Lebensdaten
1776 bis 1821
Geburtsort
Karlsruhe
Sterbeort
Karlsruhe
Beruf/Funktion
Verleger ; Buchhändler ; Drucker
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 11771660X | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Müller, Christian Friedrich
  • Müller, C. F.

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Zitierweise

Müller, Christian Friedrich, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd11771660X.html [17.08.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Christian Andreas (1734–92), Hofbuchbinder in K;
    M Marie Elisabeth, T d. Hofratskanzlisten Christoph Burkhart;
    10 Geschw, u. a. Johann Carl (1766–1834), Jurist, Geh. Rat, Philipp Friedrich (1771–1844), Hofbuchbinder, begründete 1802 mit seinem Schwager Gerhard Gräff ( 1825) d. Fa. Müller & Gräff, heute Antiquariatsbuchhandlung in Stuttgart; – 1) Adelshofen b. Eppingen 1799 Wilhelmine Augusta (1767–1807), Schriftst. (s. L), T d. Pfarrers Michael Maisch (1737–1801) u. d. Wilhelmine Charlotte Treffz, 2) Rastatt 1808 Ernestine (1789–1844), übernahm nach M.s Tod d. Verlag, T d. Karl Joseph Bouginé (1735–97), ev. Theol., bad. Kirchenrat u. Gymnasialprof. (s. ADB 47), u. d. Johanne Eleonore Mylius ( 1784);
    8 K, u. a. Wilhelm (1815–90), Carl (1817–66), beide Inh. d. väterl. Firma;
    E Max (1849–1910), KR, Inh. d. C. F. Müllerschen Hofbuchhandlung (s. L);
    Ur-E Robert M.-Wirth (1898–1982), Verleger;
    Urur-E Christof M.-Wirth (* 1930), Verleger.

  • Leben

    M. lernte zunächst vom Vater das Buchbinderhandwerk und begab sich dann 1791 auf eine fünfjährige Wanderschaft, während der er u. a. in Stuttgart, Frankfurt und Prag vielfältige Kenntnisse im Buchhandel, Druckgewerbe und Verlagswesen erwarb. Nach dem Tod des Vaters war der 16jährige bereits imstande, seiner Mutter in Karlsruhe eine Leihbibliothek einzurichten. 1796 wurde er in seiner Vaterstadt als Bürger und Buchhändler amtlich angenommen, wodurch er den heftigen Widerstand seiner etablierten Kollegen Schmieder und Macklot hervorrief. Der lang anhaltende Streit um die Berechtigung zum Buchhandel wurde durch eine Verfügung des Mgf. Carl Friedrich von Baden beendet. Dieses Privileg vom 1.9.1797 gilt als Gründungsurkunde des Karlsruher Verlags C. F. Müller, der heute zur Hüthig-Gruppe gehört und 1994 an deren Sitz in Heidelberg verlegt wurde. Im Dezember 1799 verband M. seine Buchhandlung mit einer Druckerei, doch wegen der kriegerischen Zeitläufte war die Firma, 1800-03 nach Pforzheim ausgelagert, zunächst wenig erfolgreich. Nach der Rückkehr nach Karlsruhe konnte M. zunehmend Einfluß gewinnen in der vom Klein- zum Mittelstaat sich entwickelnden bad. Markgrafschaft, die 1806 zum Großherzogtum erhoben und um das Zehnfache vergrößert wurde. 1803 erhielt M. das Privileg zum Druck für das „Provinzialblatt der Badischen Markgravschaft“ und das Prädikat eines Hofbuchdruckers. In den folgenden Jahren erschienen bedeutende Gesetzgebungswerke in seinem Verlag; führende bad. Juristen konnten als Autoren gewonnen werden. 1804 wurde der Betrieb um eine Kupferdruckerei, 1813 um die nachmals berühmte C. F. Müllersche Lithographische Anstalt erweitert. 1815 wurde M. zum Hofbuchhändler ernannt. In dieser Zeitspanne wurden so wichtige Werke verlegt wie die „Sammlung der Landrechte … der Markgrafschaft Baden-Baden …“ und andere Rechtsordnungen (1805–06), der „Code Napoléon mit Zusäzen und Handelsgesezen als Land-Recht für das Großherzogthum Baden (1809 u. ö.), bearbeitet und in einem sechsbändigen Kommentar (1809–12) erläutert von Staatsrat Johann Nikolaus Friedrich Brauer, und die erste amtliche Karte Badens von Johann Gottfried Tulla (1812). Die von M.s erster Frau herausgegebenen Almanache „Taschenbuch für edle Weiber und Mädchen“ (1801-07) blieben jedoch, wie andere literarische Versuche dieser Zeit, Episode.

    Vorbildlich für die folgenden Generationen, die den Betrieb beträchtlich erweitern konnten, blieb die enge Zusammenarbeit mit bad. Verwaltungsbeamten und Wissenschaftlern als Autoren, zu denen – wenngleich erst postum – auch Johann Peter Hebel zählte. Das Badische Landrecht stand am Anfang gesetzlicher Definitionen der Autorenrechte in Deutschland, wenngleich es mit seiner Schutzfrist zu kurz griff: „Das Schrifteigenthum gedruckter Schriften erlöscht mit dem Tod des Eigenthümers, der sie in Verlag gab; jeder Besitzer kann alsdann einen Nachdruck veranstalten …“ Die Kenntnis dieser in seinem Verlag veröffentlichten Bestimmung mag M. dazu bewogen haben, um ein Privileg für eine Sammlung von Texten deutscher klassischer Schriftsteller nachzusuchen. Es wurde ihm gewährt, und 1814 begann er unter der Firma „Bureau der deutschen Classiker“ eine zum Schluß 173 Bände umfassende „Sammlung der vorzüglichsten deutschen Classiker“ herauszugeben. Sie erfreute sich bei den Lesern großer Beliebtheit, wurde aber von Leipziger Buchhändlern als Raubdruck gebrandmarkt. Dennoch bleibt zu betonen, daß diese erfolgreiche Vermarktung z. T. erst jüngst verstorbener Klassiker nach damaligem Recht legal war und nicht unwesentlich zu ihrer Verbreitung beitrug.

  • Literatur

    (M. Müller), Gesch. d. Ch. F. M.schen Hofbuchhandlung in Karlsruhe 1797-1897, 1897;
    Rob. Schmidt, Dt. Buchhändler, dt. Buchdrucker, 6 Bde., 1902-08 (Nachdr. 1977), S. 713 f.;
    J. H. Eckardt, Festgabe z. 50j. Bestehen d. Bad.-Pfälz. Buchhändler-Verbandes, 1925, S. 41-45 (P);
    D. Siebert, Aus d. Gesch. d. Verlages C. F. Müller, in: 150 Jahre C. F. Müller in Karlsruhe, 1947;
    Verlagswerke d. Verlages C. F. Müller, Karlsruhe 1797-1945, Eine Bibliogr., 1970;
    J. Stehling, Von d. Buchbinderei zum Verlag, C. F. M., 1978 (P);
    R. Fürst, Die Karlsruher Drucker u. Verleger v. Johann Peter Hebel u. C. F. Müller als d. Hebel-Verlag, 1990, S. 28-35;
    ders., Das „Bureau d. dt. Classiker“ in Karlsruhe, 2 T., 1991/92 (P);
    ders., „Für edle Weiber u. Mädchen“, Wilhelmine Müller geb. Maisch, Verfasserin u. Förderin d. Alm.lit. um 1800, 1995.

  • Portraits

    Lith., um 1813 (?), Abb. b. M. Müller, J. H. Eckardt, R. Fürst 1991 (s. L);
    Gem. im Bes. v. Christof M.-Wirth in Karlsruhe, Abb. b. J. Stehling (s. L).

  • Autor/in

    Rainer Fürst
  • Empfohlene Zitierweise

    Fürst, Rainer, "Müller, Christian Friedrich" in: Neue Deutsche Biographie 18 (1997), S. 349-350 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd11771660X.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA