Lebensdaten
1892 bis 1963
Geburtsort
Berlin
Sterbeort
Kettwig/Ruhr
Beruf/Funktion
Waffentechniker ; Ingenieur
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 137765169 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Müller, Erich

Verknüpfungen

Von der Person ausgehende Verknüpfungen

Personen im NDB Artikel

Verknüpfungen zu anderen Personen wurden aus den Registerangaben von NDB und ADB übernommen und durch computerlinguistische Analyse und Identifikation gewonnen. Soweit möglich wird auf Artikel verwiesen, andernfalls auf das Digitalisat.

Orte

Symbole auf der Karte
Marker Geburtsort Geburtsort
Marker Wirkungsort Wirkungsort
Marker Sterbeort Sterbeort
Marker Begräbnisort Begräbnisort

Zitierweise

Müller, Erich, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd137765169.html [23.02.2019].

CC0

  • Genealogie

    V Paul Emil Theodor ( 1928), Eisenbahnbeamter d. mittleren Dienstes;
    M N. N.; ledig.

  • Leben

    M. besuchte 1901-09 die Werner-Siemens-Oberrealschule in Charlottenburg. Er verließ sie ohne Hochschulreife, um im Reichsbahn-Ausbesserungswerk Berlin-Grunewald 1909-11 als Praktikant zu arbeiten. Nach Vorbereitung in einem privaten Lehrinstitut legte er im August 1914 die Reifeprüfung ab und nahm dann als Freiwilliger und Reserveoffizier am 1. Weltkrieg teil. Im Februar 1919 begann M. ein Ingenieurstudium an der TH Berlin und bestand 1922 die Diplom-Hauptprüfung. Von Juli bis September dieses Jahres arbeitete er als Konstrukteur bei Borsig und anschließend als Assistent an der TH Berlin. Im Februar 1923 begann M. eine Ausbildung für den Dienst bei der Reichsbahn und legte Ende 1924 das 2. Staatsexamen ab, für das er mit dem Staatspreis ausgezeichnet wurde. Ein damit verbundenes Stipendium nutzte er für eine Reise in die USA, wo er sich bei Ford über moderne Verfahren zur Arbeitsprozeß-Rationalisierung informierte. Zunächst Regierungsbaumeister, wurde er 1926 zum Reichsbahnrat befördert, nach Königsberg versetzt und mit der technischen Leitung des dortigen Eisenbahnausbesserungswerkes beauftragt, in dem er ein rationelles Arbeitstakt-Verfahren einführte. Anschließend trat er in das Versuchslaboratorium der Reichsbahn ein. 1931 wurde er an der TH Berlin zum Dr.-Ing. promoviert und erhielt wiederum einen Staatspreis, den er für eine weitere Studienreise in die USA nutzte. 1932 wurde M. zum Leiter des Fahrzeug-Entwicklungs-Dezernats und 1934 zum Direktor des Reichsbahn-Werkes Berlin-Tempelhof ernannt.

    Auf Vermittlung des Generaldirektors der Reichsbahn, Julius Dorpmüller, trat M. im April 1935 in die Fried. Krupp AG ein, wo er ein Jahr später die Artillerie-Entwicklungsabteilung übernahm. Unter seiner Leitung entstanden hier in den folgenden Jahren bis zum Kriegsausbruch 31 neue Geschütztypen. Anfang 1936 erhielt M. Prokura, drei Monate später wurde er Abteilungsdirektor und Ende 1938 stellvertretender Direktor, 1941 stellvertretendes Vorstandsmitglied und im März 1943 Vorstandsmitglied. Damit war auch die Verantwortung für den technischen Bereich der Maschinenfabrik verbunden, wo die mechanischen Fertigungsbetriebe des Konzerns zusammengefaßt waren. Seine Aufgabe bestand vor allem darin, die durch Luftkriegsschäden stark behinderte Produktion aufrecht zu erhalten bzw. wieder in Gang zu bringen. Unzureichende Unterstützung durch das Rüstungsministerium und die Behörden, verbunden mit höchsten Produktionsforderungen führten zu Differenzen mit dem Ministerium, so daß M. diesen Aufgabenbereich Ende 1943 wieder aufgab. Auch der von M. mit vorbereitete Aufbau einer neuen Waffenproduktionsstätte bei Breslau, des „Berthawerks“, gab Anlaß zu Auseinandersetzungen mit dem Ministerium. M.s Bemühungen um die Organisation effizienter Fertigungsabläufe stand die schleppende Ausführung der Baumaßnahmen im Wege, wodurch sich der Beginn der Produktion und die Erreichung der geforderten Ausstoßhöhe verzögerten. Seit Ende 1943 widmete sich M. wieder ausschließlich der Entwicklung von Artillerie-Material. In der Zeit von 1939 bis zum Kriegsende bestimmte er maßgeblich die Entwicklung von 24 Geschütztypen, darunter die schweren Eisenbahngeschütze „Siegfried“ und „Dora“. Die Entwicklung des 80 cm-Geschützes „Dora“ erfolgte auf persönliche Anordnung Hitlers, der mit M. die Möglichkeit einer entsprechenden Konstruktion erörtert hatte. Dieses seinerzeit größte Geschütz der Welt erlangte zwar keine strategische Bedeutung mehr, setzte aber als Spitzenleistung der Waffentechnik Maßstäbe.

    M. gehörte mehreren Arbeitsgemeinschaften und Kommissionen aus Vertretern der Wirtschaft und der Behörden an. Seit Herbst 1940 leitete er den Waffen-Ausschuß des Ministeriums Todt. Meinungsverschiedenheiten über die Organisation der Waffenproduktion – Todt und sein Hauptdienstleiter Saur strebten eine Verteilung der Fertigung auf verschiedene Werke an, während M. für die Zusammenfassung in einem Werk eintrat – führten dazu, daß sich M. im Frühjahr 1942 aus dem Waffen-Ausschuß wieder zurückzog. Gleichzeitig wurde er jedoch von Todts Nachfolger Speer mit der Leitung der neugebildeten Waffen-Kommission beauftragt, die sich aber ausschließlich mit dem technischen Bereich der Waffenentwicklung zu beschäftigen hatte. Dieser Kommission gehörte M. bis zum Kriegsende an.

    M. war im Mai 1933 in die NSDAP eingetreten und einige Monate Mitglied der SA gewesen, trat aber politisch nicht in Erscheinung und blieb ausschließlich seinem Beruf als Techniker verpflichtet. Diese Haltung konnte allerdings die Verstrickung seiner Arbeit in die Politik nicht verhindern. Am 10.9.1945 wurde M. verhaftet und zusammen mit dem Firmeninhaber, Alfried Krupp v. Bohlen und Halbach, sowie 10 weiteren Mitarbeitern von einem amerikan. Militärgericht als Kriegsverbrecher angeklagt und im Juli 1948 zu 12 Jahren Haft verurteilt. Aufgrund eines Gnadenerlasses des amerikan. Hochkommissars McCloy Anfang 1951 vorzeitig entlassen, kehrte er nicht mehr ins Berufsleben zurück.|

  • Auszeichnungen

    Wehrwirtschaftsführer (1943), Prof.titel (1943).

  • Literatur

    Dr.-Ing. E. M., in: Archiv f. publizist. Arbeit v. 25.3.1943;
    W. A. Boelcke (Hrsg.), Dtld.s Rüstung im 2. Weltkrieg. Hitlers Konferenzen mit Albert Speer 1942-1945, 1969. – Eigene Archivstud. (Hist. Archiv Krupp, Essen).

  • Portraits

    Phot. (Hist. Archiv Krupp, Essen).

  • Autor/in

    Heinfried Voß
  • Empfohlene Zitierweise

    Voß, Heinfried, "Müller, Erich" in: Neue Deutsche Biographie 18 (1997), S. 360-361 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd137765169.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA