Lebensdaten
1766 – 1848
Geburtsort
Neckarsulm
Sterbeort
Wien
Beruf/Funktion
Komponist ; Musiker ; Geiger
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 123909260 | OGND | VIAF: 45221361
Namensvarianten
  • Molitor, Simon
  • Molitor
  • Molitor, Alois Franz Simon Josef
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Orte

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Zitierweise

Molitor, Simon, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd123909260.html [21.05.2022].

CC0

  • Genealogie

    V Johann Michael (1733-n. 1809), angebl. Kapellod. Konzertmeister d. Dt. Orden in Mergentheim, Präzeptor in N., S d. Michael u. d. Barbara Weber;
    M Maria Emerentia (* 1729), T d. Meisters Johannes Georg Linz in Ochsenfurt u. d. Margarethe Hueffschmitt;
    Ov Simon, Vorsteher d. kaiserl. Proviantamtes, später Oberkriegskommissär in W.;
    B Joseph Alois (1768-n. 1848), Feldkriegsprotokollist in W.; – ledig.

  • Biographische Darstellung

    Erste Unterweisungen in Klavier, Violine und Tonsatz erhielt M. von seinem Vater, der ihn zum Lehrer ausbilden lassen wollte. Nachdem er das Würzburger Studienseminar absolviert hatte und zeitweilig als Gehilfe seines Vaters in Neckarsulm tätig gewesen war, begann er ein unstetes Leben als Geigenvirtuose und zog als Musikant durch Deutschland und Südeuropa, spielte in verschiedenen Orchestern, gab Konzerte und komponierte. Gegen 1790 kam er nach Wien, wo er seine Kompositionsstudien fortsetzte. 1796/97 wirkte er, offenbar auch finanziell erfolgreich, als Orchesterdirektor in Venedig. Die Auswirkungen der Franz. Revolution auf Italien veranlaßten ihn zur Rückkehr nach Wien, wo er 1798 auf Vermittlung seines dort ansässigen Onkels und Taufpaten Simon Beamter des kaiserl. Kriegskommissariats wurde. 1799 und 1805 war er wahrscheinlich bei Feldzügen der Armee Erzhzg. Karls beteiligt. Dazwischen befand er sich auf Reisen durch Istrien, Dalmatien und Albanien und studierte, seit 1802 rangjüngster „Adjunkt der Garnisonsverpflegsverwaltung“, 1803/04 bei Georg Joseph (Abbé) Vogler Musik. Nach erfolgreicher Beamtenlaufbahn ging M. 1831 in Pension und widmete sich seitdem ausschließlich der Musik. Neben seinem eigenen kompositorischen Schaffen für verschiedene Vokal- und Instrumentalbesetzungen legte er, ähnlich wie sein Zeitgenosse, der Wiener Beamte und Musikforscher R. G. Kiesewetter, eine umfangreiche Musikaliensammlung an, die hauptsächlich aus Kammermusik für Streichinstrumente bestand. Sie wurde nach seinem Tod von Leopold v. Sonnleithner angekauft und später der Gesellschaft der Musikfreunde in Wien geschenkt. M. veranstaltete auch hervorragende Hausmusikabende, überwiegend mit Instrumentalmusik seit dem 16. Jh., und hatte dadurch engen Kontakt zu bedeutenden Persönlichkeiten des Wiener Kulturlebens.

    Als Musikhistoriker beschäftigte sich M. bis zu seinem Tod mit Materialsammlungen und Forschungen zur Geschichte der Wiener Hofkapelle und der Wiener Hofoper. Seine Aufzeichnungen, z. T. von Sonnleithner ergänzt, sind heute in der Österr. Nationalbibliothek zugänglich. Darüber hinaus war er einige Zeit Mitarbeiter der Leipziger Allgemeinen musikalischen Zeitung. Historische Bedeutung erlangte M. dadurch, daß er sich für die Aufnahme der Gitarre in den bürgerlichen Musikbetrieb einsetzte. Er beschäftigte sich als erster mit einer historischen Darstellung dieses Instrumentes, für das er in seiner 1799 erschienenen Gitarrenschule auch grundlegende, die zeitgenössischen Gitarristen beeinflussende Richtlinien für Notierung, Spielart und Technik erarbeitete. Seine zahlreichen, im allgemeinen weniger bedeutsamen Kompositionen fallen hauptsächlich in die früheren Jahre und haben lediglich auf dem Gebiet der Gitarrenmusik eine gewisse didaktische Geltung bewahren können; seine sieben Gitarre-Sonaten wurden 1919 in einen Sammelband „Alt Wiener Gitarrenmusik“ aufgenommen.

  • Werke

    Gedr. Kompositionen: Arie aus. d. Lustspiel „Der verliebte Verführer“, 1805;
    „Siegeslieder“ f. 3 Stimmen, 1800;
    Walzer f. Klavier op. 2, o. J.;
    2 Sonaten f. Gitarre u. Violine op. 3 u. 5, 1804/06;
    Trio f. Violine, Viola u. Gitarre op. 6, o. J.;
    Gr. Sonate f. Gitarre op. 7, 1807 (mit hist. Abh., P);
    2 Sonaten f. Gitarre op. 10 u. 11, 1809. – Ungedr. Kompositionen:Dt. Gesänge“ f. 1-3 Stimmen u. Klavier;
    zahlr. Lieder u. Männerchöre mit u. ohne Begleitung;
    Ouvertüre f. Orchester;
    5 Konzerte f. Violine u. Orchester;
    Konzert f. Klarinette u. Orchester;
    6 Streichquartette (Nr. 2 mit Klarinette statt 1. Violine);
    Adagio con Variazioni üb. „Blühe, liebes Veilchen“ f. Violine;
    2 Sonaten f. Gitarre op. 12 u. 15;
    Tanzmusik f. Orchester bzw. Klavier. – Gedr. Schrr.: Versuch e. vollst, method. Anleitung z. Gitarrespielen (mit W. Klingenbrunner, Ps. R. Klinger), 1799;
    Ehrenrettung d. weiland kaiserl. Hofcompositeurs in Wien Francesco Conti, in: Allg. musikal. Ztg. 40, 1838, S. 153 ff.;
    Bemerkungen z. Lebensgesch. Emanuels, gen. d. Baron v. Astorga, ebd. 41, 1839, S. 197 ff., 227 ff. – Autographe: Biogr. u. kunsthist. Stoffslgg. z. Musik in Österreich;
    Belegstücke z. Musikgesch.;
    Collectaneorum fragmenta pro condenda historia tam musices quam musicorum in Austria;
    Hofmusikstatus 1701-32;
    Die Kapelle b. St. Stephan (alles Wien, Österr. Nat.bibl.).

  • Literatur

    A. Fuchs, die musikal. Kunst-Slgg. in Wien, in: Caecilia, 1844, S. 49 f.;
    L. v. Sonnleithner, in: Recensionen u. Mitt. üb. Theater u. Musik, 1864, S. 435;
    J. Zuth, S. M. u. d. Wiener Gitarristik, Diss. Wien 1919;
    ders., Die Gitarre u. ihre Meister, 1923;
    A. Dürr, S. M., Magisterarbeit, Musikwiss. Seminar d. Univ. Tübingen, 1985 (W-Verz.);
    R. Eitner, Biogr.-bibliogr. Qu.-Lex. d. Musiker u. Musikgelehrten christl. Zeitrechnung bis Mitte d. 19. Jh., ²1959/60;
    Wurzbach 18 (W-Verz.);
    MGG (W-Verz., L, P);
    Riemann;
    ÖBL.

  • Autor/in

    Uwe Harten
  • Zitierweise

    Harten, Uwe, "Molitor, Simon" in: Neue Deutsche Biographie 17 (1994), S. 729 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd123909260.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA