Lebensdaten
1933 bis 1990
Geburtsort
Chemnitz
Sterbeort
Berlin
Beruf/Funktion
Schriftstellerin
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 118817663 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Schreck, Irmtraud (verheiratete 1954-1971, geschiedene)
  • Wiens, Irmtraud (verheiratete, 1971-um 1979, geschiedene)
  • Morgner, Irmtraud
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Zitierweise

Morgner, Irmtraud, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118817663.html [31.03.2020].

CC0

  • Genealogie

    V Johannes (* 1903) aus Reichenbach, Lokomotivführer, S d. Gustav (1866–1939), Schlosser u. Lokomotivführer in Ch., u. d. Clara Anke (* 1869) aus Dorfschellenberg b. Augustusburg (Sachsen);
    M Frieda Marie (* 1909), Schneiderin, T d. Paul Wilhelm Endig (1875–1949) aus Falkenau/Flöha, Zugführer in Plaue/Flöha, u. d. Selma Marie Uhlig (1878–1965) aus Grünberg b. Augustusburg;
    1) Karl-Marx-Stadt (Chemnitz) 1954 ( 1971) Joachim Schreck, Verlagslektor, 2) 1971 ( um 1979) Paul Wiens (1922–82) aus Königsberg (Ostpreußen), Schriftst., Chefredakteur d. Zs. „Sinn u. Form“ (s. Killy; Kürschner, Lit.-Kal. 1978);
    1 S.

  • Leben

    M. wuchs als Einzelkind in einem proletarischen Haushalt „ohne Bücher“ auf. Sie machte 1952 in Karl-Marx-Stadt (Chemnitz) das Abitur und studierte 1952-56 an der Univ. Leipzig Literaturwissenschaft u. a. bei Hans Mayer und Ernst Bloch. 1956-58 war sie Redaktionsassistentin bei der vom DDR-Schriftstellerverband herausgegebenen Zeitschrift „Neue Deutsche Literatur“ in Berlin, wo sie bis zu ihrem Tode als freie Schriftstellerin lebte.

    Die erste Erzählung „Das Signal steht auf Fahrt“ (1959) wie die folgenden zwei Prosaarbeiten sind sozialistisch-realistische Bilderbuchgeschichten mit gezielt lehrhaftem Pathos. 1964 schloß sie Freundschaft mit Sarah Kirsch und Karl Mickel. In den 60er Jahren bildete sich eine eigene Schreibweise heraus, z. T. in Romanen, die keine Druckerlaubnis erhielten, wie „Rumba auf einen Herbst“ (das beim Verlag verschollene Typoskript letzter Fassung von 1965 hat R. Bußmann aus dem Nachlaß rekonstruiert und 1992 veröffentlicht), bzw. erst später gedruckt wurden, wie „Die wundersamen Reisen Gustav des Weltfahrers, Lügenhafter Roman mit Kommentaren“ (1972). Im Roman „Hochzeit in Konstantinopel“ (1968) präsentiert sich M.s Literatur schon unverwechselbar in den Inhalten (Veränderung der „Sitten“ zwischen den Geschlechtern, Unbefangenheit in der Darstellung erotischer Sujets) und im Stil, einer Mischung aus märchenhafter Phantastik, groteskem Humor, sprachlichem Lakonismus und symbolisch-metaphorischer Verschlüsselung.

    Anfang der 70er Jahre reiste M. jeweils mit Paul Wiens nach Paris, Rom und Moskau. Mit dem nach längerer Verzögerung erschienenen umfangreichen Roman „Leben und Abenteuer der Trobadora Beatriz nach Zeugnissen ihrer Spielfrau Laura“ (1974) erreichte M. internationale Anerkennung; vor allem im Westen rühmte man sie als „Feministin der DDR“. 1977 wurde M. ins Präsidium des Schriftstellerverbandes gewählt, aus dem andere bekannte Autoren wegen ihres Protests gegen die Biermann-Ausbürgerung ausgeschlossen wurden. Nach längerer Krankheit erschien 1983 der Roman „Amanda“. Vorausgegangen waren eine mehrjährige Druckverzögerung und zahlreiche Änderungsauflagen. Dieser „Hexenroman“, als zweiter Band einer „Salman-Trilogie“ konzipiert, ist nicht mehr von der Heiterkeit und der utopischen Hoffnung des „Trobadora“-Textes bestimmt, sondern reflektiert poetisch die Spannung der Ost-West-Machtblöcke (Nachrüstungsbeschlüsse) und die Verschärfung der Situation innerhalb der DDR. Beide Salman-Romane handeln vom Eintritt der Frau in die Historie und führen eines der ersten Frauenpaare der Weltliteratur vor: Trobadora Beatriz de Día, die im 12. Jh. wirklich gelebt hat, praktiziert nach achthundertjährigem freiwilligem Zauberschlaf mit ihrer Spielfrau Laura Salman Frauen-Freundschaft und Solidarität. Im Roman von 1974 ist Beatriz Repräsentantin legendären weiblichen Geschichtsbewußtseins, große Poetin, aber auch liebende und leidende Frau, die vom Patriarchat in Paris und Ost-Berlin desillusioniert wird und ausgerechnet beim Fensterputzen zu Tode stürzt. In „Amanda“ wird sie in einer phantastischen Metamorphose als Sirenengestalt wieder ins Leben zurückgebracht. Als solcher ist es ihr auferlegt, den Weltfrieden herbeizusingen. Sie wird jedoch von widrigen Mächten verfolgt, eingesperrt, ihrer Zunge (Stimme) und ihres Romans beraubt, dessen Konzeption Lauras durch M. sie korrigieren will. Aus der resoluten DDR-Bürgerin Salman wird im „Amanda“-Text ein dem Eulenspiegel verwandter „weiblicher Querkopf“, der im Streit zwischen Oberteufel und Oberengel eine Teilung in zwei Hälften erleidet: in eine „brauchbare“ Laura, die ihre zwei Schichten schafft, und eine „unbrauchbare“ Amanda, die im Hörselberg Salonhure ist, aus Passion aber Hexe, die auf Umkehrung aller Verhältnisse sinnt. Drangsaliert von teuflischen und angelischen Instanzen (auch Sinnbilder für Staatssicherheit und Zensurbehörde), wissen sich beide Frauen aber zu behaupten. Sie sind, wie Beatriz, Ketzerinnen und haben als solche eine Potenz, die diese Welt zum Überleben braucht.

    Nach dem Erscheinen der beiden Romane unternahm M. zahlreiche Lesereisen in die Bundesrepublik, Österreich und die Schweiz. 1984 reiste sie zusammen mit der Schriftstellerin Helga Schütz in die USA zu Lesungen an verschiedenen Universitäten. 1986 nahm sie am Hamburger Frauenfestival teil. Im Wintersemester 1987/88 war sie Gastdozentin am Deutschen Seminar der Univ. Zürich. – Aus dem umfangreichen Nachlaß zum 3. Band der Trilogie wurde 1991 die kleine Liebesgeschichte „Die Schöne und das Tier“ veröffentlicht.|

  • Auszeichnungen

    Heinrich-Mann-Preis (1975), DDR-Nationalpreis (1977), Roswitha-Gedenkmedaille d. Stadt Gandersheim (1985), Kasseler Literaturpreis f. grotesken Humor (1989).

  • Werke

    Weitere W u. a. Ein Haus am Rand d. Stadt, 1962 (Roman);
    Notturno, Erz., in: Neue Texte, Alm. f. dt. Lit., 1964, S. 7-36;
    Gauklerlegende, Eine Spielfraungeschichte, 1970;
    Porträts v. Annemaxie Auer,|Günter Kunert, Ludwig Turek, in: Liebes- u. a. Erklärungen, Schriftst. üb. Schriftst., hrsg v. A. Voigtländer, 1972;
    Spielzeit, Erz., in: Der Weltkutscher u. a. Geschichten f. Kinder u. große Leute, hrsg. v. F. Beer, 1973;
    Zeitgemäß unzeitgemäß: Hrosvit, Dankrede b. Empfang d. Lit.preises d. Stadt Gandersheim, in: Neue Dt. Lit., 1986, H. 2, S. 126-28.

  • Literatur

    A. Auer, Trobadora unterwegs od. Schulung in Realismus, in: Sinn u. Form 1976, S. 1076-1106;
    P. A. Herminghouse, Die Frau u. d. Fantastische in d. neueren DDR-Lit., Der Fall I. M., in: Die Frau als Heldin u. Autorin, hrsg v. W. Paulsen, 1979, S. 248-66;
    E. Kaufmann, Der Hölle d. Zunge rausstrecken …, Der Weg d. Erzählerin I. M., in: Weimarer Btrr. 30, 1984, S. 1514-32 (P);
    G. Brinker-Gabler (Hrsg.), Dt. Lit. v. Frauen, II, 1988, S. 428-32;
    W. Emmerich, Kleine Lit.gesch. d. DDR 1945–88, 1989, S. 285 ff., 355-58;
    I. M. – Texte, Daten, Bilder, hrsg. v. M. Gerhardt, 1990 (W-Verz., L);
    I. M.s hexische Weltfahrt, hrsg. v. K. v. Soden, 1991;
    G. Scherer, Zw. „Bitterfeld“ u. „Orplid“, Zum literar. Werk I. M.s, Diss. Zürich 1992;
    H. Puknus, in: Krit. Lex. z. dt.sprach. Gegenwartslit., 39. Nachlieferung (W-Verz., L);
    R. Bußmann, Der aus d. Rippen geschnittene Mann, I. M.s literar. Vermächtnis, in: NZZ v. 6.5.1994, Fernausg. Nr. 104, S. 39 f. (P);
    S. Clason, Der Faustroman Trobadora Beatriz, Zur Goethe-Rezeption I. M.s, 1994;
    Kosch, Lit.-Lex.3;
    Killy;
    KLL2;
    Gorzny;
    DLB 75.

  • Portraits

    I. Ohlbaum, Fototermin, Gesichter d. dt. Lit., 1984.

  • Autor/in

    Marie Luise Gansberg
  • Empfohlene Zitierweise

    Gansberg, Marie Luise, "Morgner, Irmtraud" in: Neue Deutsche Biographie 18 (1997), S. 121-123 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118817663.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA