großschönau) Bezirk Schluckenau (Nordböhmen)
Beruf/Funktion
Industrieller ; Erfinder
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 137766637 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Müller, Franz Joseph
  • Müller, Franz Josef

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Zitierweise

Müller, Franz Joseph, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd137766637.html [21.09.2019].

CC0

  • Genealogie

    V Johann Emanuel (1821–82), Fabrikschlosser in Schönau, S d. Franz Anton (* 1786), Reisender;
    M Maria Anna (* 1827), T d. Franz Anton Kittel (* 1787), Schneidermeister in Hainspach b. Schluckenau;
    Schönau 1882 Maria Magdalena (1861–1906), T d. Franz Strobach (1837–1919), Graveur, begründete 1872 e. Steindruckerei, Papier- u. Kartonagenfabr. in Schönau;
    1 T Maria (1882–1943, Laurenz Josef Müller, 1878–1904, Knopf- u. Metallwarenfabr. in Schönau);
    E Laurenz Franz Müller (* 1905), Dipl.-Ing., Geschäftsführer d. Fa. Hille & Müller in Düsseldorf.

  • Leben

    Nach dem Besuch der Volksschule und einer Schlosserlehre ging M. auf Wanderschaft. In den Werkstätten der Univ. Zürich erhielt er Anregungen zu technisch-wissenschaftlichen Untersuchungen. Als Werkmeister in Knopffabriken der Firmen Ernst in Löbau (Sachsen) und Dominik Liebisch in Schönau entwickelte er eigene Verfahren zur Oberflächenveredelung der zur Herstellung von Knöpfen verwendeten Bleche. Im Gewölbe eines Bauernhofes in Schönau begann M. mit Versuchen und erhielt Ende 1883 als erster in Österreich die Gewerbeerlaubnis zum „Betrieb der Galvanisierung von Zinkblech“. Zusammen mit dem Kaufmann Julius Josef Hille (1860–1946) gründete er 1885 im Ortsteil Leopoldsruh die Nickelblechfabrik Hille & Müller. Fabrikgebäude wurden in Niederschönau errichtet, ein mit Wasserkraft betriebenes Zweigwerk 1895 in Porschdorf Kr. Pirna (Sachsen) im Gebäude der dort vorher bestehenden Steindruckerei seines Schwiegervaters.

    M., eine ausgesprochene Erfindernatur, erhielt zahlreiche österr. und deutsche Patente (auch Gebrauchsmuster) auf seine Verfahren, Maschinen und Vorrichtungen. Er gilt als der Begründer der Nickelblechindustrie in Österreich-Ungarn. Schon vor der Jahrhundertwende faßte er den Gedanken einer Fließfertigung zur Herstellung endloser veredelter Metallbänder. Er lötete zwei Meter lange Zinkbleche zu Bändern zusammen, die auf gewünschte Breiten zugeschnitten wurden, und schuf damit die erste kontinuierliche Blechveredelung der Welt. Den entscheidenden Schritt zum Großunternehmen tat er 1905 durch die Gründung eines Werkes in Düsseldorf-Reisholz, wo er 1910 die Fließfertigung von veredeltem Bandstahl aufnahm. Die hochglanzpolierten Bänder mit Bandstärken von 0,1-2,0 mm und Bandbreiten bis zu 630 mm wurden galvanisch vernickelt, vermessingt, verchromt, verkupfert, verzinkt und lackiert. Die Firma Hille & Müller erreichte mit ihrem galvanisch veredelten Bandstahl nach DIN 1544 und 1624 eine auf dem Weltmarkt führende Stellung. Mit 2000 Beschäftigten wurden jährlich bis zu 250 000 t Stahl verarbeitet.

    Ein Enkel M.s, Laurenz Franz Müller, führte seit 1932 beim Ausbau des Betriebes in Reisholz Fertigungsverfahren ein, die noch heute weltweit angewendet werden. Seit 1945 leitete er als geschäftsführender Gesellschafter den Wiederaufbau des Unternehmens. Von den älteren Betrieben wurde das Stammwerk in Groß-Schönau mit der 1941 angeschlossenen Knopf- und Metallwarenfabrik 1945 durch die tschech. Behörden enteignet, desgleichen durch die DDR 1972 das Werk Porschdorf, das in das Hüttenkombinat Frankfurt/Odereingegliedert wurde. Andererseits erfolgten im Westen zahlreiche Übernahmen anderer Werke. Angeschlossen wurden 1974 bzw. 1975 die amerikan. Firmen Rafferty-Brown in East Longmeadow (Massachusetts) und Waterbury (Connecticut) sowie Thomas Steel-Strip Corporation in Warren (Ohio). 1976 kam ein Zweigwerk in Hilchenbach (Westfalen) hinzu, 1981 die Trierer Walzwerk GmbH in Trier und 1989 die Firma Thumann Stahl-Service in Schwelm (Westfalen).|

  • Auszeichnungen

    Ehrenbürger v. Schönau.

  • Literatur

    J. Fiedler, Heimatkde. d. pol. Bez. Schluckenau, 1898, S. 166, 245;
    Rumburger Ztg. v. 25.11.1913, 14. u. 19.6.1917;
    Dt. Ztg. Bohemia (Prag) v. 14.6.1917;
    F. Hantschel, Biogrr. dt. Industrieller aus Böhmen, 1920, S. 50;
    H. Tüffers, Hille & Müller, 100 J. im Dienste d. Stahlveredelung, in: Wirtsch.berr. 30, Nr. 19 v. 15.10.1955, S. 7 f.;
    J. Ruprecht, in: Schaffende Heimat, 1960, H. 5, S. 32;
    H. Blech, Fast 70 J. in Reisholz, in: Rhein. Post Nr. 167, Beil. v. 21.7.1973;
    D. Haas, Zur Feier standen Fließbänder still, ebd. Nr. 213 v. 13.9.1980;
    W. Pfeifer u. E. Marschner, Der Heimatkreis Schluckenau im nordböhm. Niederland, 1977, S. 183;
    ÖBL;
    Biographisches Lexikon Böhmen.

  • Portraits

    Sudetendt. Bildarchiv, München.

  • Autor/in

    Erhard Marschner
  • Empfohlene Zitierweise

    Marschner, Erhard, "Müller, Franz Joseph" in: Neue Deutsche Biographie 18 (1997), S. 373 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd137766637.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA